„On the road“ – Besuch im Visitor Center von Ardnahoe

Endlich sind wir mal wieder unterwegs! Die Straße und das Meer haben uns wieder. Hier ein kleiner Eindruck vom zeitweiligem Visitor Center der neuen Ardnahoe Distillery auf Islay. Geplanter Produktionsstart ist, wenn alles nach Plan läuft, diesen September! Wir sind gespannt! Die Brennerei gehört dem unabhängigen Abfüller Hunter Laing und so hat der Shop jetzt schon reichlich Whisky anderer Brennereien im Angebot.

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Distillery Review 6: Ardbeg

Ardbeg zählt zweifelsohne zu den beliebtesten „Peathead“-Brennereien Schottlands, der Gemeinde um den schwer rauchigen Scotch Whisky. Vor Kurzem feierte die Islay-Brennerei ihr 200-jähriges Jubiläum. Gratulation! Nachdem Ardbeg viele Höhen und Tiefen durchleben musste und zeitweilig wie so viele ihrer Geschwister in den rauen 80igern eingemottet wurde, wird sie seit 1997 von Glenmorangie PLC geleitet (gehört nun Moët Hennessy Louis Vuitton und Diageo). Ardbeg wird von manchen Whisky Liebhabern kritisch als „Hype-Distillery“ betitelt. Der Grund hierfür liegt wohl in der Vielzahl an Sonderabfüllungen (meist ohne Altersangabe), die meist schnell ausverkauft sind und sich dann im Internet, dank der hohen Zahl an Sammlern, Preisschlachten liefern (siehe Rollercoaster, Alligator, Supernova etc.). Dem gegenüber steht eine vergleichsweise übersichtliche Range von Standardabfüllungen, derzeit der Ardbeg 10 und die drei No-Age-Statement-Geschwister Uigeadail, Corryvreckan und An Oa. Ich werde mich zu diesen Streitfragen nicht weiter äußern, da ich der Meinung bin, wer sammeln will, soll dies tun. Früher oder später könnte diese Blase platzen und wir Whisky-Genießer und Tastingfreunde freuen uns über ein Bad im Sammlerwhisky. So oder so produziert Ardbeg verdammt noch mal guten Whisky und solange das so bleibt, wird das Zeug auch weiter getrunken! Mit 54,2 % Vol. und 57,1 % Vol. bringen Uigeadail & Corryvreckan gut was auf die Wage und die Kühlfilterung spart sich die Brennerei obendrein. Warum man allerdings das rauchige Gold färbt ist und bleibt mir ein Rätsel. Die Flaschen sind sowieso grün. Wozu also nachfärben?

Kommen wir nun aber zur Brennerei selbst. Mit Lagavulin und Laphroaig hat das Islay-Juwel prominente Nachbarn. Alle drei Brennereien sind durch einen Fußweg neben der Straße miteinander verbunden. Man kann daher beide Brennereien an einem Tag entspannt besichtigen. Läuft!

Die Location an Islays Südküste lässt jedes Whisky-Herz höher schlagen. Raues Meer, raue Felsen… und dazu ein Ardbeg! Toll! Die Brennerei ist auch für ihr Bistro, das „Old Kiln Cafe“ im Besucherzentrum bekannt, in dem man sich mit Speisen und dergleichen versorgen kann. Dies kann an einem Distillery-Tour-Tag durchaus einmal überlebenswichtig werden ;). Optisch macht die Brennerei einiges her und die Tour führt durch eine Vielzahl ansehnlicher Räumlichkeiten. In meinem Fall wurde die Tour, wie so oft, von einer attraktiven jungen Frau geleitet, die aber über die Führung hinaus leider wenig Sachkenntnis über Whisky zu haben schien. Das abschließende Tasting fiel auch spärlich aus, wenngleich man ein „Perfect Dram“ Gläschen mitnehmen dürfte. Aber wer fachsimplen will, sollte eben nicht die Standard Tour, sondern eine der Tasting-Touren oder ein Warehouse-Tasting wählen (auf Islay generell eine Empfehlung!!). Zu erreichen ist die Brennerei im Prinzip nur mit dem Bus, der auf Islay bekanntlich sehr sporadisch unterwegs ist. Informiert euch also vorher gut wann euch ein Bus zur Quelle der Ewigen Jugend fährt… und vor allem auch wieder zurück! Nachtrag: Mittlerweile haben wir die erweiterte „Ardbig Tour“ gemacht, die ich nur jedem ans Herz legen kann!

Fazit:

Ardbeg ist wie ich finde eine gute Mischung aus Touristenattraktion und Qualitätsbrennerei. Ihre Extravaganzen im Bereich Sonderabfüllungen waren ihrem Ruf sicher nicht nur zuträglich, aber unverschämt teure Flaschen haben schon andere Brennereien mit schlechterer Gesamtqualität auf den Markt geworfen. Ich finde Ardbeg ist ein absolutes Muss, wenn man sich bereits die Mühe gemacht hat nach Islay zu gelangen.

Slainte Mhath!

Euer Leon

Fakten (Stand März 2015):
Eigentümer: Moët Hennessy Louis Viutton
Gegründet: 1815
Produktionsvolumen pro Jahr: 1.000.000 Liter pro Jahr
Adresse: Port Ellen, Islay, Argyll PA42 7EA
Aussprache: Ardbeg
Erreichbar: Mit dem Bus
Link: http://www.ardbeg.com/ardbeg/
Quellen:
– http://de.wikipedia.org/wiki/Ardbeg
– http://www.maltmadness.com/whisky/ardbeg.html
– Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley
– Ronde, Ingvar (2012); Malt Whisky Year Book 2013; Shrewsbury Shropshire SY3 7FA: MagDig Media Limited

Distillery Review 3: Bruichladdich


Man kann wohl von keiner Islay Brennerei behaupten, sie sei uninteressant. Nichtsdestotrotz wurde vermutlich über kaum eine Brennerei mehr geschrieben, diskutiert und berichtet, als über Bruichladdich. Dies liegt wohl in der stürmischen Geschichte der Brennerei begründet und in dem „Geist“, den sie schließlich erweckte.  Bruichladdich wurde 1881 von den Brüdern Robert, William und John Gourlay Harvey gegründet. Interessantes Detail: Sie wurde nicht wie die meisten Brennereien aus Farmgebäuden „zusammengeflickt“, sondern als Brennerei geplant und gebaut. Somit war sie eine der fortschrittlichsten Brennereien ihrer Zeit. Bruichladdich ist (zu recht) stolz darauf noch heute viele der ursprünglichen Ausrüstungsbestandteile zu verwenden, wie etwa die Mühle.

Nach den üblichen Besitzerwechseln wurde die Brennerei 1994 stillgelegt. Dezember 2000 schließlich erwarben Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright (bekannt durch den unabhängigen Abfüller Murray McDavid) für 7.500.000 Pfund die stillgelegte Brennerei, die noch ein Lager mit gefüllten Fässern vorzuweisen hatte. Jim McEwan, zuvor für Bowmore tätig, wurde als Brennmeister gewonnen. Das Motto der Brennerei „Progressive Hebridean Distillers“ prangt noch heute auf den Brennereigebäuden.

In der Folgezeit machte sich die Brennerei einen Namen durch unzählige (ja unübersichtlich viele) Abfüllungen und rührte fleißig die Werbetrommel für die traditionelle und regional agierende Brennerei Bruichladdich. Ich erinnere mich noch gut vor einigen Jahren eine Doku über Bruichladdich gesehen zu haben und an die Begeisterung die ich damals empfand. So war Bruichladdich mit einer der Gründe, warum ich 2014 Islay besuchte. Doch jede Sturm und Drang Phase hat ihr Ende. 2012 wurde die Brennerei von Rémy Cointreau für 58.000.000 Pfund gekauft. Kein schlechter Deal für die bisherigen Besitzer. Bleibt zu hoffen, dass das Expertenteam sich bald weiterer stillgelegter Brennereien annimmt.

Nun gut die „jungen wilden Jahre“ von Bruichladdich sind vorbei. Wir dürfen aber  gespannt sein, was die Brennerei in der Zukunft für uns bereit hält. Ihre riesige Range wurde jedenfalls schon einmal auf eine übersichtlichere Zahl von Abfüllungen zusammengekürzt. Ein wichtiges Vermächtnis der Experimentierfreude der alten Besitzer ist sicherlich der „Octomore“, der rauchigste Whisky der Welt. Mit bis zu über 300 ppms (parts per million) schlägt er andere Islay Malts um Längen (gewöhnlich zwischen 30 und 60).

Der Besuch vom winzigen Ort Bruichladdich und der gleichnamigen Brennerei ist, wie auf Islay so viele Brennereien, mit dem Bus möglich. Wenngleich man manchmal etwas Glück haben muss und ggf. auch mal in einen Schulbus einsteigen muss ;). Bei gutem Wetter kann man von Bruichladdich aus über das Loch Indaal zum Ort und der Brennerei Bowmore hinübersehen.

Der Besuch der Brennerei war ein reines Vergnügen. Als ich dort eintraf fielen mir die vielen jungen attraktiven Frauen auf, die bei Bruichladdich arbeiteten. Im Verlauf des Urlaubs wurde mir klar, dass dies Usus auf der Insel ist und der einheimischen Jugend eine Arbeitsperspektive bietet. Nichts dagegen einzuwenden! Die sehr gute Tour wurde ebenfalls von einer jungen Frau names Michelle geleitet. Einige Highlights der Tour waren die offene Mashtun, die Mühle aus dem 19. Jahrhundert und die eigene Abfüllanlage. Bruichladdich hat neben den Pot Stills für ihren Whisky auch noch eine eigene Brennblase in der sie den hauseigenen Gin brennt. Die Still wurde liebevoll „Ugly Betty“ getauft und ist mit einem (gar nicht so hässlichen) Pinup geschmückt. Bei Bruichladdich läuft eben vieles etwas informeller  und „progressiver“ :). Die Verkostung nach der Tour fiel äußerst großzügig aus. Soll mir nochmal einer damit kommen Schotten seien geizig ^^.

Fazit: Bruichladdich ist ein absolutes Muss für Whisky-Fans. Wer den langen Weg nach Islay auf sich nimmt, der sollte sich einen Besuch (oder ein Warehouse Tasting) nicht entgehen lassen! Es gibt reichlich zu entdecken!

Slainte Mhath!

Euer Leon

Fakten (Stand März 2015):

Eigentümer: Remy Cointreau

Gegründet: 1881

Produktionsvolumen pro Jahr: 1.500.000 Liter

Adresse: Bruichladdich, Islay, Argyll, PA49 7UNI, Scotland

Aussprache: „Bruickladdie/ Bruichladdie/ Bruiladdie“

Erreichbar: Mit dem Auto, Mit dem Bus

Quellen: 

– Hoffmann, Marc (2007): Whisky – Marken aus der ganzen Welt; Bath, New York, Singapore, Hong Kong, Cologne, Delhi, Melbourne: Parragon 

– http://www.maltmadness.com/whisky/bruichladdich.html

– Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley 

– Wündrich, Katja; Seonaidh, Adams (2012): Whisky Trails; Frankfurt am Main: Goldfinch

Distillery Review 1: Laphroaig

Ich habe eigentlich nicht lange überlegen müssen, welche der bereits besuchten Brennereien ich zuerst vorstelle. Weil Laphroaig in meinen Augen einen ganz wesentlichen Charakterzug des Single Malt Whiskys repräsentiert, fiel die Wahl auf eben dies Brennerei. Whisky ist eine individuelle und subjektive Angelegenheit. Wie kein anderer Whisky spaltet Laphroaig die Geister der Whiskygemeinde. Man sagt ihm nach, dass man ihn auf Anhieb entweder liebt oder hasst. „Moorleiche“, „Gummireifen mit Katzenpisse“, „Heißer Asphaltbelag im Regen“… die Geschmacksbeschreibungen von Laphroaig treiben wilde Blüten und wirken wenig schmeichelhaft. Doch bei den „Smokeheads“, den Rauch-Liebhabern hat Laphroaig eine eingeschworene Fangemeinde, die wie das Publikum auf einem Metal Konzert zusammenstehen. Sie alle verbindet die Liebe zu einen Whisky mit Eiern. Also: Ehre wem Ehre gebührt.

Der Besuch der Laphroaig Distillery gestaltet sich bereits daher als schwierig, da sie auf der Insel Islay liegt, dem Herz der schottischen Raucher. Mit Bus und Fähre erreicht man Islay von Glasgow aus in ca. 7 Stunden. Für einen Besuch sollte man daher mehr als nur ein Wochenende mitbringen. Wer den (traumhaft schönen) Weg auf die Insel aber hinter sich gebracht hat befindet sich im Whisky-Himmel. Laphroaig Distillery ist zwei- bis dreimal täglich mit dem Bus zu erreichen. Die Busverbindungen sind abenteuerlich, zur Not hilft der Daumen.

Laphroaig liegt, gemeinsam mit Ardbeg und Lagavulin, an der Südküste Islays nahe dem Küstenstädtchen Port Ellen. Das raue Meer und die felsige Bucht in der die Brennerei liegt, spiegeln den Charakter des Whiskys treffend wieder: Nix für Weicheier! Ein wahrgewordener Whisky Traum. Der Distillery Shop ist gemütlich, aber nicht überfrachtet und erweitert sich nach hinten zu einem gemütlichen Bereich mit Sesseln und Tischen (vermutlich für Tastings) und einem Ausstellungsbereich, der stilvoll und rustikal durch die Geschichte der Brennerei führt.

Die Tour wurde in meinem Fall von „David“ geführt, einem stämmigen Schotten, der auch regelmäßig traditionelle Musik in Port Charlotte Hotel spielt. Ich erwähne dies, da normalerweise auf Islay die Touren von jungen Frauen durchgeführt werden. Dies ist zwar für uns männliche Besucher durchaus nicht negativ, für das Whisky Herz kann es aber auch mal enttäuschend sein, wenn das Tour Personal nicht viel Ahnung von Whisky außerhalb der Tourvokabeln hat. Dass jedoch die Brennereien auf Islay ein Hauptarbeitgeber für die jungen InselbewohnerInnen sind, stimmt den Liebhaber von Authentizät milde. Bei Laphroaig wirkte das Personal sehr patent und direkt. Laphroaig gehört auch zu einer der wenigen Brennereien, die noch eigene Malting Floors (Mälzböden) besitzen. Rund 10% des Malzes stammt bei Laphroaig wohl aus eigener Produktion, der Rest wird vermutlich vom Großkonzern Diageo (mit Sitz in Port Charlotte um die Ecke) geliefert. Ich durfte mir einen geschmacklichen Eindruck vom frischen Malz und dem Bier machen. Ein bisschen schade war, dass wir nicht „wirklich“ ins Lagerhaus konnten und die Fässer nur durch ein Gitter betrachten konnten. Das Take-Away Glass tröstete mich dann aber ausreichend und einen der vielen Laphroaigs den sie vor Ort großzügig ausschenken, an Ort und Stelle auf dem rauen Fels direkt am Meer genießen zu können, lässt dem Whisky Herzen dann doch keine Wünsche mehr offen. Da schmeckt es dann selbst dem Laphroaig Banausen wie mir 😉

Fazit: Egal ob man ihn liebt oder hasst: Laphroaig Distillery ist ein Muss für Whisky-Liebhaber!

Slainte Mhath!

Euer Leon

Fakten (Stand Jan. 2015):

Region: Islay

Eigentümer: Beam Suntory

Gegründet: 1815

Produktionsvolumen pro Jahr: 2.700.000 Liter

Adresse: Port Ellen, Islay, Argyll, PA42 7DU

Aussprache: „Lafroig“

Erreichbar: Mit dem Bus

Link: Distillery Homepage

Quellen:
– Hoffmann, Marc (2007): Whisky – Marken aus der ganzen Welt; Bath, New York, Singapore, Hong Kong, Cologne, Delhi, Melbourne: Parragon
– http://de.wikipedia.org/wiki/Laphroaig
– Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley
– Wündrich, Katja; Seonaidh, Adams (2012): Whisky Trails; Frankfurt am Main: Goldfinch