Distillery Review 27: Torabhaig – Just a pretty face?

Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Distillery in Schottland auf der Isle of Skye

Der anhaltende Whisky-Boom ermutigt Schottlands Whisky-Industrie nach wie vor zur Planung und Bau neuer Brennerei-Projekte. Natürlich rüsten auch die schottischen Inseln fleißig auf. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Isle of Skye, die meist besuchte Insel Schottlands, Verstärkung in Sachen Single Malt Whisky bekommt. Seit gut zwei Jahrzehnten ist sich ein Teil der Whisky-Produzenten darüber im Klaren, dass ein Besucherzentrum sich nicht nur als Werbemittel eignet, sondern auch eine lukrative Einnahmequelle sein kann. Die Zahl der Touristen die jährlich nach Schottland reisen und Brennereien besichtigen hat sich seit 2013 bis 2017 mehr als verdoppelt. Gut 1,7 Millionen Gäste besuchten im letzten Jahr die schottischen Destillerien.

Nicht verwunderlich also, dass viele neue Whisky-Brennereien das Besucherzentrum und das Besuchserlebnis fest ins Konzept der Brennerei mit einbinden. Lindores Abbey und Kingsbarns in Fife, Annandale in den Lowlands, die neue Islay-Brennerei Ardnahoe und auch die Harris Distillery haben gut durchdachte Besucherzentren mit eigenen Cafe. Und dies sind nur einige Beispiele. Wie sieht es also mit Torabhaig (ausgesprochen „Toravag“ oder „Toraveig“) aus, dem Neuankömmling auf der Isle of Skye?

Bis 2017 war Talisker die einzige Single Malt Whisky Brennerei auf Skye. Der eigentliche Gründer der Brennerei war Sir Iain Noble. Der ehemalige Bänker engagierte sich sehr für den Erhalt der gälischen Sprache und Kultur. 1976 gründete er den unabhängigen Abfüller Pràban na Linne (Gälische Whiskys), die beispielsweise die Blended Whiskys Mac Na Mara und Té Bheag produzieren. Leider starb Sir Iain Noble 2010 bevor er seinen Traum einer eigenen Whisky-Brennerei verwirklichen konnte. Er hatte jedoch vor seinem Tod die Erlaubnis für den Bau der Brennerei erhalten. Der niederländische Konzern Marussia Beverages hatte zeitgleich geplant eine Brennerei auf der Insel zu bauen und setze daher die Arbeit von Sir Noble fort. Mit den neu gegründeten Mossburn Distillers übernahm das Unternehmen den Bau und die Fertigstellung der Brennerei. Nach vier Jahren Renovierungsarbeiten konnten die alten Farm-Ruinen auf dem Gelände in moderne wunderschöne Brennerei-Gebäude umgewandelt werden.

Bei unserem Besuch im August 2018 hielt die Brennerei zunächst den zugegeben hohen Erwartungen stand. Die Location ist atemberaubend schön und sicherlich nicht zufällig gewählt. Torabhaig ist an der Süd-Ost-Küste der Insel positioniert und somit ideal Blick auf schottische Küste auf der Isle of Skye bei Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Destilleriegelegen, um Gäste in Empfang zu nehmen, die die Brennerei auf ihrem Weg passieren. Nimmt man die Fähre von Mallaig nach Skye kommt man unweigerlich an Torabhaig vorbei. Auch von der Skye Bridge ist es keine halbe Stunde mit dem Auto. Die wunderschöne Destillerie mit ihren weiß getünchten Außenmauern blickt direkt aufs Meer und erinnert so an die Verwandten auf der Insel Islay.

Die Gebäude sind in einem Viereck angelegt mit einem großen Innenhof, für Farmanlagen keine unübliche Konstellation. Bei der Restauration hat mal ganze Arbeit geleistet, wer sich die Vorher-Nachher-Bilder ansieht, weiß wovon ich rede! Die Brennerei ist mit einem kleinen Cafe ausgestattet, das bei unserem Besuch noch etwas karg wirkte (Nachtrag: hat sich mittlerweile geändert). Hier wird sicherlich noch aufgerüstet, es ist aber zu vermuten, dass hier zu sparsam geplant wurde. Die Besucherströme, die die Brennerei ohne Zweifel erreichen werden, bringen das Cafe vermutlich schnell an seine Belastungsgrenze. Im Sommer wird aber sicherlich ein Bereich im Hof zum draußen sitzen eingerichtet werden, eine traumhafte Location für einen Kaffee und Scones!

Blick auf Gebäude und das Besucherzentrum von Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Destillerie

Das Besucherzentrum ist schlicht und elegant eingerichtet. Es bietet bereits jetzt eine Reihe schöne Whisky-Souvenirs und die Blended Malts der Mossburn Distillers. Nachdem ich selbst bereits als Tour Guide tätig war, habe ich auch im Besucherzentrum meine Zweifel, ob die Brennerei größeren Besuchergruppen standhalten kann. Der erste Teil der Führung, die Präsentation und Erläuterung des Mälz-Prozesse, finden im Besucherzentrum auf einer kleinen Erhöhung statt. Das Malz der Brennerei wird mit ca. 50 ppm Rauchgehalt deutlich rauchiger ausfallen als die Nachbarbrennerei Talisker. An einem vollen Tag werden die Tour Guides hier womöglich alle Hände voll zu tun haben sich Gehör zu verschaffen. Bislang gelingt dies aber laut eigener Aussage sehr gut. Ich drücke die Daumen, dass es so bleibt! Das äußerst freundliche Personal ist sichtlich bemüht der jungen Brennerei einen best-möglichen Start zu liefern. Die Führung durch die Brennerei war in unserem Fall leider eher enttäuschend. Es sind keine Fotos während der Tour erlaubt, was in einer jungen Brennerei einem Schuss ins Knie gleichkommt. Die neuen Destillerien können jede erdenkliche Aufmerksamkeit brauchen und in der Social-Media-Ära ist dies ein denkbar unkluger Schachzug der Besitzer. Wir haben dank „Presse-Status“ eine Foto-Erlaubnis bekommen, reguläre Gäste gehen hier aber leer aus.

Visitor Center Besucherzentrum von Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Destillerie auf der Isle of Skye Schottland

Torabhaig geht den klassischen Weg der Malt Whisky Produktion in Schottland. Bei all den über-innovativen neuen Craft-Destillerien beinahe schon eine willkommene Abwechslung! Das Malz mit einem Rauchgehalt von 50 ppm wird in einer stählernen Mashtun mit Kupferdeckel zur Stammwürze ausgewaschen. Die acht hölzernen Washbacks bestehen aus Douglas-Fichte und halten die Würze rund 72 Stunden zur Vergärung. Anschließend wird auf den beiden klassischen Kupferbrennblasen aus der schottischen Kupferschmiede Forsyths gebrannt. Die Gesamtkapazität 2018 wird bei rund 500.000 Litern liegen, die Website spricht von 1,5 Millionen Flaschen Whisky jährlich. Nicht ganz stimmig.

Pot Still Kupferbrennblase Destillation von Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Destillerie auf der Isle of Skye SchottlandDie Dame die uns durch die Brennerei führte, konnte kaum weiterführende Fragen zur Produktion beantworten und wirkte nicht sonderlich begeistert von ihrer Arbeit. Dies kann aber auch an der mangelnden Erfahrung liegen, die die Brennerei auf Grund ihrer Jugend zwangsweise hat. In jedem Fall ist hier Luft nach oben! Die Angaben zur Kapazität der Brennblasen auf der Tour widersprechen denen auf der Website (Tour: 5.000 Liter Wash Still, 3.600 Liter Spirit Still; Website: 8.000 Liter Wash Still, 5.00 Liter Spirit Still). Allein an einer einzelnen Tour beurteilen wir jedoch nie eine Brennerei! Denn jeder Tour Guide und jeder Tag ist anders. Was uns allerdings neben dem Foto-Verbot übel aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass die Brennerei keine Lagerhäuser vor Ort hat. Der Besuch der Warehouses in denen der zukünftige Whisky schlummert, ist in jeder Brennerei ein Highlight und sollten, wenn möglich in die Tour eingebunden werden. Aus welchem Grund Mossburn Distillers sich entschieden haben, keine Lagerhäuser auf Skye zu bauen, ist uns nicht bekannt. In jedem Fall schneidet sich die Brennerei auch hier zweifach ins Bein. Zum einen nimmt sie sich die Möglichkeit den Besuchern ein eindrückliches sensorisches Erlebnis zu bieten, was der Marke in jedem Fall zu Gute käme. Zum anderen büßt der spätere „Insel-Whisky“ von Torabhaig massiv an Glaubwürdigkeit ein, da er, für jeden Besucher ersichtlich, nicht auf der Insel reift. Zwar ist es, besonders bei größeren Brennereien, gängige Praxis nicht den gesamten Whisky vor Ort zu lagern, dass sich aber eine Brennerei gänzlich gegen die Reifung für Ort entscheidet, ist ungewöhnlich. Besonders bei einem neuen Projekt und einer Insel-Brennerei im Speziellen ist die überraschend. Es fehlt daher bislang auf der Tour gänzlich an Demonstrationen des wichtigsten Teil der Whisky-Produktion: Der Fassreifung! Keine Fassdauben oder Fässer-Displays oder wenigstens Bilder davon. Wir hoffen sehr, dass die schöne Brennerei in diesem Feld nachrüsten wird, um die verpasste Chance mit den Lagerhäusern zumindest in einer visuellen Aufarbeitung auszugleichen. 10 £ kostet eine Führung derzeit, gemessen an dem Besuchserlebnis ist das viel Geld!

Am Ende der Tour gab es zwei Blended Malts von Mossburn zu kosten, die uns sehr positiv überraschten. Der Blend mit dem Fokus Inseln erinnerte uns an eine Mischung aus Arran und Tobermory! Yummy! Diesen konnten wir am Abend an der Küste von Skye in den mitgebrachten Torabhaig Gläsern genießen.

Blick auf schottische Küste auf der Isle of Skye bei Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Destillerie

Dass dieser Artikel einen Großteil Nörgeleien enthält, schmerzt uns beinahe, da der Ort und die Leute wirklich einen Besuch wert sind. Es ist vermutlich das Los eines viel-reisenden Whisky-Fans, dass einem vor allem verpasste Chancen und Verbesserungsmöglichkeiten auffallen. Wir hoffen, Ihr stattet der Brennerei bei Eurem nächsten Schottland-Urlaub einen Besucht ab und macht Euch selbst ein Bild, oder mehrere!

Fazit:

Ist Torabhaig also „nur ein schönes Gesicht“? Nein sicher nicht. Alles in Allem haben wir unseren Besuch bei Torabhaig genossen und fühlten uns sehr wohl. Die Brennerei ist, wie viele ihrer Zeitgenossen auf Besucher ausgerichtet, zeigt aber ein paar deutliche Schwächen in Sachen Fotos und Lagerhäusern. Wir hoffen sehr für das junge Projekt, dass die Kinderkrankheiten in der Zukunft auskuriert werden können.

Denn dass Torabhaig ein Besuchsmagnet wird, ist ist unzweifelhaft. Hoffen wir also, dass die junge Brennerei ihr riesiges Potential voll ausschöpft und sich nicht auf der wunderschönen Location ausruht. Wir werden mit Sicherheit in ein paar Jahren wieder kommen und sehen, ob sich etwas getan hat und natürlich gespannt dem fertigen Whisky entgegenfiebern.

+ Traumhafte Location, schöne Gebäude, Cafe, ansprechendes Visitor Center

– Keine Fotos auf der Tour, Fehlende Lagerhäuser und Fass-Displays, die  Tour ist gut aber ausbaufähig

Slainte!

Euer Leon

Blick auf schottische Küste auf der Isle of Skye bei Torabhaig Single Malt Scotch Whisky Destillerie mit Whisky in Glencairn Whiskyglas Nosingglas

Gelungener Start in Lüneburg

DSC_3855Am Donnerstag den 01. März fiel der Startschuss für unsere offenen Tastings in Lüneburg. Volles Haus, gute Stimmung und leckre Whiskys. So muss das! Zur „Welt des Whiskys“ im Roy Robson am Markt 3 hatten wir eine nette Truppe beisammen und bedanken uns an dieser Stelle bei allen Gästen und dem Roy Robson für den tollen Abend!

Euer Tasting-Menu für „Die Welt des Whiskys“:

  • Auchentoshan Heartwood (Single Malt Scotch), 43 % vol.
  • Redbreast 12 (Irish Whiskey), 40 % vol.
  • Glenfarclas 18 (Single Malt Scotch), 43 % vol.
  • Blantons Original Single Barrel (Kentucky Straight Bourbon), 46,5 % vol.
  • Kilchoman Machir Bay (Single Malt Scotch), 46 % vol.

Wir kommen gerne wieder! -> Nächster Termin ist der 19.04.18 mit dem Schwerpunkt „Fassreifung“. Hier werden wir eine Reihe Whiskys ansehen, die in unterschiedlichen Fass-Typen gelagert sind. Man darf gespannt sein! Bis dann!

 

DSC_3858DSC_3859

Distillery Review 25: Balvenie and the grateful eight

dsc_6155.jpg

My visit to Balvenie Distillery proved another time, how much I love Scotland and that there is always room for more. More pleasure, more experience and more happiness. The whisky industry makes it happen! Before I start my review that will (spoiler alert) be mainly a praise to my visit and the distillery, lets go back a few weeks before I actually got there. Still working at GlenDronach Distillery I took advantage of having a landline phone in the visitor center (mobile phones work very randomly in Scotland and mostly not at all specially when you need them to). So I called Balvenie to book a tour. That was in early August 2016 mind you. Since my time off work was limited and Balvenie only welcomes visitors twice a day (no weekends) my earliest appointment was offered to be the 22nd of September! Oooook I thought. This place seems to have a fame issue. So yeah. For the every day „spontaneously-just-popping-in-customer“ Balvenie has nothing to offer. It is a closed distillery like many others. And this with a worldwide great reputation for its single malts. A very exclusive thing. The 35 £ pricetag for the tour made this even more clear. This can´t be a regular tour. Otherwise I´d be really pissed off.

DSC_1570

Lets jump to the day of the visit. Almost incredibly I made it in time to the distillery this time (to be fair only by skipping a planned detour to Elign but what the heck). The parking experience already felt like entering a fairy tale. The little forest at Balvenie is mainly black from the angle’s share fungus. So I set food on the premises not being able to shake off the feeling of entering holy ground. It was a glorious sunny day on my way I passed beautiful carved banks and flowerbeds. After having being arrived at the office we waited for all the guests to arrive, eight in all. Thats the maximum capacity of the Balvenie tours. In most distilleries you are looking at 10-15 people plus on a tour on a busy day.

The first part of the tour shows the maltings. Like all of the very few distilleries with floor maltings left Balvenie can only afford to use 15% of their own malted barley. Its simply too expensive. About three times as much as an industrialized batch. Ouch. At first I was a bit suspicious if the maltings where really active since they looked a bit clean. But then I saw (and touched) the steeped barley (for the first time in my life) and was convinced. This is the real stuff. The only active maltings I had seen so far was Bowmore and Laphroaig. But never had I seen maltings on the mainland. Off we went pass the spread malt on the floor to the Kiln. Basically that was the point of the tour where I was spoiled. I just remember being on a stupid grin and headshaking-I-can`t-believe-how-much-I-love-this-mode for the rest of the tour. We looked inside the burning Kiln and the little peatsmoke kiln besides it. Nerdgasm. Totally.

DSC_1607.jpg

Next stage of this malt whisky distillery tour feast was the tun room with the fermentation. We tried both the young stage (almost wort… tasted a bit like the german non alcoholic malt beer Karamalz… If you´ve never tried it… do it! Its great!) and the later stage of the fermentation which is in fact beer. In the industry its referred to as „wash“ of course. At this point I feel the need to add that whenever you read something in reviews about „we did this, we were allowed to do that“ please do never take this for granted and even worse pick on the tour guide if he or she is not doing the same on your tour. Every tour is different because every guide is and every guest is. The simple rule is: DSC_1647.jpgDon`t be an annoying customer and you increase the chance of not getting an annoyed tour guide ;). Anyway this guy (as I later learned it was David Mair, Balvenie Distillery Ambassador) was so relaxed he probably would have dealt with anything. So yeah… distillation. Huge stills, curiously separate still houses for wash and spirit stills…. If that matters to anyone.

DSC_1634.jpg

Warehouses. Draw your sample from the cask and fill your own 20 cl bottle. In the warehouse I can’t empathize this enough. Its getting rare. Because of idiots that write about their great experience on the internet. Now that I think about it. Of course we DID NOT bottle anything IN the warehouse. Cause that would be illegal. Nah don’t worry I´m sure they’ve worked it out by now.

You should think up to this point you can’t really add anything more. Wrong again. We took a quick ride on an old Land Rover and ended up in a building surrounded by casks. Their very own cooperage. Amazing. I had seen the Speyside Cooperage before but having a smaller version on site… thats really something!

Off to the tasting we went. For my taste (no pun intended) this was a bit rushed, probably due to the fact that we spend way more time on the tour that we were supposed to be. Since I was driving and bottling I didn’t really care. For drinking all this fantastic whisky I would have felt a bit rushed. But… yeah.

DSC_1650.jpg

I have to say that this was hands down the best distillery tour I’ve ever had (looking at 54 visits at this point, not a bad shot for Balvenie). And speaking about the 35 £ for the tour and 25 £ for the bottle your own. MORE then worth it! Balvenie has a really good value for many ratio if you ask me. You get a bloody premium special deluxe tour for 35 quid. I’ve seen worse for more money. So to the „past me“ moaning about that money… Leave it alone dude! Really.

DSC_1671.jpg

We tried some great malts Balvenie Double Wood 17, Balvenie Portwood 21 yo and Balvenie Single Cask No. 1489, but what really got me (till this day) was a 34 year old Balvenie (single sherry cask if I remember right): Oh my fucking god! (Excuse my french) That was one of the most amazing whiskies I’ve ever tried. On the nose I would have mistaken it for an older Glendronach. On the tongue the same but smoother. My memory is too limited to describe all the impressions I got from this whisky. Honeydew melon, caramelized sugar, maple sirup on bacon and pipe tobacco came to my mind but never stood up to its flavor.

dsc_1726.jpg

Résumé:

As already said the value for money on this tour was more then great for me. You get basically two to three tours on one (2-3 hours that is) so this more then justifies the money. With a working malting floor, working kiln, a cooperage on site and an amazing warehouse and bottle your own experience this was by far the best tour I’ve done so far (finishing this article Balvenie is No. 1 out of over 60 distilleries). The only thing I have to criticize of better to recommend it that you plan your visit way far ahead since the booking might be an issue. For the rest I can just say: This was one of the best days of my life, I love Scotland, I love visiting distilleries and even if I never will become a great fan of Balvenie as a brand I am forever grateful for this amazing experience.

Share the whisky, share the experience!

See you guys on the road!

Leon – The Captain

 

Distillery Review 24: Ncn’ean – Off the beaten track

DSC_3508

Still sitting in the lovely Otterburn BnB by the time I am writing this article, I feel its time to have another english version of a distillery review. I actually heard the first time about Drimnin or how they call themselves now Ncn’ean Distillery when Tom Skowronek from the german independent bottler Anam na h-Alba offered to purchase DSC_3448a share of a cask of this new distillery. Always curious about these kind of things I searched for the new distillery that will be the home of the cask for the next 10 years or so. Since we found ourselves staying around the area on our holiday, I was very excited to pay that new distillery a visit. Since my visit to the neighborhood distillery on the peninsular of Ardnamurchan was already an adventure I prepared myself for another drive. And again I felt like driving into a middle earth like fairytale land. I only knew I was gone to far when my car looked at the coast and me at a sign saying „End of Public Road“ :). The distillery is waiting for signposts, which will definitely help to find it ;).

DSC_3516

You wouldn’t be surprised finding Bilbo Baggins smoking a pipe on this road…

Nic.. Nin… What?

Ncn’ean tries to do things a bit different and manages to do so. So lets talk about the youngling. Ncn’ean gave me trouble right from the beginning with no idea how to pronounce its name (now I know its pronounced „Nich Nean/Nian“), so I always had to search for it on the internet with „Drimnin Distillery“ and was then directed to its real home website www.ncnean.com. They wanted to give the distillery its own name, so the owner Annabel Thomas decided to go for the goddess „queen of the spirits“ in Gaelic legend „Neachneohain“ or their „Ncn’ean“. Much nicer in therms of storytelling but bad for anybody who tries to find them on the net :). The „Ncn“ part of the name, as explained to me means „daughter of…“ is the female equivalent of „Mac“ as in for example MacLeod means „son of Leod“. Which might explain why the distillery did not simply stick to its local name „Drimnin Distillery“, because they wanted to leave a female mark on the big picture. The owner of the distillery is a woman, the name comes from a strong and independent woman, a quiet rebel as the leaflet tells. The staff I met on my stay were all women as well, although its not an exclusive female enterprise. Riona (visitor manager and tour guidess) and Lorna (mash woman and distiller) gave me quite a warm and personal welcome. While we are on the subject of distilling, still one man must be named.

DSC_3478

The lovely ladies of Ncn’ean – Riona (left) & Lorna (right)

Since I quite enjoyed most distilleries that the great Jim Swan (R.I.P.) had his hands on, I was happily surprised to learn that this great architect and artist of distilling helped to construct and tune the distillery until he sadly passed away this year. So its no surprise (but nevertheless a great achievement) that the new make of the distillery is excellent and will very certainly be a great whisky one day.

 

DSC_3481

„An organic distillery“

DSC_3466

The distillery wants to be the first fully organic distillery in Scotland and was, by the time this article was written, waiting for its certificate. Today it is proudly approved as an organic enterprise by the Demeter BDA Standard (biodynamic agriculture). They try to do everything as sustainable and environmentally friendly as possible. This is very much appreciated and since whisky production is already not a pollution heavy process they try to lower their eco footprint by using a biomass boiler to heat the buildings and the stills with wood chips made from local trees (the plant one for every tree they burn). What surprised me most and would certainly qualify for the certificate in my opinion is the exclusive use of 100% organic scottish barely. This is the first distillery to try this as far as I know and I very much hope they will succeed and others will follow.

What about the tour?

DSC_3475The tour itself costs 25 £ which is quite a bit for a new distillery with no whisky to try. Tours are available by booking in advance only, so plan your stay and check on the website before spontaneously dropping by. But since the tour took its time (about two hours), with a warm welcome, some tea and cupcake and a nice try of the newmake and an excellent cocktail in the end, I still very much recommend to invest the money and pay it a visit. Riona is a honest, heartwarming and knowledgable guide and you really get the feeling that everybody is very much invested in the young project. Probably the only downside of the tour itself was that I didn’t see the warehouse since it seems not be easily accessible. I really hope the distillery will add this feature to their tour, since I always love to breath in the atmosphere of these temples. It adds a lot to the experience and gives you a very close look to the very heart of every distillery.

Resume:

Ncn’ean is certainly an interesting distillery project with a promising future. While every single whisky distillery in Scotland has their own style and atmosphere, Ncn’ean takes the organic idea further then any other distillery before and therefore secures itself a unique feature. With the mix of brand-new equipment and half traditional and half innovative methods it seems to be on a good way to a promising product. I will certainly be back in some time to check how things are going for the young lady amongst the distillery crowd.

DSC_3503

From the distillery you have great view over Tobermory on Mull!

Till the next dram on the road!

Leon

 

Captains dram today… The Speyside 1995

Captains dram today…
The Speyside 1995, 20 Jahre alt, 54,4% vol. – unabhängige Abfüllung von Anam na h-Alba.
Wie schön, dass Whisky nie aufhört zu überraschen und Lektionen in Demut zu erteilen. Diesen, in der Nase fast beerigen, dunkelfruchtigen Malt hätte ich blind definitiv zu den Sherry oder sogar Port Fässern sortiert. Pustekuchen! Wir haben ein Bourbon Fass vor der Flinte. Mit stolzen 20 Jahren. Auf der Zunge cremig kleidet der Whisky butterweich den Mundraum aus und schiebt dann sanft die Eiche ins Bild. Toll! Hinzu kommen feine Karamell-Noten und im Finish feine Zartbitterschokolade. Überraschend wenig Schärfe für die Umdrehungen. Ein komplexer Malt Whisky an dem man lange sitzen kann! 110 € für 20 Jahre erstklassige Fassstärke, Preis-Leistung stimmt in meinen Augen. Nom nom nom!

Hier der Link zur Buddel und zu mehr Tasting Notes:
http://anamnahalba.com/shop/shop/index.php?main_page=product_info&cPath=4&products_id=143

12

Hanse Spirit 2017

Drei tolle Tage in Hamburg gehen zu Ende… Die Malt Mariners waren zum ersten und vielleicht letzten Mal in voller Besetzung vor Ort. Michael kehrt bald in die schottische Heimat zurück, Leon und Mirah werden aber weiter die Fahne hochhalten! Wir bedanken uns ganz herzlich bei Allen, die uns am Stand besucht haben. Es hat riesen Spaß gemacht und wir kommen nächstes Jahr sicher wieder! Evtl. sieht man den Ein oder Anderen ja auf einem Tasting wieder. Wir würden uns freuen!

Wir hoffen, alle Teilnehmer und Aussteller hatte ebenso viel Freude und wir sehen uns auf der nächsten Messe wieder!

Eure Malt Mariners

Bremen in den Highlands

Wow! Was für ein herzlicher Auftakt ins neue Jahr in Bremen für die Malt Mariners! Die 13 Gäste verbrachten einen tollen Abend in Hochlandstimmung mit Michael und Leon. Auf dem Programm standen diesmal AnCnoc 12, Dalmore 12, Old Pulteney Navigator und Glenglassaugh Torfa. Anja Rickmeier, Projektleiterin der Whisky-Messe Bottle Market, lud nicht nur in die Räumlichkeiten der Bremer Messe ein, sondern spendierte auch noch eine Bottle Market Abfüllung für eine Verlosung! Der 10jährige Hyde Irish Single Malt Whiskey ging an den glücklichen Gewinner Frederik. Wir wünschen viel Freude mit dem tollen Teil!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Anja und dem Bottle Market, der Bremer Gastfreundschaft und unseren tollen Gästen!

Danke Hamburg!

Läuft! Wiedermal ein schönes Tasting in Hamburg gerockt. Diesmal hatte das Lineup ausnahmslos Age-Statement-Whiskies zu bieten. Auf der Bühne standen Benromach 10, Mortlach 15 und Glenfarclas 17. Der Headliner des Speyside Festivals war diesmal aber Aberlour mit einer 13jährigen Handfilled-Abfüllung. Im Bourbonfass gereift, ungefärbt, ungefiltert und mit strammen 58,1 Vol. % abgefüllt. Ein Prachtexemplar! Auch das Sherry-Geschwisterchen, ebenfalls vor Ort abgefüllt, durfte im After-Tasting noch verkostet werden und wurde mindestens ebenso laut bejubelt. Wers nicht zum Tasting geschafft hat, kann die beiden Aberlours noch auf der Hanse Spirit kennenlernen! Wir bedanken uns bei den Gästen für den netten Abend! Wir sehen uns wieder beim Around The World Tasting am 10.02.!

Eure Malt Mariners

Distillery Review 20: Glengoyne – Walk this way!

dsc_9921

For Nanni

It is one of those wonderful roadtrip days through the scottish highlands. The sun plays peek-a-boo with the passing clouds and presents the beautiful landscapes in the light and shadows that make every photographers heart jump. I’ve got a few days off work in the distillery and a visit from a fellow travel maniac and whisky friend. Naturally we’re on the road! Glengoyne is her favorite distillery so we have a room booked in Milngavie. Since she walked the west highland way before that officially begins in that little town, we decide to walk the way back from the distillery. The bus takes about 25 minutes to the distillery and… why do I even mention it… we´re late. But thank to the mad scottish bus drivers we make it in time. Although I’ve never been here the place looks familiar. And yes, in a not so distant future from this time on I will recognize the distillery as the outside film set of „The Angles Share“ one of my favorite whisky films of all time (in fact as far as I know there are only two: Whisky Galore! and The Angles Share, both worth a closer look). While we’re on the subject: The fictional distillery in the film, more or less the Deanston Distillery is a combination of Glengoyne Distillery (outside shots) and Deanston Distillery (scenes in the distillery e.g. the still house). Balblair Distillery comes into play later, when they try to steal the „Maltmill“, which actually existed as a part of Lagavulin Distillery a long time ago… But I’m getting carried away! Glengoyne, we’re actually entering Glengonye Distillery not without a nice fotoshoot infront of the buildings… Its a sunny day and the light is as fantastic as our mood.

From the variety of tours we pick the „gold medal parade“ for 25 £ including a tasting of the 12 yo, 18 yo, 21 yo and the cask strength. The standard tour is 9 £ so in the upper regions of tour prices. Glengoyne is a busy place. Being close to Glasgow and on the west highland way makes the distillery an ideal tourist attraction. Being a tour guide myself I am impressed with the scottish relaxedness of the guides and shop staff.

A curious fact about Glengoyne for me is its location and therefore the difficulty of sorting it into the classical scottish whisky reasons. Since its resting precisely on the lowland-highland line, with its warehouses being on the lowland side, the distillery and still house on the highland side, it seems like perfect hybrid whisky. The division in regions today is a tricky subject. There has been many arguments about the regions and the individual style of the distillery seems to be a more accurate characteristic to me then the region characteristics. As for the Lowlands most experts would agree that whiskies like Auchentoshan and Glenkinchie (with Bladnoch being mothballed for many years the only really accessible lowland malts) are light boddied and often described as „easy accessible“(1). Me and Mike (my scottish malt mate) always felt about lowland whiskies as easy to drink (smooth but not spectacular on the nose and the finish) and often a bit bland. So yeah guilty as charged, we’re both highlands and islands fans. The highlands instead are a huge region including the northern part of Scotland, the east, the west and many count islands like Arran, Mull and Orkney in this region as well. Which makes it almost impossible to give them a general characterization. But I always felt that these whiskies are more full-bodied, more complex and more punchy which usually floated my boat much more. But ey, in the end it all comes down to personal taste right? So lets get back to Glengoyne. Having its location in mind I consider this a very interesting malt. The labels read „highland malt“ and to me it presents itself like a bit of both, smooth and passive like a lowland malt, but hiding some highlandish characteristics in the back. Glengoyne prouds itself with being unpeated so much they put it on their box covers. With my travel companion being extremely sensitive to smoky flavors in the negative dimension, I’m not surprised that she loves the Glengoyne house style. The second characteristic that Glengoyne waves the flags for is that is is „unhurried“ referring to the long middle cut (about three hours) which is in fact quite a long time. They claim to have the slowest stills in Scotland and this method give them a „smooth and hugely complex“ spirit. Probably something every malt whisky distiller would say about their product, but I have to admit that most Glengoynes I’ve tried were quite smooth indeed. Glengoyne works with a classic combination of bourbon and sherry casks with an increasing content of sherry and first fill sherry casks while we go up the age and price latter. My favorite being the 21 yo so far. Having a closer look at the 15 yo version recently, I come to the impression that Glengoyne might be a whisky that can easily be overlooked. Some of the rougher malt fans like me might try this and think „nah to bland, to soft“, but giving it time and a few drops of water did A LOT to this malt. You’ll find a lot of delicate dried fruits and tobacco notes in this one. As you know some whiskies react more and some less to water and some air. But in this case I was surprised what the malt had to offer once we found the key. So Glengoyne showed us once again what you can say about almost every scottish malt whisky: It´s made with patience, so enjoy it in patience!

The tour and the visit itself where nicely done by and old Scot, picture policy being quite rigid unfortunately. As least the stillhouse is open yo we could take some pics of the stills from the outside. I loved the display of different stages of maturation in bottles, pointing out where the different expressions of Glengoyne would be situated. Although I missed a warehouse experience very much! The tasting was very pleasant and I loved the fact that the distillery told us exactly the contents and percentages of their bottles (how could I miss writing this down!).

Back in the visitor center we both couldn’t get around buying a distillery only bottling. She went for the handfilled, me for the „Teapot Dram“ a marriage of some sherry casks at cask strength. Lovely stuff. So all in all I very much enjoyed my stay at Glengoyne. Its a lovely place with a very well done visitor center and dedicated staff. You can feel its a professional touristy place but still it does not feel too spoiled for me. Lets hope things don’t change for the worst in the future. As for the whisky it is pleasant but definitely not a „in your face“ whisky. Fans of Talisker and Glendronach will have to put some work in one of their bottlings before they will find something. But if you do, you might be positively surprised. Well, it’s a fascinating world isn’t it? If you ever pass Glengoyne I would definitely recommend a visit. We end our malt mission with a lovely journey back to Milngavie not without the traditional getting-lost-for-a-while. With a slowly paced walker like me we take about 3 hours to get back to our bnb, but I have to admit this way has something. Maybe one day in the far future I’ll walk it all by myself. Oh no pun intended but the original name of Glengoyne when it was founded it 1833 was „burnfoot“(2). I will leave you here malt mates while you give this a thought or two.

Résumé: Glengoyne is a beautiful distillery on the west highland way just about ok in terms of tourist-overkill. It’s style lives from the idea and image of patience and relaxedness, so we hope things will stay like this. If you have the patience you might discover your love for this malt. And if you won’t… there`s plenty of alternatives 😉

Slainte!

Leon

Facts (august 2016):
Owned by: Ian Macleod Distillers
Founded: 1833
Capacity: 1.100.000 Liter pro Jahr
Stills: 1 Washstill, 2 Spiritstills
Adress: Dumgoyne by Killearn, Glasgow G63 9 LB (3)
To reach: by bus, by train, by foot (if you are a hiker 😉
Link: http://www.glengoyne.com/
 (1) JACKSON, MICHAEL (2010); MALT WHISKY; LONDON, NEW YORK, MELBOURNE, MÜNCHEN, DELHI: DORLING KINDERSLEY, Seite 97 ff.
(2) Wishart, David (2012); whisky classified, choosing single malts by flavour; London: Pavilion, Seite 148 f.
(3) Ronde, Ingvar (2014); Malt Whisky Yearbook; Shrewsbury: MagDig Media Limited 2014, Seite 11920

Distillery Review 19: Cragganmore – A classic malt

Moin Moin Malt Fans! Zum Entstehungszeitpunkt dieses Artikels lebe ich seit knapp 4 Monaten im Whisky-Himmel in Aberdeenshire im Speckgürtel der Speyside. So kann ich ohne akuten Zeitdruck und Urlaubsstress meine heilige Mission, sämtliche Malt-Whisky Brennereien Schottlands zu besuchen, vorantreiben und auch in die entlegeneren Ecken vordringen. Die Speyside zählt mit über 50 aktiven Brennereien zur dicht besiedelsten Whisky-Region Schottlands und der Welt und als Whisky-Liebhaber fühlt man sich hier wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Die großen Namen wie Macallan, Glenfiddich, Glenlivet und Glen Grant reichen sich hier die Hand und es ist gibt obendrein eine große Menge weiterer Brennereien mit Besucherzentren. Bei einem so großen Angebot fällt es natürlich schwer als einzelne Brennerei herauszustechen. Möglicherweise ein Grund, warum ich mir mit der Speyside schwer tue. Sowohl beim Whisky als auch bei den Brennereien.

Die Cragganmore Distillery wurde von mir lange Zeit schlicht übersehen, da ich aus mir unbekannten Gründen fest davon ausging, Cragganmore besäße kein Besucherzentrum. Ja nun, falsch gedacht! Auf meinen Reisen in den Cairngorm Nationalpark fuhr ich oft genug an dem braunen Hinweisschild „Cragganmore Distillery“ vorbei, das mich eines Besseren belehrte. Und als ich wieder einmal netten whiskyafinen Besuch hatte, fand ich war es an der Zeit Cragganmore einen Besuch abzustatten. Mein Eindruck von Cragganmore vor dem Besuch war Folgender:

Die Brennerei gehört zum Spirituosen Großkonzern Diageo mit dem mein Beziehungsstatus auf „kompliziert“ steht. Cragganmore ist Teil der ursprünglichen „Classic Malts of Scotland“ Reihe, die von Diageo im Gesamtpaket beworben wird (gemeinsam mit Talisker, Lagavulin, Dalwhinnie, Oban und Glenkinchie).  Bislang waren fast alle meine Besuche bei Diageo Brennereien ähnlich verlaufen mit den gleichen Kritikpunkten: Ein striktes Fotoverbot und eine zu uniformierte Firmenpolitik, die den Brennereien ein Stück Identität und Charakter raubt. Mein Eindruck vom Whisky selbst (so gut es geht losgelöst von der ideellen Einfärbung… no pun intended 😉 war soweit positiv. Ich hatte den 12 Jahre alten Standard probiert und ihn unter „guter fruchtiger und äußerst trinkbarer Speyside Malt“ gedanklich abgespeichert.

Schauen wir also, ob der Besuch meine Meinung über die Brennerei ändern konnte. Wäre ja nicht das erste Mal gewesen. Cragganmore liegt fast direkt an der A95 die Keith, Craigellachie, Aberlour und Grantown On Spey miteinander verbindet und sich in weiten Teilen am Fluss der Spey entlangschlängelt. Zu erreichen also nur mit dem Auto (außer ihr gehört zu den Wanderverrückten und  lauft den Speyside Way). Bei der Brennerei angekommen begrüßen uns die typischen Anzeichen einer Malt Whisky Brennerei… Lagerhäuser mit Spuren schwarzen Whisky-Pilz. Die Tour wird von einem jungen Kerl geführt, der uns sehr geduldig und in einem seeehr klarem und verständlichem Englisch (nicht immer üblich in Schottland 😉 durch den Produktionsprozess führt. In unserem Fall eine äußerst geeignete Tour für Whisky-Neulinge, für mich und meine Begleitung etwas einschläfernd. Ein Nebeneffekt zahlreicher Brennerei-Besichtigungen, den ich gerne in Kauf nehme, denn schließlich gibt es bei jeder neuen Führung im Detail etwas Neues zu entdecken! Also in Geduld üben und Augen auf! Für den folgenden Absatz wechseln wir in den Geek-Modus:

Für erwähnenswert halte ich die Verwendung der traditionellen Worm Tub Condenser, spiralförmiger Kühlröhren in außenliegenden Kühlwassertanks, die angeblich durch ihren höheren Kupferkontakt einen angenehmeren Brand erzeugen sollen. Nur noch sehr wenige Brennereien in Schottland arbeiten mit diesen Kühlsystemen, da deutlich ineffizienter sind, als die modernen Tube-Condenser und somit der Brennerei teuer zu stehen kommen. Auch die Brennblasen/Pot Stills sind scheinbar auf einen milden Brand ausgerichtet. Ihre Hälse gehen ein Stück über den Lyne-arm und enden dann abrupt (ich würde Euch ja gern Fotos zeigen… aber wie bei Diageo üblich war dies untersagt). Dies führt wohl zu einem erhöhten „Reflux“ einem Effekt durch den schwere Anteile des Dampfes zurück in die Brennblase fallen und erneut destilliert werden. Die Meinungen gehen wie so oft in diesem Fall aber auseinander, daher erwähne ich es nur, erhebe aber keine Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Der Middlecut wird nach ca. 20 Minuten bei 69 % Vol. bis 54 % Vol. geschnitten. Etwas schade finde ich, dass der Großteil des Whiskys von Cragganmore in Diageo-Lagerhäusern nahe Edinburgh lagert und nicht vor Ort. Dennoch reifen in den 4 Lagerhäusern vor Ort ca. 30.000 Fässer. In eines eben dieser endete die Tour und belohnte uns mit einem überwältigendem Angles Share. Ein Geruch von dem man wirklich nie genug kriegen kann. Dafür ein großes „Thumbs Up“!

Große Teile das Whiskys gehen in die Blends Old Parr, White Horse und Johnny Walker. Auch wenn mir dieses Tatsache nach wie vor das Herz bluten lässt, rufe ich mir wieder einmal ins Gedächtnis, dass wir es heute dem Blended Scotch Whisky zu verdanken haben, dass Whisky überhaupt zu seinem weltweiten Ruhm kam und wir heute in Deutschland eine so reiche Auswahl an Single Malts genießen dürfen. Aber ich schweife ab…

Was halten wir also von unserem Besuch bei Cragganmore? Für mich war es ein gutes Beispiel einer „Einsteiger-Brennerei“. Das Besucherzentrum besteht aus einem kleinen übersichtlichen Shop, etwas lieblos eingerichtet für meinen Geschmack. Über Touren urteile ich generell ungern, da sie stark vom Guide und der Tagesform abhängen (davon kann ich ein Lied singen). Vom subjektiven Eindruck her bietet Cragganmore das Standardprogramm, wird aber den versierten Whiskyfan nicht von den Socken hauen. Wer ein Fan der Marke ist, sollte vorbeischauen. Alles in Allem haben sich meine Vorurteile in diesem Fall bestätigt. Das Beste an der Brennerei ist in meinen Augen die 12jährige Standardabfüllung, ein hervorragender Whisky mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis. Tolle Fruchtaromen (bei mir meist helle Äpfel) spielen mit einer nicht-ganz-so-Speyside-typischen Würzigkeit und zarten Eichen- und Rauchnoten.

Fazit: Cragganmore bietet ein Standardprogramm, das lediglich mit den Worm-Tubs und dem Lagerhaus Highlights setzen kann. Das beste an der Brennerei ist für mich der Whisky. Und darauf kommt es am Ende ja an ;).

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Oktober 2016):
Eigentümer: Diageo
Gegründet: 1869
Kapazität: 2.200.000 Liter (Rohbrand)
Stills: 2 Wash Stills, 2 Spirit Stills
Adresse: Ballindalloch, Moray AB37 9 AB
Region: Speyside
Erreichbar: Mit dem Auto
Link: https://www.discovering-distilleries.com/cragganmore/

*Ronde, Ingvar (2015): Malt Whisky Year Book 2016; Shropshire: MagDig Media Limited, Seite 89