Distillery Review 30: Knockdhu Distillery (AnCnoc) – Life is good!

Heute möchte ich Euch von einem laaange überfälligen Brennerei-Besuch erzählen. Im Falle von der Knockdhu Distillery habe ich den Bericht vor mir her geschoben, weil es eine so schöne Erinnerung ist, dass ich mir immer sicher war, sie würde nie vergessen werden. Ich besuchte Knockdhu (den/am schwarzen Berg) 2016, während meiner Zeit in Schottland als Tour Guide bei Glendronach. Es war eine wundervolle Episode meines Lebens. Noch heute erinnere ich mich an das Gefühl das ich hatte, als ich am Nachmittag durch die von der schottischen Sonne dunkelgolden überfluteten Landschaften von Aberdeenshire fuhr. Ich konnte nicht aufhören zu grinsen und zu denken „Ich liebe mein Leben“. Eine derartigen „Flow-Zustand“ in dem man die ganze Welt umarmen könnte, vergisst man nicht so schnell. Knockdhu ist eine Brennerei die zu diesem Zeitpunkt noch nicht für Besucher geöffnet war, bzw. gerade dabei war dies zu entwickeln. Die Brennerei mit dem Namen Knockdhu brennt Single Malt der unter dem Namen AnCnoc vermarktet wird, wohl aus Angst vor der Verwechslung mit dem Speyside-Nachbarn Knockando. Knockdhu liegt ziemlich genau auf der imaginären Grenze zwischen östlichen Highlands und der Speyside-Region. So wird die Brennerei mal der einen, mal der anderen Region zugeordnet und steht für mich exemplarisch für die Sichtweise, dass die regionale Zuordnung von Whisky-Brennereien eher eine Glaubensfrage ist, als reine Faktenlage. Die Destille liegt am Fusse des kleinen Berges (großen Hügels?) Knock, was auch der Ortsname ist.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners

Besuch der Brennerei

Ich kam bestens gelaunt bei der Brennerei an und meldete mich im Distillery Office an. Alles wirkte hier geruhsam und typisch schottisch tiefen-entspannt. Die Brennerei hatte jüngst eine Tour Guiddess eingestellt (ich suche nach wie vor nach einem passenden Wort für „female tour guide“, die Kombination aus dem Wort „goddess“ und „guide“ gefällt mir aber schon ganz gut ;). Diese führte mich und ein ausländisches Pärchen durch die Anlage. Wir starteten im alten Kiln, der Darre der Brennerei, die nicht mehr im Einsatz ist, aber noch einiges an altem Equipment beherbergt.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners Kiln Darre


Knockdhu wurde 1893 in der großen Brennerei-Bau-Welle Ende des 19. Jahrhundert von DCL gebaut. Die Firma die sich aus den großen Lowland Grain Whisky Brennereien Cambus, Cameronbridge, Carsebridge, Glenochil, Kirkliston und Port Dundas gebildet hatte, sollte später Diageo werden (heute der größte Spirituosenkonzern der Welt). Knockdhu war sozusagen ihr Vorstoß ins Highland & Speyside-Gebiet. Die Brennerei wurde knapp 100 Jahre später, Ende des 20. Jahrhunderts zur Whisky-Dürre-Periode eingemottet. 1988 ging Knockdhu an Inver House, der Firma der heute außerdem die Malt Whisky Brennereien Old Pulteney, Balblair, Speyburn und Balmenach gehören. Die Ära Inver House hat der Marke und dem Whisky augenscheinlich gut getan. Seit 2001 gehört die Firma TaiBev, einer thailändischen Getränkefirma. Aber dazu später mehr. Knockdhu hat mit ihren beiden recht großen Brennblasen eine theoretische Produktionskapazität von ca. 1,7 Millionen Liter Spirit jährlich. 20 % davon sind mittlerweile gut getorft mit ca. 45 ppm, für die rauchigen Abfüllungen von AnCnoc. Der Standard der Brennerei ist aber nicht rauchig. Interessant an den Pot Stills ist vor allem, dass sie in Wormtub Condensern münden.

Diese ältere und weniger effiziente Kühlmethoden der Destillation wird nach wie vor bei einigen schottischen Destillerien eingesetzt. Offenbar ist es für den schlussendlichen Brand maßgebend, wenngleich sich die Brennereien schwer tun hier eine einheitliche Erklärung zu finden warum (wie so oft bei Whisky). Manche behaupten der erhöhte Kupferkontakt durch die langen kupfernen Rohre der Wormtubs würden den Brand leichter machen. Wieder andere sagen, der Brand würde schwerer, fleischiger und schwefliger. Ich teile aufgrund meiner sensorischen Eindrücke eher die zweite Hypothese. Brennereien die mit Wormtubs arbeiten sind zum Beispiel Old Pulteney und Edradour in den Highlands und Craigellachie und Cragganmore in der Speyside. Dass es sich bei Wormtubs um mehr als nur reine Nostalgie handeln muss, legt auch die Tatsache nahe, dass die neuen Brennereien Ballindalloch (Speyside) und Ardnahoe (Islay) ebenfalls diese ältere und theoretisch weniger effiziente Methode bei der Destillation anwenden.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners Wormtub Condenser

Bei Knockdhu jedenfalls betreten wir eines der neuen Warehouses vor Ort, um den Angles‘ Share einatmen zu können, den die dort schlummernden Fässer abgeben. Der größte Teil des AnCnoc Single Malts reift jedoch in anderen Lagerhäusern, teils in größeren Anlagen in den Lowlands, wenn ich das richtig verstanden habe. Bei vielen Brennereien ist dies eher die Regel als die Ausnahme, was die romantische Vorstellung des „Terroir“ bei Whisky auf Grund unterschiedlicher Lager-Regionen durchaus in Frage stellt.


Das Tasting Room in dem wir unsere Tour abschließen ist klein und damals noch mit wenig Whisky-Gedöns ausgestattet, mir gefällt dieser bodenständige Zustand der Brennerei sehr. Mittlerweile kann sich hier aber natürlich einiges geändert haben. Wie es sich gehört schlossen wir die Führung hier mit einem Tasting unterschiedlicher Abfüllungen ab.

Zum AnCnoc Whisky

AnCnoc zählt für mich seit ich dieser Marke begegnet bin definitiv zu den Underdogs der Scotch Whisky Szene. Ich habe den Eindruck die Marke wurde neben den prestige-trächtigeren Single Malt Marken Old Pulteney und Balbair immer etwas stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ist das aber auch etwas Gutes, habe ich doch bislang von den Abfüllungen die ich kenne einen gute Eindruck. Ich muss hier aber gestehen, dass ich vorwiegen den 12-jährigen AnCnoc gut kenne, die anderen habe ich nur sporadisch hie und da probieren können. Der AnCnoc 12 Jahre ist ein klassischer „Einsteiger“ Malt Whisky mit 40 % vol. und voll in Ex-Bourbonfässern ausgebaut. Für mich riecht und schmeckt er jedoch nicht so nichts sagend wie sich das vielleicht anhört. Ich finde beim AnCnoc jedes Mal wenn ich ihn probiere neue Aromen, mal schwarzen Tee, mal grüne Äpfel. Er ist jedenfalls keiner dieser klassische süß-vanilligen Malt Whiskys, sondern bietet durchaus unübliche Aromen. Hinterlassen hier die Wormtubs doch ihren Fingerabdruck? Ich kann Whisky-Enthusiasten den AnCnoc jedenfalls als Erfahrungswert definitiv ans Herz legen. Und auch für Einsteiger ist der AnCnoc 12 Jahre im 30 Euro Bereich kein Beinbruch, um sich mal an einen Bourbonfass gelagerten Standard heranzuwagen.
Ich bin sehr gespannt, wie sich die Marke entwickeln wird. Denn derzeit scheint ThaiBev oder Inver House eine Reihe von Entscheidungen zu treffen, die mir zumindest nicht gefallen. Erst wurde das Sortiment von Old Pulteney umgestellt (und deutlich verteuert) und nun hat es auch die Balblair Bottlings erwischt, eine Brennerei die mir mit ihren Whiskys sehr am Herzen liegt. Bei diesem Whisky Review Balblair 12 Jahre & Balblair 15 Jahre habe ich mir zwei der neuen Balblairs angesehen. Hoffen wir die seltsamen Entwicklungen im Hause Inver House lassen AnCnoc mehr oder minder unberührt.

Fazit:

Knockdhu ist definitiv eine sehenswerte Whisky-Brennerei. Wenn ich mir die aktuelle Website so ansehe, scheint sich in den drei Jahren nichts nennenswertes an der Art der Touren verändert zu haben. Man kann Touren buchen, jedoch nur auf Voranmeldung. Die Touren finden um 10 und 14 Uhr statt. Derzeit können Touren unter kennedyl@inverhouse.com oder der Telefon Nummer 0044 1466 771223 gebucht werden. Ich denke Knockdhu ist eine Brennerei für Whisky-Liebhaber, die auch Brennereien abseits des Mainstream besuchen möchten. Hier bekommt man ein persönlicheres Erlebnis und hat mehr Ruhe, als bei Brennereien, die sich mehr auf Touristen eingestellt haben. Es ist eine Mischung aus „Whisky-Fabrik“ (was jede Brennerei am Ende ist) und authentischem Charme. Ich jedenfalls habe meinen Besuch sehr genossen und habe mich enorm willkommen gefühlt. An diesem Tag hätte wohl aber auch nichts meine Laune trüben können ;).

Slainte!

Euer Leon

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners

Es hat wieder im Hafen gerummelt!

Am Donnerstag den 11. Oktober durften wir mal wieder den Hafenrummel in Bremen entern! Schwerpunkt des Whisky Tastings war diesmal das Thema „Highland Whisky“ und so gab es vier schmackhafte Ausflüge in die unterschiedlichen Regionen des schottischen Hochlands.

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Wir starteten unsere Reise im hohen Norden mit dem oft unterschätzten Clynelish 14 Jahre, einem voluminösen und dennoch extrem süffigen Single Malt Whisky mit tollen Apfel- und Bienenwachs-Aromen!

Um diesen starken Start noch zu toppen, landeten wir anschließend am südlichen Ende Schottlands bei der Glengoyne Distillery und legten mit dem 21jährigen Vertreter tüchtig nach. Ein sagenhafter Malt Whisky aus den besten Oloroso Sherry Fässern!

Dann rissen wir das Ruder herum und wechselten den Kurs gänzlich Richtung Nord-Osten ins Grenzgebiet der Speyside. Wer hier einen milden, eindimensionalen Whisky erwartete, dem wurde vom Glenglassaugh Revival ordentlich der Scheitel gezogen. Trotz der Jugend der Standardabfüllungen der erst 2008 wiedereröffneten Brennerei, zeigt der Revival, dass man mit den richtigen Fässern ein Feuerwerk zünden kann! Bourbon, Sherry und Rotweinfässer vereinen sich zu einem der ungewöhnlichsten Küsten-Whiskys Schottlands.

Last but noch least konnte Schottlands „kleines Juwel“ noch einmal glänzen und mit einer Single Cask Abfüllung von Edradour aus dem Sherry Fass das I-Tüpfelchen auf einen gelungenen Abend setzen! Fassstärke versteht sich!
Wir hoffen, Ihr hattet genau so viel Spaß wie wir!

Slainte!

Eure Malt Mariners

Distillery Review 26: Dalmore – Ein Luxusproblem

Heute möchte ich auf meinen Brennerei Besuch bei Dalmore zurückblicken und ein paar Eindrücke mit Euch teilen. Und wie so oft stehe ich vor einem Dilemma. Nach rund 70 Brennerei-Besuchen verblassen die Einzelheiten über den Produktionsprozess und es bleiben eher die einzigartigen Eigenschaften und Gimmicks einer Brennerei übrig. Verzeiht mir also, wenn ich in diesem Artikel nicht stark auf den Produktionsprozess eingehe.

Dalmore Single Malt Whisky Destillerie Gebäude

Meinen Beziehungsstatus mit Dalmore setze ich mal auf „es ist kompliziert“. Die 15 und 18jährigen Abfüllungen, die ich bis zum Zeitpunkt meines Besuchs 2016 probiert hatte, hatten mich bodenlos enttäuscht. Zu dünn, zu wenig komplex für das Alter und zu wenig Wumms für den Geschmack eines „Highlands- and Islands“ Whiskyfreunds wie mich. Und dabei wünsche ich mir noch heute Dalmore in mein Beuteschema, arbeitet die Brennerei doch schließlich mit vielen spannenden Sherry-Fässern und hat eigentlich einen Highland-typischen schweren Grundcharakter mit Tabak und Gewürznoten. Vielleicht war ich gerade deswegen von Dalmore immer etwas enttäuscht, da ich mit dem Potential der Brennerei vor Augen immer mehr von ihr erwarte, als sie bislang aufs Parkett bringt. Diese Haltung, gepaart mit dem Wissen um die regelmäßigen Luxusabfüllungen wie etwa Dalmore Trinitas, ließen mich als Skeptiker in die Brennerei marschieren.

Dalmore liegt für „Highland-Verhältnisse“ relativ günstig. Die Brennerei ist in 30 Minuten über die A9 von Inverness zu erreichen (gleich neben Morrisons) auch mit Bus und Bahn. Mein erster Besuch endete allerdings schnell, da man mir im Visitor Center eine Absage für den gesamten Tag erteilte, alle Touren wären gebucht, ich solle an einem anderen Tag wiederkommen. Dies bescherte mir später eine spontanen Besuch bei Balblair, über den ich noch heute glücklich bin. Aber das ist eine andere Story!
Springen wir also zum Besuchstag. Die Brennerei selbst liegt im Grunde direkt am Meer, man blickt auf den Cromarty Firth und seine Ölbohrinseln.

Dalmore Single Malt Whisky Destillerie Visitor Center Besucherzentrum

Das Visitor Center ist klein und spartanisch eingerichtet. Viel Stein. Alles wirkt irgendwie kühl und abweisend. Kein Whisky-Merch zum mitnehmen, nur ein paar Dalmore-Abfüllungen im Glas-Display. Für einen Kurzbesuch ohne Tour eignet sich das Visitor Center daher nicht. Wir buchen die Standard Tour für satte 8 £. Wir sind leider die Einzigen auf der Tour, einerseits toll, da wir so eine persönliche Betreuung erhalten, andererseits sehe ich die Guides lieber im Einsatz mit einer Gruppe. Gut ein Luxusproblem. Die Guidess erkennt schnell, dass wir uns bereits gut auskennen und geht daher eher auf die Besonderheiten ein. So etwas weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe auch Touren gemacht, bei denen der Guide trotz Solo-Tour den üblichen Monolog runtergerattert hat und nicht auf Fragen einging. In meiner Zeit als Tour Guide bei Glendronach habe ich mich immer über Interessierte kleine Gruppen gefreut und es dann einfach persönlicher gemacht. Aber jeder Guide geht damit anders um. Leider sind Fotos bei Dalmore absolutes Tabu, wir müssen sogar unsere Handys und Kameras im Auto lassen. Ein Minuspunkt gleich zu Beginn.

Dalmore Single Malt Scotch Whisky Destillerie Gebäude und Fässer

Glücklicherweise ging es nun stetig bergauf. Die schönen Holz-Washbacks halten den Wash für ca. 50 Stunden zur Vergärung, bevor er ins Still-Haus wandert. Hier staunen wir nicht schlecht. Das Still-Haus ist wirklich sehenswert. Die äußerst ungewöhnlichen Brennblasen von Dalmore lassen das Nerd-Herz höher schlagen. Wie bei der Geschwister-Brennerei Fettercairn lässt Dalmore Wasser an den Brennblasen herablaufen, angeblich soll somit der Kupferkontakt zwischen Alkoholdämpfen und Still-Wand erhöht werden. Auch die gestutzten Tops der Brennblasen erregen Interesse. Wir sind allein und dürfen ausführlich mit dem Stillman schwatzen. Die Führerin lässt uns Zeit, drängelt nicht, wir haben aber sowas immer im Blick und wollen die Leute nicht ewig von der Arbeit abhalten. Wir sind schließlich zu Gast. Pluspunkt aber an dieser Stelle. Weiter geht es in einen eigens kreierten Display Raum in dem Whisky unterschiedlichen Alters ausgestellt sind und Geruchsproben der Foreshots, Middlecuts und Feints (die drei Teile der Destillation, nur das Herzstück wird in die Fässer gefüllt, der Rest neu destilliert). Ein tolles Gimmick für Whisky-Enthusiasten! Auch das Lagerhaus lässt kaum Wünsche offen, wir sehen die unterschiedlichsten Sherry-Fass Typen, mit vielen verschiedenen Ursprüngen. Hier wären wir am liebsten geblieben. Wieder einmal muss ich daran denken, dass die meisten dieser Schätze es entweder gar nicht zum normalen Genießer schaffen werden, oder nur unter gemischt und auf 40 oder 43 % vol. herunter gewässert. Schade, denn allein der Angles Share lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Was für ein Geruch!

Mit diesem Hochgefühl im Bauch, beenden wir die Tour in einem separaten Verkostungsraum mit einem Glas Dalmore 12 und einem schönen Video. Der Dalmore 12, den ich hier tatsächlich zum ersten Mal probiere, schmeckt mir besser als die älteren Vertreter. Das Ambiente wird hier seinen Beitrag leisten. Wir sind rundum glücklich und froh, doch noch den Weg zu Dalmore gemacht zu haben.

Dalmore Single Malt Scotch Whisky Destillerie Gebäude und alter Dalmore Transportlaster

Fazit: Dalmore ist einen Besuch wert, besonders für Fans der Marke. Es gibt viel zu sehen, riechen und anfassen, was die Tour zu einem Erlebnis macht. Für mich bleibt die Firmen-Politik ein schwieriges Thema, aber am Ende nennen wir das Kind beim Namen und bei dem was es ist: Ein Luxusproblem.

 

 

Wir sehen uns on the road…

Euer Leon

 

Distillery Review 2: Dalwhinnie

Die Brennerei Dalwhinnie liegt geographisch gesehen „mitten“ in Schottland, in den Highlands. Die Region war in der Vergangenheit wohl ein Umschlagplatz für Whiskyschmuggler. So bedeutet auch der Name Dalwhinnie auf gälisch „Treffpunkt“. Strategisch liegt Dalwhinnie günstig an der A9/M9, der Autobahn, die Edinburgh mit Inverness verbindet. Ich kam an Dalwhinnie auf dem Weg von Skye nach Pitlochry vorbei. Die Brennerei liegt außerdem nahe des gleichnamigen Ortes der eine Zuganbindung hat. Dennoch wirkt die Location abgeschlagen von größeren Städten oder anderen Brennereien.

Nach deren Wiedereröffnung verlor Dalwhinnie den Titel der höchstgelegenen Brennerei an Braeval, die auf 355 Metern über dem Meeresspiegel liegt (Dalwhinnie 330 Meter). Auf Grund ihrer geographischen Lage betreuen die Brennereimitarbeiter auch eine meterologische Station, die Daten für den Wetterdienst sammelt. Diese Hochlage verschafft Dalwhinnie (laut Mitarbeiter) einen kleinen Bonus beim „Angles Share“, da die Verdunstung in den Lagerhäusern geringer ausfällt als in tieferen Regionen. Geschichtlich wäre zu erwähnen, dass die Brennerei zwar 1897 gegründet wurde, jedoch 1934 fast gänzlich abbrannte. 1968 verabschiedete sie sich von ihren Malting Floors und 1986 fand eine Renovierung statt. Soviel zu den Geschichtsdaten. 

Dalwhinnie gehört zum Spirituosen Giganten Diageo und ist Teil der „Classic Malts“ Reihe. Wer vor hat mehrere Brennereien zu besuchen, sollte sich in den jeweiligen Brennereien  unbedingt das „Friends of the classic malts“ Journal besorgen, ein kleiner Pass der kostenfreien Eintritt zu einer Reihe  Diageo Brennereien gewährt. Die befürchtete Werbeflut blieb bisher aus und so konnte ich mir bereits einige Pfund Eintrittsgelder sparen. Wie für Diageo Brennereien üblich sind Fotos in der gesamten Brennerei untersagt. Die Tour selbst war soweit ok, ein kleiner Blick in eines der Lagerhäuser wurde gewährt. Das Mini Glas als Take-Away war eine schöne Zugabe. Das Flaggschiff der Dalwhinnie 15 Jahre wird wohl gerne als „Großmutter Whisky“ bezeichnet. Er hat den Ruf weich und unkompliziert zu sein, eine preiswerter Einsteiger also. Mir persönlich ist der Dalwhinnie 15 immer etwas zu flach gewesen.

 

Fazit: Alles in Allem in meinem Augen eine nette durchschnittliche Brennerei ohne große Ecken und Kanten, wie ihr Whisky. 


Slainte Mhath!

Euer Leon

Fakten (Stand Jan. 2015):

Eigentümer: Diageo

Gegründet: 1897

Produktionsvolumen pro Jahr: 1.300.000 Liter

Adresse: Dalwhinnie, Inverness-Shire, PH19 1AB

Aussprache: „Dohlwinnie/Dalwhinnie“

Erreichbar: Mit dem Zug


Quellen:

– Hoffmann, Marc (2007): Whisky – Marken aus der ganzen Welt; Bath, New York, Singapore, Hong Kong, Cologne, Delhi, Melbourne: Parragon 

– http://de.wikipedia.org/wiki/Dalwhinnie_(Whiskybrennerei)

– Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley