Captains drams today… Balblair 12 und 15 (neue Range)

Balblair 12 und Balblair 15 Single Malt Scotch Whisky Review Malt Mariners
Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder

Heute habe ich zwei Samples der neuen Balblair Abfüllungen vor mir. Eine schwierige Aufgabe für jemand wie mich, der die Brennerei Balblair seit dem Besuch liebt und verehrt. Warum ist diese Verkostung für mich so wichtig und gleichzeitig kritisch? Balblair war bis vor Kurzem die einzige Brennerei Schottlands (Glenrothes hatte zeitweise mitgehalten) die mit sog. Vintage Abfüllungen arbeitete, also die Whiskys nicht nach Alter sondern nach Jahrgang (Destillationsjahr und Abfülljahr) abfüllte. Das ist für sich allein genommen, noch kein Qualitätsmerkmal, aber mir gefiel der Ansatz in Kombination mit dem tollen Flaschendesign sehr sehr gut. Ihr merkt, ich schreibe in der Vergangenheit. Den kürzlich wurde die Umstellung des Sortiments bekanntgegeben und nun werden die Abfüllungen von Balblair in neuem Design (siehe Bild) und mit einer regulären Altersangabe vermarktet. Mir missfiel diese Entwicklung von Vornherein, da ich so ein Fan des alten Flaschendesigns bin. Lange Rede kurzer Sinn: Ich gehe sehr kritisch an die Proben des „neuen“ 12 und 15 Jahre alten Balblairs heran.

Rahmendaten Balbair 12:
Alter: 12 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Double Fired American Oak“, was wohl Virgin Oak bedeuten soll, oder aber auch stark ausgebrannte Ex-Bourbonfässer sein könnten.
Preis: 45 – 50 €

In der Nase wirkt der 12-jährige Balblair recht sauer und spritzig. Soweit nicht all zu ungewöhnlich, eine gewisse sauer-bittre Note Richtung Grapefuit und Orangenzeste bin ich von Balblair-Bourbonfässern gewohnt. Dazu mischt sich allerdings eine vergorene Note, die stark an Weißwein erinnert. In Ansätzen hatte ich die beim 2003er Balblair auch, aber nicht so extrem. Dazu kommt eine zarte Puderzuckernote, die evtl. aus frischer Eiche stammen könnte. Alles in allem der Balblair aber sehr hell im Glas, was auf Grund der natürliche Farbe eher gegen frische Eiche spricht, die massiv schnell Farbe an den Whisky abgeben kann.

Am Gaumen finden sich die gleichen Aromen wieder. Auch den scharfen Antritt bin ich zwar von Balblair gewohnt, die geringe Komplexität ist doch recht enttäuschend. Süß-sauer wirkt der Whisky auf der Zunge. Nicht unangenehm aber eben auch nicht wirklich überzeugend.

Das Finish ist extrem kurz. 12-jährige Bourbonfässer sind nun nicht dafür bekannt ein atemberaubend langes Finish zu liefern, dennoch erwarte ich mir für den amtlichen Preis hier deutlich mehr.

Als Referenz schenke ich mir einen Handfilled (Single Cask) ein, ebenfalls Bourbon Cask und wässre ihn von der Fassstärke in etwa auf 46 % vol. herunter. Die Unterschiede sind (nicht überraschend) bezeichnend. Die deutlich intensivere Süße und der goldene Farbton beim Handfilled sprechen Bände über das Fass in Relation zu den im 12er verwendeten Fässern. Klar: Einen Single Cask Handfilled für 100 £ die Buddel und einen 12 Jahre alten Standard zum halben Preis zu vergleichen ist unfair. Mir geht es nur darum als Referenz das Potential der Brennerei für mich nochmal abzubilden. Und das ist zweifelsohne vorhanden, sonst wäre ich nie so ein großer Fan geworden.

Fazit Verkostung des Balblair 12 Jahre: Wer mich kennt, der weiß: Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen, besonders wenn es darum geht, eine geliebte Whisky-Marke aufzuwerten. In diesem Fall behält meine Skepsis leider recht, zumindest in der Momentaufnahme. Der neue Balblair steigt mit einem sehr hohen Preis in den Markt ein und liefert dafür aus meiner Sicht nicht wirklich was er verspricht bzw. was er könnte. Ich verstehe nicht ganz, warum man hier nicht wirklich ein paar anständige Virgin Oak Fässer zum „Aufpolieren“ verwendet hat, oder aber (noch besser) einfach gute Bourbonfässer. Mich hat dieser Balblair jedenfalls nicht überzeugen können und ich habe fast Angst davon mich dem 15 Jahre alten Sample zu widmen. Der steigt nämlich mit gut 75 € ein.

Alternative Empfehlung:
Als offensichtliche Empfehlung bietet sich solange noch zu haben eine Vintage Abfüllung von Balblair 2005 an, die derzeit noch online für um die 40 € gibt, die in meiner Erinnerung trotz Jahre weniger besser sind, als der neue 12er.
Als generelle Alternativen zu einem hellfruchtigen Whisky mit 46 % vol. würde ich definitiv den Arran 10 Jahre empfehlen, den man für nur 30 € einfach bekommen kann. Wer etwas mehr Komplexität sucht kann mit Deanston 12 Jahre, Clynelish 14 oder Tobermory 10 nichts verkehrt machen. Alle haben einen Bourbonfass-Fokus und kosten nicht mehr als 40 € und haben 46(,3) % vol. In dieser Gesellschaft kann der neue Balblair 12 meiner Meinung nach leider nicht bestehen.

Rahmendaten Balblair 15:
Alter: 15 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Finish in First Fill Spanish Oak Butts“.
Preis: ~ 75 €

Now we’re talking! In der Nase zeigt sich eine saftige Orangenzeste, die mein seltsames Hirn „vergoldet“. Eine deutlich Note von Himbeer-Sahnetorte mischt sich dazu. Die intensiven süßen Zitrusnoten erinnern mich an Sauternes Wein. Eine sehr ansprechende Nase! Die Sherryfässer bringen eine schöne Würze und Fruchtigkeit dazu.

Am Gaumen bringt der kräftige Antritt Brausestangen und ein cremiges Fruchtkompott auf Ballet. Nach der schwachen Performance des 12ers bin ich positiv überrascht.

Der Abgang bleibt etwas bitter, aber im Rahmen. Ausgeglichen, mittellang und angenehm.

Fazit Verkostung des Balblair 15 Jahre: Dies ist ein Balblair nach meinem Geschmack, den ich allein genommen wohl als sehr gut bewerten würde. Ich mag die Kombination von Bourbon- und Sherryfässern bei Balblair. 75 € ist nicht wenig für einen 15 Jahre alten Whisky. Für mich kratzt der 15er preislich an der Grenze des Machbaren, da er mir aber gefällt würde ich ihn mir sogar zulegen. Aber mein letzter Balblair war ein Geschenk meiner Freundin, der Vintage 1999 und damit ein mindestens 16 Jahre alter Whisky, ebenfalls in Sherry und Bourbonfässern ausgebaut. Das war eine Literflasche für rund 60 € zu haben. Vergleichen wir die beiden miteinander, steht leider auch der 15er Balblair preislich in keinem guten Licht. Ich bleibe aber bei meiner Einschätzung, dass der neue 15er Balblair für mich ein guter Whisky ist, den ich gern trinken würde und ggf. mir sogar beizeiten eine Flasche anschaffe (wenn ich keine alten Vintages mehr bekommen kann ;).

Mich würden Eure Meinungen zu der neuen Range sehr interessieren und wie die einzelnen Abfüllungen bei Euch ankommen.

Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder

Ein Gedanke zu “Captains drams today… Balblair 12 und 15 (neue Range)

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