Distillery Review 12: GlenDronach und meine ersten Schritte

Moin Moin MaltHeads und MaltMaidens! Nachdem ihr bis November auf mich verzichten müsst, versuche ich, mich zumindest halbwegs regelmäßig auf dem Blog zu Wort zu melden. Das tue ich nun nach meiner ersten Arbeitswoche als Tour Guide bei GlenDronach und nutze die Gelegenheit, die Brennerei hiermit vorzustellen und ein kleines Besucher-Review zu verfassen. Ich bemühe mich dies aus meiner Rolle als Gast und Malthead zu tun, da ich die Brennerei in dieser Rolle im Oktober 2015 besuchen dürfte. Da ich nun aber bereits einige tiefere Eindrücke gesammelt habe, ist es gut möglich, dass ich die Brennerei etwas „härter rannehme“ als sonst üblich. Es soll ja nicht der Eindruck entstehen ich würde meinen neutralen Grund verlassen (daher auch so früh das Review, bevor ich all zu lange vor Ort arbeite). Ihr wisst ja wie es ist, je besser man eine Person kennt, desto mehr kennt man auch ihre Macken. 😉

Starten wir mit der Erreichbarkeit der Brennerei. GlenDronach liegt in Forgue in Aberdeenshire, die nächsten Häuser außerhalb der Brennerei liegen einige Kilometer außerhalb. Eine Übernachtungsmöglichkeit in Laufweite sucht man daher vergebens. Folglich muss die Brennerei mit dem Auto besucht werden, was in meinem Fall als Solo-Urlauber bedeutet, dass der obligatorische Dram am Schluss der Führung nicht im Bauch sondern im Rucksack landet. Seit dem die Gesetze zur zulässigen Grenze des Blutalkohols in Schottland auf 0,5 Promille gesenkt wurden, sind einige Brennereien dazu übergegangen ihre Ausgabe von Alkohol schärfer zu kontrollieren. So auch GlenDronach. Hier ist für den Fahrer nur die „Drivers Tour“ verfügbar, bedeutet dieser bekommt in der Brennerei keinen Alkohol ausgeschenkt. Ich persönlich finde das, insbesondere die schottischen Straßen im Blick habend,  verantwortungsvoll und richtig. Allerdings entstehen durch diese Kontroll-Politik Hürden für die Brennerei als auch für den zahlenden Gast. Damit der Fahrer nicht leer ausgeht, wird diesem ein sog. „Drivers Dram“ (ein 5 cl Fläschchen) überreicht. Dieses ist mit korrekten 2 cl befüllt, was in der entsprechenden Flasche einen etwas knausrigen Eindruck machen kann. Außerdem hat der Gast bei den Touren mit mehreren Verkostungsproben nicht die Möglichkeit diese abfüllen zu lassen. Ein Problem vor dem alle schottischen Brennereien stehen. Einige sind mittlerweile dazu übergegangen sogenannte „Drivers Packs“ zu verkaufen, zu meist recht hässliche Plasiktäschchen mit Plastikfläschchen, die aussehen wie Reisehygiene Artikel aus einem Ein-Euro-Laden. Ich habe diese Undinge bei einigen Brennereien aus dem Hause Pernod Ricard gesehen und halte, wie ihr sicher hören könnt, reichlich wenig davon. Insbesondere, da der Gast hier aufgefordert wird dafür zu bezahlen (echt jetzt Leute… wenn ich schon Geld auf den Tisch lege, will ich GLASFlaschen…). Aber ich schweife ab :). Die Sample Fläschchen bei GlenDronach sind schließlich, dem qualitativ hochwertigem Produkt entsprechend, aus Glas. Nachtrag: Mittlerweile sind die Fläschchen der Drivers Packs von Pernod Ricard aus Glas! Daumen hoch dafür!

Mein damaliger Tour Guide Theresa führte uns durch die Brennerei und bereits bei der obligatorischen „Health & Safety“-Einführung stieß ich auf eine kleine Enttäuschung. „No pictures inside the distillery please“. Eine rigide Foto-Politik die ich von Diageo-Brennereien gewohnt bin, hatte ich bei GlenDronach ehrlich gesagt nicht erwartet. Ich habe bereits bei unterschiedlichen Brennereien (vergeblich) versucht herauszufinden, woher eine solche Firmenpolitik rührt, erhielt aber auch bei GlenDronach die selbe knappe Begründung „…company policy“. Nachtrag: Auf Grund der „silent season“, des P1040420mehrwöchigen Produktionsstops konnte ich dennoch ein paar Bilder in den Produktionsräumen schießen. GlenDronach gehört gemeinsam mit Glenglassaugh zur Mutter-Brennerei BenRiach (BenRiach Distillery Company) und genießt in Deutschland wegen ihrer Abfüllungen (zu recht) einen äußerst guten und alternativen Ruf (Nachtrag: Mittlerweile wurde die BenRiach Distillery Company an den US-Großkonzern Brown Forman verkauft, wir dürfen gespannt sein, welche Auswirkungen das auf die Qualität der Brennereien haben wird). Dazu später mehr. Um so enttäuschender war es für mich, dass ich die Kamera im Auto lassen sollte. Mit Whisky ist es eben wie mit allen Dingen im Leben: Je höher die Erwartung/Ansprüche, desto kritischer der Blick. Fairerweise sollte an dieser Stelle aber angemerkt werden, dass die meisten Brennereien in der Speyside und den benachbarten Highlands keine Fotos mehr zulassen (Glenfarclas und Glen Garioch seien hier als Ausnahmen hervorgehoben). Die Tour selbst war sehr gut geführt, authentisch und mit reichlich schottischem Humor gewürzt. Die Maltingfloors und der Kiln (Ofen zum Trocknen der gemälzten Gerste) wurden 1996 eingemottet und dienen heute noch als Demonstrationsobjekte zur Erläuterung des Produktionsprozesses. Die Gebäude der Brennerei sind wirklich äußerst schön anzusehen und versprühen einP1040428 authentisches Flair. Der kleine friedlich wirkende „Dronac Burn“, nach dem die Brennerei benannt wurde (Glen-Dronach = Tal der Brombeeren), plätschert munter durch das Brennereigelände, das vor seiner Zeit eine Mühle beherbergte. Der kleine Fluss kann jedoch auch anders, was die zahlreichen Flutschutztore an allen Gebäuden erahnen lassen.

Die Tour endete für mich ebenfalls mit einer kleinen Enttäuschung. Keine Warehousebesichtigung. Denjenigen unter Euch, die noch nie das Vergnügen hatten eine schottische Brennerei zu besuchen, sei gesagt, dass man sich der Magie dieser Orte nur schwer entziehen kann. Mir jedenfalls läuft auch nach über 30 Brennerei-Besuchen immer noch ein angenehmer Schauer den Rücken herunter, wenn ich einen dieser Tempel des zeitlosen Friedens betrete. Das Einatmen des „Angel Shares“ (Anteil der Engel), der durch das Atmen der Fässer und Verdunsten des reifenden Whiskys entsteht, ist ein unbeschreibliches Erlebnis. Lediglich die Connoiseurs Tour besucht das Warehouse. Eines der wundervollen Dunnage Warehouses liegt direkt neben dem Visitor Center, das man durch ein kleines Glasfenster bestaunen kann. Ich persönlich finde es immer sehr schade, wenn man durch Glas von den Fässern getrennt wird. Einige Brennereien haben zumindest „Käfige“, also Bereiche in denen man durch Gitterstäbe die Fässer bestaunen kann. Immer noch besser in meinen Augen, da man hier zumindest nicht des Angel Shares beraubt wird.

Nun sind wir wieder im Besucherzentrum und stehen vor der Range der Brennerei die gemeinsam mit einigen BenRiach Abfüllungen im Regal aufgereiht ist. Sprechen wir also etwas über den Whisky. Fakt ist, ich bin ein Riesenfan der GlenDronach Whiskys und habe nach einer Woche vor Ort bereits mehr Whisky gekauft, als ich Geld verdient habe ;). Aber schließlich will ich ja als verantwortungsvoller Tour-Guide meine Produkte kennen nicht wahr? GlenDronach, ebenso wie seine Geschwisterbrennereien Glenglassaugh und BenRiach fahren eine strikte „non-chillfiltered & natural color“-Politik, was ich als Whisky-Geek mehr als nur gutheiße. Hinzu kommt, dass GlenDronach bislang vorwiegend Whiskies mit Altersangabe im Angebot hat. Lediglich der neue „Peated“ (ein leicht getorfter Malt) und die Cask Strength Abfüllungen sind sog. NAS Whiskys (No Age Statement, Whiskys ohne Altersangabe). Auf Grund der knappen Lagerbestände in denmeisten schottischen Lagerhäusern gehen immer mehr Brennereien dazu über, ihre „Standardabfüllungen“ (meist 10 oder 12 Jahre alte Whiskys) durch NAS Whiskys ersetzen, um hier jüngere Fässer einzumischen (ein vieldiskutiertes Thema in der Szene, das ich ausführlicher hier behandle). Ich erwähne dies, weil GlenDronach bei der Einführung einer jüngeren Abfüllung, dem Hielan darauf verzichtet hat, diesen als NAS Whisky auf den Markt zu bringen und ihn statt dessen ehrlicherweise mit den 8 Jahren auszuschreiben, die die jüngsten Fässer in dieser Abfüllung auf dem Buckel haben. So manch eine Brennerei hätte hier sicher einen NAS Whisky draus gemacht, aus Angst die 8 Jahre würden den Käufer verschrecken. Doch auch GlenDronach bleibt vom Whisky-Boom nicht „verschont“ (nicht, dass die Brennerei darunter leiden würde, im Gegenteil ^^). Der 15jährige Revival ist nun restlos ausverkauft (der letzte Karton verließ die Brennerei letzten Mittwoch). Nachdem der Revival in Deutschland in teils lächerliche Preisetagen geklettert war, machte ich natürlich große Augen, als ich feststellte, dass dieser noch im Shop zu haben war. Der Rabatt, den Mitarbeiter, auf hauseigene Produkte bekommen, galt jedoch nicht für diese Restbestände. So zahlte ich eben den vollen Preis (jeweils 54 Pfund entspricht round about 72 Euro) für zwei Buddeln, denn diesen Whisky will man einfach für „schlechte Zeiten“ im Regal stehen haben :).

Sollte bis hier der Eindruck entstanden sein, dass ich meine Entscheidung nach Schottland zu gehen und für GlenDronach zu arbeiten, bereue so kann ich nur sagen: Weit gefehlt.

Ich bin äußerst dankbar die Gelegenheit zu bekommen, für eine hochkarätige Brennerei wie GlenDronach zu arbeiten. Ich kann mit gutem Gewissen unsere Range an Whiskys präsentieren und empfehlen, da ich bereits vor meinem Arbeitsbeginn von deren Qualität überzeugt war. Ja es regnet seit ich angekommen bin und ja der Lebensstandard in Schottland liegt weiter unter dem deutschen… Aber wisst ihr was? Ich verdiene mein tägliches Brot damit über Whisky zu sprechen und einen verdammt guten noch dazu. Und jeder der mich einmal über Whisky hat sprechen sehen, weiß was das bedeutet. Gestern war ich zum Samstag-Nachmittag-Ausflug eine weitere Brennerei besuchen und anschließend in Tomintoul in den Highlands… Nein Freunde der Sonne. Von Enttäuschung kann keine Rede sein. Schottland drückt mir nach wie vor täglich ein Lächeln ins Gesicht und ich denke mir immer wieder „Ich liebe mein Leben“. Und ein ums andere Mal merke ich als Kind eines überzivilisierten Landes… „The most perfect things in life are… well… not perfect!“

Fazit:

GlenDronach weißt strukturell einige Schwächen auf, was die Brennerei keineswegs weniger besuchenswert macht. Die Qualität der Whiskys spricht für sich und der Ort, an dem sie entstehen ist heilig. Organisatorisch hat die Brennerei Luft nach oben, das Personal im Visitor Center gibt sich aber alle Mühe dies auszugleichen. Wer die Whiskys mag, der sollte unbedingt vorbei schauen. Bis Oktober, könnt ihr auch mich dort noch besuchen ;).

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Stand April 2016):

Eigentümer: BenRiach Distillery Company Ltd.

Gegründet: 1826, James Allardice

Produktionsvolumen pro Jahr: 1,300.000 Liter

Stills: 2 Wash Stills, 2 Spirit Stills

Adresse: Forgue, near Huntly, Aberdeenshire, Scotland
Region: Highlands

Aussprache: Glendronach

Erreichbar: Mit dem Auto

Link: http://glendronachdistillery.co.uk/

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