Distillery Review 21: Arran

Moin Moin Malt Fans!
Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder mit einem Distillery Review zu Wort! Es gab viel zu tourn, viele Tastings zu organisieren, neuen Job zu suchen und nun steht auch noch ein Umzug vor der Tür! Aber schließlich muss hin und wieder auch einmal Zeit sein, die Handbremse zu ziehen, die Füße aus dem Beifahrerfenster zu stecken und sich die schottische Seeluft um die Käsefüße wehen zu lassen. Zumindest im Kopf und im Herz. Die Straße ist nur so gut, wie die Pausen die man macht. Long Story Short. Wir halten mal wieder bei einer Brennerei (viele Herzchen einfügen ;)…

dsc_47862015 führte mich mein Weg auf die Insel Arran und ihre gleichnamige Brennerei, als ich neun wundervolle Wochen in Schottland unterwegs war. Arran ist vom Edinburgh Airport aus betrachtet die am einfachsten zu erreichende Insel Schottlands. Mit dem Bus ist man in einer knappen Stunde in Glasgow, von dort in ebenfalls einer guten Stunde am Pier Ardrossan. Von hier bringt einen die Fähre direkt nach Arran (Überfahrt ca. eine Stunde für weniger als 27 €). Wenn man also früh genug loslegt, hat man noch einen knappen Tag für eine Inselrundfahrt. Arran ist traumhaft schön und eröffnet sozusagen die schottische Westküste. Man sagt Arran nach, es sei eine „Schottland-Miniatur“, da die Insel sowohl Highland als auch Lowland-Gebiete aufweist. Die Flora und Fauna der Insel ist ebenso dsc_4891abwechslungsreich und so begegnet man oft den verschiedensten Tieren auf seinen Touren. So hatten wir das Glück mehrmals Steinadler in freier Wildbahn beobachten zu können, ein Fernglas im Gepäck kann sich also als nützlich erweisen! Steinadler… Eine passende Überleitung zur Insel-Brennerei. Diese musste nämlich beim Bau pausieren, um das in der Nähe nistende Steinadler-Pärchen nicht bei der Brut zu stören. Offensichtlich mit Erfolg, denn die Zwei sind geblieben. Und so schmücken sie heute die Flaschen der Arran Distillery. Diese schmiegt sich pittoresk an den Highlandgürtel in Lochranza einem kleinen Ort mit einer Hand voll Häuser, darunter ein Hostel in Laufweite zur Brennerei. Zu unserer Freude verfügte das Hostel auch über Einzelzimmer und so konnte ich und meine zauberhafte Begleitung damals unsere Zeit auf der Insel in Ruhe genießen.

Machen wir uns also ausgeschlafen und voller Tatendrang auf den Weg zur Brennerei! Nachdem die Arran Distillery erst 1995 das Licht der Welt erblickte, erwartet uns natürlich kein Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Visitor Center ist großzügig gestaltet, mit einem tollen gut bestückten Shop und einem Besucher-Cafe. Eine sehr gute Entscheidung wie ich finde, da ich auf meinen Schottland-Reisen oft und gern in die Bredouille gerate, die nicht-flüssige Nahrungsmittelaufnahme sträflich zudsc_4845 vernachlässigen. Und als fränkischer Hobbit habe ich oft und gern etwas im Magen! Gesagt, getan. Mit Kaffee und Kuchen versorgt, geht es gut gelaunt auf die Tour. Wir starten in einem nachgebauten alten Cottage, wo wir uns einen kleinen Werbefilm reinziehen dürfen. Etwas zu touristy für meinen Geschmack, aber der 14-jährige Arran der uns zum Auftakt serviert wird Hand besänftigt mich sofort. Damit bin ich schonmal in beste Stimmung versetzt, auch wenn der 14er nicht mein Lieblings-Arran ist und werden wird. Die Tour ist klasse, wir gehen mit dem äußerst sympathischen Schotten durch die üblichen Produktionsprozesse. Wir Ihr sehen könnt, sind Fotos durchweg erlaubt. Alle Daumen hoch dafür! Einzig den Lagerhausbesuch am Sdsc_4818chluss vermisse ich. Angekommen im wunderschönen Tasting-Room werfen wir einen Blick auf ein paar Falschen mit unterschiedlichem Reifegrad vom Newmake, zum 1 und 2 Jahren alten Young Malt, bis hin zu einer verkaufsfertigen Abfüllung. Sehr gelungen. Das Tasting fällt ebenfalls großzügig und persönlich aus. Wir probieren sogar eine Reihe limitierte Abfüllungen und verlassen Arran im Rausch der Sinne und können nicht anders, als die Brennerei fest in unser Herz zu schließen. Ein Besuch der Insel und der Brennerei ist jeden Cent wert und äußerst empfehlenswert in meinen Augen. Wiedermal festige ich meine Haltung, dass man SO einen Whisky und seine Marke effizient und gleichwohl liebevoll verkauft.

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Ein paar letzte Worte zum Whisky von Arran. Allen vorweg nehme ich gern den 10-jährigen Arran, die Standardabfüllung. Die gelungene Mischung aus Refill-Ex-Sherry (50 %), Firstfill-Ex-Sherry (25 %) und Firstfill Ex-Bourbon Fässern, kreieren einen süffigen Insel Malt, mit tollen intensiven hellen Früchten und leichten maritimen Inselaromen. Wirklich ein Whisky zum (zu) viel und schnell trinken. Ein „gefährlicher“ Whisky wie ich sie nenne. Trotz „Einsteiger“-Kategorie mit 46 % Vol. ungefärbt und nicht-kühlgefiltert abgefüllt. Mit ca. 30 Euro bringt er somit ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Waage. Einziges Manko, das ich bisher feststellen konnte: Eine Flasche davon hat mir einmal nach nichtmal drei Monaten bei geschlossenem Korken etwas an Aroma eingebüßt. Das sollte eigentlich nach so kurzer Zeit nicht passieren. In der Regel wir eine Flasche davon aber ohnehin nicht alt werden!

Generell hat Arran eine tolle weite Range, wie ich sie liebe. Eine klassische Reihe Age-Statements 10, 12 (Fassstärke), 14 und 18 Jahre, dazu eine NAS-Finish Serie (ohne Altersangabe) mit aktuell Port-, Madeira- und Sauternes-Nachreifungen und eine kleine Raucher-Abteilung namentlich zur besseren Orientierung abgegrenzt mit dem Namen „Machrie Moor“ (in Trink- und Fassstärke zu haben). Im Einsteiger- Segment bedient Arran die Supermarktregale mit günstigen Abfüllungen wie dem Lochranza Reserve (ca. 25 €) und einem Robert Burns Blend und Single Malt (für ca. 15 € und 25 € zu haben), als Förderer dedsc_4797r „World Burns Federation“ darf Arran als einzige Brennerei das Bildnis und die Unterschrift des schottischen Nationaldichters auf dem Label tragen. Wer eine Alternative zum irischen Baileys sucht, dem kann ich den Arran Cream Liquer wärmstens empfehlen, diese flüssige Kalorienbombe ist eine Sünde sondersgleichen! Auch den Highend Markt lässt Arran nicht links liegen, so veröffentlichen Sie regelmäßig Sonderabfüllungen wie den „The Devils Punch Bowl“ und experimentellen Finishes wie dem Calvados Finish, das ich vor Ort probieren durfte. Hoffen wir, dass sich Arran mit seinem kleinen Produktionsvolumen und seinen vielfältigen Abfüllungen nicht übernimmt. Ihr seht also, das Arran Universum allein ist bereits eine Wissenschaft für sich und es wert einen näheren und langfristigen Blick auf diese Brennerei zu werfen.

Der Whisky-Boom und die hohen Besucherzahlen lassen auch Arran nicht unberührt. Jüngst erreichte uns die Information, dass Arran eine weitere Brennerei auf der Insel in Lagg im Süden der Insel bauen wird. Die Lagg Distillery wurde 1837 geschlossen und soll nun den Namen des zweiten Projekts der Arran Distillers tragen. Wir wünschen viel Erfolg und hoffen sehr, dass die große Zahl an neuen Brennereien nicht zu einer erneuten Überproduktion und Übersättigung der Märkte führt, wie wir sie bereits zweimal in der Geschichte erleben mussten. Ende 2018 könnte bereits der neue Brand aus den Pot Stills fließen. Wir halten Euch auf dem Laufenden (no pun intended 😉

Fazit: Arran ist ein junges Projekt, das, wie ich finde, seine Pubertät hinter sich gelassen hat und nun in der Topliga der schottischen Malt Whiskies mitspielen kann. So abwechslungsreich wie die Insel ist auch die Brennerei und die schöne Location, die gastfreundliche Atmosphäre und die riesige Auswahl an Abfüllungen bieten alles was das Liebhaberherz begehrt. Hoffentlich erfreuen Sie noch viele Jahre unsere Nasen und Gaumen!

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Februar 2017):
Eigentümer: Isle of Arran Distillers
Gegründet: 1993 (Gründung), 1995 Produktionsstart
Kapazität: 750.000 Liter (Rohbrand)
Stills: 1 Wash Still, 1 Spirit Still
Adresse: Lochranza, Isle of Arran, KA27 8HJ
Region: Inseln/ West Highlands
Erreichbar: Mit dem Auto, mit dem Bus/Fähre
Link: https://www.arranwhisky.com/

*Ronde, Ingvar (2016): Malt Whisky Year Book 2017; Shropshire: MagDig Media Limited, Seite 59