Distillery Review 26: Dalmore – Ein Luxusproblem

Heute möchte ich auf meinen Brennerei Besuch bei Dalmore zurückblicken und ein paar Eindrücke mit Euch teilen. Und wie so oft stehe ich vor einem Dilemma. Nach rund 70 Brennerei-Besuchen verblassen die Einzelheiten über den Produktionsprozess und es bleiben eher die einzigartigen Eigenschaften und Gimmicks einer Brennerei übrig. Verzeiht mir also, wenn ich in diesem Artikel nicht stark auf den Produktionsprozess eingehe.

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Meinen Beziehungsstatus mit Dalmore setze ich mal auf „es ist kompliziert“. Die 15 und 18jährigen Abfüllungen, die ich bis zum Zeitpunkt meines Besuchs 2016 probiert hatte, hatten mich bodenlos enttäuscht. Zu dünn, zu wenig komplex für das Alter und zu wenig Wumms für den Geschmack eines „Highlands- and Islands“ Whiskyfreunds wie mich. Und dabei wünsche ich mir noch heute Dalmore in mein Beuteschema, arbeitet die Brennerei doch schließlich mit vielen spannenden Sherry-Fässern und hat eigentlich einen Highland-typischen schweren Grundcharakter mit Tabak und Gewürznoten. Vielleicht war ich gerade deswegen von Dalmore immer etwas enttäuscht, da ich mit dem Potential der Brennerei vor Augen immer mehr von ihr erwarte, als sie bislang aufs Parkett bringt. Diese Haltung, gepaart mit dem Wissen um die regelmäßigen Luxusabfüllungen wie etwa Dalmore Trinitas, ließen mich als Skeptiker in die Brennerei marschieren.

Dalmore liegt für „Highland-Verhältnisse“ relativ günstig. Die Brennerei ist in 30 Minuten über die A9 von Inverness zu erreichen (gleich neben Morrisons) auch mit Bus und Bahn. Mein erster Besuch endete allerdings schnell, da man mir im Visitor Center eine Absage für den gesamten Tag erteilte, alle Touren wären gebucht, ich solle an einem anderen Tag wiederkommen. Dies bescherte mir später eine spontanen Besuch bei Balblair, über den ich noch heute glücklich bin. Aber das ist eine andere Story!
Springen wir also zum Besuchstag. Die Brennerei selbst liegt im Grunde direkt am Meer, man blickt auf den Cromarty Firth und seine Ölbohrinseln.

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Das Visitor Center ist klein und spartanisch eingerichtet. Viel Stein. Alles wirkt irgendwie kühl und abweisend. Kein Whisky-Merch zum mitnehmen, nur ein paar Dalmore-Abfüllungen im Glas-Display. Für einen Kurzbesuch ohne Tour eignet sich das Visitor Center daher nicht. Wir buchen die Standard Tour für satte 8 £. Wir sind leider die Einzigen auf der Tour, einerseits toll, da wir so eine persönliche Betreuung erhalten, andererseits sehe ich die Guides lieber im Einsatz mit einer Gruppe. Gut ein Luxusproblem. Die Guidess erkennt schnell, dass wir uns bereits gut auskennen und geht daher eher auf die Besonderheiten ein. So etwas weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe auch Touren gemacht, bei denen der Guide trotz Solo-Tour den üblichen Monolog runtergerattert hat und nicht auf Fragen einging. In meiner Zeit als Tour Guide bei Glendronach habe ich mich immer über Interessierte kleine Gruppen gefreut und es dann einfach persönlicher gemacht. Aber jeder Guide geht damit anders um. Leider sind Fotos bei Dalmore absolutes Tabu, wir müssen sogar unsere Handys und Kameras im Auto lassen. Ein Minuspunkt gleich zu Beginn.

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Glücklicherweise ging es nun stetig bergauf. Die schönen Holz-Washbacks halten den Wash für ca. 50 Stunden zur Vergärung, bevor er ins Still-Haus wandert. Hier staunen wir nicht schlecht. Das Still-Haus ist wirklich sehenswert. Die äußerst ungewöhnlichen Brennblasen von Dalmore lassen das Nerd-Herz höher schlagen. Wie bei der Geschwister-Brennerei Fettercairn lässt Dalmore Wasser an den Brennblasen herablaufen, angeblich soll somit der Kupferkontakt zwischen Alkoholdämpfen und Still-Wand erhöht werden. Auch die gestutzten Tops der Brennblasen erregen Interesse. Wir sind allein und dürfen ausführlich mit dem Stillman schwatzen. Die Führerin lässt uns Zeit, drängelt nicht, wir haben aber sowas immer im Blick und wollen die Leute nicht ewig von der Arbeit abhalten. Wir sind schließlich zu Gast. Pluspunkt aber an dieser Stelle. Weiter geht es in einen eigens kreierten Display Raum in dem Whisky unterschiedlichen Alters ausgestellt sind und Geruchsproben der Foreshots, Middlecuts und Feints (die drei Teile der Destillation, nur das Herzstück wird in die Fässer gefüllt, der Rest neu destilliert). Ein tolles Gimmick für Whisky-Enthusiasten! Auch das Lagerhaus lässt kaum Wünsche offen, wir sehen die unterschiedlichsten Sherry-Fass Typen, mit vielen verschiedenen Ursprüngen. Hier wären wir am liebsten geblieben. Wieder einmal muss ich daran denken, dass die meisten dieser Schätze es entweder gar nicht zum normalen Genießer schaffen werden, oder nur unter gemischt und auf 40 oder 43 % vol. herunter gewässert. Schade, denn allein der Angles Share lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Was für ein Geruch!

Mit diesem Hochgefühl im Bauch, beenden wir die Tour in einem separaten Verkostungsraum mit einem Glas Dalmore 12 und einem schönen Video. Der Dalmore 12, den ich hier tatsächlich zum ersten Mal probiere, schmeckt mir besser als die älteren Vertreter. Das Ambiente wird hier seinen Beitrag leisten. Wir sind rundum glücklich und froh, doch noch den Weg zu Dalmore gemacht zu haben.

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Fazit: Dalmore ist einen Besuch wert, besonders für Fans der Marke. Es gibt viel zu sehen, riechen und anfassen, was die Tour zu einem Erlebnis macht. Für mich bleibt die Firmen-Politik ein schwieriges Thema, aber am Ende nennen wir das Kind beim Namen und bei dem was es ist: Ein Luxusproblem.

 

 

Wir sehen uns on the road…

Euer Leon

 

Captains dram today… Armorik Sherry Cask

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Nachdem ich ein großer Fan der bretonischen Brennerei Warenghem bin und sie bereits besuchen dürfte, habe ich immer gern ein Auge auf neue Abfüllungen aus dem kleinen bretonischen Asterix-Dorf der Whisky-Szene. Laut Webseite der Brennerei und Pressmitteilung soll diese Abfüllung eine dauerhaft verfügbare Alternative zum begehrten Maitre de Chai sein, einem wirklich fabelhaften Whisky der in der Regel aus zwei Sherry-Fässern kreiert wird und daher nur in limitierter Auflage erscheint.

Für mich war das Release etwas verwirrend, da es auch einen „Sherry Finish“ in Frankreich gibt, das Sherry-Pendant zur jungen, frisch-fruchtigen „Edition Originale“ (ca. 4 Jahre alt). Beide richten sich an den Einsteiger-Markt und sind in Deutschland nicht verfügbar. Der „Sherry Cask“ um den es nun geht, ist zwar auch keine Vollreifung (Nachreifung in Oloroso Sherry-Fässern von Bodega Miguel Martin), jedoch wurde hier wohl der „Armorik Classic“ als Grundlage verwendet. Die Nähe zu den hochwertigeren Abfüllungen lässt auch das ähnliche Verpackungsdesign vermuten (hier ein Blick auf die Flaschen).

Nase: Der klassische „salzige Apfel“ der Brennerei schlägt mir entgegen gemischt mit einer tieferen, dunkleren Note, tiefe Eiche, oder sogar Rauch?

Gaumen: Antritt erstaunlich weich für 46 % Vol., aber intensive Aromen, viel Holz schwappt über die gebackenen Äpfel der Brennerei hinweg. Ich bin immer wieder beeindruckt wie viel Aroma diese Brennerei in einen recht jungen Whisky zu stecken vermag. Ein Gedanke geht wie immer an dieser Stelle an Jim Swan (R.I.P.), der Warenghem beim Feintuning der Brennblasen half und so sicher seinen Beitrag für den exzellenten Rohbrand geleistet hat.

Die zweite Nase, mit dem Gaumen belegt, wird etwas alkoholischer. Orangenschalen kommen nun hinzu. Beinahe jodartige Meeraromen melden sich an, das Holz bleibt präsent, deutliche Bitternoten von dunkler Schokolade (fast einen Ticken zu bitter für mich) bleiben im Abgang zurück, der recht trocken ausfällt.

Meine Begeisterung für die Brennerei bleibt bestehen, ein junger ehrlicher Whisky, der dem Cousin der Schotten alle Ehre macht. 46 % Vol. ungefärbt und nicht-kühlgefiltert, bietet dieser Whisky alles, was man von einem jungen Malt aus europäischer Eiche erwarten kann.

Mirahs zweite Meinung (blind): „Joa ist ganz nett, in der Nase bissl Karamell und Fruchtnoten, auf der Zunge viel Holz und Würze“. Und im Grunde fasst das den Whisky gut zusammen. Er ist kein Überflieger, wenn man aber bedenkt, dass er A kein Schotte ist und B rund 35 Euro kostet, finde ich ist das Teil  sehr gelungen.

Slainte!

Euer Leon