Distillery Review 29: Borders Distillery – The middle of the road

Borders Distillery Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Diesen Mai hab ich mir mal wieder einen Schottland Trip gegönnt, um ein paar Lücken in meiner „Brennereien-Sammlerwahn-Liste“ zu schließen. Besonders die Lowlands geben mir glücklicherweise viel zu tun! Eine der jungen Whisky-Produzenten, die ich bislang nicht erreicht hatte, war die Borders Distillery im kleinen Lowland Örtchen Hawick (ausgesprochen „Hoik“, HOIK! Klingt wie ein Schluckauf). In knapp 1,5 Stunden ist die Brennerei mit dem Auto von Edinburgh-Zentrum zu erreichen. Mit im Gepäck hatte ich meinen guten Freund und Malt Mate Michael Cooper. 2014 kam uns auf dem Calton Hill in Edinburgh die Idee für eigene Whisky Tastings. Malt Mariners war geboren! Aber ich schweife ab. Der Weg zur Brennerei fühlte sich für mich wie eine Reise in den Süden an, also nach England. Die Landschaft wird „englischer“, je näher man den Scottish Borders kommt. Ich hab mir spaßeshalber mal überlegt, warum sich das für uns überhaupt so angefühlt hat. Ein gravierender Unterschied der uns auffiel: Hier werden Hecken und Büsche zur Abgrenzung der Weiden und Grundstücke verwendetet, statt Steinmauern. AHA! Es sind eben doch die kleinen, feinen Unterschiede, die ein Land ausmachen. Gut gelaunt kamen wir also bei der Brennerei an. Die Borders Distillery ist noch sehr jung, erst 2016 war Baubeginn mit dem Abschluss im März 2018. Seit dem fließt glasklarer Rohbrand von den kupfernen Pot Stills. 1837 schloss die letzte Brennerei in der Region ihre Pforten. Verwunderlich, dass es nun einen neue Whisky-Produzenten in dem eher nichtssagenden Gebiet gibt, ist es also nicht. Schließlich hat der Whisky-Boom vor allem die schottischen Lowlands in eine Art Goldgräberstimmung versetzt. 10 Millionen Pfund hat die Borders Distillery gekostet und ist im Besitz der Firma „The Three Stills“.

Besuch der Brennerei

Borders Distillery Visitor Center Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Gebäude der Brennerei sind ein guten Beispiel für den modernen Gebäude-Stil junger schottischer Brennereien. Alles ist gut strukturiert. Für meinen Geschmack wirkt hier alles etwas zu glatt und zu grade. Es ist nett und hell, mir fehlt ein wenig der eigene einprägsame Charakter. Ich habe nun eine Menge neue Brennereien in Schottland gesehen und suche mittlerweile bewusst nach Alleinstellungsmerkmalen und Besonderheiten. Der besagte Whisky-Boom scheint eine große Masse von Investoren anzulocken, die alle das große Geld in diesem Sektor zu wittern scheinen. Damit stellt sich für mich bei einem neuen Projekt immer die Frage: „Was bringt diese Brennerei Neues mit, wie ergänzt und bereichert die Brennerei die Whisky-Landschaft“. Diese Frage bleibt die Borders Distillery in meinen Augen irgendwie schuldig, zumindest aus Sicht eines vielreisenden Besuchers. Die Tour wird von einem netten lokalen Jungen geführt, der zügig durch den Prozess geht. Man versteht ihn leider nicht so gut, die Geräuschkulisse der Brennerei ist wie so oft hinderlich. Das Holzmodell der Brennerei zu Beginn der Führung ist aber knuffig und bietet einen guten Überblick.

Borders Distillery Washbacks Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Borders bemüht sich um einen klassisch leichten Lowland-Stil. Die Fermentationszeit ist entsprechend lang, zwischen 72 und 120 Stunden. Die Washbacks aus Edelstahl unterstreichen für mich das sterile Feeling. Das Still Room ist dennoch auch hier ein Highlight. Hier wird (üblich für die Neuankömmlinge in der Szene) auch Gin und Wodka gebrannt, um den Weg zum Whisky finanziell zu überbrücken. Die 4 kupfernen Pot Stills aus dem Hause Forsyths produzieren derzeit rund 1,8 Millionen Liter im Jahr, eine beachtliche Menge für die kleine Brennerei.

Borders Distillery Pot Stills Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Führung beinhaltet kein Warehouse, da die Brennerei derzeit keine eigenen besitzt. Es kommen wohl in der Zukunft eigene dazu. Ohne eigene Lagerhäuser in die Produktion zu gehen ist ein Trend neuer Brennereien, der bei mir große Widerstände hervorruft. Ohne Lagerhäuser, die aromatischen Tempel und heiligen Stätten jeder Whisky-Destille, wirkt die Brennerei nur wie eine schicke Alkohol-Fabrik. Gut wenn wir Whisky-Enthusiasten ehrlich zu uns sind, ist jede Whisky-Destille eben auch „nur“ das. Dennoch fehlt mir der sensorische Eindruck. Auch bei Torabhaig fiel mir dies negativ auf. Die junge Brennerei auf der Insel Skye kann dies jedoch mit einer schönen Location und optisch (für mich) ansprechenderen Gebäuden kompensieren.

Borders Distillery Spirits Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Tour endet im Tasting-Room, wo wir einen Blended Scotch, Blended Malt, den Rohbrand und den Gin und Wodka aus dem Hause probieren dürfen. Mich interessiert vor allem der Newmake, der Rohbrand der Brennerei, um mir ein Puzzlestück des späteren Whiskys ansehen zu können. Und hier muss ich wirklich ein großes Lob an die Brennerei aussprechen. Die New Make ist fantastisch! Enorm süffig, sehr süß, getreidig und leicht floral, fast parfümiert. Man möchte ihn einfach so pur trinken. In großen Mengen! Zum Glück muss ich fahren und widerstehe der Versuchung. Alle Achtung Borders! Die Perspektive auf den zukünftigen Single Malt Whisky ist also gut. Der wird wohl frühestens 2023 den Markt bereichern. Leider verkauft die Brennerei diesen Rohbrand im Visitor Center nur in 70 cl Flaschen zu stolzen 50 Pfund. Ein strategisch unkluger Schachzug wie ich finde. Die meisten Brennereien gehen hier den Weg über 20 cl Fläschchen. Dieser Ansatz gefällt mir deutlich besser, denn wer eine Kostprobe des Rohbrands haben möchte, dem reicht eine kleine Flasche meist.

Verwirrung um den „Borders Whisky“

Ich lerne dazu, dass der Single Grain Whisky mit dem Titel „Borders“ gar nicht von der Borders Distillery stammt. Ich war ich nämlich bislang davon ausgegangen, dass die Abfüllung zur Brennerei gehört und Borders folglich zu den R & B Distillers. Diese haben auf der Insel Raasay die Raasay Distillery gebaut. Es verhält sich jedoch so, dass die R & B Distillers ebenfalls eine Borders Distillery bauen wollten, mit gleichem Namen. Die Borders Distillery von Three Stills ist ihnen jedoch zuvorgekommen. Derzeit liegt das Projekt „Borders“ bei R & B Distillers scheinbar auf Eis. Auch die Verwirrung um ihren Grain Whisky „Borders“ wirken sie nun entgegen und haben die Abfüllung in „The Tweeddale Grain of Truth“ umgewandelt. Der Grain enthält das gleiche Mashbill 50 % Weizen und 50 % gemälzte Gerste, abgefüllt mit 46 % vol.

Borders Single Grain Scotch Whisky Lowland

Fazit:

Die Gebäude, das Visitor Center und die Location sind alle nett geworden, aber für mich nicht einprägsam genug, um aus der Masse an neuen Brennereien herauszustechen. Für mich landet Borders somit eher „in the middle of the road“, nicht schlecht, aber auch Nichts was lange im Gedächtnis bleibt. Die Brennerei macht im Grunde nichts wirklich „falsch“. Sie besitzt aus meiner Sicht aber einfach zu wenig Charme und Charakter, um einen Ausflug in die Region, allein für die Brennerei zu rechtfertigen. Wer ohnehin in der Gegend ist, sollte aber vorbeischauen. Whisky-Einsteiger, die von Edinburgh aus einen Tagestrip planen, sollten eher auf Glenkinchie, als alteingesessene Brennerei mit ausgereiftem Whisky und breiter Bar, zurückgreifen. Wer eine neue Brennerei besuchen möchte, sollte entweder Annandale oder Lindores Abbey in Fife einen Besuch abstatten. Beide machen aus meiner Sicht eine besseren Job in der Präsentation und bieten dem Besucher mehr Einblicke und interessante Features.
Wie immer gilt: „It’s a one man’s opinion“. Es handelt sich hier um eine Momentaufnahme und Einzelmeinung. Jede Brennerei ist am Ende des Tages einen Besuch wert!

Slainte!

Euer Leon

Borders Distillery Visitor Center Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Captains drams today… Balblair 12 und 15 (neue Range)

Balblair 12 und Balblair 15 Single Malt Scotch Whisky Review Malt Mariners
Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder

Heute habe ich zwei Samples der neuen Balblair Abfüllungen vor mir. Eine schwierige Aufgabe für jemand wie mich, der die Brennerei Balblair seit dem Besuch liebt und verehrt. Warum ist diese Verkostung für mich so wichtig und gleichzeitig kritisch? Balblair war bis vor Kurzem die einzige Brennerei Schottlands (Glenrothes hatte zeitweise mitgehalten) die mit sog. Vintage Abfüllungen arbeitete, also die Whiskys nicht nach Alter sondern nach Jahrgang (Destillationsjahr und Abfülljahr) abfüllte. Das ist für sich allein genommen, noch kein Qualitätsmerkmal, aber mir gefiel der Ansatz in Kombination mit dem tollen Flaschendesign sehr sehr gut. Ihr merkt, ich schreibe in der Vergangenheit. Den kürzlich wurde die Umstellung des Sortiments bekanntgegeben und nun werden die Abfüllungen von Balblair in neuem Design (siehe Bild) und mit einer regulären Altersangabe vermarktet. Mir missfiel diese Entwicklung von Vornherein, da ich so ein Fan des alten Flaschendesigns bin. Lange Rede kurzer Sinn: Ich gehe sehr kritisch an die Proben des „neuen“ 12 und 15 Jahre alten Balblairs heran.

Rahmendaten Balbair 12:
Alter: 12 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Double Fired American Oak“, was wohl Virgin Oak bedeuten soll, oder aber auch stark ausgebrannte Ex-Bourbonfässer sein könnten.
Preis: 45 – 50 €

In der Nase wirkt der 12-jährige Balblair recht sauer und spritzig. Soweit nicht all zu ungewöhnlich, eine gewisse sauer-bittre Note Richtung Grapefuit und Orangenzeste bin ich von Balblair-Bourbonfässern gewohnt. Dazu mischt sich allerdings eine vergorene Note, die stark an Weißwein erinnert. In Ansätzen hatte ich die beim 2003er Balblair auch, aber nicht so extrem. Dazu kommt eine zarte Puderzuckernote, die evtl. aus frischer Eiche stammen könnte. Alles in allem der Balblair aber sehr hell im Glas, was auf Grund der natürliche Farbe eher gegen frische Eiche spricht, die massiv schnell Farbe an den Whisky abgeben kann.

Am Gaumen finden sich die gleichen Aromen wieder. Auch den scharfen Antritt bin ich zwar von Balblair gewohnt, die geringe Komplexität ist doch recht enttäuschend. Süß-sauer wirkt der Whisky auf der Zunge. Nicht unangenehm aber eben auch nicht wirklich überzeugend.

Das Finish ist extrem kurz. 12-jährige Bourbonfässer sind nun nicht dafür bekannt ein atemberaubend langes Finish zu liefern, dennoch erwarte ich mir für den amtlichen Preis hier deutlich mehr.

Als Referenz schenke ich mir einen Handfilled (Single Cask) ein, ebenfalls Bourbon Cask und wässre ihn von der Fassstärke in etwa auf 46 % vol. herunter. Die Unterschiede sind (nicht überraschend) bezeichnend. Die deutlich intensivere Süße und der goldene Farbton beim Handfilled sprechen Bände über das Fass in Relation zu den im 12er verwendeten Fässern. Klar: Einen Single Cask Handfilled für 100 £ die Buddel und einen 12 Jahre alten Standard zum halben Preis zu vergleichen ist unfair. Mir geht es nur darum als Referenz das Potential der Brennerei für mich nochmal abzubilden. Und das ist zweifelsohne vorhanden, sonst wäre ich nie so ein großer Fan geworden.

Fazit Verkostung des Balblair 12 Jahre: Wer mich kennt, der weiß: Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen, besonders wenn es darum geht, eine geliebte Whisky-Marke aufzuwerten. In diesem Fall behält meine Skepsis leider recht, zumindest in der Momentaufnahme. Der neue Balblair steigt mit einem sehr hohen Preis in den Markt ein und liefert dafür aus meiner Sicht nicht wirklich was er verspricht bzw. was er könnte. Ich verstehe nicht ganz, warum man hier nicht wirklich ein paar anständige Virgin Oak Fässer zum „Aufpolieren“ verwendet hat, oder aber (noch besser) einfach gute Bourbonfässer. Mich hat dieser Balblair jedenfalls nicht überzeugen können und ich habe fast Angst davon mich dem 15 Jahre alten Sample zu widmen. Der steigt nämlich mit gut 75 € ein.

Alternative Empfehlung:
Als offensichtliche Empfehlung bietet sich solange noch zu haben eine Vintage Abfüllung von Balblair 2005 an, die derzeit noch online für um die 40 € gibt, die in meiner Erinnerung trotz Jahre weniger besser sind, als der neue 12er.
Als generelle Alternativen zu einem hellfruchtigen Whisky mit 46 % vol. würde ich definitiv den Arran 10 Jahre empfehlen, den man für nur 30 € einfach bekommen kann. Wer etwas mehr Komplexität sucht kann mit Deanston 12 Jahre, Clynelish 14 oder Tobermory 10 nichts verkehrt machen. Alle haben einen Bourbonfass-Fokus und kosten nicht mehr als 40 € und haben 46(,3) % vol. In dieser Gesellschaft kann der neue Balblair 12 meiner Meinung nach leider nicht bestehen.

Rahmendaten Balblair 15:
Alter: 15 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Finish in First Fill Spanish Oak Butts“.
Preis: ~ 75 €

Now we’re talking! In der Nase zeigt sich eine saftige Orangenzeste, die mein seltsames Hirn „vergoldet“. Eine deutlich Note von Himbeer-Sahnetorte mischt sich dazu. Die intensiven süßen Zitrusnoten erinnern mich an Sauternes Wein. Eine sehr ansprechende Nase! Die Sherryfässer bringen eine schöne Würze und Fruchtigkeit dazu.

Am Gaumen bringt der kräftige Antritt Brausestangen und ein cremiges Fruchtkompott auf Ballet. Nach der schwachen Performance des 12ers bin ich positiv überrascht.

Der Abgang bleibt etwas bitter, aber im Rahmen. Ausgeglichen, mittellang und angenehm.

Fazit Verkostung des Balblair 15 Jahre: Dies ist ein Balblair nach meinem Geschmack, den ich allein genommen wohl als sehr gut bewerten würde. Ich mag die Kombination von Bourbon- und Sherryfässern bei Balblair. 75 € ist nicht wenig für einen 15 Jahre alten Whisky. Für mich kratzt der 15er preislich an der Grenze des Machbaren, da er mir aber gefällt würde ich ihn mir sogar zulegen. Aber mein letzter Balblair war ein Geschenk meiner Freundin, der Vintage 1999 und damit ein mindestens 16 Jahre alter Whisky, ebenfalls in Sherry und Bourbonfässern ausgebaut. Das war eine Literflasche für rund 60 € zu haben. Vergleichen wir die beiden miteinander, steht leider auch der 15er Balblair preislich in keinem guten Licht. Ich bleibe aber bei meiner Einschätzung, dass der neue 15er Balblair für mich ein guter Whisky ist, den ich gern trinken würde und ggf. mir sogar beizeiten eine Flasche anschaffe (wenn ich keine alten Vintages mehr bekommen kann ;).

Mich würden Eure Meinungen zu der neuen Range sehr interessieren und wie die einzelnen Abfüllungen bei Euch ankommen.

Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder

A new spirit – Ein zweiter Blick auf die neuen Lowland Brennereien und ein überraschender Gewinner!

Dreieinhalb Jahre sind vergangen seit ich den Artikel Distillery Review 10: A new spirit – Annandale, Eden Mill, Kingsbarns verfasst habe. 2015 auf meinem großen Roadtrip durch Schottland besuchte ich die drei jungen Lowland Brennereien Eden Mill, Annandale und Kingsbarns und berichtete im vergleichenden Artikel über meine Eindrücke. Mittlerweile haben alle drei Brennereien ihren ersten Single Malt Whisky veröffentlicht. Zeit für einen zweiten Blick und ein Résumé. Denn für mich gibt es, in der Momentaufnahme zumindest, einen klaren Gewinner (zumindest was das erste Release angeht). Ich werde im Detail hier auch nur den „Gewinner“ besprechen und die anderen beiden nur kurz umreißen.


Eden Mill Distillery: Eine kleine Craft Distillery nahe der Golfer- und Studentenstadt St Andrews. Eden Mill brennt, anders als die meisten größeren Malt Whisky Brennereien Schottlands auf sog. Alambic Stills, die auch für Cognac und Eau de Vie eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei, auch mit Hinblick auf mein Review zum Whisky, zu erwähnen, dass ich bislang keine guten Erfahrungen mit dieser Destillationsmethode im Whisky-Bereich machen konnte. Meist kommen bei Alambic Stills seltsame Gemüsenoten in den Brand, die ich absolut nicht im Whisky mag. Die Brennerei baute sich in den Jahre vor dem fertigen Whisky ein solides Portfolio an Craft Beer und Gin auf und hat besonders in der Golf- und Gin Gemeinde einen ebenso guten Ruf wie vermutlich bald in der Whisky Szene. Ein spannender Aspekt der Brennerei ist aber das Experimentieren mit unterschiedlichen Malz Sorten, wie Pale Malt, Chocolate Malt und Crystal Malt. Diese unterschiedlichen Rohbrände wurden 2018 zur „Hip Flask Series“ abgefüllt, einer Serie von kleinen 20 cl Flaschen aus unterschiedlichen Fässer mit unterschiedlichen Bränden zu je 25 £. In unserem Verkostungsvideo Whisky Review 08: Eden Mill Single Malt Hip Flask No. 2 & 3 verkosten Paddy und ich die Nummern 2 und 3 der Serie und versuchen herauszufinden, wie viel Unterschied man durch die Malz Sorten tatsächlich merkt.

Annandale Distillery: 2014 gegründet produziert Annandale als eine der ersten Lowland Brennereien seit langem neben einem nicht rauchigen Single Malt (Man O’Words) auch einen torfig/rauchigen Whisky (Man O’Sword). Die sehr schön anzusehende Brennerei, mit hervorragendem Besucherzentrum und Cafe produziert auf klassischen Pot Stills und veröffentlichte ihr erstes Release 2018. Ich konnte das ungetorfte Release in Fassstärke probieren. Über die Verkostung haben wir ein Youtube Video gedreht, wer unsere Eindrücke dazu sehen möchte, schaut hier rein: Whisky Review 06: Annandale first Release. Mich konnte das Release nicht gänzlich überzeugen, besonders beim stolzen Preis von 300 £ pro Flasche. Ich freue mich aber sehr auf die Verkostung der weiteren Abfüllungen und bin sicher, dass die Versionen in Trinkstärke mir besser gefallen werden. Abonniert gern unseren Malt Mariners Youtube Kanal um auf dem Laufenden zu bleiben.

Annandale Single Malt Scotch Whisky Distillery Lowlands
Annandale Distillery

Kingsbarns Distillery: Kingsbarns liegt ebenfalls nach St Andrews und produziert einen klassischen Lowland Single Malt Whisky. Auch hier haben wir auf Youtube im Whisky Review 13: Kingsbarns Spirit Drink den Young Malt (also unfertigen zwei Jahre alten „Baby-Whisky“) probiert. Den echten ersten Single Malt Whisky von Kingsbarns „From Dream to Dram“ haben wir kurz darauf auf der Hanse Spirit probiert. Dieser sehr fruchtig frische Lowland Malt hatte schon deutliche Vorzüge gegenüber den enorm heftigen fassstarken Young Malt und konnte sich sehr gut präsentieren. Wirklich aus den Socken gehauen hat aber auch er mich nicht, was ich von einem drei-jährigen Whisky auch schlichtweg nicht erwarte. Zu Gute halten muss man Kingsbarns, dass der Preis der ersten frei erhältlichen Abfüllung mit ca. 45 Euro allerdings auch im sehr preiswerten Bereich angesiedelt ist (siehe meine Gedanken zum Preis neuer Brennereien weiter unten). Auch hier bin ich fest von einer stetigen Weiterentwicklung des Single Malts der Brennerei überzeugt und freue mich auf weitere Abfüllungen.

Kingsbarns Distillery
Kingsbarns Single Malt Scotch Whisky First Release
Kingsbarns first Release „From Dream to Dram“
Eden Mill Single Malt Release 2018 Whic.de

Kommen wir nun zu meinem persönlichen klaren Gewinner und für mich einer großen Überraschung. Im positiven Sinne. Die Inhalte der Hip Flask Series von Eden Mill waren gut gemacht, teils etwas scharf und unausgewogen und manche etwas zu fass-dominiert. Das erste offizielle (in Deutschland erhältliche) Single Malt Release 2018 ist in Oloroso Sherry, Pedro Ximenez Sherry und Bourbonfässern gereift, vermutlich teilweise sehr kleinen, wie es bei der Brennerei zu Beginn üblich war. Das „Standard“ Release ist aber aus meiner Sicht merklich reifer und komplexer als die kleinen Hip Flask Abfüllungen. Es ist vor allem bei Betrachten des geringen Alters (2018 konnte der Whisky maximal 4 Jahre alt sein) erstaunlich wie süffig und komplex dieses erste Release ausfällt.

Tasting Notes:
Nase: Ich werde von einer enormen Menge an unterschiedlichsten Aromen überfallen. Enorm fruchtig und beerig wirken die ersten Eindrücke allerdings nicht dunkel und schwer, sondern beinahe von einer frischen Spritzigkeit von stark sprudelndem Mineralwasser getragen. Mit etwas Zeit wird die Nase floraler, viele Parfümaromen treten hinzu, aber nicht chemisch, sondern sehr aromatisch und angenehm. Ich muss an die Kirschlutscher aus meiner Kindheit denken, sehr süß! Jetzt kann ich klarer überreifen Pfirsich und asiatischen Pflaumenwein identifizieren. Honigmelone, Cashewkerne und trockenes Heu kommen dazu. Ich könnte noch lange an diesem vielfältigen Eden Mill Single Malt weiter riechen, bekomme aber große Lust den ersten Schluck zu nehmen.

Geschmack: Der Gaumen hält, was die Nase verspricht. Wieder werde ich von einem Feuerwerk von Aromen überwältigt. Sehr viel Holz überrascht mich nach so wenigen Jahren und legt die Vermutung kleiner Fassarten nahe. Wieder finde ich Aprikose und viel süße Vanillearomen. Der Gaumen ist absolut verlocken sehr viel von diesem Single Malt zu trinken. Ein genialer frischer Sommer Whisky.

Eden Mill Hip Flasks

Abgang: Der Abgang ist, nicht überraschend für einen jungen Whisky, recht kurz, aber ebenfalls sehr angenehm. Er klingt in leicht bitteren Aprikosennoten aus, erinnert an Steinobst generell.

Auch meine Eltern, die sonst wenig Whisky trinken sind enorm angetan von dem, was ich da im Glas habe und die 5 cl Probe ist schneller leer als uns allen lieb ist. Derzeit ist die Flasche noch im Netz zu haben. „Wo ist der Haken“ denkt ihr Euch nun sicher. Ja der Haken ist subjektiv betrachtet, wie so oft beim schottischen Single Malt, der Preis. Rund 85 € müssen wir derzeit für eine Flasche von dem jungen wilden Lowlander ausgeben. Das wirkt auf den ersten Blick absurd viel. Ist jedoch, blicken wir uns in der Landschaft der neuen Brennereien um, im Grunde sogar moderat. Das erste (allerdings 12 Jahre alte) Release von Daftmill aus den Lowlands ging für 250 £ an die, per Losverfahren ausgewählten, Kunden. Wo wir grad beim Thema sind: Auch dieses 12jährige Release von Daftmill war aus meiner persönlichen Sicht keine Revolution. Ich hoffe auf einen zweiten Blick. Annandale gab die ersten Abfüllungen für rund 300 £, die Folgenden für 126 £ heraus. Ein Preisschild von 85 £/€ für den ersten offiziellen Single Malt scheint da bei Eden Mill im Vergleich fast bescheiden. Aber es bleibt ein hoher Preis für einen jungen Whisky. Ich muss allerdings bei aller Skepsis den Alambic Stills gegenüber zugeben: Dieser Single Malt von Eden Mill ist ein Meisterwerk der jungen Wilden. Nachdem dieser Whisky mit 46,5 % vol. abgefüllt wurde, kann er auch nicht, wie viele andere Whiskys heutzutage, mit enorm starken Alkoholprozenten eine Reife vorgaukeln, die er nicht hat. Klar schmeckt ein Whisky mit 60 % vol. intensiver als einer mit 43! Der Alkohol dient als Aromenträger und drückt somit mit der Brechstange bei vielen hochprozentigen Whiskys eine gewisse Fracht an Aromen durch. Diese Single Malts brechen in der Regeln in sich zusammen, reduziert man sie auf eine angenehme Trinkstärke von etwa 46 % vol. Um so bemerkenswerter finde ich diesen neuen Eden Mill der bei 46,5 % vol. steht wie eine Eins. Er ist ohne Frage jung uns spritzig, hat aber in unserem Fall (wie immer ist Whisky eine Momentaufnahme) absolut bewundernswert performed. Ich spiele stark mit dem Gedanken mir eine Flasche zuzulegen, auch wenn ich für den selben Preis eine Buddel Glendronach 18 Jahre bekommen würde.

Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen zu den ersten Whiskys von den neuen Brennereien. Schildert mir gern in den Kommentaren hier und auf Facebook Eure Erfahrungen und Eindrücke mit neuen Releases. Freuen wir uns auf eine blühende Zukunft von Eden Mill, Kingsbarns und Annandale. Wir dürfen gespannt auf frischen Wind in der Scotch Whisky Szene sein!

Slainte!

Eure Leon

Danke Gut Apeldör!

Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör
Gut Apeldör

Hier ein paar Impressionen unseres tollen Tastings am 22.03.19 im Golfhotel Gut Apeldör. Es war ein wundervolles Tasting mit grandiosen Gästen und einem hervorragenden 4 Gänge Menu. Wir kommen gerne wieder!

Hier noch einmal zusammenfassend die Genüsse des Abends:

Vorspeise Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör
  • Empfangscocktail vom Hause Apeldör: Old Fashioned
  • Balblair 12 Jahre, 43 % vol. – Highland Single Malt Scotch
  • Suppe: Wildconsommè mit Sherry und Pistazien
  • Auchentoshan Three Wood, 43 % vol. – Lowland Single Malt Scotch
  • Vorspeise: Geräucherte Endenbrust mit Feldsalat und Himbeerdressing
  • Pairing mit: Kilkerran 12 Jahre, 46 % vol. – Campbeltown Single Malt Scotch
  • Hauptspeise: Roastbeef „Sous Vide“ mit Bohnenkernen und Karotten-Kartoffelstampf
  • Glendronach 18 Jahre Allardice, 46 % vol. – Highland Single Malt Scotch
  • Dessert: Gewürzapfel mit Orangeneis und Schokolade
  • Pairing mit: Kilchoman Machir Bay, 46 % vol. – Islay Single Malt Scotch
Dessert Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör
Dessert
Auswahl Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör

Wem da das Wasser im Munde nicht zusammenläuft… 🙂

Sláinte mhath!

Leon & Mirah

Golfanlage des Gut Apeldös Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör