Whisky Review 38: Armorik Sherry Cask & Armorik Maitre de Chai

Paddy und Leon verkosten zwei bretonische Single Malt Whiskys aus der Brennerei Warenghem. Die beiden Armorik Single Malts wurden auf schottischen Pot Stills destilliert und beide in Sherryfässern gereift. Armorik präsentiert sich gänzlich naturbelassen ohne Kältefiltration oder Zuckerkulör.

Armorik Sherry Cask
Typ: Breton Single Malt
Land: Frankreich
Brennerei: Warenghem Distillery
Stärke: 46% Vol.
Kühlgefiltert: Nein
Gefärbt: Nein
Fassreifung: Sherry Casks (evtl. Vollreifung oder Finish)
Preis: ~35 €

Armorik Maitre de Chai
Typ: Breton Single Malt
Land: Frankreich
Brennerei: Warenghem Distillery
Stärke: 46% Vol.
Kühlgefiltert: Nein
Gefärbt: Nein
Fassreifung: Sherry Casks
Limitiert auf 2000 Flaschen (Batch Release)
Preis: ~48 €

Slainte Freunde!

Meinen Besuchsbericht der Brennerei findet Ihr hier:
https://malt-mariners.com/2015/05/06/distillery-review-5-warenghem-whisky-breton/


Captains dram today… Armorik Sherry Cask

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Nachdem ich ein großer Fan der bretonischen Brennerei Warenghem bin und sie bereits besuchen dürfte, habe ich immer gern ein Auge auf neue Abfüllungen aus dem kleinen bretonischen Asterix-Dorf der Whisky-Szene. Laut Webseite der Brennerei und Pressmitteilung soll diese Abfüllung eine dauerhaft verfügbare Alternative zum begehrten Maitre de Chai sein, einem wirklich fabelhaften Whisky der in der Regel aus zwei Sherry-Fässern kreiert wird und daher nur in limitierter Auflage erscheint.

Für mich war das Release etwas verwirrend, da es auch einen „Sherry Finish“ in Frankreich gibt, das Sherry-Pendant zur jungen, frisch-fruchtigen „Edition Originale“ (ca. 4 Jahre alt). Beide richten sich an den Einsteiger-Markt und sind in Deutschland nicht verfügbar. Der „Sherry Cask“ um den es nun geht, ist zwar auch keine Vollreifung (Nachreifung in Oloroso Sherry-Fässern von Bodega Miguel Martin), jedoch wurde hier wohl der „Armorik Classic“ als Grundlage verwendet. Die Nähe zu den hochwertigeren Abfüllungen lässt auch das ähnliche Verpackungsdesign vermuten (hier ein Blick auf die Flaschen).

Nase: Der klassische „salzige Apfel“ der Brennerei schlägt mir entgegen gemischt mit einer tieferen, dunkleren Note, tiefe Eiche, oder sogar Rauch?

Gaumen: Antritt erstaunlich weich für 46 % Vol., aber intensive Aromen, viel Holz schwappt über die gebackenen Äpfel der Brennerei hinweg. Ich bin immer wieder beeindruckt wie viel Aroma diese Brennerei in einen recht jungen Whisky zu stecken vermag. Ein Gedanke geht wie immer an dieser Stelle an Jim Swan (R.I.P.), der Warenghem beim Feintuning der Brennblasen half und so sicher seinen Beitrag für den exzellenten Rohbrand geleistet hat.

Die zweite Nase, mit dem Gaumen belegt, wird etwas alkoholischer. Orangenschalen kommen nun hinzu. Beinahe jodartige Meeraromen melden sich an, das Holz bleibt präsent, deutliche Bitternoten von dunkler Schokolade (fast einen Ticken zu bitter für mich) bleiben im Abgang zurück, der recht trocken ausfällt.

Meine Begeisterung für die Brennerei bleibt bestehen, ein junger ehrlicher Whisky, der dem Cousin der Schotten alle Ehre macht. 46 % Vol. ungefärbt und nicht-kühlgefiltert, bietet dieser Whisky alles, was man von einem jungen Malt aus europäischer Eiche erwarten kann.

Mirahs zweite Meinung (blind): „Joa ist ganz nett, in der Nase bissl Karamell und Fruchtnoten, auf der Zunge viel Holz und Würze“. Und im Grunde fasst das den Whisky gut zusammen. Er ist kein Überflieger, wenn man aber bedenkt, dass er A kein Schotte ist und B rund 35 Euro kostet, finde ich ist das Teil  sehr gelungen.

Slainte!

Euer Leon

Distillery Review 5: Warenghem – Whisky Breton

Warenghem? Nie gehört? Nicht verwunderlich, sucht man doch (bislang) in der meisten Whisky-Literatur vergeblich nach ihr. Um so mehr freuen wir uns, die Möglichkeit zu haben Euch von unserem Besuch zu berichten. Und so gebührt der Brennerei Warenghem die Ehre als erste nicht-schottische Brennerei in die Malt Mariners Distillery Reviews eingereiht zu werden. Warenghem liegt im bretonischen Küstenstädtchen Lannion („Lannuon“ im Bretonischen) im Herzen der Bretagne. Da wir vom Scotch wissen, dass Whisky ein sonniger Spiegel seiner kulturellen Umgebung ist, halte ich es für angebracht, etwas auszuholen und ein paar Worte zur Region und den Menschen zu verlieren. Die Bretonen lassen sich mit ihren keltischen Wurzeln ungern zu den Franzosen zählen und lassen an ihrem Regionalpatriotismus keinen Zweifel. Bei uns ist die Bretagne den meisten vermutlich durch Asterix und Obelix bekannt und so ganz abwegig ist dieses Klischee der widerspenstigen aber herzlichen Gallier auch nicht.

Die Landschaft erscheint wie eine bizarre Mischung aus schottischen Heidemooren, und rauen Nordseeküsten, gepaart mit französischem Flair. Die Landschaft und die Küstenstädte sind atemberaubend schön und in den Ortschaften kuscheln sich Fischrestaurants (Austern!), Crêperien und Souvenirläden (in denen die Bretonen selbst gerne einkaufen 😉 aneinander. Die bretonische Küche wird dominiert von Fisch, Crêpe, Galette (Crêpe aus Buchweizen, meist mit Käse, Ei, Schinken oder allem), Fleisch und Süßspeisen. Gefühlte Hauptbestandteile sind daher Butter und Zucker ^^.

Whisky ist bei den Bretonen leider (noch) nicht häufig anzutreffen, wenngleich viele Souvenirläden einige wenige bretonische Whiskies führen. Nationalgetränk der Bretonen ist (und bleibt vermutlich) der Cidre, ein leichter Apfelschaumwein. Wie es den Galliern aber eigen ist, kämpft eine kleine tapfere Brennerei um die Produktion und Verbreitung von qualitativ hochwertigem bretonischen Single Malt. Die Brennerei besteht bereits seit mehreren Generationen, hat aber erst 1994 begonnen Single Malt zu produzieren. 1998 erblickte der erste „Armorik“, wie sich der Single Malt nennt, das Licht der Welt.  Zuvor wurden Kräuterschnäpse und Liköre produziert, was sich heute noch in der größeren Auswahl an anderen Spirituosen wie Met und dergleichen widerspiegelt.

Wie bereits erwähnt liegt Warenghem noch im Stadtgebiet von Lannion und ist daher vermutlich auch zu Fuß oder mit dem Bus zu erreichen (wir waren mit dem Auto unterwegs). Äußerlich macht die Brennerei nicht viel her, da sie wie auch manchschottische Brennerei nicht als Touristenattraktion konzipiert wurde. Der brennereieigene Laden ist puristisch gehalten und stellt die aktuelle Range der zu verkaufenden Getränke aus. Es gibt keine „klassischen“ Touren durch die Brennerei, die im Grunde nur aus einem großen Raum besteht. Wer jedoch, wie wir, nett fragt bekommt sicherlich auch einen Blick in die Brennerei und das Lagerhaus. Die nette Mitarbeiterin Clémence (die neben Englisch auch des Deutschen mächtig ist!) nahm sich für uns extra Zeit und zeigte uns die Pot Stills und die Lagerhäuser, die derzeit rund 4000 Fässer beherbergen. Die Brennerei hat eine der letzten bretonischen Böttchereien in Douranenez an der Hand, die eigens für die Brennerei frische Eichenfässer herstellt. Diese finden teilweise Verwendung bei den Single Malts. Eine eigene Mälzerei hat die Brennerei nicht, das gemälzte Getreide kommt daher aus Belgien.

Die Lagerhäuser sind bis an die Decke mit zum Teil stehenden Fässern gefüllt. Laut Aussage der Mitarbeiterin eignet sich das bretonische Klima mit einer Temperaturschwankung von 10 Grad im Jahr gut zum Reifen für Whisky. Die Reifung ist allerdings mit im Schnitt 2-3 Monaten schneller unterwegs als in Schottland.

Das Single Malt-Aushängeschild der Brennerei ist der „Armorik“ der mit Stolz den gallischen Namen der Bretagne auf der Brust (bzw. der Flasche) trägt (Aremorica = gallische Name für die Bretagne). Derzeit wartet die Brennerei in der Core-Range mit vier unterschiedlichen Single Malt Abfüllungen auf. Der Günstigste aus dem Sortiment, die „Edition Orginal“ ist bereits für um die 20 Euro zu haben und lässt für den Preis geschmacklich kaum Wünsche offen. Ein wie ich finde sehr gelungener, frischer und fruchtiger Malt, den man leicht mit einem der schottischen Verwandten verwechselt. Und das bei nur 4 Jahren im Bourbon Fass! Der „Classic“ kommt mit einer 4 bis 8 jährigen Fassmischung von 60% Ex-Bourbonfässern und 40% Ex-Sherry Fässern daher. Ebenfalls sehr lecker! Besonders überrascht hat mich der „Sherry Finshed“, der ebenfalls mit grade mal 4 Jahren eigentlich noch grün hinter der Ohren sein müsste, jedoch schon mit einer tollen Frucht aufwarten kann. Der „Double Matured“ lag drei jahre in extra für die Brennerei angefertigten bretonischen Eichenfässern, bevor er noch weitere drei Jahre in Ex-Sherry Fässern wohnen durfte. Auch der hauseigene Blend mit dem Namen „Breizh“ schmeckte mir hervorragend, wo ich ja sonst beim Thema „Blended“ doch eher die Nase rümpfe. Mit einer 50-50 Mischung von Grain und Malt Whisky muss sich dieser Blended nicht verstecken. Nachtrag: Mittlerweile (07.2016) durfte ich eine ganze Reihe weitere Armorik Abfüllungen verkosten, die alle gehalten haben, was ihre Vorgänger versprochen haben. Alles in Allem ein solides Sortiment an spannenden Whiskies! Wir dürfen gespannt sein, was Warenghem in den nächsten Jahren ins Rennen schicken wird. Meiner Meinung nach ist diese Brennerei allemal einen Blick über den Tellerrand wert! Warenghem zeigt mal wieder deutlich: Die inneren Werte zählen!

Fazit:

Warenghem ist eine junge Brennerei die sich jüngst auf den „Qualitätswhisky“ Betrieb eingestellt hat. Dies ist ihr unserer Meinung nach bereits gut gelungen und lässt auf viel Gutes in der Zukunft hoffen! Die jungen Malts müssen sich nicht verstecken und erreichen als (für meinen persönlichen Geschmack) erste nicht-schottische Whiskies den Standard (oder Stil?) ihrer schottischen Nachbarn. Die Brennerei selbst ist einen Besuch wert, wenn man höflich nachfragt und sich rechtzeitig ankündigt. Ansonsten ist der Shop mit Sicherheit auch für Freunde anderer leckerer Sünden eine große Freude. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß! Weiter so Warenghem!

Yec´hed mat!

Euer fellow Malt Mariner Leon

Fakten (Stand April 2015):
Eigentümer: Warenghem
Gegründet: 1900 (Whisky since 1994)
Produktionsvolumen pro Jahr: ?
Adresse: Route de Guingamp, Boutill, 22300 Lannion, Frankreich
Aussprache: „Waren-gem“
Erreichbar: Zu Fuß, Bus, Auto
Link: http://www.distillerie-warenghem.com
Quellen:
– http://www.distillerie-warenghem.com
– Meine Erinnerung, Mein Whisky-Tagebuch, Meine Kamera 😉