Distillery Review 29: Borders Distillery – The middle of the road

Borders Distillery Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Diesen Mai hab ich mir mal wieder einen Schottland Trip gegönnt, um ein paar Lücken in meiner „Brennereien-Sammlerwahn-Liste“ zu schließen. Besonders die Lowlands geben mir glücklicherweise viel zu tun! Eine der jungen Whisky-Produzenten, die ich bislang nicht erreicht hatte, war die Borders Distillery im kleinen Lowland Örtchen Hawick (ausgesprochen „Hoik“, HOIK! Klingt wie ein Schluckauf). In knapp 1,5 Stunden ist die Brennerei mit dem Auto von Edinburgh-Zentrum zu erreichen. Mit im Gepäck hatte ich meinen guten Freund und Malt Mate Michael Cooper. 2014 kam uns auf dem Calton Hill in Edinburgh die Idee für eigene Whisky Tastings. Malt Mariners war geboren! Aber ich schweife ab. Der Weg zur Brennerei fühlte sich für mich wie eine Reise in den Süden an, also nach England. Die Landschaft wird „englischer“, je näher man den Scottish Borders kommt. Ich hab mir spaßeshalber mal überlegt, warum sich das für uns überhaupt so angefühlt hat. Ein gravierender Unterschied der uns auffiel: Hier werden Hecken und Büsche zur Abgrenzung der Weiden und Grundstücke verwendetet, statt Steinmauern. AHA! Es sind eben doch die kleinen, feinen Unterschiede, die ein Land ausmachen. Gut gelaunt kamen wir also bei der Brennerei an. Die Borders Distillery ist noch sehr jung, erst 2016 war Baubeginn mit dem Abschluss im März 2018. Seit dem fließt glasklarer Rohbrand von den kupfernen Pot Stills. 1837 schloss die letzte Brennerei in der Region ihre Pforten. Verwunderlich, dass es nun einen neue Whisky-Produzenten in dem eher nichtssagenden Gebiet gibt, ist es also nicht. Schließlich hat der Whisky-Boom vor allem die schottischen Lowlands in eine Art Goldgräberstimmung versetzt. 10 Millionen Pfund hat die Borders Distillery gekostet und ist im Besitz der Firma „The Three Stills“.

Besuch der Brennerei

Borders Distillery Visitor Center Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Gebäude der Brennerei sind ein guten Beispiel für den modernen Gebäude-Stil junger schottischer Brennereien. Alles ist gut strukturiert. Für meinen Geschmack wirkt hier alles etwas zu glatt und zu grade. Es ist nett und hell, mir fehlt ein wenig der eigene einprägsame Charakter. Ich habe nun eine Menge neue Brennereien in Schottland gesehen und suche mittlerweile bewusst nach Alleinstellungsmerkmalen und Besonderheiten. Der besagte Whisky-Boom scheint eine große Masse von Investoren anzulocken, die alle das große Geld in diesem Sektor zu wittern scheinen. Damit stellt sich für mich bei einem neuen Projekt immer die Frage: „Was bringt diese Brennerei Neues mit, wie ergänzt und bereichert die Brennerei die Whisky-Landschaft“. Diese Frage bleibt die Borders Distillery in meinen Augen irgendwie schuldig, zumindest aus Sicht eines vielreisenden Besuchers. Die Tour wird von einem netten lokalen Jungen geführt, der zügig durch den Prozess geht. Man versteht ihn leider nicht so gut, die Geräuschkulisse der Brennerei ist wie so oft hinderlich. Das Holzmodell der Brennerei zu Beginn der Führung ist aber knuffig und bietet einen guten Überblick.

Borders Distillery Washbacks Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Borders bemüht sich um einen klassisch leichten Lowland-Stil. Die Fermentationszeit ist entsprechend lang, zwischen 72 und 120 Stunden. Die Washbacks aus Edelstahl unterstreichen für mich das sterile Feeling. Das Still Room ist dennoch auch hier ein Highlight. Hier wird (üblich für die Neuankömmlinge in der Szene) auch Gin und Wodka gebrannt, um den Weg zum Whisky finanziell zu überbrücken. Die 4 kupfernen Pot Stills aus dem Hause Forsyths produzieren derzeit rund 1,8 Millionen Liter im Jahr, eine beachtliche Menge für die kleine Brennerei.

Borders Distillery Pot Stills Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Führung beinhaltet kein Warehouse, da die Brennerei derzeit keine eigenen besitzt. Es kommen wohl in der Zukunft eigene dazu. Ohne eigene Lagerhäuser in die Produktion zu gehen ist ein Trend neuer Brennereien, der bei mir große Widerstände hervorruft. Ohne Lagerhäuser, die aromatischen Tempel und heiligen Stätten jeder Whisky-Destille, wirkt die Brennerei nur wie eine schicke Alkohol-Fabrik. Gut wenn wir Whisky-Enthusiasten ehrlich zu uns sind, ist jede Whisky-Destille eben auch „nur“ das. Dennoch fehlt mir der sensorische Eindruck. Auch bei Torabhaig fiel mir dies negativ auf. Die junge Brennerei auf der Insel Skye kann dies jedoch mit einer schönen Location und optisch (für mich) ansprechenderen Gebäuden kompensieren.

Borders Distillery Spirits Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Tour endet im Tasting-Room, wo wir einen Blended Scotch, Blended Malt, den Rohbrand und den Gin und Wodka aus dem Hause probieren dürfen. Mich interessiert vor allem der Newmake, der Rohbrand der Brennerei, um mir ein Puzzlestück des späteren Whiskys ansehen zu können. Und hier muss ich wirklich ein großes Lob an die Brennerei aussprechen. Die New Make ist fantastisch! Enorm süffig, sehr süß, getreidig und leicht floral, fast parfümiert. Man möchte ihn einfach so pur trinken. In großen Mengen! Zum Glück muss ich fahren und widerstehe der Versuchung. Alle Achtung Borders! Die Perspektive auf den zukünftigen Single Malt Whisky ist also gut. Der wird wohl frühestens 2023 den Markt bereichern. Leider verkauft die Brennerei diesen Rohbrand im Visitor Center nur in 70 cl Flaschen zu stolzen 50 Pfund. Ein strategisch unkluger Schachzug wie ich finde. Die meisten Brennereien gehen hier den Weg über 20 cl Fläschchen. Dieser Ansatz gefällt mir deutlich besser, denn wer eine Kostprobe des Rohbrands haben möchte, dem reicht eine kleine Flasche meist.

Verwirrung um den „Borders Whisky“

Ich lerne dazu, dass der Single Grain Whisky mit dem Titel „Borders“ gar nicht von der Borders Distillery stammt. Ich war ich nämlich bislang davon ausgegangen, dass die Abfüllung zur Brennerei gehört und Borders folglich zu den R & B Distillers. Diese haben auf der Insel Raasay die Raasay Distillery gebaut. Es verhält sich jedoch so, dass die R & B Distillers ebenfalls eine Borders Distillery bauen wollten, mit gleichem Namen. Die Borders Distillery von Three Stills ist ihnen jedoch zuvorgekommen. Derzeit liegt das Projekt „Borders“ bei R & B Distillers scheinbar auf Eis. Auch die Verwirrung um ihren Grain Whisky „Borders“ wirken sie nun entgegen und haben die Abfüllung in „The Tweeddale Grain of Truth“ umgewandelt. Der Grain enthält das gleiche Mashbill 50 % Weizen und 50 % gemälzte Gerste, abgefüllt mit 46 % vol.

Borders Single Grain Scotch Whisky Lowland

Fazit:

Die Gebäude, das Visitor Center und die Location sind alle nett geworden, aber für mich nicht einprägsam genug, um aus der Masse an neuen Brennereien herauszustechen. Für mich landet Borders somit eher „in the middle of the road“, nicht schlecht, aber auch Nichts was lange im Gedächtnis bleibt. Die Brennerei macht im Grunde nichts wirklich „falsch“. Sie besitzt aus meiner Sicht aber einfach zu wenig Charme und Charakter, um einen Ausflug in die Region, allein für die Brennerei zu rechtfertigen. Wer ohnehin in der Gegend ist, sollte aber vorbeischauen. Whisky-Einsteiger, die von Edinburgh aus einen Tagestrip planen, sollten eher auf Glenkinchie, als alteingesessene Brennerei mit ausgereiftem Whisky und breiter Bar, zurückgreifen. Wer eine neue Brennerei besuchen möchte, sollte entweder Annandale oder Lindores Abbey in Fife einen Besuch abstatten. Beide machen aus meiner Sicht eine besseren Job in der Präsentation und bieten dem Besucher mehr Einblicke und interessante Features.
Wie immer gilt: „It’s a one man’s opinion“. Es handelt sich hier um eine Momentaufnahme und Einzelmeinung. Jede Brennerei ist am Ende des Tages einen Besuch wert!

Slainte!

Euer Leon

Borders Distillery Visitor Center Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Captains drams today… Balblair 12 und 15 (neue Range)

Balblair 12 und Balblair 15 Single Malt Scotch Whisky Review Malt Mariners
Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder

Heute habe ich zwei Samples der neuen Balblair Abfüllungen vor mir. Eine schwierige Aufgabe für jemand wie mich, der die Brennerei Balblair seit dem Besuch liebt und verehrt. Warum ist diese Verkostung für mich so wichtig und gleichzeitig kritisch? Balblair war bis vor Kurzem die einzige Brennerei Schottlands (Glenrothes hatte zeitweise mitgehalten) die mit sog. Vintage Abfüllungen arbeitete, also die Whiskys nicht nach Alter sondern nach Jahrgang (Destillationsjahr und Abfülljahr) abfüllte. Das ist für sich allein genommen, noch kein Qualitätsmerkmal, aber mir gefiel der Ansatz in Kombination mit dem tollen Flaschendesign sehr sehr gut. Ihr merkt, ich schreibe in der Vergangenheit. Den kürzlich wurde die Umstellung des Sortiments bekanntgegeben und nun werden die Abfüllungen von Balblair in neuem Design (siehe Bild) und mit einer regulären Altersangabe vermarktet. Mir missfiel diese Entwicklung von Vornherein, da ich so ein Fan des alten Flaschendesigns bin. Lange Rede kurzer Sinn: Ich gehe sehr kritisch an die Proben des „neuen“ 12 und 15 Jahre alten Balblairs heran.

Rahmendaten Balbair 12:
Alter: 12 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Double Fired American Oak“, was wohl Virgin Oak bedeuten soll, oder aber auch stark ausgebrannte Ex-Bourbonfässer sein könnten.
Preis: 45 – 50 €

In der Nase wirkt der 12-jährige Balblair recht sauer und spritzig. Soweit nicht all zu ungewöhnlich, eine gewisse sauer-bittre Note Richtung Grapefuit und Orangenzeste bin ich von Balblair-Bourbonfässern gewohnt. Dazu mischt sich allerdings eine vergorene Note, die stark an Weißwein erinnert. In Ansätzen hatte ich die beim 2003er Balblair auch, aber nicht so extrem. Dazu kommt eine zarte Puderzuckernote, die evtl. aus frischer Eiche stammen könnte. Alles in allem der Balblair aber sehr hell im Glas, was auf Grund der natürliche Farbe eher gegen frische Eiche spricht, die massiv schnell Farbe an den Whisky abgeben kann.

Am Gaumen finden sich die gleichen Aromen wieder. Auch den scharfen Antritt bin ich zwar von Balblair gewohnt, die geringe Komplexität ist doch recht enttäuschend. Süß-sauer wirkt der Whisky auf der Zunge. Nicht unangenehm aber eben auch nicht wirklich überzeugend.

Das Finish ist extrem kurz. 12-jährige Bourbonfässer sind nun nicht dafür bekannt ein atemberaubend langes Finish zu liefern, dennoch erwarte ich mir für den amtlichen Preis hier deutlich mehr.

Als Referenz schenke ich mir einen Handfilled (Single Cask) ein, ebenfalls Bourbon Cask und wässre ihn von der Fassstärke in etwa auf 46 % vol. herunter. Die Unterschiede sind (nicht überraschend) bezeichnend. Die deutlich intensivere Süße und der goldene Farbton beim Handfilled sprechen Bände über das Fass in Relation zu den im 12er verwendeten Fässern. Klar: Einen Single Cask Handfilled für 100 £ die Buddel und einen 12 Jahre alten Standard zum halben Preis zu vergleichen ist unfair. Mir geht es nur darum als Referenz das Potential der Brennerei für mich nochmal abzubilden. Und das ist zweifelsohne vorhanden, sonst wäre ich nie so ein großer Fan geworden.

Fazit Verkostung des Balblair 12 Jahre: Wer mich kennt, der weiß: Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen, besonders wenn es darum geht, eine geliebte Whisky-Marke aufzuwerten. In diesem Fall behält meine Skepsis leider recht, zumindest in der Momentaufnahme. Der neue Balblair steigt mit einem sehr hohen Preis in den Markt ein und liefert dafür aus meiner Sicht nicht wirklich was er verspricht bzw. was er könnte. Ich verstehe nicht ganz, warum man hier nicht wirklich ein paar anständige Virgin Oak Fässer zum „Aufpolieren“ verwendet hat, oder aber (noch besser) einfach gute Bourbonfässer. Mich hat dieser Balblair jedenfalls nicht überzeugen können und ich habe fast Angst davon mich dem 15 Jahre alten Sample zu widmen. Der steigt nämlich mit gut 75 € ein.

Alternative Empfehlung:
Als offensichtliche Empfehlung bietet sich solange noch zu haben eine Vintage Abfüllung von Balblair 2005 an, die derzeit noch online für um die 40 € gibt, die in meiner Erinnerung trotz Jahre weniger besser sind, als der neue 12er.
Als generelle Alternativen zu einem hellfruchtigen Whisky mit 46 % vol. würde ich definitiv den Arran 10 Jahre empfehlen, den man für nur 30 € einfach bekommen kann. Wer etwas mehr Komplexität sucht kann mit Deanston 12 Jahre, Clynelish 14 oder Tobermory 10 nichts verkehrt machen. Alle haben einen Bourbonfass-Fokus und kosten nicht mehr als 40 € und haben 46(,3) % vol. In dieser Gesellschaft kann der neue Balblair 12 meiner Meinung nach leider nicht bestehen.

Rahmendaten Balblair 15:
Alter: 15 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Finish in First Fill Spanish Oak Butts“.
Preis: ~ 75 €

Now we’re talking! In der Nase zeigt sich eine saftige Orangenzeste, die mein seltsames Hirn „vergoldet“. Eine deutlich Note von Himbeer-Sahnetorte mischt sich dazu. Die intensiven süßen Zitrusnoten erinnern mich an Sauternes Wein. Eine sehr ansprechende Nase! Die Sherryfässer bringen eine schöne Würze und Fruchtigkeit dazu.

Am Gaumen bringt der kräftige Antritt Brausestangen und ein cremiges Fruchtkompott auf Ballet. Nach der schwachen Performance des 12ers bin ich positiv überrascht.

Der Abgang bleibt etwas bitter, aber im Rahmen. Ausgeglichen, mittellang und angenehm.

Fazit Verkostung des Balblair 15 Jahre: Dies ist ein Balblair nach meinem Geschmack, den ich allein genommen wohl als sehr gut bewerten würde. Ich mag die Kombination von Bourbon- und Sherryfässern bei Balblair. 75 € ist nicht wenig für einen 15 Jahre alten Whisky. Für mich kratzt der 15er preislich an der Grenze des Machbaren, da er mir aber gefällt würde ich ihn mir sogar zulegen. Aber mein letzter Balblair war ein Geschenk meiner Freundin, der Vintage 1999 und damit ein mindestens 16 Jahre alter Whisky, ebenfalls in Sherry und Bourbonfässern ausgebaut. Das war eine Literflasche für rund 60 € zu haben. Vergleichen wir die beiden miteinander, steht leider auch der 15er Balblair preislich in keinem guten Licht. Ich bleibe aber bei meiner Einschätzung, dass der neue 15er Balblair für mich ein guter Whisky ist, den ich gern trinken würde und ggf. mir sogar beizeiten eine Flasche anschaffe (wenn ich keine alten Vintages mehr bekommen kann ;).

Mich würden Eure Meinungen zu der neuen Range sehr interessieren und wie die einzelnen Abfüllungen bei Euch ankommen.

Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder