A new spirit – Ein zweiter Blick auf die neuen Lowland Brennereien und ein überraschender Gewinner!

Dreieinhalb Jahre sind vergangen seit ich den Artikel Distillery Review 10: A new spirit – Annandale, Eden Mill, Kingsbarns verfasst habe. 2015 auf meinem großen Roadtrip durch Schottland besuchte ich die drei jungen Lowland Brennereien Eden Mill, Annandale und Kingsbarns und berichtete im vergleichenden Artikel über meine Eindrücke. Mittlerweile haben alle drei Brennereien ihren ersten Single Malt Whisky veröffentlicht. Zeit für einen zweiten Blick und ein Résumé. Denn für mich gibt es, in der Momentaufnahme zumindest, einen klaren Gewinner (zumindest was das erste Release angeht). Ich werde im Detail hier auch nur den „Gewinner“ besprechen und die anderen beiden nur kurz umreißen.


Eden Mill Distillery: Eine kleine Craft Distillery nahe der Golfer- und Studentenstadt St Andrews. Eden Mill brennt, anders als die meisten größeren Malt Whisky Brennereien Schottlands auf sog. Alambic Stills, die auch für Cognac und Eau de Vie eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei, auch mit Hinblick auf mein Review zum Whisky, zu erwähnen, dass ich bislang keine guten Erfahrungen mit dieser Destillationsmethode im Whisky-Bereich machen konnte. Meist kommen bei Alambic Stills seltsame Gemüsenoten in den Brand, die ich absolut nicht im Whisky mag. Die Brennerei baute sich in den Jahre vor dem fertigen Whisky ein solides Portfolio an Craft Beer und Gin auf und hat besonders in der Golf- und Gin Gemeinde einen ebenso guten Ruf wie vermutlich bald in der Whisky Szene. Ein spannender Aspekt der Brennerei ist aber das Experimentieren mit unterschiedlichen Malz Sorten, wie Pale Malt, Chocolate Malt und Crystal Malt. Diese unterschiedlichen Rohbrände wurden 2018 zur „Hip Flask Series“ abgefüllt, einer Serie von kleinen 20 cl Flaschen aus unterschiedlichen Fässer mit unterschiedlichen Bränden zu je 25 £. In unserem Verkostungsvideo Whisky Review 08: Eden Mill Single Malt Hip Flask No. 2 & 3 verkosten Paddy und ich die Nummern 2 und 3 der Serie und versuchen herauszufinden, wie viel Unterschied man durch die Malz Sorten tatsächlich merkt.

Annandale Distillery: 2014 gegründet produziert Annandale als eine der ersten Lowland Brennereien seit langem neben einem nicht rauchigen Single Malt (Man O’Words) auch einen torfig/rauchigen Whisky (Man O’Sword). Die sehr schön anzusehende Brennerei, mit hervorragendem Besucherzentrum und Cafe produziert auf klassischen Pot Stills und veröffentlichte ihr erstes Release 2018. Ich konnte das ungetorfte Release in Fassstärke probieren. Über die Verkostung haben wir ein Youtube Video gedreht, wer unsere Eindrücke dazu sehen möchte, schaut hier rein: Whisky Review 06: Annandale first Release. Mich konnte das Release nicht gänzlich überzeugen, besonders beim stolzen Preis von 300 £ pro Flasche. Ich freue mich aber sehr auf die Verkostung der weiteren Abfüllungen und bin sicher, dass die Versionen in Trinkstärke mir besser gefallen werden. Abonniert gern unseren Malt Mariners Youtube Kanal um auf dem Laufenden zu bleiben.

Annandale Single Malt Scotch Whisky Distillery Lowlands
Annandale Distillery

Kingsbarns Distillery: Kingsbarns liegt ebenfalls nach St Andrews und produziert einen klassischen Lowland Single Malt Whisky. Auch hier haben wir auf Youtube im Whisky Review 13: Kingsbarns Spirit Drink den Young Malt (also unfertigen zwei Jahre alten „Baby-Whisky“) probiert. Den echten ersten Single Malt Whisky von Kingsbarns „From Dream to Dram“ haben wir kurz darauf auf der Hanse Spirit probiert. Dieser sehr fruchtig frische Lowland Malt hatte schon deutliche Vorzüge gegenüber den enorm heftigen fassstarken Young Malt und konnte sich sehr gut präsentieren. Wirklich aus den Socken gehauen hat aber auch er mich nicht, was ich von einem drei-jährigen Whisky auch schlichtweg nicht erwarte. Zu Gute halten muss man Kingsbarns, dass der Preis der ersten frei erhältlichen Abfüllung mit ca. 45 Euro allerdings auch im sehr preiswerten Bereich angesiedelt ist (siehe meine Gedanken zum Preis neuer Brennereien weiter unten). Auch hier bin ich fest von einer stetigen Weiterentwicklung des Single Malts der Brennerei überzeugt und freue mich auf weitere Abfüllungen.

Kingsbarns Distillery
Kingsbarns Single Malt Scotch Whisky First Release
Kingsbarns first Release „From Dream to Dram“
Eden Mill Single Malt Release 2018 Whic.de

Kommen wir nun zu meinem persönlichen klaren Gewinner und für mich einer großen Überraschung. Im positiven Sinne. Die Inhalte der Hip Flask Series von Eden Mill waren gut gemacht, teils etwas scharf und unausgewogen und manche etwas zu fass-dominiert. Das erste offizielle (in Deutschland erhältliche) Single Malt Release 2018 ist in Oloroso Sherry, Pedro Ximenez Sherry und Bourbonfässern gereift, vermutlich teilweise sehr kleinen, wie es bei der Brennerei zu Beginn üblich war. Das „Standard“ Release ist aber aus meiner Sicht merklich reifer und komplexer als die kleinen Hip Flask Abfüllungen. Es ist vor allem bei Betrachten des geringen Alters (2018 konnte der Whisky maximal 4 Jahre alt sein) erstaunlich wie süffig und komplex dieses erste Release ausfällt.

Tasting Notes:
Nase: Ich werde von einer enormen Menge an unterschiedlichsten Aromen überfallen. Enorm fruchtig und beerig wirken die ersten Eindrücke allerdings nicht dunkel und schwer, sondern beinahe von einer frischen Spritzigkeit von stark sprudelndem Mineralwasser getragen. Mit etwas Zeit wird die Nase floraler, viele Parfümaromen treten hinzu, aber nicht chemisch, sondern sehr aromatisch und angenehm. Ich muss an die Kirschlutscher aus meiner Kindheit denken, sehr süß! Jetzt kann ich klarer überreifen Pfirsich und asiatischen Pflaumenwein identifizieren. Honigmelone, Cashewkerne und trockenes Heu kommen dazu. Ich könnte noch lange an diesem vielfältigen Eden Mill Single Malt weiter riechen, bekomme aber große Lust den ersten Schluck zu nehmen.

Geschmack: Der Gaumen hält, was die Nase verspricht. Wieder werde ich von einem Feuerwerk von Aromen überwältigt. Sehr viel Holz überrascht mich nach so wenigen Jahren und legt die Vermutung kleiner Fassarten nahe. Wieder finde ich Aprikose und viel süße Vanillearomen. Der Gaumen ist absolut verlocken sehr viel von diesem Single Malt zu trinken. Ein genialer frischer Sommer Whisky.

Eden Mill Hip Flasks

Abgang: Der Abgang ist, nicht überraschend für einen jungen Whisky, recht kurz, aber ebenfalls sehr angenehm. Er klingt in leicht bitteren Aprikosennoten aus, erinnert an Steinobst generell.

Auch meine Eltern, die sonst wenig Whisky trinken sind enorm angetan von dem, was ich da im Glas habe und die 5 cl Probe ist schneller leer als uns allen lieb ist. Derzeit ist die Flasche noch im Netz zu haben. „Wo ist der Haken“ denkt ihr Euch nun sicher. Ja der Haken ist subjektiv betrachtet, wie so oft beim schottischen Single Malt, der Preis. Rund 85 € müssen wir derzeit für eine Flasche von dem jungen wilden Lowlander ausgeben. Das wirkt auf den ersten Blick absurd viel. Ist jedoch, blicken wir uns in der Landschaft der neuen Brennereien um, im Grunde sogar moderat. Das erste (allerdings 12 Jahre alte) Release von Daftmill aus den Lowlands ging für 250 £ an die, per Losverfahren ausgewählten, Kunden. Wo wir grad beim Thema sind: Auch dieses 12jährige Release von Daftmill war aus meiner persönlichen Sicht keine Revolution. Ich hoffe auf einen zweiten Blick. Annandale gab die ersten Abfüllungen für rund 300 £, die Folgenden für 126 £ heraus. Ein Preisschild von 85 £/€ für den ersten offiziellen Single Malt scheint da bei Eden Mill im Vergleich fast bescheiden. Aber es bleibt ein hoher Preis für einen jungen Whisky. Ich muss allerdings bei aller Skepsis den Alambic Stills gegenüber zugeben: Dieser Single Malt von Eden Mill ist ein Meisterwerk der jungen Wilden. Nachdem dieser Whisky mit 46,5 % vol. abgefüllt wurde, kann er auch nicht, wie viele andere Whiskys heutzutage, mit enorm starken Alkoholprozenten eine Reife vorgaukeln, die er nicht hat. Klar schmeckt ein Whisky mit 60 % vol. intensiver als einer mit 43! Der Alkohol dient als Aromenträger und drückt somit mit der Brechstange bei vielen hochprozentigen Whiskys eine gewisse Fracht an Aromen durch. Diese Single Malts brechen in der Regeln in sich zusammen, reduziert man sie auf eine angenehme Trinkstärke von etwa 46 % vol. Um so bemerkenswerter finde ich diesen neuen Eden Mill der bei 46,5 % vol. steht wie eine Eins. Er ist ohne Frage jung uns spritzig, hat aber in unserem Fall (wie immer ist Whisky eine Momentaufnahme) absolut bewundernswert performed. Ich spiele stark mit dem Gedanken mir eine Flasche zuzulegen, auch wenn ich für den selben Preis eine Buddel Glendronach 18 Jahre bekommen würde.

Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen zu den ersten Whiskys von den neuen Brennereien. Schildert mir gern in den Kommentaren hier und auf Facebook Eure Erfahrungen und Eindrücke mit neuen Releases. Freuen wir uns auf eine blühende Zukunft von Eden Mill, Kingsbarns und Annandale. Wir dürfen gespannt auf frischen Wind in der Scotch Whisky Szene sein!

Slainte!

Eure Leon

Irish Whiskey in Wedel

Malt Mariners Irish Single Malt Single Pot Still Whiskey Tasting Verkostung Weinland La Barrique Wedel

Immer wieder komme ich herzlich gern zu Kai ins Weinland La Barrique nach Wedel! Wir sind wirklich Brüder im Geiste was unseren Ansatz in Sachen Verkauf und Kundenservice angeht. Mit mehr Hingabe und Großzügigkeit kann man ein Ladengeschäft nicht führen! Ich kann einen Besuch wirklich nur empfehlen. Es gibt so viel an Leckereien zu entdecken! Wein, Whisky, Rum, Gin, Öle, Liköre… und bestimmt noch Vieles was ich bisher übersehen habe :).

Malt Mariners Irish Single Malt Single Pot Still Whiskey Tasting Verkostung Weinland La Barrique Wedel4
Eine tolle Auswahl von Whiskys, Rums und anderen Spirituosen zu günstigen Preisen!
Malt Mariners Irish Single Malt Single Pot Still Whiskey Tasting Verkostung Weinland La Barrique Wedel
Holger beim Gläser vorbereiten.
Malt Mariners Irish Single Malt Single Pot Still Whiskey Tasting Verkostung Weinland La Barrique Wedel
Eine traumhafte Location!
Malt Mariners Irish Single Malt Single Pot Still Whiskey Tasting Verkostung Weinland La Barrique Wedel
Die Auswahl des Abends.

Schön sich endlich mal meiner ersten Auslands-Heimat Irland widmen zu können. Das wird definitiv nicht das letzte Irish Whiskey Tasting gewesen sein! Im Sommer geht es rüber, um reichlich Bildmaterial zu sammeln. Ab dann wird es Irish Whiskey auch als Paket bei uns geben!

„God invented Whiskey to keep the Irish from ruling the world.“

In diesem Sinne…

Sláinte Freunde!

Danke Gut Apeldör!

Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör
Gut Apeldör

Hier ein paar Impressionen unseres tollen Tastings am 22.03.19 im Golfhotel Gut Apeldör. Es war ein wundervolles Tasting mit grandiosen Gästen und einem hervorragenden 4 Gänge Menu. Wir kommen gerne wieder!

Hier noch einmal zusammenfassend die Genüsse des Abends:

Vorspeise Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör
  • Empfangscocktail vom Hause Apeldör: Old Fashioned
  • Balblair 12 Jahre, 43 % vol. – Highland Single Malt Scotch
  • Suppe: Wildconsommè mit Sherry und Pistazien
  • Auchentoshan Three Wood, 43 % vol. – Lowland Single Malt Scotch
  • Vorspeise: Geräucherte Endenbrust mit Feldsalat und Himbeerdressing
  • Pairing mit: Kilkerran 12 Jahre, 46 % vol. – Campbeltown Single Malt Scotch
  • Hauptspeise: Roastbeef „Sous Vide“ mit Bohnenkernen und Karotten-Kartoffelstampf
  • Glendronach 18 Jahre Allardice, 46 % vol. – Highland Single Malt Scotch
  • Dessert: Gewürzapfel mit Orangeneis und Schokolade
  • Pairing mit: Kilchoman Machir Bay, 46 % vol. – Islay Single Malt Scotch
Dessert Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör
Dessert
Auswahl Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör

Wem da das Wasser im Munde nicht zusammenläuft… 🙂

Sláinte mhath!

Leon & Mirah

Golfanlage des Gut Apeldös Single Malt Scotch Whisky Tasting Malt Mariners im Golfhotel Gut Apeldör

Whisky Review 16: Talisker House Greyjoy Game of Thrones vs. Talisker 10 Jahre

Leon und Mirah lassen den Talisker Select Reserve House Greyjoy gegen den klassischen Talisker 10 in einem halben Blind-Tasting antreten. Wer wohl die Nase vor hat?
Slainte Freunde!

Besuchsbericht zu Talisker findet Ihr hier: https://malt-mariners.com/2015/07/02/…
Besuchsbericht zu Torabhaig findet Ihr hier: https://malt-mariners.com/2018/10/05/…https://malt-mariners.comhttps://www.facebook.com/MaltMariners/https://www.instagram.com/maltmariners/

Dieses Video enthält unbezahlte Werbung.
Die Getränke in diesem Video wurden selbst gekauft.

Distillery Review 28: Caol Ila, das achte Rad am Wagen?

Wer Scotch Whisky liebt, wird früher oder später Schottland bereisen wollen. Wer auf torfigen Single Malt steht, der hat keine Wahl. Der muss nach Islay! Die Insel Islay ist und bleibt das Mekka für die „Peatheads“, die Liebhaber der schweren Raucher unter den Single Malts. Wer die Zeit hat, sollte in jedem Fall allen Brennereien einen Besuch abstatten und sich ein eigenes Bild machen.

Karte von allen Single Malt Scotch Whisky Destillerien auf Islay im Westen Schottlands
Danke an Alba Collection für die Karte!

Von den acht aktiven Brennereien auf Islay besitzen ALLE ein Besucherzentrum. Die neue und neunte Brennerei Ardnahoe wird bald ihre Türen öffnen und zwei weitere Brennereien sind in Planung. Wer nur wenige Tage auf der Insel verbringt, wird zwangsweise vor die Frage gestellt „Welche Brennereien besuche ich?“.

Caol Ila ist sicher nicht die attraktivste Brennerei auf der Insel. Sie liegt gemeinsam mit Bunnahabhain und der neuen Ardnahoe Distillery an der nördlichen Ost-Küste der Insel und blickt an klaren Tagen auf die „Paps of Jura“ auf der Nachbarinsel. Vom Fährhafen Port Askaig erreicht man die Brennerei mit dem Auto in 5 Minuten. Von einen Fußmarsch zur Destille würde ich, wenn möglich, abraten, da das Wandern auf den schmalen Single Track Roads Schottlands nicht ganz ungefährlich sein kann.

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands
Caol Ila Distillery

Weder die Gebäude noch die Rahmendaten machen große Versprechungen. Von außen wirkt die Brennerei industriell, was sie nun mal auch ist. Viele Schottlandreisende suchen eher nach „Hands on“, nach Tradition und authentischen Handwerks-Eindrücken und Erlebnissen. Ich rate hier mittlerweile zur Vorsicht. Nur weil eine Brennerei klein und „crafty“ ist, muss sie noch lange keinen hochwertigen Whisky produzieren. Gleiches gilt im Umkehrschluss für Großbrennereien wie Caol Ila. Der Single Malt muss nicht schlecht sein, nur weil die Brennerei ca. 5,5 Millionen Liter Alkohol pro Jahr produziert. Caol Ila stellt einen schwer rauchigen / torfigen Single Malt her, dessen Rauch die phenolischen „Beinah-Gummi-Aromen“ mit erloschenem Lagerfeuer und einer intensiven malzigen Süße paart. Für mich eine betörende Kombination, weshalb der 12 Jahre alte Standard der Brennerei für mich bis heute ein toller „Feierabend am Lagerfeuer“ Whisky ist. 

Besucherzentrum von Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands
Coal Ila Distillery Visitor Center


Nichtsdestotrotz war ich leicht voreingenommen was die Destille angeht. Diageo der große Spirituosen Konzern hinter Caol Ila hat die Neigung seine Brennereien zu uniformieren, was nicht immer meinen Geschmack trifft. Dies zusammen genommen mit dem Wissen um die Größe der Brennerei, ließ mich mit gezügelter Erwartungen aber doch mit großer Freude auf die letzte unbesuchte Brennerei auf Islay das Visitor Center betreten. Das Besucherzentrum von Caol Ila ist das kleinste und spartanischste auf der Insel. Die meisten Brennereien haben sich gut auf die große Zahl der Touristen eingestellt und bieten ansehnliche Shops und im Falle von Kilchoman und Ardbeg sogar Cafes. Bei Coal Ila ist alles etwas karg und zweckdienlich. Ein paar Klamotten, ein Regal mit Whisky, zwei drei kleine Souvenirs und ein Besucherbuch.

Das stürmische Wetter und der Regen draußen ließen uns dennoch freudig in die Wärme hasten. Ich wurde herzlich von Nigel Brown (Brand Home Guide) begrüßt der mir, auf Grund des ruhigen Tages, eine Privatführung durch die Brennerei gab. Nigel ist ein hervorragender Tour Guide mit der perfekten Balance von Witz und schottischer Gelassenheit. Er war sehr aufgeschlossen und berichtete bereitwillig über alle interessanten Fakten zur Brennerei. Ich fand es äußerst sympathisch, dass er sich augenscheinlich über die Position der Brennerei sehr im Klaren ist und auch nicht versucht dem Kunden ein anderes Bild der Destille zu verkaufen. Sie ist eine Destille zur Massenproduktion auf hohem Niveau. Auch dass Nigel wirklich eine sehr persönliche Führung mit mir machte, hat mich sehr verbrüdert. Er verstand schnell, dass ich die Grundlagen beherrschte und ging eher auf nerdige Details und interessante Fakten ein. So erzählte er mir vom PPM Gehalt von 38 PPM im Malz oder der trüben Stammwürze aus der Mashtun die stolze 12,5 Tonnen Malz verarbeiten kann (Glendronach schafft weniger als 4!). Der getorfte „Wort“ (Stammwürze) wird 55 Stunden in den acht hölzernen Washbacks vergoren, die ungetorfte Würze hingegen 80 Stunden.

Equiment und Lagerhaus von Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands
Distillery Equipment

Leider dürfte ich, wie bei Diageo üblich, auf Grund der Sicherheitsvorschriften keine Fotos innerhalb der Brennerei machen. Nigel bot jedoch an, uns hinterher welche zu schicken, was ich sehr lieb finde. Das Tasting im benachbarten Gebäude war leider kein richtiges Lagerhaus, aus dem man den Angles’ Share riechen konnte, aber ein Raum mit altem Equipment und geschichtsträchtigem industriellen Destillerie-Charme. Überrascht hat mich vor allem der ungetorfte Caol Ila, der mir persönlich sehr gefallen hat. Eine 1A Führung, an der es von meiner Seite nichts auszusetzen gab!

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Distillery Exclusive Flasche
Caol Ila Distillery Exclusive Bottling

Zurück im Shop schaffte es der Distillery Exclusive mich zu überzeugen, sodass er mit nach Deutschland reisen durfte. 90 £ für einen Whisky ohne Altersangabe ist schon happig, mittlerweile aber leider Standard in den meisten Brennereien. Betrachtet man alle Brennereien der Insel und ihr Angebot an exklusiven Abfüllungen, fällt auf, dass es zwei Fraktionen in diesem Bereich gibt. Eine mit Altersangabe (Bowmore, Bruichladdich, Kilchoman und Bunnahabhain) und eine ohne (Ardbeg, Laphroaig, Lagavulin und Caol Ila).

Dass also solche Cask Strength (Fassstärke) Highend und Sammler-Whiskys um die 100 £ heute ohne Alter angeboten werden, ist kein reines Thema von Diageo. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Brennereien des Konzerns überdurchschnittlich häufig solche Distillery Exclusives ohne Alter abfüllen. Am deutlichsten stieß mir dies bei Oban auf, deren Distillery Exclusive mich überhaupt nicht überzeugen konnte. Auch Cragganmore, Glenkinchie (Stand 2017) und Talisker (Stand 2018) bieten NAS Distillery Exclusives an.

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands Distillery Exclusive Flasche

Die Feis Ile Abfüllungen für das legendäre jährlich stattfindende Islay Festival of Music and Malt von Caol Ila und Lagavulin trugen allerdings ein Alter. Versteht meine Gedanken daher bitte nicht als „Diageo-Bashing“. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass man beim Kauf von solchen Sonder-Abfüllungen auch einmal Vorsicht walten lassen sollte. In jedem Fall würde ich vorher um eine Kostprobe bitten, um mir einen eigenen Eindruck des Whiskys zu machen. Persönlicher Geschmack und Preis sollten zueinander passen!

Kommen wir abschließend zu meinem am häufigst zitierten Satz zurück: Am Ende muss jeder selbst für sich entscheiden, ob die gebotene Qualität den hohen Preis rechtfertigt. Ich jedenfalls lasse mittlerweile schon die ein oder andere Sonderabfüllung in den Brennereien liegen, wenn sie für mich nicht dem Preis entspricht. Die Distillery Exclusives und Feis Ile Abfüllungen von Caol Ila und Lagavulin haben es beide mit ins Gepäck geschafft, da wir es in unserem Fall 2018 mit hervorragenden Abfüllungen zu tun hatten!

Hier zur Übersicht einmal die Sonderabfüllungen von 2018 mit Preisangabe (soweit vorhanden):

Ardbeg: Distillery Exclusive Ardbeg Kildalton (NAS, Bourbon & Refill Sherry) – 120 £

Bowmore: Handfilled 19 Jahre (Sherry Cask) – 140 £, Distillery Exclusive: 17 Jahre (Bourbon, Sherry & Wine)

Bruichladdich: Handfilleds 10 Jahre (Port Charlotte, 2nd Fill Italian Wine Cask), 11 Jahre (Bruichladdich, PX Cask) – 75 £ für 50 cl, entspricht 105 £ für 70 cl.

Bunnahabhain: Handfilled 13 Jahre (Moine Marsala Finish) – 85 £

Caol Ila: Distillery Exclusive NAS (keine Angabe zu den Fässern) – 90 £, Feis Ile Bottling 2018 10 Jahre (Refill American Oak, Wiederaufbereitete europäische Eiche) – 100 £

Kilchoman: Shop Exclusive 5 Jahre (Red Wine, Single Cask) – 89 £

Laphroaig: Wenn ich mich recht entsinne gibt es hier keinen Distillery Exclusive, dafür die neusten Cairdeas Abfüllungen. Cairdeas Fino – 77 £

Lagavulin: Distillery Exclusive (NAS, keine Angabe zu den Fässern) – 100 £, Feis Ile Bottling 2018 18 Jahre – 130 £

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands Fass mit Blick aufs Meer

Fazit: Caol Ila ist eindeutig das hässliche Entlein von Islay und wenngleich mir der Besuch sehr gut gefallen hat, würde ich als Insel-Besucher der Brennerei eher eine niedrige Priorität einräumen. Außer natürlich Du bist ein großer Fan der Marke und möchtest zielgerichtet, diese Brennerei besichtigen. Von meiner Seite aus alles Jammern auf sehr hohem Niveau! Einen Besuch ist die Destille für sich allein genommen auf jeden Fall Wert, da wir uns aber auf einer Insel befinden, auf der man in der Regel mit seiner Urlaubszeit knapp haushalten muss, würde ich die anderen Whisky Tempel von Islay zuerst empfehlen. Dies ist weniger dem niedrigen Standard von Caol Ila geschuldet, als dem extrem hohen Standard der anderen Islay-Brennereien, die aus meiner Besucher-Sicht nach wie vor zu den besten Schottlands zählen!

Wenn Du einen Reisetipp möchtest, würde ich Dir folgende Brennerei-Besuche ans Herz legen. Solltest Du alle acht Brennereien besuche, würde ich eine grobe Reihenfolge vorschlagen, damit Du Dich zu den Sahnestücken vorarbeiten kannst: Coal Ila, Lagavulin, Bunnahabain, Bowmore, Bruichladdich, Ardbeg, Kilchoman, Laphroaig. Hast Du nur Zeit für wenige oder gar nur eine: Wähle deinen Liebling!

Zum Abschluss mein ultimativer Experten-Super-Gehimtipp: Einfach wiederkommen!