Whisky Review 28: Laphroaig Lore

Mirah stellt gemeinsam mit Paddy und Leon den Laphroaig Lore vor, einen ihrer Lieblings-Whiskys von der Insel Islay.

Laphroaig Lore
Typ: Single Malt Scotch Whisky
Region: Islay
Stärke: 48 % vol.
Kühlgefiltert: Nein
Gefärbt: Ja (?)
Fassreifung: 1st Fill Sherry, European Oak, Ex-Bourbon, Quarter Casks Preis: 75 – 85 € (geschätzt)

Slainte Freunde!

Besuchsbericht zu Laphroaig findet Ihr hier: https://malt-mariners.com/2015/01/04/…https://malt-mariners.comhttps://www.facebook.com/MaltMariners/https://www.instagram.com/maltmariners/

Distillery Review 30: Knockdhu Distillery (AnCnoc) – Life is good!

Heute möchte ich Euch von einem laaange überfälligen Brennerei-Besuch erzählen. Im Falle von der Knockdhu Distillery habe ich den Bericht vor mir her geschoben, weil es eine so schöne Erinnerung ist, dass ich mir immer sicher war, sie würde nie vergessen werden. Ich besuchte Knockdhu (den/am schwarzen Berg) 2016, während meiner Zeit in Schottland als Tour Guide bei Glendronach. Es war eine wundervolle Episode meines Lebens. Noch heute erinnere ich mich an das Gefühl das ich hatte, als ich am Nachmittag durch die von der schottischen Sonne dunkelgolden überfluteten Landschaften von Aberdeenshire fuhr. Ich konnte nicht aufhören zu grinsen und zu denken „Ich liebe mein Leben“. Eine derartigen „Flow-Zustand“ in dem man die ganze Welt umarmen könnte, vergisst man nicht so schnell. Knockdhu ist eine Brennerei die zu diesem Zeitpunkt noch nicht für Besucher geöffnet war, bzw. gerade dabei war dies zu entwickeln. Die Brennerei mit dem Namen Knockdhu brennt Single Malt der unter dem Namen AnCnoc vermarktet wird, wohl aus Angst vor der Verwechslung mit dem Speyside-Nachbarn Knockando. Knockdhu liegt ziemlich genau auf der imaginären Grenze zwischen östlichen Highlands und der Speyside-Region. So wird die Brennerei mal der einen, mal der anderen Region zugeordnet und steht für mich exemplarisch für die Sichtweise, dass die regionale Zuordnung von Whisky-Brennereien eher eine Glaubensfrage ist, als reine Faktenlage. Die Destille liegt am Fusse des kleinen Berges (großen Hügels?) Knock, was auch der Ortsname ist.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners

Besuch der Brennerei

Ich kam bestens gelaunt bei der Brennerei an und meldete mich im Distillery Office an. Alles wirkte hier geruhsam und typisch schottisch tiefen-entspannt. Die Brennerei hatte jüngst eine Tour Guiddess eingestellt (ich suche nach wie vor nach einem passenden Wort für „female tour guide“, die Kombination aus dem Wort „goddess“ und „guide“ gefällt mir aber schon ganz gut ;). Diese führte mich und ein ausländisches Pärchen durch die Anlage. Wir starteten im alten Kiln, der Darre der Brennerei, die nicht mehr im Einsatz ist, aber noch einiges an altem Equipment beherbergt.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners Kiln Darre


Knockdhu wurde 1893 in der großen Brennerei-Bau-Welle Ende des 19. Jahrhundert von DCL gebaut. Die Firma die sich aus den großen Lowland Grain Whisky Brennereien Cambus, Cameronbridge, Carsebridge, Glenochil, Kirkliston und Port Dundas gebildet hatte, sollte später Diageo werden (heute der größte Spirituosenkonzern der Welt). Knockdhu war sozusagen ihr Vorstoß ins Highland & Speyside-Gebiet. Die Brennerei wurde knapp 100 Jahre später, Ende des 20. Jahrhunderts zur Whisky-Dürre-Periode eingemottet. 1988 ging Knockdhu an Inver House, der Firma der heute außerdem die Malt Whisky Brennereien Old Pulteney, Balblair, Speyburn und Balmenach gehören. Die Ära Inver House hat der Marke und dem Whisky augenscheinlich gut getan. Seit 2001 gehört die Firma TaiBev, einer thailändischen Getränkefirma. Aber dazu später mehr. Knockdhu hat mit ihren beiden recht großen Brennblasen eine theoretische Produktionskapazität von ca. 1,7 Millionen Liter Spirit jährlich. 20 % davon sind mittlerweile gut getorft mit ca. 45 ppm, für die rauchigen Abfüllungen von AnCnoc. Der Standard der Brennerei ist aber nicht rauchig. Interessant an den Pot Stills ist vor allem, dass sie in Wormtub Condensern münden.

Diese ältere und weniger effiziente Kühlmethoden der Destillation wird nach wie vor bei einigen schottischen Destillerien eingesetzt. Offenbar ist es für den schlussendlichen Brand maßgebend, wenngleich sich die Brennereien schwer tun hier eine einheitliche Erklärung zu finden warum (wie so oft bei Whisky). Manche behaupten der erhöhte Kupferkontakt durch die langen kupfernen Rohre der Wormtubs würden den Brand leichter machen. Wieder andere sagen, der Brand würde schwerer, fleischiger und schwefliger. Ich teile aufgrund meiner sensorischen Eindrücke eher die zweite Hypothese. Brennereien die mit Wormtubs arbeiten sind zum Beispiel Old Pulteney und Edradour in den Highlands und Craigellachie und Cragganmore in der Speyside. Dass es sich bei Wormtubs um mehr als nur reine Nostalgie handeln muss, legt auch die Tatsache nahe, dass die neuen Brennereien Ballindalloch (Speyside) und Ardnahoe (Islay) ebenfalls diese ältere und theoretisch weniger effiziente Methode bei der Destillation anwenden.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners Wormtub Condenser

Bei Knockdhu jedenfalls betreten wir eines der neuen Warehouses vor Ort, um den Angles‘ Share einatmen zu können, den die dort schlummernden Fässer abgeben. Der größte Teil des AnCnoc Single Malts reift jedoch in anderen Lagerhäusern, teils in größeren Anlagen in den Lowlands, wenn ich das richtig verstanden habe. Bei vielen Brennereien ist dies eher die Regel als die Ausnahme, was die romantische Vorstellung des „Terroir“ bei Whisky auf Grund unterschiedlicher Lager-Regionen durchaus in Frage stellt.


Das Tasting Room in dem wir unsere Tour abschließen ist klein und damals noch mit wenig Whisky-Gedöns ausgestattet, mir gefällt dieser bodenständige Zustand der Brennerei sehr. Mittlerweile kann sich hier aber natürlich einiges geändert haben. Wie es sich gehört schlossen wir die Führung hier mit einem Tasting unterschiedlicher Abfüllungen ab.

Zum AnCnoc Whisky

AnCnoc zählt für mich seit ich dieser Marke begegnet bin definitiv zu den Underdogs der Scotch Whisky Szene. Ich habe den Eindruck die Marke wurde neben den prestige-trächtigeren Single Malt Marken Old Pulteney und Balbair immer etwas stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ist das aber auch etwas Gutes, habe ich doch bislang von den Abfüllungen die ich kenne einen gute Eindruck. Ich muss hier aber gestehen, dass ich vorwiegen den 12-jährigen AnCnoc gut kenne, die anderen habe ich nur sporadisch hie und da probieren können. Der AnCnoc 12 Jahre ist ein klassischer „Einsteiger“ Malt Whisky mit 40 % vol. und voll in Ex-Bourbonfässern ausgebaut. Für mich riecht und schmeckt er jedoch nicht so nichts sagend wie sich das vielleicht anhört. Ich finde beim AnCnoc jedes Mal wenn ich ihn probiere neue Aromen, mal schwarzen Tee, mal grüne Äpfel. Er ist jedenfalls keiner dieser klassische süß-vanilligen Malt Whiskys, sondern bietet durchaus unübliche Aromen. Hinterlassen hier die Wormtubs doch ihren Fingerabdruck? Ich kann Whisky-Enthusiasten den AnCnoc jedenfalls als Erfahrungswert definitiv ans Herz legen. Und auch für Einsteiger ist der AnCnoc 12 Jahre im 30 Euro Bereich kein Beinbruch, um sich mal an einen Bourbonfass gelagerten Standard heranzuwagen.
Ich bin sehr gespannt, wie sich die Marke entwickeln wird. Denn derzeit scheint ThaiBev oder Inver House eine Reihe von Entscheidungen zu treffen, die mir zumindest nicht gefallen. Erst wurde das Sortiment von Old Pulteney umgestellt (und deutlich verteuert) und nun hat es auch die Balblair Bottlings erwischt, eine Brennerei die mir mit ihren Whiskys sehr am Herzen liegt. Bei diesem Whisky Review Balblair 12 Jahre & Balblair 15 Jahre habe ich mir zwei der neuen Balblairs angesehen. Hoffen wir die seltsamen Entwicklungen im Hause Inver House lassen AnCnoc mehr oder minder unberührt.

Fazit:

Knockdhu ist definitiv eine sehenswerte Whisky-Brennerei. Wenn ich mir die aktuelle Website so ansehe, scheint sich in den drei Jahren nichts nennenswertes an der Art der Touren verändert zu haben. Man kann Touren buchen, jedoch nur auf Voranmeldung. Die Touren finden um 10 und 14 Uhr statt. Derzeit können Touren unter kennedyl@inverhouse.com oder der Telefon Nummer 0044 1466 771223 gebucht werden. Ich denke Knockdhu ist eine Brennerei für Whisky-Liebhaber, die auch Brennereien abseits des Mainstream besuchen möchten. Hier bekommt man ein persönlicheres Erlebnis und hat mehr Ruhe, als bei Brennereien, die sich mehr auf Touristen eingestellt haben. Es ist eine Mischung aus „Whisky-Fabrik“ (was jede Brennerei am Ende ist) und authentischem Charme. Ich jedenfalls habe meinen Besuch sehr genossen und habe mich enorm willkommen gefühlt. An diesem Tag hätte wohl aber auch nichts meine Laune trüben können ;).

Slainte!

Euer Leon

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners

Distillery Review 29: Borders Distillery – The middle of the road

Borders Distillery Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Diesen Mai hab ich mir mal wieder einen Schottland Trip gegönnt, um ein paar Lücken in meiner „Brennereien-Sammlerwahn-Liste“ zu schließen. Besonders die Lowlands geben mir glücklicherweise viel zu tun! Eine der jungen Whisky-Produzenten, die ich bislang nicht erreicht hatte, war die Borders Distillery im kleinen Lowland Örtchen Hawick (ausgesprochen „Hoik“, HOIK! Klingt wie ein Schluckauf). In knapp 1,5 Stunden ist die Brennerei mit dem Auto von Edinburgh-Zentrum zu erreichen. Mit im Gepäck hatte ich meinen guten Freund und Malt Mate Michael Cooper. 2014 kam uns auf dem Calton Hill in Edinburgh die Idee für eigene Whisky Tastings. Malt Mariners war geboren! Aber ich schweife ab. Der Weg zur Brennerei fühlte sich für mich wie eine Reise in den Süden an, also nach England. Die Landschaft wird „englischer“, je näher man den Scottish Borders kommt. Ich hab mir spaßeshalber mal überlegt, warum sich das für uns überhaupt so angefühlt hat. Ein gravierender Unterschied der uns auffiel: Hier werden Hecken und Büsche zur Abgrenzung der Weiden und Grundstücke verwendetet, statt Steinmauern. AHA! Es sind eben doch die kleinen, feinen Unterschiede, die ein Land ausmachen. Gut gelaunt kamen wir also bei der Brennerei an. Die Borders Distillery ist noch sehr jung, erst 2016 war Baubeginn mit dem Abschluss im März 2018. Seit dem fließt glasklarer Rohbrand von den kupfernen Pot Stills. 1837 schloss die letzte Brennerei in der Region ihre Pforten. Verwunderlich, dass es nun einen neue Whisky-Produzenten in dem eher nichtssagenden Gebiet gibt, ist es also nicht. Schließlich hat der Whisky-Boom vor allem die schottischen Lowlands in eine Art Goldgräberstimmung versetzt. 10 Millionen Pfund hat die Borders Distillery gekostet und ist im Besitz der Firma „The Three Stills“.

Besuch der Brennerei

Borders Distillery Visitor Center Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Gebäude der Brennerei sind ein guten Beispiel für den modernen Gebäude-Stil junger schottischer Brennereien. Alles ist gut strukturiert. Für meinen Geschmack wirkt hier alles etwas zu glatt und zu grade. Es ist nett und hell, mir fehlt ein wenig der eigene einprägsame Charakter. Ich habe nun eine Menge neue Brennereien in Schottland gesehen und suche mittlerweile bewusst nach Alleinstellungsmerkmalen und Besonderheiten. Der besagte Whisky-Boom scheint eine große Masse von Investoren anzulocken, die alle das große Geld in diesem Sektor zu wittern scheinen. Damit stellt sich für mich bei einem neuen Projekt immer die Frage: „Was bringt diese Brennerei Neues mit, wie ergänzt und bereichert die Brennerei die Whisky-Landschaft“. Diese Frage bleibt die Borders Distillery in meinen Augen irgendwie schuldig, zumindest aus Sicht eines vielreisenden Besuchers. Die Tour wird von einem netten lokalen Jungen geführt, der zügig durch den Prozess geht. Man versteht ihn leider nicht so gut, die Geräuschkulisse der Brennerei ist wie so oft hinderlich. Das Holzmodell der Brennerei zu Beginn der Führung ist aber knuffig und bietet einen guten Überblick.

Borders Distillery Washbacks Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Borders bemüht sich um einen klassisch leichten Lowland-Stil. Die Fermentationszeit ist entsprechend lang, zwischen 72 und 120 Stunden. Die Washbacks aus Edelstahl unterstreichen für mich das sterile Feeling. Das Still Room ist dennoch auch hier ein Highlight. Hier wird (üblich für die Neuankömmlinge in der Szene) auch Gin und Wodka gebrannt, um den Weg zum Whisky finanziell zu überbrücken. Die 4 kupfernen Pot Stills aus dem Hause Forsyths produzieren derzeit rund 1,8 Millionen Liter im Jahr, eine beachtliche Menge für die kleine Brennerei.

Borders Distillery Pot Stills Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Führung beinhaltet kein Warehouse, da die Brennerei derzeit keine eigenen besitzt. Es kommen wohl in der Zukunft eigene dazu. Ohne eigene Lagerhäuser in die Produktion zu gehen ist ein Trend neuer Brennereien, der bei mir große Widerstände hervorruft. Ohne Lagerhäuser, die aromatischen Tempel und heiligen Stätten jeder Whisky-Destille, wirkt die Brennerei nur wie eine schicke Alkohol-Fabrik. Gut wenn wir Whisky-Enthusiasten ehrlich zu uns sind, ist jede Whisky-Destille eben auch „nur“ das. Dennoch fehlt mir der sensorische Eindruck. Auch bei Torabhaig fiel mir dies negativ auf. Die junge Brennerei auf der Insel Skye kann dies jedoch mit einer schönen Location und optisch (für mich) ansprechenderen Gebäuden kompensieren.

Borders Distillery Spirits Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Die Tour endet im Tasting-Room, wo wir einen Blended Scotch, Blended Malt, den Rohbrand und den Gin und Wodka aus dem Hause probieren dürfen. Mich interessiert vor allem der Newmake, der Rohbrand der Brennerei, um mir ein Puzzlestück des späteren Whiskys ansehen zu können. Und hier muss ich wirklich ein großes Lob an die Brennerei aussprechen. Die New Make ist fantastisch! Enorm süffig, sehr süß, getreidig und leicht floral, fast parfümiert. Man möchte ihn einfach so pur trinken. In großen Mengen! Zum Glück muss ich fahren und widerstehe der Versuchung. Alle Achtung Borders! Die Perspektive auf den zukünftigen Single Malt Whisky ist also gut. Der wird wohl frühestens 2023 den Markt bereichern. Leider verkauft die Brennerei diesen Rohbrand im Visitor Center nur in 70 cl Flaschen zu stolzen 50 Pfund. Ein strategisch unkluger Schachzug wie ich finde. Die meisten Brennereien gehen hier den Weg über 20 cl Fläschchen. Dieser Ansatz gefällt mir deutlich besser, denn wer eine Kostprobe des Rohbrands haben möchte, dem reicht eine kleine Flasche meist.

Verwirrung um den „Borders Whisky“

Ich lerne dazu, dass der Single Grain Whisky mit dem Titel „Borders“ gar nicht von der Borders Distillery stammt. Ich war ich nämlich bislang davon ausgegangen, dass die Abfüllung zur Brennerei gehört und Borders folglich zu den R & B Distillers. Diese haben auf der Insel Raasay die Raasay Distillery gebaut. Es verhält sich jedoch so, dass die R & B Distillers ebenfalls eine Borders Distillery bauen wollten, mit gleichem Namen. Die Borders Distillery von Three Stills ist ihnen jedoch zuvorgekommen. Derzeit liegt das Projekt „Borders“ bei R & B Distillers scheinbar auf Eis. Auch die Verwirrung um ihren Grain Whisky „Borders“ wirken sie nun entgegen und haben die Abfüllung in „The Tweeddale Grain of Truth“ umgewandelt. Der Grain enthält das gleiche Mashbill 50 % Weizen und 50 % gemälzte Gerste, abgefüllt mit 46 % vol.

Borders Single Grain Scotch Whisky Lowland

Fazit:

Die Gebäude, das Visitor Center und die Location sind alle nett geworden, aber für mich nicht einprägsam genug, um aus der Masse an neuen Brennereien herauszustechen. Für mich landet Borders somit eher „in the middle of the road“, nicht schlecht, aber auch Nichts was lange im Gedächtnis bleibt. Die Brennerei macht im Grunde nichts wirklich „falsch“. Sie besitzt aus meiner Sicht aber einfach zu wenig Charme und Charakter, um einen Ausflug in die Region, allein für die Brennerei zu rechtfertigen. Wer ohnehin in der Gegend ist, sollte aber vorbeischauen. Whisky-Einsteiger, die von Edinburgh aus einen Tagestrip planen, sollten eher auf Glenkinchie, als alteingesessene Brennerei mit ausgereiftem Whisky und breiter Bar, zurückgreifen. Wer eine neue Brennerei besuchen möchte, sollte entweder Annandale oder Lindores Abbey in Fife einen Besuch abstatten. Beide machen aus meiner Sicht eine besseren Job in der Präsentation und bieten dem Besucher mehr Einblicke und interessante Features.
Wie immer gilt: „It’s a one man’s opinion“. Es handelt sich hier um eine Momentaufnahme und Einzelmeinung. Jede Brennerei ist am Ende des Tages einen Besuch wert!

Slainte!

Euer Leon

Borders Distillery Visitor Center Single Malt Whisky Lowland Schottland Malt Mariners Whisky Tasting

Captains drams today… Balblair 12 und 15 (neue Range)

Balblair 12 und Balblair 15 Single Malt Scotch Whisky Review Malt Mariners
Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder

Heute habe ich zwei Samples der neuen Balblair Abfüllungen vor mir. Eine schwierige Aufgabe für jemand wie mich, der die Brennerei Balblair seit dem Besuch liebt und verehrt. Warum ist diese Verkostung für mich so wichtig und gleichzeitig kritisch? Balblair war bis vor Kurzem die einzige Brennerei Schottlands (Glenrothes hatte zeitweise mitgehalten) die mit sog. Vintage Abfüllungen arbeitete, also die Whiskys nicht nach Alter sondern nach Jahrgang (Destillationsjahr und Abfülljahr) abfüllte. Das ist für sich allein genommen, noch kein Qualitätsmerkmal, aber mir gefiel der Ansatz in Kombination mit dem tollen Flaschendesign sehr sehr gut. Ihr merkt, ich schreibe in der Vergangenheit. Den kürzlich wurde die Umstellung des Sortiments bekanntgegeben und nun werden die Abfüllungen von Balblair in neuem Design (siehe Bild) und mit einer regulären Altersangabe vermarktet. Mir missfiel diese Entwicklung von Vornherein, da ich so ein Fan des alten Flaschendesigns bin. Lange Rede kurzer Sinn: Ich gehe sehr kritisch an die Proben des „neuen“ 12 und 15 Jahre alten Balblairs heran.

Rahmendaten Balbair 12:
Alter: 12 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Double Fired American Oak“, was wohl Virgin Oak bedeuten soll, oder aber auch stark ausgebrannte Ex-Bourbonfässer sein könnten.
Preis: 45 – 50 €

In der Nase wirkt der 12-jährige Balblair recht sauer und spritzig. Soweit nicht all zu ungewöhnlich, eine gewisse sauer-bittre Note Richtung Grapefuit und Orangenzeste bin ich von Balblair-Bourbonfässern gewohnt. Dazu mischt sich allerdings eine vergorene Note, die stark an Weißwein erinnert. In Ansätzen hatte ich die beim 2003er Balblair auch, aber nicht so extrem. Dazu kommt eine zarte Puderzuckernote, die evtl. aus frischer Eiche stammen könnte. Alles in allem der Balblair aber sehr hell im Glas, was auf Grund der natürliche Farbe eher gegen frische Eiche spricht, die massiv schnell Farbe an den Whisky abgeben kann.

Am Gaumen finden sich die gleichen Aromen wieder. Auch den scharfen Antritt bin ich zwar von Balblair gewohnt, die geringe Komplexität ist doch recht enttäuschend. Süß-sauer wirkt der Whisky auf der Zunge. Nicht unangenehm aber eben auch nicht wirklich überzeugend.

Das Finish ist extrem kurz. 12-jährige Bourbonfässer sind nun nicht dafür bekannt ein atemberaubend langes Finish zu liefern, dennoch erwarte ich mir für den amtlichen Preis hier deutlich mehr.

Als Referenz schenke ich mir einen Handfilled (Single Cask) ein, ebenfalls Bourbon Cask und wässre ihn von der Fassstärke in etwa auf 46 % vol. herunter. Die Unterschiede sind (nicht überraschend) bezeichnend. Die deutlich intensivere Süße und der goldene Farbton beim Handfilled sprechen Bände über das Fass in Relation zu den im 12er verwendeten Fässern. Klar: Einen Single Cask Handfilled für 100 £ die Buddel und einen 12 Jahre alten Standard zum halben Preis zu vergleichen ist unfair. Mir geht es nur darum als Referenz das Potential der Brennerei für mich nochmal abzubilden. Und das ist zweifelsohne vorhanden, sonst wäre ich nie so ein großer Fan geworden.

Fazit Verkostung des Balblair 12 Jahre: Wer mich kennt, der weiß: Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen, besonders wenn es darum geht, eine geliebte Whisky-Marke aufzuwerten. In diesem Fall behält meine Skepsis leider recht, zumindest in der Momentaufnahme. Der neue Balblair steigt mit einem sehr hohen Preis in den Markt ein und liefert dafür aus meiner Sicht nicht wirklich was er verspricht bzw. was er könnte. Ich verstehe nicht ganz, warum man hier nicht wirklich ein paar anständige Virgin Oak Fässer zum „Aufpolieren“ verwendet hat, oder aber (noch besser) einfach gute Bourbonfässer. Mich hat dieser Balblair jedenfalls nicht überzeugen können und ich habe fast Angst davon mich dem 15 Jahre alten Sample zu widmen. Der steigt nämlich mit gut 75 € ein.

Alternative Empfehlung:
Als offensichtliche Empfehlung bietet sich solange noch zu haben eine Vintage Abfüllung von Balblair 2005 an, die derzeit noch online für um die 40 € gibt, die in meiner Erinnerung trotz Jahre weniger besser sind, als der neue 12er.
Als generelle Alternativen zu einem hellfruchtigen Whisky mit 46 % vol. würde ich definitiv den Arran 10 Jahre empfehlen, den man für nur 30 € einfach bekommen kann. Wer etwas mehr Komplexität sucht kann mit Deanston 12 Jahre, Clynelish 14 oder Tobermory 10 nichts verkehrt machen. Alle haben einen Bourbonfass-Fokus und kosten nicht mehr als 40 € und haben 46(,3) % vol. In dieser Gesellschaft kann der neue Balblair 12 meiner Meinung nach leider nicht bestehen.

Rahmendaten Balblair 15:
Alter: 15 Jahre
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Fassreifung: „American Oak Ex-Bourbon, Finish in First Fill Spanish Oak Butts“.
Preis: ~ 75 €

Now we’re talking! In der Nase zeigt sich eine saftige Orangenzeste, die mein seltsames Hirn „vergoldet“. Eine deutlich Note von Himbeer-Sahnetorte mischt sich dazu. Die intensiven süßen Zitrusnoten erinnern mich an Sauternes Wein. Eine sehr ansprechende Nase! Die Sherryfässer bringen eine schöne Würze und Fruchtigkeit dazu.

Am Gaumen bringt der kräftige Antritt Brausestangen und ein cremiges Fruchtkompott auf Ballet. Nach der schwachen Performance des 12ers bin ich positiv überrascht.

Der Abgang bleibt etwas bitter, aber im Rahmen. Ausgeglichen, mittellang und angenehm.

Fazit Verkostung des Balblair 15 Jahre: Dies ist ein Balblair nach meinem Geschmack, den ich allein genommen wohl als sehr gut bewerten würde. Ich mag die Kombination von Bourbon- und Sherryfässern bei Balblair. 75 € ist nicht wenig für einen 15 Jahre alten Whisky. Für mich kratzt der 15er preislich an der Grenze des Machbaren, da er mir aber gefällt würde ich ihn mir sogar zulegen. Aber mein letzter Balblair war ein Geschenk meiner Freundin, der Vintage 1999 und damit ein mindestens 16 Jahre alter Whisky, ebenfalls in Sherry und Bourbonfässern ausgebaut. Das war eine Literflasche für rund 60 € zu haben. Vergleichen wir die beiden miteinander, steht leider auch der 15er Balblair preislich in keinem guten Licht. Ich bleibe aber bei meiner Einschätzung, dass der neue 15er Balblair für mich ein guter Whisky ist, den ich gern trinken würde und ggf. mir sogar beizeiten eine Flasche anschaffe (wenn ich keine alten Vintages mehr bekommen kann ;).

Mich würden Eure Meinungen zu der neuen Range sehr interessieren und wie die einzelnen Abfüllungen bei Euch ankommen.

Danke an Alexander Gonzalez für die Bilder