Captains Dram today… Aberlour 21 yo, Architecture of Taste

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Heute schau ich mir den Aberlour 21 yo, Architecture of Taste, abgefüllt von Whic.de an.

Ein kurzer Blick aufs Glas: Farbe helles Gold, der Whisky hängt schön lange an der Glaswand bis sich die Tropfen träge der Schwerkraft ergeben.

IMG_7533Ohne Wasser:

In der Nase Zitrus Potpourris, riecht nach Gold, kanns nicht anders beschreiben ;). Ich krame im Hirn nach Ideen, auch wenn ich gern einfach weiterriechen würde und trinken! Ich beherrsche mich. Hm, kandierte gelbe Früchte? In jedem Fall sehr süß.

Jetzt darf ich aber ran: Am Gaumen ein würziger aber nicht scharfer Antritt Tendenz Organgenschalen und Eiche. Ich tippe auf 55 – 54 % vol. und luscher aufs Etikett… Scheiß die Wand an! 59,8 % vol. Der Aberlour darf mit 21 sogar in den USA in die Kneipen… Man merkt ihm sein Alter an, wenn er mal Schärfe hatte, ist diese gut „weggereift“ worden :). Süffig. Ein klassisches Bourbon-Fass, die ich immer mehr zu schätzen lerne, nachdem ich aktuell etwas von der hundertsten Sherry-Bombe gelangweilt bin (aber ja, immer noch geil ;).

Das Finish fällt für meine Verhältnisse nicht bombastisch spektakulär aus, was ich aber von Bourbon-Fässern gewohnt bin. Die haben ihre Stärken eher in der Nase und am Gaumen. Wichtig ist mir hier vor allem, dass kein zu bitterer Nachgeschmack bleibt… Nope. Alles gut! Das Fass war also weder ausgenudelt noch strange. Alles im grünen bzw. gelben Bereich!

IMG_7537Mit zwei Tropfen Wasser, tritt in der Nase das Fass in den Vordergrund, die Süße wird jetzt deutlich karamelliger, zarte Mandelaromen kommen dazu. Der Antritt wird cremiger, das Fass jetzt auch am Gaumen deutlicher mit mehr Eiche.

Ich lasse den Aberlour 10 Minuten stehen. Mit der Zeit kommen noch paar Brause-Stäbchen dazu und wieder die helle Eiche…. Yummy.
Als Referenz-Whisky schenke ich mir einen 6jährigen unabhängig abgefüllten Glenburgie aus dem Bourbon-Fass ein mit ca. 60 % vol.. Der brennt mir alles weg und hat gefühlt genau zwei Aromen zu bieten… kostet halt aber auch nur ein Drittel. Da bleib ich doch beim Aberlour :D. Zu dumm, dass Qualität eben einfach ihren Preis hat!

Fazit: Ein schöner straighter ausgereifter Bourbon-Cask. Wer Aberlour mag und sich mal die Sherry-Aromen sparen möchte, darf zugreifen.

Captains Dram today… Edradour SFTC 2002 Vintage – Marsala Cask Finish 14 yo

So. Ich melde mich auch mal wieder zu Wort. Bei all der Arbeit bleibt ja kaum noch Zeit zum Whisky trinken! Ekelhaft! Darum gönn ich mir heut mal und schenke mir einen Straight From The Cask Marsala Finish von Edradour ein. Einer Brennerei die gefühlt alles zu Gold macht, was sie anfasst. Mir sind kaum Fehltritte von Edradour vor die Flinte gekommen und das bei einem wirklich experimentierfreudigen Portfolio. Das allein ist schon Grund zur Freude für den findigen Malt-Head, die ausführlichen Infos auf der Flasche runden die Sache ab! Aber ey, Whisky ist zum Trinken da! Also was kann das Teil?

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Eine Nase zum satt riechen. Erst dunkle Klebstoffnoten, die an einen im Sherry oder Portfass gereiften Japaner erinnern. Dann mit etwas Zeit treten die süßen Aromen in den Vordergrund der Klebstoff verschwindet und wird abgelöst von einer verführerischen klebrigen Süße, wie ich mir den Geruch von Bonbon-Fabriken und alten amerikanischen Candy-Shops vorstelle. Ich muss dringend einmal einen Marsala trinken, denn ich vermute hier einen starken Einfluss des Likörweins. Das Label verrät uns, dass das gute Stück ganze 5 Jahre im Marsala Fass „gefinished“ wurde. Edradour strapaziert den Begriff „Finish“ mal wieder im positiven Sinne. Ein Bild IMG_5465sonnengetrockneter Aprikosen und Mirabellen drängt sich mir auf, in diesem Potpourri aus zuckersüßen Früchten kann man vieles entdecken. Ich bin unentschlossen, ob ich weiter riechen möchte, oder probieren.

Der Gaumen gewinnt… Wie so oft :).

Taste: Starker Antritt dank der 55,8 % Vol. und dem immer würzigen Brennereicharakter. Eiche tritt kräftig an, macht dann aber Platz für die bunte Mischung aus Süßigkeiten und Trockenfrüchten, die ich bereits in der Nase hatte.

Ich riskiere ein paar Tropfen Wasser entgegen meinem Willen. Einer der (sehr wenigen) Nachteile meiner selbstgewählten Berufung ist, dass ich Whiskys gern ausführlich kennenlerne. Was für mich bedeutet auch zu prüfen wie sie auf Wasser reagieren. Oft möchte ich bei guten Fassstärken gar kein Wasser zugeben, wie bei diesem. Aber die Neugierde siegt.

In der Nase ändert sich nicht all zu viel, wenn überhaupt wurde er etwas holziger durch das Wasser.
Am Gaumen, habe ich das Gefühl, den Malt nun mehr in Richtung Gewürze und Eiche gedrückt zu haben, die Früchte treten etwas in den Hintergrund, wie ich das oft bei der Zugabe von Wasser erfahre. Geht Euch das auch so?

Das Finish ist mittellang und ein schöner Nachhall der benannten Aromen, keine starke Bitterkeit, nur eine leichte Eichenwürze.

Beide Varianten sind eine Erfahrung. Den Candy-Shock bekommt man allerdings eher ohne Wasser bei diesem Edradour.

Für mich eine rundum gelungene Fassstärke mit balanciertem Finish. Das Marsala-Fass hinterlässt deutliche Spuren, ohne dem Malt den eigenen Charakter zu nehmen. Yummy! Da ich kein Fan von Zucker-Whisky bin, freue ich mich um so mehr darüber, wie gut mir diese kleine Zuckerschnute gefällt. Daumen hoch.

Edradour you nailed it again!

Slainte!

Euer Leon

Captains drams today… Bladnoch Samsara & Adela

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Malt Mates, was war ich neugierig auf die „neuen“ Abfüllungen von Bladnoch! Nachdem ich die Brennerei 2015 besuchte und dies eine richtige kleine Abenteuergeschichte wurde (lest hier die volle Story), habe ich Bladnoch bis heute positiv in Erinnerung. Und natürlich war ich begeistert, als es endlich hieß die neuen Abfüllungen wären nun auf dem Weg! Die Preise von ca. 80 € für den Samsara und 118 € für den Adela sorgten für große Augen, ließen aber auch Großes hoffen. So zogen die Wochen ins Land und hie und da poppten bereits die ersten Reviews auf. Die Meinungen waren gemischt, von sehr positiv bis vernichtend war alles dabei. Also ran an den Speck! Nun kann ich endlich einmal einen Blick auf die „neuen“ Abfüllungen werfen. „Neu“, weil sie aus den alten (sehr kleinen) Lagerbeständen der Brennerei stammen, was wohl u.a. den hohen Einstiegspreis erklärt.

Bladnoch Samsara: 46,7 % Vol.

Ich gehe wie meist ohne vorherige Recherche an die Whiskys ran. In der Nase kommt mir ein „muffiges Bourbonfass“ in den Sinn. Als hätte man einen alten Weinkeller mit ein paar Bourbonfässern befüllt. Dazu mischen sich gebackene Äpfel. Später stelle ich fest, dass diese Assoziationen gar nicht so weit von der Realität wegliegen, denn der Samsara wurde laut Label in ehemaligen Bourbon- und kalifornischen Weinfässern gereift.

Am Gaumen startet der Samsara mit richtig Druck und zündet ein kleines Feuerwerk. Ich habe immer große Probleme so viele Eindrücke gleichzeitig zu verarbeiten, es bleibt ein cremig buttriger Nachgeschmack, der in einer zarten Eiche ausklingt. Eine gewisse Schärfe spielt dabei von Anfang bis Ende mit. Nach dem ersten Schluck, kommt die buttrige Note auch in der Nase zum Vorschein. Ein bisschen Vanilleeis mit Rum oder Kaffeelikör. Für mich ist dies ein würziger Whisky mit anständig Ellenbogen, eher ein Highland Charakter, daher aber auch eher mein Fall als ein Auchentoshan oder Glenkinchie. Das Finish ist mittellang. Wir können bei dieser NAS-Variante aber vermutlich von einer gesunden Mischung von jungen und alten Whiskys ausgehen.

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Bladnoch Adela 15 Jahre: 46,7 % Vol. 

Zu Beginn leider erstmal ein schlechter Start. Der edle Metallknauf hat sich vom Korken getrennt… Ein Balblair-Korken eilt mir zu Hilfe und verschafft Schutz vor weiterer Oxidation. Sitzt und sogar das „B“ obendrauf passt ;). Ich bin ja kein Fan von pompösen Designs, aber die Flaschen haben schon was. Im Zweifelsfall hab ich dann aber doch lieber eine Flasche die leicht aufgeht und keine Zicken macht. Nachtrag: Mittlerweile hat die Adela auch wieder ein Krönchen (Besten Dank an Dietmar Schulz von Alba Import).
Aber nun zum Inhalt: Die Nase ist absolut betörend. Es mischen sich bei mir Assoziationen von Brunnen und Sahnetorte… Auch hier finde ich die cremig-buttrige Note wieder, nur gepaart mit einer dunkleren Sherry-Note. Am Gaumen BUTTER-weich. Weniger scharf als der Samsara, reifer, deutlich mehr Fasseinfluss. Zartbittre Eiche drückt im Finish nach und lässt Ideen  von karamellisierten Nüssen auftauchen. Nun kommt auch in der Nase etwas Haselnuss. Ein Whisky mit dem man sich lange beschäftigen kann keine Frage.

 

Fazit:

Für mich sind beide hervorragende Malts die aromatisch endlich mal wieder eine Nische belegen. Ich kann sehr gut verstehen, dass sie nicht Jedem gut gefallen, denn die muffigen, düstren Töne sind alles andere als typisch, grade wenn man den spritzigen Charakter früherer Abfüllungen erwartet. Es ist ein Whisky der die Fans spaltet, der uns aber wieder einmal die wunderbare Vielfalt des schottischen Malt Whiskys vor Augen führt. Ich bin jedenfalls sehr angetan von den Juwelen aus dem Hause Bladnoch und hoffe sehr, dass wir in den nächsten Jahren auch wieder preiswerte und hochwertige Einsteiger nachgeliefert bekommen, wenn die Lagerhäuser dies wieder hergeben.

Captains dram today… Glen Scotia Victoriana (engl.)

IMG_4774I very much remember my first encounter with this malt since it was good times. I was working for Glendronach Distillery by the time and was joining a nice colleague from Glenfarclas Distillery in a cosy and small whisky tasting in the Mash Tun in Aberlour, the place to be (Well the only place to be in Aberlour to be fair ;).

I saved this whisky in my mind as „interesting, pleasant and worth another try“ so I´m happy to get a second date with Victoria.

On the nose I get some snow, sea salt and quite a bit of sour and woody notes. On the palate the same paired with more spices and do I even detect a hint of smokiness? Some darker notes appear like coffee or tobacco. I can´t find any info that we are looking at some sherry casks mixed in. The cover says „deep charred oak“, but does not give away what kind of oak.

After a while I come back to it and the nose is more creamy and burned sugar. On the palate we are back in taliskerish land.. just less smoke. Even the chili bite is comparable. Interesting. Three drops of water, since we are looking at 51,5 % vol. And really, nope. The taste gets just very sharp, the sour and bitter notes overpower the nice and pleasant aromas. Did they try to hide some refill casks or youth here with pumping up the alcohol level? A malt for 60 – 75 € should be able to take some drops of water I think. The second dram I´m back with no water and I´m happy :).

Resumé:
I would not recommend this whisky to a complete beginner. It’s strong, medium-complex and has notes that not everyone will like. Typically Campbeltown… It is always something slightly different with these guys. If you like mild, fruity Speyside malts keep away from this one. If you like Talisker, spicy Highland Malts or generally a challenge, you might be very good friends with Victoria. Still I have to say I think she is slightly overpriced, not for the flavors, which I quite like, but for the lack of depth after adding water.

And as you guys know… Its only ever a glimpse… A „one moment“. Thats what we love whisky for. For the moments.

See you guys for the next dram.

Slainte

 

Leon

 

Captains drams today… Talisker 18 vs. Bunnahabhain 18

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Heute widme ich mich einem genüsslichen kleinen Insel-Wettstreit zweiter Brennereien, deren Standards (Talisker 10 und Bunnahabhain 12) ich sehr schätze und gerne trinke. In den Ring steigen die beiden volljährigen Abfüllungen besagter Brennereien.

In der linken Ecke haben wir den Talisker 18 mit 45,8 % Vol. der typischen und individuellen Stärke Taliskers, sowohl gefärbt als auch kühlgefiltert. Gewicht: ~109,50 €. Ausbau in Ex-Bourbon und Ex-Sherry Fässern. Optisch, bis auf die Jahreszahl dem 10er zum Verwechseln ähnlich.

In der rechten Ecke der kleine rabenschwarze Stiernacken von der Ost-Küste Islays. Mit 46,3 % Vol. auch eine Extravaganz die einen hauchdünnen Vorsprung vor dem Talisker bieten dürfte. Gewicht: 110,90 € Tendenz steigend. Ausbau ebenfalls in Ex-Bourbon und Ex-Sherry Fässern. Allerdings, bei Bunnahabhain üblich, ungetorft.

Bis auf den leichten Rauchgehalt des Taliskers also zwei gut vergleichbare Whiskys. Ich verfahre nach „Vorschrift“ (Nichtraucher vor Raucher) und widme mich zuerst dem Bunnahabhain. Eine wuchtige schwere Sherry-Nase schlägt mir entgegen. Sehr vielversprechend. Am Gaumen ein kleine Geschmacksexplosion die sich wie ein cremiger Luftballon immer weiter auszubreiten scheint. Verschiedene komplexe Gewürzaromen mischen sich mit muffigem Sherry/Weinkeller… Absolut brillant und 100% mein Beuteschema! Langes Finish das in etwas Pfeffer und Leder in meinem geliebten feuchten spanischen Weinkeller ausklingt… Toll. Eine klare Weiterentwicklung der 12jährigen Abfüllung. Ich bin überzeugt.

Der Talisker hingegen wirkt in der Nase verhalten, entfernter Rauch und zarte Karamellnoten lassen die Bourbonfässer erahnen, etwas Süßholz meldet die Sherryfässer an. Dieser Malt braucht etwas Zeit um die Nase zu entfalten. Auf der Zunge bietet der Talisker 18 für mich ein gewohntes Bild, das ich vom 10er bereits gut kenne (wie gesagt: Stammkunde), nur erwachsener, gezähmter, milder. Der Rauch und die würzige Schärfe sind nicht ganz so prägnant, schade, denn grade das mag ich am 10er. Salzige Noten mischen sich im Abgang mit etwas Bitterschokolade. Ja der Chili-Catch im Finish ist noch da, aber verhaltener. Ganz klar ein toller Whisky, aber in Anbetracht des Preis-Leistungs-Verhältnis bliebe ich wohl vorerst beim 10er.

Fazit:

Die Reihenfolge war wohl falsch gewählt, was wieder einmal mehr beweist: Bei Whisky geht nichts nach Bilderbuch. Es bedarf das genaue Kennenlernen jeder einzelnen Abfüllung. Auch dieser Ersteindruck, reicht insbesondere bei älteren Whiskys, bei Weitem nicht aus, um sich ein ausreichendes Bild zu machen. Der intensive Sherry des Bunnahabhain hat dem Talisker womöglich viel Komplexität geraubt, weshalb er bei mir im Tasting nur halbherzig ankam. Ich möchte mich dem Talisker 18 daher noch einmal ohne jeden Beigeschmack nähern.
Schlussendlich muss ich aber sagen, dass der Bunnahabhain 18 meinen persönlichen Geschmack eher getroffen hat. Er setzt sich deutlicher vom 12er ab und bietet für das Mehr an Geld auch ein deutliches Mehr an Aromen und Komplexität. Zumindest in dieser Verkostung und der Momentaufnahme konnte der Talisker das nicht gut unter Beweis stellen.

 

Slainte!

Euer Leon

Captains dram today… Rosebank 1990

Captains dram today…
– Rosebank 1990 – 2014, 46 % vol. bottled by Gordon & MacPhail

Sitting in the (highly recommended) Otterburn Bnb with a breathtaking view over the Loch Sunart (the weather proves the name) what could be a better end of the day as a nice whisky I’ve never tried before! From a lost distillery moreover.
(http://www.otterburn-strontian.co.uk/)

Color: between straw and white wine (probably refill bourbon cask)

Nose:
Quite delicate for an old whisky, not overly complex, lemon peel and fresh snow upfront (funny I get snow quite often), some grapefruit and oak

Taste: oak, peach stone, orange peel.. hm

Finish: shorter then expected for such an old whisky… most certainly refills.

This whisky is ok for me but didn’t really float my boat specially since it’s hard to come by and most certainly an painful experience for your wallet. If it’s just the Rosebank house style or the rather weak casks in here I can’t tell (tendencies to the casks). The Lowlands stay a tricky task for me!
It has to be added that the bottle was quite low (as to be seen on the picture) and might have been happily breathing away over some time. In the end of the day whisky is like a polaroid only capturing the moment.

Slainte my friends! Off now happy marining away!

#maltmariners #scotch #whiskyreview #rosebankdistillery #otterburn

Captains dram today… Blind Tasting No.1

Niklas Blind No2

Einer der (wenigen) Nachteile eines passionierten Whisky-Tasters und Veranstalters ist es, seltener selbst in den Genuss von Blind-Verkostungen zu kommen. So freue ich mich sehr, heute einmal ein Blind-Sample von einem meiner Stammgäste bei den Tastings in Hamburg verkosten zu dürfen! Herzlichen Dank an dieser Stelle an Niklas!

Wie ihr selbst sehen könnt, liegt der Whisky (Herkunft völlig unbekannt) mit einer tollen dunklen, rot-goldenen Farbe im Glas! Lässt auf Sherry-Fässer oder ähnliches hoffen. Und BOOM die Nase schreit Sherry-Fass, wenngleich eine intensive zuckrig-buttrig-cremige Beinahe-Kokos-Note über allem ihre Flügel ausbreitet. Eine Eigenschaft die ich bisher bei fast allen Macallan Whiskys gerochen und „verspührt“ habe. Aber wir wollen nicht voreilig sein, schließlich hab ich noch nichtmal probiert!

First sip: Starker Antritt! Eine beerige Note explodiert auf der Zunge und zündet gleich hinterher eine Eichenfeuerwerk! Wenn das keine Fassstärke 55 + ist! Holla die Waldfee! Verdammt, den Geschmack kennst du auch irgendwo her! Eindeutig ein Sherry Fass mit drin, vielleicht nachgereift im Sherry Fass (?) oder sogar ein Single Cask. Im Abgang leichte Bitterkeit und weiterhin scharf, eine leicht kühlende und trockene Note weht zur Tür rein.

Nun fängt das Hirn an zu arbeiten… (Ob das beim Whisky genießen ein Vorteil ist, sei mal dahin gestellt). In der Nase roch es nach einem älteren 18+ Whisky. Auf der Zunge und im Abgang wirkt der Whisky zu intensiv und wild, um wirklich so alt zu sein. Oder täuschen mich meine Sinne, weil es so verdammt warm und feucht ist? Wir wissen ja, über 20 Grad (das Thermometer zeigt 25,4 Grad), kann der Whisky deutlich an Schärfe auf der Zunge zunehmen.

Fazit:
Müsste ich mich auf ein Fass festlegen (wir wissen nicht, ob es sich um nur ein Fass handelt), würde ich ein starkes junges Sherry-Fass evtl. aus amerikanischer Weißeiche (diese Kombination wird in der Industrie immer häufiger, aus Kostengründen und weil die Aromenkombination beliebt zu sein scheint) tippen. Der Whisky mutet auf den ersten Blick jung an, ist aber erstaunlich komplex und hat massiv Aromen aufgenommen. Es würde mich sehr wundern, wenn dies kein Schotte ist. Einen Macallan rieche ich zwar, müsste aber eine junge Fassstärke vor der Flinte haben (außer wie gesagt das Wetter spielt mir einen Streich). Als zweite Idee kommt mir Kavalan in den Sinn, die viel Aufsehen mit ihren grandiosen Solist-Abfüllungen gemacht haben. Die schnelle bzw. intensive Fassreifung könnte auch auf ein Fass aus einem tropischen Klima hindeuten. Leider kenne ich diese Abfüllungen nicht gut genug. Sollte es aber ein Kavalan sein, wäre ich stark beeindruckt, da der Whisky keinerlei Spur von „Ausland“ (aus schottischer Sicht) vermuten lässt.

Ich bin sehr  gespannt auf die Auflösung, um zu sehen, was ich da wirklich vor der Nase hatte! In jedem Fall ein toller Whisky und eine spannende Erfahrung! Sobald ich weiß, um was für einen Whisky es sich handelt, werde ich dies hier nachtragen!

Slainte!

Euer Leon

P.s.: Es war ein 12 Jahre alter Edradour Burgundy Cask Matured mit 56,6 % Vol.

 

 

Teeling vs. Redbreast 12

Whiskey

Das irische Lokalderby…

Team Teeling Single Malt Whiskey:
Ausbau: Ex-Bourbon, Finish in Sherry, Port, Madeira, Weißer
Burgunder und Sauvignon Blanc.
Brennerei: (noch) Cooley Distillery
Alter: Keine Altersangabe,
Stärke: 46 % vol.,
Sonstiges: Nicht kühlgefiltert
Preis: ~40 €

Team Readbreast 12, Single Pot Still Irish Whiskey:
Ausbau: Ex-Bourbon, Ex-Sherry
Brennerei: Midleton Distillery
Alter: 12 Jahre
Stärke: 40 % vol.
Sonstiges: Single Pot Still
Preis: ~42 €

Hier der Spielverlauf aus Sicht der beiden „blinden“ Schiris (Leon & Mirah):
Der Teeling eröffnet mit einer runden Stachelbeere, Zitrusfrüchten und einer grasigen Note. Eine gewisse Schärfe ist dem Iren bei rund 25 Grad Außentemperatur anzumerken. Der Redbreast kontert mit einer massiven Portion Vanille und Kokosnuss, später kommt etwas Ahornsirup hinterher… Komplex versus intensiv! Schwierige Entscheidung… Da der Teeling bei mehrmaligem Vergleich in der Nase etwas abschwächelt, der Redbreast aber noch seinen Mann steht, hat dieser die Nase um Zentimeter vorn.
So die Teams haben sich beschnuppert, Zeit in die Vollen zu gehen… Auf der Zunge wird klar: Die beiden Teams haben Schwierigkeiten bei solch subtropischen Temperaturen den Ball flach zu halten! Teeling tritt salzig scharf an, brennt und klingt recht bitter ab, ohne viel seiner sonstigen Raffinesse sehen zu lassen. Da sind wir mehr vom Dubliner Phönix gewöhnt! Auch auf das Team Redbreast verstolpert sich und kann nur das B-Spiel aufs Feld bringen. Ein kurzer Blickwechsel zwischen Schiris und Trainerteam… Auszeit! Die Teams müssen sich neu sortieren. Ein paar Minuten Abkühlung, durchschnaufen und ein Schluck Wasser.

Die zweite Hälfte verläuft deutlich geschmeidiger. Die 10 Minuten Kühlschrank bewirken beim Teeling Wunder. Nun kommen die beeringen Noten aus den Weinfässern auch wieder auf der Zunge an, das Finish wird länger und bietet mehr als nur holzige Bitterkeit! Auch der Redbreast kann nun mehr bezaubern, profitiert jedoch nicht ganz so sehr wie der Teeling.

Fazit:
Im direkten Vergleich kommen beide (je nach Geschmack) bei der Nase gleichauf (Leon bevorzugt die beerigen Noten vom Teeling, Mirah die Vanillebombe ala Redbreast). Am Gaumen verliert der Teeling besonders bei hohen Temperaturen, der Redbreast steht hier etwas robuster. Das irische Derby hätte sich wohl erst im Elfmeterschießen entschieden und wäre haarscharf zu Gunsten des Redbreasts ausgegangen. Zum Glück gibt es beim Whisk(e)y nur Gewinner 🙂. Das wichtigere Ergebnis des Mini-Tastings: Temperaturen über 20 Grad können die Performance beeinträchtigen! Zur Not muss sogar ein Whisk(e)y mal runtergekühlt werden.

Slainte!

Eure Malt Mariners