Distillery Review 21: Arran

Moin Moin Malt Fans!
Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder mit einem Distillery Review zu Wort! Es gab viel zu tourn, viele Tastings zu organisieren, neuen Job zu suchen und nun steht auch noch ein Umzug vor der Tür! Aber schließlich muss hin und wieder auch einmal Zeit sein, die Handbremse zu ziehen, die Füße aus dem Beifahrerfenster zu stecken und sich die schottische Seeluft um die Käsefüße wehen zu lassen. Zumindest im Kopf und im Herz. Die Straße ist nur so gut, wie die Pausen die man macht. Long Story Short. Wir halten mal wieder bei einer Brennerei (viele Herzchen einfügen ;)…

dsc_47862015 führte mich mein Weg auf die Insel Arran und ihre gleichnamige Brennerei, als ich neun wundervolle Wochen in Schottland unterwegs war. Arran ist vom Edinburgh Airport aus betrachtet die am einfachsten zu erreichende Insel Schottlands. Mit dem Bus ist man in einer knappen Stunde in Glasgow, von dort in ebenfalls einer guten Stunde am Pier Ardrossan. Von hier bringt einen die Fähre direkt nach Arran (Überfahrt ca. eine Stunde für weniger als 27 €). Wenn man also früh genug loslegt, hat man noch einen knappen Tag für eine Inselrundfahrt. Arran ist traumhaft schön und eröffnet sozusagen die schottische Westküste. Man sagt Arran nach, es sei eine „Schottland-Miniatur“, da die Insel sowohl Highland als auch Lowland-Gebiete aufweist. Die Flora und Fauna der Insel ist ebenso dsc_4891abwechslungsreich und so begegnet man oft den verschiedensten Tieren auf seinen Touren. So hatten wir das Glück mehrmals Steinadler in freier Wildbahn beobachten zu können, ein Fernglas im Gepäck kann sich also als nützlich erweisen! Steinadler… Eine passende Überleitung zur Insel-Brennerei. Diese musste nämlich beim Bau pausieren, um das in der Nähe nistende Steinadler-Pärchen nicht bei der Brut zu stören. Offensichtlich mit Erfolg, denn die Zwei sind geblieben. Und so schmücken sie heute die Flaschen der Arran Distillery. Diese schmiegt sich pittoresk an den Highlandgürtel in Lochranza einem kleinen Ort mit einer Hand voll Häuser, darunter ein Hostel in Laufweite zur Brennerei. Zu unserer Freude verfügte das Hostel auch über Einzelzimmer und so konnte ich und meine zauberhafte Begleitung damals unsere Zeit auf der Insel in Ruhe genießen.

Machen wir uns also ausgeschlafen und voller Tatendrang auf den Weg zur Brennerei! Nachdem die Arran Distillery erst 1995 das Licht der Welt erblickte, erwartet uns natürlich kein Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Visitor Center ist großzügig gestaltet, mit einem tollen gut bestückten Shop und einem Besucher-Cafe. Eine sehr gute Entscheidung wie ich finde, da ich auf meinen Schottland-Reisen oft und gern in die Bredouille gerate, die nicht-flüssige Nahrungsmittelaufnahme sträflich zudsc_4845 vernachlässigen. Und als fränkischer Hobbit habe ich oft und gern etwas im Magen! Gesagt, getan. Mit Kaffee und Kuchen versorgt, geht es gut gelaunt auf die Tour. Wir starten in einem nachgebauten alten Cottage, wo wir uns einen kleinen Werbefilm reinziehen dürfen. Etwas zu touristy für meinen Geschmack, aber der 14-jährige Arran der uns zum Auftakt serviert wird Hand besänftigt mich sofort. Damit bin ich schonmal in beste Stimmung versetzt, auch wenn der 14er nicht mein Lieblings-Arran ist und werden wird. Die Tour ist klasse, wir gehen mit dem äußerst sympathischen Schotten durch die üblichen Produktionsprozesse. Wir Ihr sehen könnt, sind Fotos durchweg erlaubt. Alle Daumen hoch dafür! Einzig den Lagerhausbesuch am Sdsc_4818chluss vermisse ich. Angekommen im wunderschönen Tasting-Room werfen wir einen Blick auf ein paar Falschen mit unterschiedlichem Reifegrad vom Newmake, zum 1 und 2 Jahren alten Young Malt, bis hin zu einer verkaufsfertigen Abfüllung. Sehr gelungen. Das Tasting fällt ebenfalls großzügig und persönlich aus. Wir probieren sogar eine Reihe limitierte Abfüllungen und verlassen Arran im Rausch der Sinne und können nicht anders, als die Brennerei fest in unser Herz zu schließen. Ein Besuch der Insel und der Brennerei ist jeden Cent wert und äußerst empfehlenswert in meinen Augen. Wiedermal festige ich meine Haltung, dass man SO einen Whisky und seine Marke effizient und gleichwohl liebevoll verkauft.

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Ein paar letzte Worte zum Whisky von Arran. Allen vorweg nehme ich gern den 10-jährigen Arran, die Standardabfüllung. Die gelungene Mischung aus Refill-Ex-Sherry (50 %), Firstfill-Ex-Sherry (25 %) und Firstfill Ex-Bourbon Fässern, kreieren einen süffigen Insel Malt, mit tollen intensiven hellen Früchten und leichten maritimen Inselaromen. Wirklich ein Whisky zum (zu) viel und schnell trinken. Ein „gefährlicher“ Whisky wie ich sie nenne. Trotz „Einsteiger“-Kategorie mit 46 % Vol. ungefärbt und nicht-kühlgefiltert abgefüllt. Mit ca. 30 Euro bringt er somit ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Waage. Einziges Manko, das ich bisher feststellen konnte: Eine Flasche davon hat mir einmal nach nichtmal drei Monaten bei geschlossenem Korken etwas an Aroma eingebüßt. Das sollte eigentlich nach so kurzer Zeit nicht passieren. In der Regel wir eine Flasche davon aber ohnehin nicht alt werden!

Generell hat Arran eine tolle weite Range, wie ich sie liebe. Eine klassische Reihe Age-Statements 10, 12 (Fassstärke), 14 und 18 Jahre, dazu eine NAS-Finish Serie (ohne Altersangabe) mit aktuell Port-, Madeira- und Sauternes-Nachreifungen und eine kleine Raucher-Abteilung namentlich zur besseren Orientierung abgegrenzt mit dem Namen „Machrie Moor“ (in Trink- und Fassstärke zu haben). Im Einsteiger- Segment bedient Arran die Supermarktregale mit günstigen Abfüllungen wie dem Lochranza Reserve (ca. 25 €) und einem Robert Burns Blend und Single Malt (für ca. 15 € und 25 € zu haben), als Förderer dedsc_4797r „World Burns Federation“ darf Arran als einzige Brennerei das Bildnis und die Unterschrift des schottischen Nationaldichters auf dem Label tragen. Wer eine Alternative zum irischen Baileys sucht, dem kann ich den Arran Cream Liquer wärmstens empfehlen, diese flüssige Kalorienbombe ist eine Sünde sondersgleichen! Auch den Highend Markt lässt Arran nicht links liegen, so veröffentlichen Sie regelmäßig Sonderabfüllungen wie den „The Devils Punch Bowl“ und experimentellen Finishes wie dem Calvados Finish, das ich vor Ort probieren durfte. Hoffen wir, dass sich Arran mit seinem kleinen Produktionsvolumen und seinen vielfältigen Abfüllungen nicht übernimmt. Ihr seht also, das Arran Universum allein ist bereits eine Wissenschaft für sich und es wert einen näheren und langfristigen Blick auf diese Brennerei zu werfen.

Der Whisky-Boom und die hohen Besucherzahlen lassen auch Arran nicht unberührt. Jüngst erreichte uns die Information, dass Arran eine weitere Brennerei auf der Insel in Lagg im Süden der Insel bauen wird. Die Lagg Distillery wurde 1837 geschlossen und soll nun den Namen des zweiten Projekts der Arran Distillers tragen. Wir wünschen viel Erfolg und hoffen sehr, dass die große Zahl an neuen Brennereien nicht zu einer erneuten Überproduktion und Übersättigung der Märkte führt, wie wir sie bereits zweimal in der Geschichte erleben mussten. Ende 2018 könnte bereits der neue Brand aus den Pot Stills fließen. Wir halten Euch auf dem Laufenden (no pun intended 😉

Fazit: Arran ist ein junges Projekt, das, wie ich finde, seine Pubertät hinter sich gelassen hat und nun in der Topliga der schottischen Malt Whiskies mitspielen kann. So abwechslungsreich wie die Insel ist auch die Brennerei und die schöne Location, die gastfreundliche Atmosphäre und die riesige Auswahl an Abfüllungen bieten alles was das Liebhaberherz begehrt. Hoffentlich erfreuen Sie noch viele Jahre unsere Nasen und Gaumen!

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Februar 2017):
Eigentümer: Isle of Arran Distillers
Gegründet: 1993 (Gründung), 1995 Produktionsstart
Kapazität: 750.000 Liter (Rohbrand)
Stills: 1 Wash Still, 1 Spirit Still
Adresse: Lochranza, Isle of Arran, KA27 8HJ
Region: Inseln/ West Highlands
Erreichbar: Mit dem Auto, mit dem Bus/Fähre
Link: https://www.arranwhisky.com/

*Ronde, Ingvar (2016): Malt Whisky Year Book 2017; Shropshire: MagDig Media Limited, Seite 59

Distillery Review 20: Glengoyne – Walk this way!

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For Nanni

It is one of those wonderful roadtrip days through the scottish highlands. The sun plays peek-a-boo with the passing clouds and presents the beautiful landscapes in the light and shadows that make every photographers heart jump. I’ve got a few days off work in the distillery and a visit from a fellow travel maniac and whisky friend. Naturally we’re on the road! Glengoyne is her favorite distillery so we have a room booked in Milngavie. Since she walked the west highland way before that officially begins in that little town, we decide to walk the way back from the distillery. The bus takes about 25 minutes to the distillery and… why do I even mention it… we´re late. But thank to the mad scottish bus drivers we make it in time. Although I’ve never been here the place looks familiar. And yes, in a not so distant future from this time on I will recognize the distillery as the outside film set of „The Angles Share“ one of my favorite whisky films of all time (in fact as far as I know there are only two: Whisky Galore! and The Angles Share, both worth a closer look). While we’re on the subject: The fictional distillery in the film, more or less the Deanston Distillery is a combination of Glengoyne Distillery (outside shots) and Deanston Distillery (scenes in the distillery e.g. the still house). Balblair Distillery comes into play later, when they try to steal the „Maltmill“, which actually existed as a part of Lagavulin Distillery a long time ago… But I’m getting carried away! Glengoyne, we’re actually entering Glengonye Distillery not without a nice fotoshoot infront of the buildings… Its a sunny day and the light is as fantastic as our mood.

From the variety of tours we pick the „gold medal parade“ for 25 £ including a tasting of the 12 yo, 18 yo, 21 yo and the cask strength. The standard tour is 9 £ so in the upper regions of tour prices. Glengoyne is a busy place. Being close to Glasgow and on the west highland way makes the distillery an ideal tourist attraction. Being a tour guide myself I am impressed with the scottish relaxedness of the guides and shop staff.

A curious fact about Glengoyne for me is its location and therefore the difficulty of sorting it into the classical scottish whisky reasons. Since its resting precisely on the lowland-highland line, with its warehouses being on the lowland side, the distillery and still house on the highland side, it seems like perfect hybrid whisky. The division in regions today is a tricky subject. There has been many arguments about the regions and the individual style of the distillery seems to be a more accurate characteristic to me then the region characteristics. As for the Lowlands most experts would agree that whiskies like Auchentoshan and Glenkinchie (with Bladnoch being mothballed for many years the only really accessible lowland malts) are light boddied and often described as „easy accessible“(1). Me and Mike (my scottish malt mate) always felt about lowland whiskies as easy to drink (smooth but not spectacular on the nose and the finish) and often a bit bland. So yeah guilty as charged, we’re both highlands and islands fans. The highlands instead are a huge region including the northern part of Scotland, the east, the west and many count islands like Arran, Mull and Orkney in this region as well. Which makes it almost impossible to give them a general characterization. But I always felt that these whiskies are more full-bodied, more complex and more punchy which usually floated my boat much more. But ey, in the end it all comes down to personal taste right? So lets get back to Glengoyne. Having its location in mind I consider this a very interesting malt. The labels read „highland malt“ and to me it presents itself like a bit of both, smooth and passive like a lowland malt, but hiding some highlandish characteristics in the back. Glengoyne prouds itself with being unpeated so much they put it on their box covers. With my travel companion being extremely sensitive to smoky flavors in the negative dimension, I’m not surprised that she loves the Glengoyne house style. The second characteristic that Glengoyne waves the flags for is that is is „unhurried“ referring to the long middle cut (about three hours) which is in fact quite a long time. They claim to have the slowest stills in Scotland and this method give them a „smooth and hugely complex“ spirit. Probably something every malt whisky distiller would say about their product, but I have to admit that most Glengoynes I’ve tried were quite smooth indeed. Glengoyne works with a classic combination of bourbon and sherry casks with an increasing content of sherry and first fill sherry casks while we go up the age and price latter. My favorite being the 21 yo so far. Having a closer look at the 15 yo version recently, I come to the impression that Glengoyne might be a whisky that can easily be overlooked. Some of the rougher malt fans like me might try this and think „nah to bland, to soft“, but giving it time and a few drops of water did A LOT to this malt. You’ll find a lot of delicate dried fruits and tobacco notes in this one. As you know some whiskies react more and some less to water and some air. But in this case I was surprised what the malt had to offer once we found the key. So Glengoyne showed us once again what you can say about almost every scottish malt whisky: It´s made with patience, so enjoy it in patience!

The tour and the visit itself where nicely done by and old Scot, picture policy being quite rigid unfortunately. As least the stillhouse is open yo we could take some pics of the stills from the outside. I loved the display of different stages of maturation in bottles, pointing out where the different expressions of Glengoyne would be situated. Although I missed a warehouse experience very much! The tasting was very pleasant and I loved the fact that the distillery told us exactly the contents and percentages of their bottles (how could I miss writing this down!).

Back in the visitor center we both couldn’t get around buying a distillery only bottling. She went for the handfilled, me for the „Teapot Dram“ a marriage of some sherry casks at cask strength. Lovely stuff. So all in all I very much enjoyed my stay at Glengoyne. Its a lovely place with a very well done visitor center and dedicated staff. You can feel its a professional touristy place but still it does not feel too spoiled for me. Lets hope things don’t change for the worst in the future. As for the whisky it is pleasant but definitely not a „in your face“ whisky. Fans of Talisker and Glendronach will have to put some work in one of their bottlings before they will find something. But if you do, you might be positively surprised. Well, it’s a fascinating world isn’t it? If you ever pass Glengoyne I would definitely recommend a visit. We end our malt mission with a lovely journey back to Milngavie not without the traditional getting-lost-for-a-while. With a slowly paced walker like me we take about 3 hours to get back to our bnb, but I have to admit this way has something. Maybe one day in the far future I’ll walk it all by myself. Oh no pun intended but the original name of Glengoyne when it was founded it 1833 was „burnfoot“(2). I will leave you here malt mates while you give this a thought or two.

Résumé: Glengoyne is a beautiful distillery on the west highland way just about ok in terms of tourist-overkill. It’s style lives from the idea and image of patience and relaxedness, so we hope things will stay like this. If you have the patience you might discover your love for this malt. And if you won’t… there`s plenty of alternatives 😉

Slainte!

Leon

Facts (august 2016):
Owned by: Ian Macleod Distillers
Founded: 1833
Capacity: 1.100.000 Liter pro Jahr
Stills: 1 Washstill, 2 Spiritstills
Adress: Dumgoyne by Killearn, Glasgow G63 9 LB (3)
To reach: by bus, by train, by foot (if you are a hiker 😉
Link: http://www.glengoyne.com/
 (1) JACKSON, MICHAEL (2010); MALT WHISKY; LONDON, NEW YORK, MELBOURNE, MÜNCHEN, DELHI: DORLING KINDERSLEY, Seite 97 ff.
(2) Wishart, David (2012); whisky classified, choosing single malts by flavour; London: Pavilion, Seite 148 f.
(3) Ronde, Ingvar (2014); Malt Whisky Yearbook; Shrewsbury: MagDig Media Limited 2014, Seite 11920

Distillery Review 19: Cragganmore – A classic malt

Moin Moin Malt Fans! Zum Entstehungszeitpunkt dieses Artikels lebe ich seit knapp 4 Monaten im Whisky-Himmel in Aberdeenshire im Speckgürtel der Speyside. So kann ich ohne akuten Zeitdruck und Urlaubsstress meine heilige Mission, sämtliche Malt-Whisky Brennereien Schottlands zu besuchen, vorantreiben und auch in die entlegeneren Ecken vordringen. Die Speyside zählt mit über 50 aktiven Brennereien zur dicht besiedelsten Whisky-Region Schottlands und der Welt und als Whisky-Liebhaber fühlt man sich hier wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Die großen Namen wie Macallan, Glenfiddich, Glenlivet und Glen Grant reichen sich hier die Hand und es ist gibt obendrein eine große Menge weiterer Brennereien mit Besucherzentren. Bei einem so großen Angebot fällt es natürlich schwer als einzelne Brennerei herauszustechen. Möglicherweise ein Grund, warum ich mir mit der Speyside schwer tue. Sowohl beim Whisky als auch bei den Brennereien.

Die Cragganmore Distillery wurde von mir lange Zeit schlicht übersehen, da ich aus mir unbekannten Gründen fest davon ausging, Cragganmore besäße kein Besucherzentrum. Ja nun, falsch gedacht! Auf meinen Reisen in den Cairngorm Nationalpark fuhr ich oft genug an dem braunen Hinweisschild „Cragganmore Distillery“ vorbei, das mich eines Besseren belehrte. Und als ich wieder einmal netten whiskyafinen Besuch hatte, fand ich war es an der Zeit Cragganmore einen Besuch abzustatten. Mein Eindruck von Cragganmore vor dem Besuch war Folgender:

Die Brennerei gehört zum Spirituosen Großkonzern Diageo mit dem mein Beziehungsstatus auf „kompliziert“ steht. Cragganmore ist Teil der ursprünglichen „Classic Malts of Scotland“ Reihe, die von Diageo im Gesamtpaket beworben wird (gemeinsam mit Talisker, Lagavulin, Dalwhinnie, Oban und Glenkinchie).  Bislang waren fast alle meine Besuche bei Diageo Brennereien ähnlich verlaufen mit den gleichen Kritikpunkten: Ein striktes Fotoverbot und eine zu uniformierte Firmenpolitik, die den Brennereien ein Stück Identität und Charakter raubt. Mein Eindruck vom Whisky selbst (so gut es geht losgelöst von der ideellen Einfärbung… no pun intended 😉 war soweit positiv. Ich hatte den 12 Jahre alten Standard probiert und ihn unter „guter fruchtiger und äußerst trinkbarer Speyside Malt“ gedanklich abgespeichert.

Schauen wir also, ob der Besuch meine Meinung über die Brennerei ändern konnte. Wäre ja nicht das erste Mal gewesen. Cragganmore liegt fast direkt an der A95 die Keith, Craigellachie, Aberlour und Grantown On Spey miteinander verbindet und sich in weiten Teilen am Fluss der Spey entlangschlängelt. Zu erreichen also nur mit dem Auto (außer ihr gehört zu den Wanderverrückten und  lauft den Speyside Way). Bei der Brennerei angekommen begrüßen uns die typischen Anzeichen einer Malt Whisky Brennerei… Lagerhäuser mit Spuren schwarzen Whisky-Pilz. Die Tour wird von einem jungen Kerl geführt, der uns sehr geduldig und in einem seeehr klarem und verständlichem Englisch (nicht immer üblich in Schottland 😉 durch den Produktionsprozess führt. In unserem Fall eine äußerst geeignete Tour für Whisky-Neulinge, für mich und meine Begleitung etwas einschläfernd. Ein Nebeneffekt zahlreicher Brennerei-Besichtigungen, den ich gerne in Kauf nehme, denn schließlich gibt es bei jeder neuen Führung im Detail etwas Neues zu entdecken! Also in Geduld üben und Augen auf! Für den folgenden Absatz wechseln wir in den Geek-Modus:

Für erwähnenswert halte ich die Verwendung der traditionellen Worm Tub Condenser, spiralförmiger Kühlröhren in außenliegenden Kühlwassertanks, die angeblich durch ihren höheren Kupferkontakt einen angenehmeren Brand erzeugen sollen. Nur noch sehr wenige Brennereien in Schottland arbeiten mit diesen Kühlsystemen, da deutlich ineffizienter sind, als die modernen Tube-Condenser und somit der Brennerei teuer zu stehen kommen. Auch die Brennblasen/Pot Stills sind scheinbar auf einen milden Brand ausgerichtet. Ihre Hälse gehen ein Stück über den Lyne-arm und enden dann abrupt (ich würde Euch ja gern Fotos zeigen… aber wie bei Diageo üblich war dies untersagt). Dies führt wohl zu einem erhöhten „Reflux“ einem Effekt durch den schwere Anteile des Dampfes zurück in die Brennblase fallen und erneut destilliert werden. Die Meinungen gehen wie so oft in diesem Fall aber auseinander, daher erwähne ich es nur, erhebe aber keine Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Der Middlecut wird nach ca. 20 Minuten bei 69 % Vol. bis 54 % Vol. geschnitten. Etwas schade finde ich, dass der Großteil des Whiskys von Cragganmore in Diageo-Lagerhäusern nahe Edinburgh lagert und nicht vor Ort. Dennoch reifen in den 4 Lagerhäusern vor Ort ca. 30.000 Fässer. In eines eben dieser endete die Tour und belohnte uns mit einem überwältigendem Angles Share. Ein Geruch von dem man wirklich nie genug kriegen kann. Dafür ein großes „Thumbs Up“!

Große Teile das Whiskys gehen in die Blends Old Parr, White Horse und Johnny Walker. Auch wenn mir dieses Tatsache nach wie vor das Herz bluten lässt, rufe ich mir wieder einmal ins Gedächtnis, dass wir es heute dem Blended Scotch Whisky zu verdanken haben, dass Whisky überhaupt zu seinem weltweiten Ruhm kam und wir heute in Deutschland eine so reiche Auswahl an Single Malts genießen dürfen. Aber ich schweife ab…

Was halten wir also von unserem Besuch bei Cragganmore? Für mich war es ein gutes Beispiel einer „Einsteiger-Brennerei“. Das Besucherzentrum besteht aus einem kleinen übersichtlichen Shop, etwas lieblos eingerichtet für meinen Geschmack. Über Touren urteile ich generell ungern, da sie stark vom Guide und der Tagesform abhängen (davon kann ich ein Lied singen). Vom subjektiven Eindruck her bietet Cragganmore das Standardprogramm, wird aber den versierten Whiskyfan nicht von den Socken hauen. Wer ein Fan der Marke ist, sollte vorbeischauen. Alles in Allem haben sich meine Vorurteile in diesem Fall bestätigt. Das Beste an der Brennerei ist in meinen Augen die 12jährige Standardabfüllung, ein hervorragender Whisky mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis. Tolle Fruchtaromen (bei mir meist helle Äpfel) spielen mit einer nicht-ganz-so-Speyside-typischen Würzigkeit und zarten Eichen- und Rauchnoten.

Fazit: Cragganmore bietet ein Standardprogramm, das lediglich mit den Worm-Tubs und dem Lagerhaus Highlights setzen kann. Das beste an der Brennerei ist für mich der Whisky. Und darauf kommt es am Ende ja an ;).

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Oktober 2016):
Eigentümer: Diageo
Gegründet: 1869
Kapazität: 2.200.000 Liter (Rohbrand)
Stills: 2 Wash Stills, 2 Spirit Stills
Adresse: Ballindalloch, Moray AB37 9 AB
Region: Speyside
Erreichbar: Mit dem Auto
Link: https://www.discovering-distilleries.com/cragganmore/

*Ronde, Ingvar (2015): Malt Whisky Year Book 2016; Shropshire: MagDig Media Limited, Seite 89

Distillery Review 16: St Georges – Ein neues Kapitel

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Nachdem ich auf meinen Reisen ins Land in dem Malt und Honig fließt gerne die Fähre von Hoek van Holland nach Harwich nehme, um die Verwandtschaft zu besuchen, durchquere ich automatisch die Grafschaft Norfolk im Nord-Osten Englands. Als ich den englischen Boden vor zwei Jahren betrat oder besser gesagt befuhr schwante mir bereits, dass ich wohl nicht lange auf meinen ersten Brennerei-Besuch warten müsste. Und wie es das Schicksal so spielt, führte mich der innere Kompass zur St George’s Distillery. Hier sollte angeblich erstmals seit 100 Jahren ein englischer Single Malt das Licht der Welt erblicken. Beladen mit meiner Neugierde und einer Portion schottischem Co-Patriotismus machte ich mich also auf den Weg zum Heiligtum der „English Whisky Company“. 

Ich fand St Georges an der Harling Road, sechs Gehminuten von der gleichnamigen Bus- und Zughaltestelle (wer die Öffentlichen nimmt sollte sich auf das Abenteuer Landstraße statt Gehweg einstellen…). Die Brennerei wurde 2006 von James (Vater) und Andrew Nelstrop (Sohn) eröffnet und bald darauf im Dezember floß das erste Destillat aus den Brennblasen. Vater James war leider einige Monate vor meinem Besuch verstorben. Er hinterließ jedoch sicher stolz wie Oskar die erste reine Whisky Brennerei auf englischem Boden seit über 100 Jahren! Kaum zu glauben, dass die Engländer so lange DSC_3425dafür gebraucht hatten. Woran mochte das liegen? Wasser Qualität? Mangel an erfahrenen Fachkräften? Oder lag gar ein schottischer Fluch auf dem Land das so viele Jahrhunderte den Highlandern zugesetzt hatte? Bis heute habe ich keine befriedigende Antwort auf diese Frage gefunden.

Nun an unqualifiziertem Personal sollte St George’s wohl nicht scheitern, konnten sie doch Iain Henderson, den langjährigen Distillery Manager von Laphroaig und vielen weiteren Brennereien, für sich gewinnen. So konnte sich das junge Projekt schnell einen gut Ruf in der Szene machen.

St George’s hielt lange Zeit an einer eisernen „Small Batch“ Politik fest, heißt der Whisky wurde ungefärbt und nicht kühlgefiltert in sog. „Chapters“ (Kapiteln) abgefüllt (meist eine Heirat aus zwei Einzelfässern). Nachdem die Kapitel 1-4 dem Young Malt (unfertigem Whisky) gewidmet waren, kam 2009 mit dem „Chapter 5“ der erste legale Malt Whisky mit 3 Jahren Alter auf den Markt. Neben der Altersangabe, ist für den Kunden zusätzlich das Destillier-Monat und -Jahr sowie Monat und Jahr der Abfüllung in die Flasche angegeben. Eine Transparenz die ich als Whiskynerd und Tastingveranstalter sehr zu schätzen weiß. Gerade bei kleinen Brennereien kann die Varianz zwischen verschiedenen Batches groß sein, was für uns als Endverbraucher verwirrend und frustrierend werden kann. Die Brennerei hat sowohl getorften als auch ungetorften Brand in den Fässern reifen und so kamen schnell weitere Kapitel hinzu. Chapter 15 (Juni 2009 – November 2014) kam 2015 im Auto mit nach Deutschland und wurde in einem der Hamburger Malt Mariners Tastings verkostet. Meine Deichkinder konnten dem Malt DSC_3438einiges abgewinnen und im Blind Tasting landete der grade mal 5 Jahre alte Whisky bei einigen der Besucher auf Platz 1. Neben einigen schönen hellen Früchten und Vanillenoten (den klassischen Aromen aus Bourbonfässern) kam hier ein intensiver fast schon teerartiger Rauch mit, der sich gut mit den Malts von der Insel Islay messen konnte. In meinen Augen ein gelungenes Erstlingswerk, wenn man es noch so nennen kann. Der ungetorfte 3 Jahre junge Malt, den es bei der Tour neben dem getorften Chapter 15 gab, konnte bei mir nicht so sehr punkten. Hier fehlte es mir persönlich noch an Reife. Die Diskrepanz zwischen diesen Abfüllungen ist nicht verwunderlich, denn torfgeräucherte Whiskys brauchen auf Grund der heftigen Aromen der Phenole weit weniger Reife und munden oft auch in jungen Jahren bereits. Zu den auf 46 % reduzierten Abfüllungen bietet die Brennerei ebenfalls Versionen in Fassstärke an. Für den Whisky Geek also ein kleines Paradies. Hier stach für mich besonders der Chapter 7 aus dem Rumfass (0459 & 0461/ Mai 09 – April 15) positiv hervor. Bei all der Begeisterung für so viel Liebe zum Detail ist aber dem ein oder anderen vielleicht schon der Haken an der Sache aufgefallen:

Es ist nämlich bei einer solchen Fülle an Spezial und Small-Batch-Abfüllungen für den Kunden der keine Überraschungen mag eine schwierige bis unmögliche Aufgabe ein und denselben Whisky nachkaufen zu können. Das hochhalten der Qualitätsflagge in allen Ehren, aber zum einen machen wenig Fässer noch lang keinen guten Whisky (insbesondere, sehr junge) und zweitens braucht der Markt eben auch eine gewissen Konstanz in den Abfüllungen. St George’s hat das Thema mittlerweile mit ihrer „Black Range“ angepackt und so gibt es vor allem für den Export Markt zwei Abfüllungen die in größeren Batches abgefüllt werden und in Deutschland von der Destillerie Kammer Kirsch vertrieben werden.

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Die Tour durch die Brennerei war äußerst liebevoll gestaltet und von einer, wenn ich das richtig verstanden habe, freiwilligen Helferin in den besten Jahren durchgeführt. Wir durften überall Fotos schießen und konnten eines der kleinen Lagerhäuser besichtigen. Mit 5 % Angles Share verteilen sie hier großzügig an die Engel, werden dafür aber mit einer leicht beschleunigten Fassreifung entschädigt. Das Bottling wird vor Ort noch von Hand erledigt. Die Karikaturen auf denen englischer Whisky und Haggis die schottischen Mauern überrennt stießen auf Widerstand bei meiner Schottlandliebe. Selbstbewusstsein in Ehren doch St George hat noch viel zu tun, wenn sie mit den erfahrenen schottischen Brennereien in einer Liga spielen möchten. Der Auftakt der Brennerei ist jedoch zweifelsohne gelungen und wir dürfen gespannt sein, was insbesondere mit ältergereiften Fässern in den nächsten Jahren auf den Markt kommt. Das Visitor Center hat sowohl dem Shopping Herz als auch dem Bauch mit Cafe und Kuchen viel zu bieten. Ein runde Sache!DSC_3446

Alles in Allem bin ich vom Besuch der Brennerei begeistert gewesen und prophezeie ihr eine glückliche und florierende Zukunft. Ich freue mich schon in den nächsten Jahren immer wieder einmal bei St George’s vorbei zuschauen und mich von den aktuellen Abfüllungen überraschen zu lassen. Besuch dringend empfohlen!

Fazit:
St George’s ist ein gelungenes Projekt, das vor 10 Jahren seinen Anfang nahm. Die Brennerei ist äußerst sehenswert und bietet Whisky Freunden ein tolles Gesamterlebnis. Ich bin überzeugt, dass der Whisky in den kommenden Jahren seine Kinderkrankheiten hinter sich lassen wird und schon bald in der ersten Liga des Malt Whiskys mitspielen kann. Mit einigen großartigen Abfüllungen braucht sich St George’s bereits heute nicht mehr zu verstecken. Thumbs up!

Slainte!

Euer Leon

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Fakten (Juli 2016):
Eigentümer: English Whisky Co.
Gegründet: 2006, James & Andrew Nelstrop
Produktionsvolumen pro Jahr: 50.000 Liter
Kapazität: 104.000 Liter
Stills: 1 Wash Stills, 1 Spirit Stills
Adresse: St. George’s Distillery, Harling Road, Roudham, Norfolk, NR16 2QW
Region: Norfolk, England
Aussprache: St George’s
Erreichbar: Mit dem Auto, Bus, Zug
Link: https://www.englishwhisky.co.uk/the-distillery

 

Quelle: