Landgang in Porto: Auf den Spuren des Portweins

Ein holpriger Start:

Es ist kein Geheimnis, mein thematischer Heimathafen ist Schottland mit seinen unzähligen und mannigfaltigen Whisky Brennereien. Und doch stößt der passionierte Malthead bei seinen Reisen und Recherchen in der Welt des Whiskys immer wieder auf Verwandte und Bekannte. Fasstypen wie Pedro Ximenez, Oloroso Sherry oder Port gehören schon zum Standard und die Experimentierfreude der Brennereien kennt keine Grenzen, genau wie meine Entdeckungslust. Daher habe ich, als sich mir die Möglichkeit bot, kurzerhand einen Flug nach Porto gebucht, um mir einmal einen Überblick über den Portwein und seine Heimat zu verschaffen. Zugegeben, ich bin völlig plan- und ziellos losgezogen. Aber am Ende liegt ja gerade hier der Reiz! Begleitet mich auf meinen ersten Landgang und das erste mal „Fremdmarinieren“ nach Portugal in die Heimat des Portweins!

Zwei Tage vor Abflug: Die Kräfte schwinden, ich fühl mich schlecht. Ole Ole! Ich werde krank… ich könnte kotzen. Schlechte Wortwahl. Direkt vor dem Flug. War ja klar.

Bis zum Abflug bin ich unentschlossen, ob ich wirklich fliegen soll. Der Geiz (Flug und Airbnb sind bezahlt) und meine Neugierde lassen mich dann aber doch mit weichen Knien in den Flieger steigen (und nicht nur, weil ich wiedermal mit Ryanair fliegen muss). Krank in den Urlaub… Man könnte meinen es hat System. Aber zur Not lieg ich halt drei Tage im Airbnb Bett und schau aus dem Fenster. Hat auf den Orkneys auch schon super geklappt! Kaum aus dem Flieger gestiegen strahlt mich vom Flughafenboden die Werbung für die „caves de vinho do porto“ an. Dunkle Keller mit Eichenfässern…. Ok I´m hooked! Ich werde von meiner Freundin Ana am Flughafen mit vertrautem Skye-Schottisch empfangen (wir haben uns im Skyewalker Hostel kennengelernt, dem nerdigsten Hostel Schottlands… und deswegen eins der coolsten). 

Das Airbnb ist, wie so oft, ne Wucht. Ich erwache in einem wunderschön renoviertem Altbau in frischen Laken. In jedem Zimmer ist Stuck an der Decke… im Wohnzimmer
sogar aus Holz. Stuck aus Holz, ich wusste nicht einmal, dass es sowas gibt. Wie geil!

Dennoch: „Computer says no“. Fühle mich nach wie vor nicht fit. Egal: Wat mutt dat mutt! Ich wage die ersten Schritte durch die nähere Umgebung. Ich mag die bunten Fließen („azulejos“ wie ich später herausfinde) die viele Häuser schmücken. Einen kurzen Blick auf den nahegelegenen Friedhof kann ich mir auch nicht verkneifen.

 

Zweite Station des Tages ist Mittagessen mit Ana im „Daterra“ einem wunderbaren vegetarischem Restaurant mit SB-Buffet für 7,50 Euro! Das Wetter ist so semi-gut. Nieselregen. Hurra! Nach der guten Grundlage machen wir uns auf in Richtung Caves im Viertel Gaia (hier liegen die ganzen Weinkeller). Auf dem Weg bricht über uns die Hölle los. Ein geeigneter Zeitpunkt um festzustellen, dass meine Lederstiefel undicht sind. Völlig durchnässt kommen wir grade noch bis zu Sandemann. Einem der wohl kommerziellsten der Weinkeller wie es mir scheint. Aber zum Starten sicher keine schlechte Wahl. Man will ja Luft nach oben haben :D. Der Eintritt ist umsonst (Ana kennt die Dame am Tresen). Läuft. Meine Nase füllt sich mit dem Geruch des Caves und alle Sorgen um Schuhe, Gesundheit und Nässe sind vergessen. Der Mariner Spirit hat mich wieder! Wow! Wir betreten einen Tempel, keine Frage.

Über Portwein:

Das erste das ich über Port lerne: Portwein ist deshalb so süß, weil der Prozess der Gärung, bei der der Zucker in Alkohol umgewandelt wird (ähnlich dem Whiskyherstellungsprozess in den Washbacks) vorzeitig gestoppt wird, bevor der Zucker gänzlich umgewandelt ist. Dies wird durch die Zugabe von hochprozentigem (ca. 80 % Vol.) Weinbrand erreicht. Hierdurch bleibt viel des Fruchtzuckers im Port erhalten, der Alkoholgehalt steigt damit aber auf 19 – 22 % Vol. Dieses Verfahren nennt man „Fortifizieren“ oder „Aufspriten“ (englisch „fortified wine“).

Es gibt grob gesagt drei Sorten von Port.

Zum einen den weißen Port, der gekühlt als Aperitif zum Essen gereicht werden kann und von pappsüß bis trocken eine breites Spektrum aufweist. 

Dann haben wir den Ruby, einen süßen fruchtigen roten Port, der nach einer (für Port Verhältnisse) kurzen Reifezeit von zwei bis drei Jahren in großen Vats/Tanks gefiltert und trinkfertig in Flaschen abgefüllt wird. Mir persönlich sind die meisten Rubys schlicht zu süß. 

Die Tawny Ports sind eher nach meinem Geschmack. Sie werden länger gelagert und im Fass gereift und verlieren durch die Oxidation und den Kontakt mit dem Holz über die Jahre an Farbe (daher oft nicht mehr so dunkel wie Rubys). Sie nehmen außerdem (ähnlich wie Whisky nur nicht so intensiv) Aromen vom Holz auf und entwickeln hierbei nussartige und trockenfruchtige Aromen. Die Altersstufen sind hier mal eben 10, 20, 30 und 40 Jahre (außer bei gesonderten Jahrgängen). 

 

Ich hab mir die Möglichkeit nicht nehmen lassen einen Tawny von einem „Single Harvest“ also einer einzelnen Ernte (nicht verschnitten mit anderen Ernten) von 1965 zu verkosten. Wirklich ein Brett und deutlich besser als die „Standard Tawnys“ (ohne Altersangabe oder 10 Jahre). Wobei ich hier sagen muss, dass der Preisunterschied von ca. 20 Euro für einen Tawny 10 und 250 Euro für den 1965er sich jetzt für mich nicht im Glas halten konnte.

Was nicht heißt, dass man nicht mal was getrunken haben muss das älter als man selbst ist :D. Und saulecker war er trotzdem :). 

Das sind die Grundtypen und ab hier wird es komplizierter. Was ich vor Ort noch aufnehmen konnte (ohne Wikipedia Recherche), ist dass besonders gute Jahrgänge der Traubenernte an das Portweininstitut „O Instituto dos Vinhos do Douro e Porto“ geschickt werden. Diese werden, bei ausreichender Qualität als sog. Vintage Jahrgänge klassifiziert und dürfen dann als solche verkauft werden (Reisebericht zum Institut). Sie werden dann ungefiltert in Flaschen abgefüllt, die mindestens 10 Jahre liegend gelagert werden sollten, bevor sie geöffnet und getrunken werden. Dies ist der einzige Port, der in der Flasche nachreift und an Qualität gewinnt. Theoretisch kann man die kostbaren Buddeln natürlich auch vorher aufreißen und probieren. Ich hatte die Möglichkeit einen Vintage von 2011 zu probieren. Und selbst ich als Portwein Banause muss gestehen, dass das Zeug eine Wucht war. Hätte gern ne Flasche mitgenommen wenn sie nicht 95 Euro gekostet hätte :). Es gibt noch einige andere Varianten und Kategorien die ihr alle bei Wikipedia nachlesen könnt.

Insgesamt konnte ich bei meinem dreitägigen Portobesuch 4 verschiedene Caves (ausgesprochen „Kavsch“) besuchen. 

Sandeman: Gegründet 1790 vom Schotten George Sandeman. Wie gesagt eher etwas touristischer (die Tourguides rennen alle in den schwarzen Mänteln und Hüten rum, die übrigens die Verbindung zwischen Portugal und seinen studentischen Roben und dem spanischen Hut der „caballeros de Jerez“ symbolisieren sollen). Sandemann produziert eben sowohl Port, als auch Sherry, Brandy und Madeira. Die Standard Tour kostet 6 € (wenn man sie zahlen muss 😉 dafür kriegt man zwei zuckersüße Ports zum Schluss. Wie gesagt… Luft nach oben! 

Real Companhia Velha: Gegründet 1765, nach eigener Aussage die älteste Weingesellschaft Portugals. Etwas ab vom Schuss im Vergleich zu den anderen Kellern, aber einen Ausflug wert! 7,50 Euro für die „Vintage Tour“ mit Verkostung eines White Ports, eines Rose, eines 7 Jahre alten und 20 Jahre alten Tawny plus Besuch des Vintage Port Wein Kellers (Sollte man sich nicht entgehen lassen!)… geht preislich mehr als in Ordnung! Yeardropping: Das älteste Fass in dem noch Port reift ist von 1867, die älteste Flasche von 1827. Port aus einer Ära in der viele der heutigen alten Whisky Brennereien gegründet wurden! Von einem Whisky aus der Zeit können wir nur träumen! 

Taylor’s: Hier hat mir der White Port am besten geschmeckt… Könnte man sich glatt dran gewöhnen, immer wenn man auf eine Tour wartet so einen zu trinken ;). Taylor produziert im Gegensatz zu etwa Sandemann nur Port Wein. Laut Personal hat man, öffnet man einen Vintage Port von 1920, genau zwei Stunden Zeit ihn zu konsumieren bevor er kaputtoxidiert. Es gab hierbei wohl keine Schwierigkeiten ^^. 

 Last but not least: Cockburns (reißt euch zusammen wir müssen jetzt seriös und erwachsen sein), ausgesprochen „Couburns“. Mit 6000 Fässern der größte Keller in Porto. Die Tour gefiel mir paradoxerweise hier am besten. Lag wohl an der Tourguidess. Auch bei Cockburns gab es eine schottischen Vergangenheit. Obendrein hat Cockburns noch ihre eigene Böttcherei (da schlägt das Malthead Herz gleich noch höher!). Ab nächstem Jahr plant der Keller dies in die Tour mit einzubauen. 4 € für die Standardtour mit zwei Ports, dafür gabs aber für 5 € als Port des Monats den Vintage 2011er zu probieren… BOMBE! 

Alles in Allem fällt es mir schwer einen Favoriten zu wählen mein Bauchgefühl sagt aber, wenn man nur einen oder zwei Keller besuchen kann, nehmt nicht die die direkt am Wasser liegen mit dem höchsten Touri Faktor (Sandeman z.B.). Ich war jedenfalls restlos begeistert und hab mich prächtig amüsiert! Und bei dem ganzen Portwein hab ich dann auch irgendwann vergessen krank zu sein. Soviel zum Thema Alkohol ist ungesund ;D.

Slainte Freunde!


Euer Leon 

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