Scotch Whisky in voller Blüte – Eine Übersicht über Schottlands neue Brennereien

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Da ich neben meinem Hauptberuf als Whisky-Presenter und -Berater noch für den Online-Whisky Shop Whic.de als Autor tätig bin, kommen hier oft spannende Artikel zusammen. Hier möchte ich einen besonders interessanten mit Euch teilen. Auf diesem Blog Eintrag bekommt Ihr eine Übersicht über die neuen schottischen Brennereien und könnt in den Podcast von Whic.de reinhören in dem ich mit Arne Wesche von Whic.de über das Thema spreche. Wer meinen Vortrag auf dem Bottle Market zu dem Thema verpasst hat, kann hier nachlesen!

Natürlich gibts auch eine kleine Diashow zu den neuen Brennereien dazu!

Viel Spaß dabei!

https://whic.de/blog/neue-whisky-brennereien/

Fun Tasting: Edinburgh Whisky Kaffee

Seid Ihr auch machmal solche Shopping-Opfer wie ich? Und kauft hin und wieder jeden Mist auf dem „Whisky“ steht? Nicht? Na dann habt Ihr Euch das hier erspart :D.

Nach unserem Kaufrausch bei Bruichladdich im letzten Schottland-Urlaub, schaffte es auch der „Whisky-Kaffee“ der Edinburgh Tea & Coffee Company Ltd. mit ins Gepäck. Für 4,90 £ kann man mal eine Nase riskieren.

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Samstag Vormittag: Perfekter Zeitpunkt zu testen, ob dies eine gelungene Kombination sein kann… Bereits während ich in der Küche ernsthaft (zum ersten Mal) darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss: Nope. Eigentlich nicht. Ich war nie ein Fan von Irish Coffee und wenn ich Kaffee trinke, möchte ich auch Kaffee schmecken (ja ich trinke meinen Kaffee mit Milch und Zucker, Baristas dieser Welt: Steinigt mich! Jehova! Jehova! Aber ich schweife ab).

Ich schnüffle in die Packung… Riecht tatsächlich wie eine Mischung aus sehr starkem Kaffee und einem Schuss billigem Blended Irish Whiskey. Bereits beim Aufbrühen steigt mir der Geruch von… Bier und… Hefe… und Omas Schnapspralinen in die Nase! Grüße an Mark Uwe Kling! Mir schwant Übles…

IMG_8596Natürlich stellt sich mir nun die Frage: Ist hier wirklich Whisky drin? Oder sind die Whisky-Aromen durch den Kaffee erzeugt worden. Das fände ich tatsächlich beeindruckend. Die Website führt den Whisky-Kaffee unter „Flavoured Coffee“ neben Sorten wie Haselnuss, Amaretto und Schweizer Schokolade. Leider finde ich keine weiteren Angaben zur Herstellung. Der Begriff „Flavoured“ lässt mich aber davon ausgehen, dass hier tatsächlich Kaffee mit Whisky versetzt wurde.

Neugierig wie ich bin, gibt es die Leon-Version mit Milch und etwas Zucker und eine „Straight-Version“, schwarz wie die Nacht.

Nose (schwarz): Riecht nach sehr malzigem Kaffee, fast schon nach Muckefuck. Nein liebe Spät-Millennials, das ist kein Kraftausdruck, sondern Malzkaffee oder Kaffeeersatz. Den werdet Ihr hoffentlich nie trinken müssen.

Taste (schwarz): Gar nicht mal so übel! Nussig, bitter, aber nicht unangenehm! Nur im Abgang melden sich die Schnapspralinen dezent zu Wort… Ok ich hatte ehrlich gesagt Schlimmeres erwartet!

Nose (mit Milch und Zucker): Sahne Bon Bons, kennt ihr die Sahne Muh Muhs?

Taste: Erst Rum-Schokolade… dann WHAT?! Käse?!?!? Was zum… Gehirn rebooten bitte. Nach dem zweiten und dritten Schluck gewöhn ich mich langsam dran und kann ihn tatsächlich trinken. Schmeckt wie Kaffe mit Karamell-Sirup und was ist das?… Marzipan?… Ja Marzipan! Ich mag leider kein Marzipan. Brauch ich nicht unbedingt in meinem Kaffee!

Fazit: Der erste Kaffee, der mir „pur“ besser schmeckt, da die „Whisky-Aromen“ weniger prägnant sind. Ein witziger Gag-Kaffee, der sogar trinkbar ist, wenn man sich durch den (für mich) schockierenden Erst-Eindruck getrunken hat. Für mich ist das nicht das Wahre, da bleibe ich bei Whisky und Kaffee, gern nebeneinander, aber nicht in einer Tasse! Wenn Ihr Kaffee mit süßen Aromen in Richtung Karamell und Marzipan mögt, könnte dies ein Kaffee für Euch sein.

Soll ich meinen Whisky schütteln?

Nach einem Facebook-Post folgenden Artikels, der das Schwenken von Whisky diskutiert, habe ich einige Anfragen für eine Übersetzung erhalten. Hier meine Zusammenfassung mit einigen persönlichen Ergänzungen.

Es geht kurz gesagt um die Frage, ob das schnelle Schwenken („swirl“), das man von Wein-Genießern kennt, sich auf Whisky übertragen lässt. Sehr oft sehe ich nämlich dieses Verhalten bei Whisky-Trinkern und denke mir „sieht lässig aus“, dennoch fühlt es sich für mich „falsch“ an.

Laut des Artikels ist die Antwort schlicht: Nein. Man kann es nicht übertragen, da Wein geschwenkt wird, um Sauerstoff in den Wein zu übertragen. Dies öffnet die Aromen im Wein verhältnismäßig schnell nach wenigen Minuten. Wein-Kenner dürfen hier gerne ergänzend in die Diskussion einsteigen, da meine Wein-Kenntnisse so im Bereich „Ich mag ja den Roten“ angesiedelt sind :D.

Es stellt sich daher die simple Frage, ob das beim Whisky auch so ist. Whisky ist anders als Wein eine Spirituose (bahnbrechende Neuigkeiten). Whisky oxidiert daher (laut Aussage des Artikels) langsamer, verdunstet aber schneller.

Dass Whisky sich auch mit der Zeit „öffnet“ merke ich immer wieder, wenn eine Flasche 10-20 cl geleert wurde und dann einige Wochen steht. Dann wird der Whisky in der Regel komplexer und zugänglicher. Geht es dem Ende entgegen und die Flasche steht ein bis zwei Jahre, kann es gut sein, dass er schärfer und unangenehmer wird. Die schönen Aromen verfliegen. Luft hat also meiner Erfahrung nach auch beim Whisky (zuerst) einen positiven Einfluss. Auch im Glas.

Eine meiner Vermutungen ist allerdings auch, dass wir beim exzessiven Schwenken im Grunde vorwiegend die Verdunstung des Alkohols /Ethanols provoziert. Das ist aus meiner Sicht fürs genussvolle Verriechen sogar kontraproduktiv, da die Rezeptoren in der Nase von Alkohol betäuben werden. Benetze ich also die Glaswand mit Whisky, verdunstet zuerst der Alkohol. Dann kommen die Aromen hinterher. Schüttle oder schwenke ich nun ständig das Glas beim Verriechen, erzeuge ich immer neue Verdunstung. So argumentiert auch der Artikel. Die selbe Argumentation finden wir in folgendem Buch, das sich sehr detailliert mit dem Thema Tasting & Nosing befasst: Iconic Whisky (Mald, Cyrille; Vingtier, Alexandre (2015). Die deutsche Version heißt „Whisky-Wissen: Die 750 besten Sorten im Schnellcheck“ und wurde auch von meinem Kollegen Pat Hock schon einmal empfohlen. Ein sehr lesenswertes Buch. Aber das nur am Rande.

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Der Artikel diskutiert aber auch, dass es Gründe gibt den Whisky zu „swirlen“ also schnell zu schwenken, beispielsweise, wenn man sich die Beine bzw. Tränen des Whiskys näher ansehen möchte. Langsame Tränen zeigen eine hohe Viskosität an, alsoeinen hohen Alkoholgehalt. Breite „Fenster“ wiederum sprechen angeblich für ein hohes Alter des Whiskys. Der Artikel sagt auch, wenn ich bewusst den Alkoholgehalt senken möchte, macht das Schwenken wieder Sinn. Aus dem eben besprochenen Effekt, kann ich dadurch die Verdunstung des Alkohols beschleunigen und dadurch die Schärfe reduzieren. Diese Erfahrung kann ich wiederum nicht bestätigen, allerdings gehöre ich ja auch zu den notorischen „Drehern“. Allein meiner Neugierde Willen, werde ich diesen Effekt mal prüfen. Aus rein akademischen Gründen versteht sind (Yay! Ein weiterer Grund Whisky zu trinken!).

Der dritte Grund, den ich witzig finde, ist „to show off“. Also um anzugeben. Und das ist auch meine Vermutung, warum so viele Menschen sich zum schnellen Schütteln hinreißen lassen. Es sieht eben cool aus, es lässt einen wie einen Profi aussehen.

Am Ende es Tages ist es aber doch wie mit allen Fragen beim Whisky: Experimentiert selbst und findet euren eigenen Weg. Wenn ihr gern swirled, dann swirled! Macht mit eurem Whisky genau das was euch gefällt und wie er für euch am besten zu genießen ist. Und lasst euch von niemandem sagen, wie ihr euren Whisky zu trinken und zu genießen habt. Auch nicht von mir.

Cap out!

Captains Dram Today: The Epicurean

Captains Dram Today:
Douglas Laing – The Epicurean
Lowland Blended Malt Scotch Whisky
46,2 % Vol.

Diesen Whisky wollte ich allein auf Grund der witzigen Verpackung seit langem mal probieren. Und wiedermal weiß ich, warum ich überwiegend Blind-Tastings mache. Für mich eine Enttäuschung.

Farbe: heller Weißwein

Nase: Sommer Regen, Birnensaft, Puderzucker – ok

Zunge: Alkohol, etwas Birnenschale, die typischen jungen Ex-Bourbon und Refill-Aromen

Abgang: Alkohol, kaum vorhanden, Bittermandel, mähh nicht mein Fall

Immerhin kostet der Lowland Blended Malt nur um die 30 €. Da die Fässer hier im Grunde nur von Auchentoshan und Glenkinchie stammen können, wundert es nicht, dass wir hier kein Feuerwerk erwarten dürfen. Beide Brennereien sind nicht gerade bekannt dafür, viele Fässer herauszurücken.
Dann doch lieber ein Standard aus einer der Beiden.

 

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Distillery Review 25: Balvenie and the grateful eight

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My visit to Balvenie Distillery proved another time, how much I love Scotland and that there is always room for more. More pleasure, more experience and more happiness. The whisky industry makes it happen! Before I start my review that will (spoiler alert) be mainly a praise to my visit and the distillery, lets go back a few weeks before I actually got there. Still working at GlenDronach Distillery I took advantage of having a landline phone in the visitor center (mobile phones work very randomly in Scotland and mostly not at all specially when you need them to). So I called Balvenie to book a tour. That was in early August 2016 mind you. Since my time off work was limited and Balvenie only welcomes visitors twice a day (no weekends) my earliest appointment was offered to be the 22nd of September! Oooook I thought. This place seems to have a fame issue. So yeah. For the every day „spontaneously-just-popping-in-customer“ Balvenie has nothing to offer. It is a closed distillery like many others. And this with a worldwide great reputation for its single malts. A very exclusive thing. The 35 £ pricetag for the tour made this even more clear. This can´t be a regular tour. Otherwise I´d be really pissed off.

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Lets jump to the day of the visit. Almost incredibly I made it in time to the distillery this time (to be fair only by skipping a planned detour to Elign but what the heck). The parking experience already felt like entering a fairy tale. The little forest at Balvenie is mainly black from the angle’s share fungus. So I set food on the premises not being able to shake off the feeling of entering holy ground. It was a glorious sunny day on my way I passed beautiful carved banks and flowerbeds. After having being arrived at the office we waited for all the guests to arrive, eight in all. Thats the maximum capacity of the Balvenie tours. In most distilleries you are looking at 10-15 people plus on a tour on a busy day.

The first part of the tour shows the maltings. Like all of the very few distilleries with floor maltings left Balvenie can only afford to use 15% of their own malted barley. Its simply too expensive. About three times as much as an industrialized batch. Ouch. At first I was a bit suspicious if the maltings where really active since they looked a bit clean. But then I saw (and touched) the steeped barley (for the first time in my life) and was convinced. This is the real stuff. The only active maltings I had seen so far was Bowmore and Laphroaig. But never had I seen maltings on the mainland. Off we went pass the spread malt on the floor to the Kiln. Basically that was the point of the tour where I was spoiled. I just remember being on a stupid grin and headshaking-I-can`t-believe-how-much-I-love-this-mode for the rest of the tour. We looked inside the burning Kiln and the little peatsmoke kiln besides it. Nerdgasm. Totally.

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Next stage of this malt whisky distillery tour feast was the tun room with the fermentation. We tried both the young stage (almost wort… tasted a bit like the german non alcoholic malt beer Karamalz… If you´ve never tried it… do it! Its great!) and the later stage of the fermentation which is in fact beer. In the industry its referred to as „wash“ of course. At this point I feel the need to add that whenever you read something in reviews about „we did this, we were allowed to do that“ please do never take this for granted and even worse pick on the tour guide if he or she is not doing the same on your tour. Every tour is different because every guide is and every guest is. The simple rule is: DSC_1647.jpgDon`t be an annoying customer and you increase the chance of not getting an annoyed tour guide ;). Anyway this guy (as I later learned it was David Mair, Balvenie Distillery Ambassador) was so relaxed he probably would have dealt with anything. So yeah… distillation. Huge stills, curiously separate still houses for wash and spirit stills…. If that matters to anyone.

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Warehouses. Draw your sample from the cask and fill your own 20 cl bottle. In the warehouse I can’t empathize this enough. Its getting rare. Because of idiots that write about their great experience on the internet. Now that I think about it. Of course we DID NOT bottle anything IN the warehouse. Cause that would be illegal. Nah don’t worry I´m sure they’ve worked it out by now.

You should think up to this point you can’t really add anything more. Wrong again. We took a quick ride on an old Land Rover and ended up in a building surrounded by casks. Their very own cooperage. Amazing. I had seen the Speyside Cooperage before but having a smaller version on site… thats really something!

Off to the tasting we went. For my taste (no pun intended) this was a bit rushed, probably due to the fact that we spend way more time on the tour that we were supposed to be. Since I was driving and bottling I didn’t really care. For drinking all this fantastic whisky I would have felt a bit rushed. But… yeah.

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I have to say that this was hands down the best distillery tour I’ve ever had (looking at 54 visits at this point, not a bad shot for Balvenie). And speaking about the 35 £ for the tour and 25 £ for the bottle your own. MORE then worth it! Balvenie has a really good value for many ratio if you ask me. You get a bloody premium special deluxe tour for 35 quid. I’ve seen worse for more money. So to the „past me“ moaning about that money… Leave it alone dude! Really.

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We tried some great malts Balvenie Double Wood 17, Balvenie Portwood 21 yo and Balvenie Single Cask No. 1489, but what really got me (till this day) was a 34 year old Balvenie (single sherry cask if I remember right): Oh my fucking god! (Excuse my french) That was one of the most amazing whiskies I’ve ever tried. On the nose I would have mistaken it for an older Glendronach. On the tongue the same but smoother. My memory is too limited to describe all the impressions I got from this whisky. Honeydew melon, caramelized sugar, maple sirup on bacon and pipe tobacco came to my mind but never stood up to its flavor.

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Résumé:

As already said the value for money on this tour was more then great for me. You get basically two to three tours on one (2-3 hours that is) so this more then justifies the money. With a working malting floor, working kiln, a cooperage on site and an amazing warehouse and bottle your own experience this was by far the best tour I’ve done so far (finishing this article Balvenie is No. 1 out of over 60 distilleries). The only thing I have to criticize of better to recommend it that you plan your visit way far ahead since the booking might be an issue. For the rest I can just say: This was one of the best days of my life, I love Scotland, I love visiting distilleries and even if I never will become a great fan of Balvenie as a brand I am forever grateful for this amazing experience.

Share the whisky, share the experience!

See you guys on the road!

Leon – The Captain

 

Captains drams today… Talisker 18 vs. Bunnahabhain 18

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Heute widme ich mich einem genüsslichen kleinen Insel-Wettstreit zweiter Brennereien, deren Standards (Talisker 10 und Bunnahabhain 12) ich sehr schätze und gerne trinke. In den Ring steigen die beiden volljährigen Abfüllungen besagter Brennereien.

In der linken Ecke haben wir den Talisker 18 mit 45,8 % Vol. der typischen und individuellen Stärke Taliskers, sowohl gefärbt als auch kühlgefiltert. Gewicht: ~109,50 €. Ausbau in Ex-Bourbon und Ex-Sherry Fässern. Optisch, bis auf die Jahreszahl dem 10er zum Verwechseln ähnlich.

In der rechten Ecke der kleine rabenschwarze Stiernacken von der Ost-Küste Islays. Mit 46,3 % Vol. auch eine Extravaganz die einen hauchdünnen Vorsprung vor dem Talisker bieten dürfte. Gewicht: 110,90 € Tendenz steigend. Ausbau ebenfalls in Ex-Bourbon und Ex-Sherry Fässern. Allerdings, bei Bunnahabhain üblich, ungetorft.

Bis auf den leichten Rauchgehalt des Taliskers also zwei gut vergleichbare Whiskys. Ich verfahre nach „Vorschrift“ (Nichtraucher vor Raucher) und widme mich zuerst dem Bunnahabhain. Eine wuchtige schwere Sherry-Nase schlägt mir entgegen. Sehr vielversprechend. Am Gaumen ein kleine Geschmacksexplosion die sich wie ein cremiger Luftballon immer weiter auszubreiten scheint. Verschiedene komplexe Gewürzaromen mischen sich mit muffigem Sherry/Weinkeller… Absolut brillant und 100% mein Beuteschema! Langes Finish das in etwas Pfeffer und Leder in meinem geliebten feuchten spanischen Weinkeller ausklingt… Toll. Eine klare Weiterentwicklung der 12jährigen Abfüllung. Ich bin überzeugt.

Der Talisker hingegen wirkt in der Nase verhalten, entfernter Rauch und zarte Karamellnoten lassen die Bourbonfässer erahnen, etwas Süßholz meldet die Sherryfässer an. Dieser Malt braucht etwas Zeit um die Nase zu entfalten. Auf der Zunge bietet der Talisker 18 für mich ein gewohntes Bild, das ich vom 10er bereits gut kenne (wie gesagt: Stammkunde), nur erwachsener, gezähmter, milder. Der Rauch und die würzige Schärfe sind nicht ganz so prägnant, schade, denn grade das mag ich am 10er. Salzige Noten mischen sich im Abgang mit etwas Bitterschokolade. Ja der Chili-Catch im Finish ist noch da, aber verhaltener. Ganz klar ein toller Whisky, aber in Anbetracht des Preis-Leistungs-Verhältnis bliebe ich wohl vorerst beim 10er.

Fazit:

Die Reihenfolge war wohl falsch gewählt, was wieder einmal mehr beweist: Bei Whisky geht nichts nach Bilderbuch. Es bedarf das genaue Kennenlernen jeder einzelnen Abfüllung. Auch dieser Ersteindruck, reicht insbesondere bei älteren Whiskys, bei Weitem nicht aus, um sich ein ausreichendes Bild zu machen. Der intensive Sherry des Bunnahabhain hat dem Talisker womöglich viel Komplexität geraubt, weshalb er bei mir im Tasting nur halbherzig ankam. Ich möchte mich dem Talisker 18 daher noch einmal ohne jeden Beigeschmack nähern.
Schlussendlich muss ich aber sagen, dass der Bunnahabhain 18 meinen persönlichen Geschmack eher getroffen hat. Er setzt sich deutlicher vom 12er ab und bietet für das Mehr an Geld auch ein deutliches Mehr an Aromen und Komplexität. Zumindest in dieser Verkostung und der Momentaufnahme konnte der Talisker das nicht gut unter Beweis stellen.

 

Slainte!

Euer Leon

Is product placement taking over our movies?

Thoughts of a whisky-geek and movie-lover on „Kingsman: The Golden Circle“

 

Well. I can´t help it. I am a geek, a lover of a certain kind of art may it be whisky, movies or music. I simply care more than some people. I know that and it gave me some trouble on the way but helped me to fully and deeply experience and enjoy many things. Whisky and movies have always been my biggest examples and I would have never thought that these two would clash one day the way they did with a normal night going to the movies.

Me an my girlfriend went out to watch „Kingsman: The Golden Circle“. We were both excited for part two since we loved the first one. And „part tows“ are always a tricky thing, since as a fan you are always afraid of a quick cash-grab and a dull movie in the worse case ruining the whole first one all the same.

With „Kingsman: The Golden Circle“ I fairly enjoyed myself for most of the movie although many things bothered me that I brushed aside to stay in the movie and not to trash it along the way already. The whole „americanizing“ the Kingsman idea felt a bit too easy to me like „ok we need another set, we had the english Kingsman, so what next?“. To me the whole style of the first one lives from the ode to oldschool british-style spy movies like the old Bond movies, so taking it to the US wasn’t really the right choice for me in the first place.

http://www.imdb.com/title/tt4649466/videoplayer/vi734968089?ref_=tt_ov_vi

Ok to lets skip all the movie-fan details for a minute and move on to the last few minutes of the movie when for celebrating the victory the boss of Statesman says „We bought ourselves a Scotch Distillery“. One of the last shots of the movie is a Bourbon of Statesman and Scotch of Kingsman that says on the bottle „Glendronach“. I did´t even see it while watching, but my girlfriend silently cheered and told me, since we are both big GD fans (naturally having met at the distillery while I worked there). And that was the point where it clicked. And my mood went down the toilet. I mean yes, we have seen whisky product placement before a lot. Having Kirk and McCoy sharing a 30yo Glenfiddich, Bond having a Macallan in Skyfall and Spectre, yes we´ve seen it all. It never really bothered me, although I don´t really like advertising in movies, since it distracts me from the story sometimes. But yes the story and the adds were always two different things at least! And a „Sony“ or „Nikon“ logo hopping through the screen was never a big surprise for anyone. But I feel its much much more with this movie. Its not just product placement, but the whole structure of the film seems to be made FOR advertising.

Here is why I feel that way. The plot of the movie goes this way: A mad woman (Julianne Moore) has a monopole on drugs around the world and poisons them to blackmail the US government. She kills all the Kingsman and only Eggsy (Taron Egerton) and Merlin (Mark Strong) survive the attack and need to find help. That happens by emptying a bottle of Kentucky Straight Bourbon leading them to Kentucky where they find the „Statesman“. They are the same as the Kingsman but in the US owning not a tailor (like Kingsman) but a whiskey distillery. The are introduced to one of the Statesman named „Whiskey“ (really?) in a warehouse, he explains the two on them the concept of „proof“ on Bourbon and so on. At this point I (still) cheered for Merlin saying something like „keep your horsepiss you call bourbon which is nothing compared to a good single malt scotch“. Ok so much for the setup. I think we can agree that the movie has a HEAVY whisky-loaded theme. All of this would not have troubled me really if I wouldn’t have been aware of some fact in the whisky industry.

In 2016 the american company Brown Forman bought three Scotch Distilleries (Glendronach, BenRiach and Glenglassaugh). They own Jack Daniels, Woodford Reserve, Old Forester, Coopers Craft and a couple of other spirits that ALL were represented in the movie (quite obvious standing on the shelves on the plane in one scene). So yes it is obvious that Brown Forman as a whole company had an exclusive deal with the studio since there are no non-BF brands in the movie. BF released the „Statesman Bourbon“ in time with the movie, so created a whole new whiskey (coming from Old Forester) itself. At the same time Glendronach released a Kingsman Special Edition.

So more than enough proof (pun intended 😉 that this movie is heavily influenced by Brown Forman. „So whats the problem“ you might ask. Well I still think there is more. STATESMAN seems to me like a nickname for Brown Forman representing itself in the movie. Jeff Bridges says it in the movie „We just bought ourselves a distillery“, what they did by buying Glendronach and the other two. Having all the brands in the movie and Statesman Whiskey becoming real its hard to shake of the image of Statesman BEING Brown Forman. Which brings us back to the story itself. Statesman fights a drug baron. So its spirits vs. drugs. In the movie itself a character (Tequila, oh yes have I mentioned all Statesman characters are named spirits?) says something like „If no one takes drugs anymore, the profit of spirits will explode“. Well yes, it makes perfect sense to make the drug guys the bad ones and the alcohol guys the good ones. Yes yes there are some lines like „alcohol kills bla bla“. But the last line from the character „Ginger Ale“ to „Whiskey“ is „you might want to keep on drinking spirits from now on!“ (after almost dying of poisoned weed).

So here we are now. A movie that was almost certainly completely designed as a 2,5 hour long advertising  for whisky, whiskey and spirits itself. And since the movie itself seemed to me like a very weak version of the first one, I can not shake of the feeling that I payed a lot of money to see a very clever add for whisky. And that is something I feel goes way to far. If I have to watch adds, I should not have to pay for it. If you have never watched the movie „Thank You For Smoking“ do so! In this movie a lobbyist of a tobacco company makes a deal with a movie company to make smoking sexy again on the big screen. This smells badly like exactly the same thing.

The director Matthew Vaughn in fact admits that he wrote the script for the product: “This is authentic storytelling with the product in there,” Mr. Vaughn said. “I think this is the future of advertising.”

Well. If this is the future of advertising that means it is the future of film as well.

What are your thoughts of the movie and cooperation with Brown Forman?

 

 

 

 

 

Another „farewell“

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So Freunde der Sonne,

so schnell kann ein Sommer vorübergehen. Meine wundervolle Zeit in Schottland und GlenDronach geht zu Ende und am Montag beginnt die Heimreise. Ich möchte mich auf diesem Wege bei Allen bedanken, die mich unterstützt, ermutigt und begleitet haben.
Danke an die Freunde, die viel zu wenig von mir gehört haben (dank dem emsigen Aufbau des Gewerbes und meiner Arbeit in der Brennerei).
Danke an die Kollegen und Mitarbeiter der BenRiach Distillery Company für die herzliche Aufnahme in Eurer Mitte.
Danke an Lorna und Nichola die mich für 6 Monate in ihrem Heim aufgenommen haben!
Danke an die zahlreichen Malt Mariners die unsere Tastings besucht haben und besuchen werden.
Nun freue ich mich auf Hamburg und den deutschen Norden….
Its incredible how fast the summer has gone by! My wonderful time in Scotland and at the GlenDronach Distillery is almost over. I want to thank all of you that supported and encouraged me on my way.
I want to thank my friends who haven´t heard much of me (for the positive fact that I was busy with creating my business).
A great Thank You to my colleagues and coworkers at the BenRiach Distillery Company who made me feel welcome (I´ll see you in the pub tonight!)
A huge THANKS to Lorna Allison and Nichola who put up with me for six months in their home!
Last but not least, a big Thank You to everybody who joined and will join our tastings in Germany!
…the road beneath my feet…

Ah matter of time

… Ein No Age – Statement

Als bekennender Ungeduldsmensch hat sich mein Herz Schottland nicht umsonst als Seelenheimat erwählt. Ich strebe stets nach Entwicklungschancen, sowohl privat als auch beruflich. So sehe ich als Anfangdreißiger meine große Aufgabe in dem Finden der inneren Ruhe und Gelassenheit, die so viel weisere und gut gereifte Persönlichkeiten auszeichnet. Whisky und seine kulturelle Heimat sind für mich ein wundervolles Beispiel dessen, was ich zu lernen anstrebe. Nämlich der unumgänglichen Wahrheit, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen. Oft habe ich das Thema mit den sog. „NAS-Whiskys“ (No-Age-Statement, ohne Altersangabe) in Artikeln angeschnitten und auf ein anderes Mal verwiesen. Nun ist es an der Zeit, sich diesem schwierigen Thema zu nähern. Ein paar Gedanken von mir zur Debatte um die Whisky-Riege, die sich über ihr Alter ausschweigt.

Noch vor einigen Jahren fuhr Chivas Brothers (aka Pernod Ricard) eine Campagne namens „Age matters“. Hier wurden die Kunden aufgefordert Wert auf die Altersangabe eines Whiskys zu legen. „Look for the number, a garantee of age… a garantee of quality“.

Das jüngste Paradigma, das einem von der Whiskyindustrie vorgebetet wird, lautet eher „wood matters“. Wiederum eine Campagne von Gordon & MacPhail, einem der renommiertesten unabhängigen Abfüller Schottlands lautet passend hierzu „the wood makes the whisky“. Sicher nicht ohne ein Augenzwinkern in Richtung Chivas Brothers, die wohl mit ihrer Werbestrategie ihren Blended Scotch „Chivas Regal 12“ gegenüber Single Malts ohne Altersangabe aufwerten wollen und hierbei geflissentlich die Tatsache übergehen, dass ihr Blended Scotch einen großen Anteil Grain Whisky enthält. Sicherlich versteht Gordon & MacPhail ihre Campagne nicht als NAS-Whisky Werbung, aber sie legen zumindest den thematischen Schwerpunkt auf das Fass und nicht auf das Alter allein.

Wer hat nun eher recht? Was macht einen guten Whisky aus? Ist das Fass entscheidender oder das Alter? Sicherlich, eine bewusst plakative Frage, da das Eine nicht ohne das Andere geht. Und wie so oft im Leben liegt die Wahrheit, aus meiner bescheidenen Sicht, irgendwo dazwischen.

Was ist eigentlich ein Whisky mit Altersangabe? Der 12jährige Glenfiddich Single Malt Scotch Whisky ist ein Malt Whisky (100% aus gemälzter Gerste produziert) aus Schottland (Scotch) der eine Vielzahl an Fässern enthält, die mindestens 12 Jahre gereift sind. Die Altersangabe bezieht sich immer auf das jüngste Fass in einer Abfüllung. Standardabfüllungen bestehen aus mehreren verheirateten Fässern, bleiben aber ein Single Malt, solange sie aus einer Brennerei stammen. Es kann also durchaus sein, dass ein Malt mit Altersangabe ältere Fässer in sich trägt als auf dem Etikett angegeben. Je länger das frische Destillat (zu englisch „Newmake“) im Fass reift, desto mehr nimmt es vom Fasscharakter auf. Ob dies zu einem befriedigenden Ergebnis führt, hängt von Art der Reifung und den entstehenden Aromen ab. Viele Genießer kennen sicher den Begriff „Aroma Marke Schrankwand“. Nicht grade ein schmeichelhafter Begriff, der die Problematik von zu viel „Holzeinfluss“ persifliert. Das Alter für sich allein betrachtet bzw. ein zu starker Fasseinfluss sind nicht zwingend Qualitätsmerkmale. Für mich persönlich besteht ein guter Whisky aus einer schönen Balance zwischen Brennerei- und Fasscharakter. Viele Whiskys schaffen dies für mich bei ca. 15 Jahren. Ich konnte bislang nur wenige alte Whiskys über 25 Jahre probieren, muss aber sagen, dass mich hiervor kaum einer wirklich überzeugen konnte, insbesondere wenn der Geldbeutel mitfühlt, denn ein alter Whisky ist zwar nicht zwingend ein leckerer, ganz sicher aber ein teurer. Das mag sich über die Jahre noch ändern, entspricht aber derzeit meinem Empfinden.

Also, nein, das Alter alleine macht noch lange keinen guten Whisky aus und somit reicht ein Blick auf die Jahreszahl auf der Flasche nicht aus, um subjektiv betrachtet zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Whisky unterscheiden zu können. Sorry Chivas, meine Meinung.

„To Sammy: Just in case you develop a taste for malt… Some of this is for you. Love always. Dad“

 

„Put good spirit in a bad cask… and you will get a bad whisky, put bad spirit in a good cask and you will get a decent whisky“. Der Urheber dieser Worte ist mir nicht bekannt, aber sein Echo ist immer wieder in den Brennereien zu hören. Insbesondere wenn es darum geht den Einfluss des Fasses auf das Endprodukt zu betonen. 70-80 % der Aromen werden angeblich vom Fass in den fertigen Malt Whisky abgegeben. Ergo bleiben ca. 20-30 % übrig für andere Einflussfaktoren auf den Brennereicharakter wie der Mälz- und Fermentationsprozess und die Brennblasen. Wer sich mit Whisky beschäftigt, dem wird schnell klar: „the wood matters“, das Holz ist verdammt wichtig, keine Frage. Doch auch das Holz hat seine Grenzen. Und das aus zweierlei Sicht. Zum einen müssen Brennereien aus rein ökonomischen Gründen Fässer wiederverwenden (die sog. „Refills“). Fässer die in Schottland erstmals verwendet werden und vorher beispielsweise Bourbon oder Sherry beherbergten, sog. „First-Fill“ Fässer, geben am schnellsten Aromen und Farbe ab, während ein zweit-, dritt- oder sogar viertbefülltes Fass logischerweise weniger „abfärbt“. Neben dem Alter wäre daher die Angabe der „Zusammensetzung“ eines Whiskys im Bezug auf die wiederbefüllten Fässer ebenso interessant wie das Alter. Hierzu erhält man aber sehr selten klare Angaben. Einige wenige Abfüllungen werben damit nur Firstfills zu verwenden. Werden keine Angaben gemacht, kann man davon ausgehen, dass hier auch Refills verwendet werden.

Um die Sache etwas komplizierter zu machen reifen die Fässer auch noch alle individuell. Soll heißen zwei Firstfills gleicher Größe und gleicher Herkunft können immer noch gänzlich unterschiedlichen Whisky hervorbringen. Was bedeutet das nun für unsere Altersdebatte?

Ein Whisky in einem guten First-Fill Fass kann bereits nach wenigen Jahren „ausgereift“ sein, also einen hervorragenden Whisky produziert haben. Ein Ex-Sherry Fass von Glenglassaugh bewies meiner Zunge wieder einmal was ein Fass in nur fünf Jahren leisten kann. Aber nur weil es möglich ist, heißt es eben nicht, dass es reicht. Denn keine Brennerei kann ausschließlich solch hervorragend gereifte Fässer für eine Standardabfüllung verwenden, für die eine große Zahl Fässer nötig ist. Das bedeutet, dass zwangsläufig auch weniger gut gereifte Fässer in eine Standardabfüllung eingemischt werden und wenn diese ebenfalls nur wenige Jahre auf dem Buckel haben, dann ist das Gesamtergebnis eben im besten Fall befriedigend.

Aus meiner Sicht gibt es zwei unterschiedliche Ansätze die das Unterlassen einer Altersangabe begründen. Zum Einen der Typ NAS-Whiskys der als kostengünstiger Ersatzzu den klassischen 10-12 Jahre alten Abfüllungen auf den Markt geworfen wird. Bei manchen dieser Vertreter drängt sich mir das Bild der Schönheitschirurgie auf. Es wird gebastelt und geschnibbelt, jüngere Fässer verschnitten als üblich und oft mit Zuckerkulör nachgefärbt, um das Ergebnis zu kaschieren. Auf der anderen Seite stehen NAS-Whiskys die tendenziell eher aus „Kreativitätsgründen“ keine Altersangabe tragen. Mit Letzterem sind beispielsweise Whiskys gemeint, die aus verschiedenen Fässern mit unterschiedlichen Altersbereichen (beispielsweise 5, 10 und 20 Jahre alte Fässer) verheiratet sind und damit einen hervorragendes Cuvée einer Brennerei ergeben. Jede dieser Bereiche hat ihre Vorzüge und ein geschickter Blender weiß diese miteinander zu kombinieren, um etwas zu schaffen, was mit einer Heirat gleichaltriger Fässer nicht machbar gewesen wäre. Da nun aber bei dieser Mischung auf der Flasche per Gesetz „5 Jahre alter Single Malt“ stehen müsste und dies der Qualität und Komplexität nicht gerecht würde, verzichtet die Brennerei lieber ganz auf die Angabe. Gute Beispiele hierfür sind für mich derzeit Abfüllungen wie der Ardbeg Uigeadail oder der Aberlour A’bunadh. Diese Whiskys glänzen mit Komplexität und Tiefe und obendrein ordentlich Umdrehungen, was dem Genießer kaum Anlass zum kritischen Blick auf die unterschiedlichen Anteile gibt. Keine Altersangabe? Scheiß der Hund drauf!

Andere Stimmen vernehmen wir bei der neuen 1824er Range von Macallan oder dem jüngst eingeführten „Founders Reserve“ von Glenlivet. Macallan Fans sind sich einig, dass die Brennerei in den letzten Jahren an Qualität verloren hat und die neuen Abfüllungen, allesamt NAS-Whiskys, die Reife und Komplexität der älteren Macallans vermissen lassen. Ich für meinen Teil vermag dies nur bedingt zu beurteilen, da ich wenige der alten Macallans probieren konnte (zumeist aus finanziellen Gründen). Den Sienna finde ich zwar lecker, aber eben keine „80 €+“-lecker. Das Preis-Leistungsverhältnis bei Macallan scheint den kritischen Stimmen also Recht zu geben.

Und auch Glenlivet läuft aktuell Gefahr Imageeinbußen hinnehmen zu müssen, da sie ihre 12jährige Standardabfüllung mit einem krassen Bruch durch den Founders Reserve ersetzt haben, der bislang keine guten Kritiken einfahren konnte. Ein zaghafter Übergang wäre hier möglicherweise sinnvoller gewesen. Talisker beispielsweise geht hier sensibler vor und hat den NAS-Whisky „Skye“ neben dem 10er eingeführt. So kann der Kunde selbst entscheiden und dem Skye eine faire Chance geben. Im Falle von Glenlivet würde ich also dazu tendieren den „Founders Reserve“ der Kategorie „Günstige Alternative“ zuzuordnen.

Bei einigen Brennereien beobachten wir auch im Standardbereich von 12 Jahren bereits Preisanstiege. Nachvollziehbar also, dass die Brennereien versuchen preiswertere Optionen nachzuliefern. Sterben die Whiskys mit Altersangabe nun aus? Nein eher nicht, aber sie werden wohl vermutlich weiterhin teurer werden, bis ausreichend Fässer nachgereift sind und die große Zahl an neuen Brennereien mit ihren Produkten den Markt bereichert. Einer Tatsache kann man sich bei aller Verteidigung der NAS-Whiskys eben nicht entziehen: Eine Altersangabe ist und bleibt eine zusätzliche wertvolle Information über den Inhalt und dessen Reifegrad. Insbesondere wenn der Whisky mit Zuckerkulör nachgefärbt wurde, bleibt dem Käufer bei NAS-Whiskys kaum ein Anhaltspunkt übrig, der zur Beurteilung der intrinsischen Qualität hilfreich ist. Als Whisky Geek und Tastingveranstalter bin ich ein großer Freund von Information. Je weniger Information, desto schwieriger die Beurteilung und die Kaufentscheidung.

Zusammenfassend kann ich also kein generelles Urteil über NAS-Whiskys fällen, dafür ist die Vielfalt an Abfüllungen viel zu groß. NAS-Whiskys lassen sich eben doch nicht wirklich klassifizieren und irgendwie liegt darin ja auch der Reiz. Wie immer bleibt dem Whiskyliebhaber nur der eigenen kritischen Nase zu vertrauen. Ich hoffe, dass ich meinen Weg hin zu mehr Ruhe und Gelassenheit in der Whisky Industrie finde und dass sie selbst ihren Pfad mit der Zeit nicht all zu weit verlässt. Das Gras wächst eben nicht schneller wenn man daran zieht. Und wir, die Kunden, werden langfristig die Brennereien abstrafen, die uns halbgare Ware vorsetzen. Ein Blick auf die Uhr hat mir grade gezeigt… es ist schon spät! Manche Dinge brauchen eben einfach Zeit…

Slainte!

Euer Leon

Landgang in Porto: Auf den Spuren des Portweins

Ein holpriger Start:

Es ist kein Geheimnis, mein thematischer Heimathafen ist Schottland mit seinen unzähligen und mannigfaltigen Whisky Brennereien. Und doch stößt der passionierte Malthead bei seinen Reisen und Recherchen in der Welt des Whiskys immer wieder auf Verwandte und Bekannte. Fasstypen wie Pedro Ximenez, Oloroso Sherry oder Port gehören schon zum Standard und die Experimentierfreude der Brennereien kennt keine Grenzen, genau wie meine Entdeckungslust. Daher habe ich, als sich mir die Möglichkeit bot, kurzerhand einen Flug nach Porto gebucht, um mir einmal einen Überblick über den Portwein und seine Heimat zu verschaffen. Zugegeben, ich bin völlig plan- und ziellos losgezogen. Aber am Ende liegt ja gerade hier der Reiz! Begleitet mich auf meinen ersten Landgang und das erste mal „Fremdmarinieren“ nach Portugal in die Heimat des Portweins!

Zwei Tage vor Abflug: Die Kräfte schwinden, ich fühl mich schlecht. Ole Ole! Ich werde krank… ich könnte kotzen. Schlechte Wortwahl. Direkt vor dem Flug. War ja klar.

Bis zum Abflug bin ich unentschlossen, ob ich wirklich fliegen soll. Der Geiz (Flug und Airbnb sind bezahlt) und meine Neugierde lassen mich dann aber doch mit weichen Knien in den Flieger steigen (und nicht nur, weil ich wiedermal mit Ryanair fliegen muss). Krank in den Urlaub… Man könnte meinen es hat System. Aber zur Not lieg ich halt drei Tage im Airbnb Bett und schau aus dem Fenster. Hat auf den Orkneys auch schon super geklappt! Kaum aus dem Flieger gestiegen strahlt mich vom Flughafenboden die Werbung für die „caves de vinho do porto“ an. Dunkle Keller mit Eichenfässern…. Ok I´m hooked! Ich werde von meiner Freundin Ana am Flughafen mit vertrautem Skye-Schottisch empfangen (wir haben uns im Skyewalker Hostel kennengelernt, dem nerdigsten Hostel Schottlands… und deswegen eins der coolsten). 

Das Airbnb ist, wie so oft, ne Wucht. Ich erwache in einem wunderschön renoviertem Altbau in frischen Laken. In jedem Zimmer ist Stuck an der Decke… im Wohnzimmer
sogar aus Holz. Stuck aus Holz, ich wusste nicht einmal, dass es sowas gibt. Wie geil!

Dennoch: „Computer says no“. Fühle mich nach wie vor nicht fit. Egal: Wat mutt dat mutt! Ich wage die ersten Schritte durch die nähere Umgebung. Ich mag die bunten Fließen („azulejos“ wie ich später herausfinde) die viele Häuser schmücken. Einen kurzen Blick auf den nahegelegenen Friedhof kann ich mir auch nicht verkneifen.

 

Zweite Station des Tages ist Mittagessen mit Ana im „Daterra“ einem wunderbaren vegetarischem Restaurant mit SB-Buffet für 7,50 Euro! Das Wetter ist so semi-gut. Nieselregen. Hurra! Nach der guten Grundlage machen wir uns auf in Richtung Caves im Viertel Gaia (hier liegen die ganzen Weinkeller). Auf dem Weg bricht über uns die Hölle los. Ein geeigneter Zeitpunkt um festzustellen, dass meine Lederstiefel undicht sind. Völlig durchnässt kommen wir grade noch bis zu Sandemann. Einem der wohl kommerziellsten der Weinkeller wie es mir scheint. Aber zum Starten sicher keine schlechte Wahl. Man will ja Luft nach oben haben :D. Der Eintritt ist umsonst (Ana kennt die Dame am Tresen). Läuft. Meine Nase füllt sich mit dem Geruch des Caves und alle Sorgen um Schuhe, Gesundheit und Nässe sind vergessen. Der Mariner Spirit hat mich wieder! Wow! Wir betreten einen Tempel, keine Frage.

Über Portwein:

Das erste das ich über Port lerne: Portwein ist deshalb so süß, weil der Prozess der Gärung, bei der der Zucker in Alkohol umgewandelt wird (ähnlich dem Whiskyherstellungsprozess in den Washbacks) vorzeitig gestoppt wird, bevor der Zucker gänzlich umgewandelt ist. Dies wird durch die Zugabe von hochprozentigem (ca. 80 % Vol.) Weinbrand erreicht. Hierdurch bleibt viel des Fruchtzuckers im Port erhalten, der Alkoholgehalt steigt damit aber auf 19 – 22 % Vol. Dieses Verfahren nennt man „Fortifizieren“ oder „Aufspriten“ (englisch „fortified wine“).

Es gibt grob gesagt drei Sorten von Port.

Zum einen den weißen Port, der gekühlt als Aperitif zum Essen gereicht werden kann und von pappsüß bis trocken eine breites Spektrum aufweist. 

Dann haben wir den Ruby, einen süßen fruchtigen roten Port, der nach einer (für Port Verhältnisse) kurzen Reifezeit von zwei bis drei Jahren in großen Vats/Tanks gefiltert und trinkfertig in Flaschen abgefüllt wird. Mir persönlich sind die meisten Rubys schlicht zu süß. 

Die Tawny Ports sind eher nach meinem Geschmack. Sie werden länger gelagert und im Fass gereift und verlieren durch die Oxidation und den Kontakt mit dem Holz über die Jahre an Farbe (daher oft nicht mehr so dunkel wie Rubys). Sie nehmen außerdem (ähnlich wie Whisky nur nicht so intensiv) Aromen vom Holz auf und entwickeln hierbei nussartige und trockenfruchtige Aromen. Die Altersstufen sind hier mal eben 10, 20, 30 und 40 Jahre (außer bei gesonderten Jahrgängen). 

 

Ich hab mir die Möglichkeit nicht nehmen lassen einen Tawny von einem „Single Harvest“ also einer einzelnen Ernte (nicht verschnitten mit anderen Ernten) von 1965 zu verkosten. Wirklich ein Brett und deutlich besser als die „Standard Tawnys“ (ohne Altersangabe oder 10 Jahre). Wobei ich hier sagen muss, dass der Preisunterschied von ca. 20 Euro für einen Tawny 10 und 250 Euro für den 1965er sich jetzt für mich nicht im Glas halten konnte.

Was nicht heißt, dass man nicht mal was getrunken haben muss das älter als man selbst ist :D. Und saulecker war er trotzdem :). 

Das sind die Grundtypen und ab hier wird es komplizierter. Was ich vor Ort noch aufnehmen konnte (ohne Wikipedia Recherche), ist dass besonders gute Jahrgänge der Traubenernte an das Portweininstitut „O Instituto dos Vinhos do Douro e Porto“ geschickt werden. Diese werden, bei ausreichender Qualität als sog. Vintage Jahrgänge klassifiziert und dürfen dann als solche verkauft werden (Reisebericht zum Institut). Sie werden dann ungefiltert in Flaschen abgefüllt, die mindestens 10 Jahre liegend gelagert werden sollten, bevor sie geöffnet und getrunken werden. Dies ist der einzige Port, der in der Flasche nachreift und an Qualität gewinnt. Theoretisch kann man die kostbaren Buddeln natürlich auch vorher aufreißen und probieren. Ich hatte die Möglichkeit einen Vintage von 2011 zu probieren. Und selbst ich als Portwein Banause muss gestehen, dass das Zeug eine Wucht war. Hätte gern ne Flasche mitgenommen wenn sie nicht 95 Euro gekostet hätte :). Es gibt noch einige andere Varianten und Kategorien die ihr alle bei Wikipedia nachlesen könnt.

Insgesamt konnte ich bei meinem dreitägigen Portobesuch 4 verschiedene Caves (ausgesprochen „Kavsch“) besuchen. 

Sandeman: Gegründet 1790 vom Schotten George Sandeman. Wie gesagt eher etwas touristischer (die Tourguides rennen alle in den schwarzen Mänteln und Hüten rum, die übrigens die Verbindung zwischen Portugal und seinen studentischen Roben und dem spanischen Hut der „caballeros de Jerez“ symbolisieren sollen). Sandemann produziert eben sowohl Port, als auch Sherry, Brandy und Madeira. Die Standard Tour kostet 6 € (wenn man sie zahlen muss 😉 dafür kriegt man zwei zuckersüße Ports zum Schluss. Wie gesagt… Luft nach oben! 

Real Companhia Velha: Gegründet 1765, nach eigener Aussage die älteste Weingesellschaft Portugals. Etwas ab vom Schuss im Vergleich zu den anderen Kellern, aber einen Ausflug wert! 7,50 Euro für die „Vintage Tour“ mit Verkostung eines White Ports, eines Rose, eines 7 Jahre alten und 20 Jahre alten Tawny plus Besuch des Vintage Port Wein Kellers (Sollte man sich nicht entgehen lassen!)… geht preislich mehr als in Ordnung! Yeardropping: Das älteste Fass in dem noch Port reift ist von 1867, die älteste Flasche von 1827. Port aus einer Ära in der viele der heutigen alten Whisky Brennereien gegründet wurden! Von einem Whisky aus der Zeit können wir nur träumen! 

Taylor’s: Hier hat mir der White Port am besten geschmeckt… Könnte man sich glatt dran gewöhnen, immer wenn man auf eine Tour wartet so einen zu trinken ;). Taylor produziert im Gegensatz zu etwa Sandemann nur Port Wein. Laut Personal hat man, öffnet man einen Vintage Port von 1920, genau zwei Stunden Zeit ihn zu konsumieren bevor er kaputtoxidiert. Es gab hierbei wohl keine Schwierigkeiten ^^. 

 Last but not least: Cockburns (reißt euch zusammen wir müssen jetzt seriös und erwachsen sein), ausgesprochen „Couburns“. Mit 6000 Fässern der größte Keller in Porto. Die Tour gefiel mir paradoxerweise hier am besten. Lag wohl an der Tourguidess. Auch bei Cockburns gab es eine schottischen Vergangenheit. Obendrein hat Cockburns noch ihre eigene Böttcherei (da schlägt das Malthead Herz gleich noch höher!). Ab nächstem Jahr plant der Keller dies in die Tour mit einzubauen. 4 € für die Standardtour mit zwei Ports, dafür gabs aber für 5 € als Port des Monats den Vintage 2011er zu probieren… BOMBE! 

Alles in Allem fällt es mir schwer einen Favoriten zu wählen mein Bauchgefühl sagt aber, wenn man nur einen oder zwei Keller besuchen kann, nehmt nicht die die direkt am Wasser liegen mit dem höchsten Touri Faktor (Sandeman z.B.). Ich war jedenfalls restlos begeistert und hab mich prächtig amüsiert! Und bei dem ganzen Portwein hab ich dann auch irgendwann vergessen krank zu sein. Soviel zum Thema Alkohol ist ungesund ;D.

Slainte Freunde!


Euer Leon