Distillery Review 28: Caol Ila, das achte Rad am Wagen?

Wer Scotch Whisky liebt, wird früher oder später Schottland bereisen wollen. Wer auf torfigen Single Malt steht, der hat keine Wahl. Der muss nach Islay! Die Insel Islay ist und bleibt das Mekka für die „Peatheads“, die Liebhaber der schweren Raucher unter den Single Malts. Wer die Zeit hat, sollte in jedem Fall allen Brennereien einen Besuch abstatten und sich ein eigenes Bild machen.

Karte von allen Single Malt Scotch Whisky Destillerien auf Islay im Westen Schottlands
Danke an Alba Collection für die Karte!

Von den acht aktiven Brennereien auf Islay besitzen ALLE ein Besucherzentrum. Die neue und neunte Brennerei Ardnahoe wird bald ihre Türen öffnen und zwei weitere Brennereien sind in Planung. Wer nur wenige Tage auf der Insel verbringt, wird zwangsweise vor die Frage gestellt „Welche Brennereien besuche ich?“.

Caol Ila ist sicher nicht die attraktivste Brennerei auf der Insel. Sie liegt gemeinsam mit Bunnahabhain und der neuen Ardnahoe Distillery an der nördlichen Ost-Küste der Insel und blickt an klaren Tagen auf die „Paps of Jura“ auf der Nachbarinsel. Vom Fährhafen Port Askaig erreicht man die Brennerei mit dem Auto in 5 Minuten. Von einen Fußmarsch zur Destille würde ich, wenn möglich, abraten, da das Wandern auf den schmalen Single Track Roads Schottlands nicht ganz ungefährlich sein kann.

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands
Caol Ila Distillery

Weder die Gebäude noch die Rahmendaten machen große Versprechungen. Von außen wirkt die Brennerei industriell, was sie nun mal auch ist. Viele Schottlandreisende suchen eher nach „Hands on“, nach Tradition und authentischen Handwerks-Eindrücken und Erlebnissen. Ich rate hier mittlerweile zur Vorsicht. Nur weil eine Brennerei klein und „crafty“ ist, muss sie noch lange keinen hochwertigen Whisky produzieren. Gleiches gilt im Umkehrschluss für Großbrennereien wie Caol Ila. Der Single Malt muss nicht schlecht sein, nur weil die Brennerei ca. 5,5 Millionen Liter Alkohol pro Jahr produziert. Caol Ila stellt einen schwer rauchigen / torfigen Single Malt her, dessen Rauch die phenolischen „Beinah-Gummi-Aromen“ mit erloschenem Lagerfeuer und einer intensiven malzigen Süße paart. Für mich eine betörende Kombination, weshalb der 12 Jahre alte Standard der Brennerei für mich bis heute ein toller „Feierabend am Lagerfeuer“ Whisky ist. 

Besucherzentrum von Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands
Coal Ila Distillery Visitor Center


Nichtsdestotrotz war ich leicht voreingenommen was die Destille angeht. Diageo der große Spirituosen Konzern hinter Caol Ila hat die Neigung seine Brennereien zu uniformieren, was nicht immer meinen Geschmack trifft. Dies zusammen genommen mit dem Wissen um die Größe der Brennerei, ließ mich mit gezügelter Erwartungen aber doch mit großer Freude auf die letzte unbesuchte Brennerei auf Islay das Visitor Center betreten. Das Besucherzentrum von Caol Ila ist das kleinste und spartanischste auf der Insel. Die meisten Brennereien haben sich gut auf die große Zahl der Touristen eingestellt und bieten ansehnliche Shops und im Falle von Kilchoman und Ardbeg sogar Cafes. Bei Coal Ila ist alles etwas karg und zweckdienlich. Ein paar Klamotten, ein Regal mit Whisky, zwei drei kleine Souvenirs und ein Besucherbuch.

Das stürmische Wetter und der Regen draußen ließen uns dennoch freudig in die Wärme hasten. Ich wurde herzlich von Nigel Brown (Brand Home Guide) begrüßt der mir, auf Grund des ruhigen Tages, eine Privatführung durch die Brennerei gab. Nigel ist ein hervorragender Tour Guide mit der perfekten Balance von Witz und schottischer Gelassenheit. Er war sehr aufgeschlossen und berichtete bereitwillig über alle interessanten Fakten zur Brennerei. Ich fand es äußerst sympathisch, dass er sich augenscheinlich über die Position der Brennerei sehr im Klaren ist und auch nicht versucht dem Kunden ein anderes Bild der Destille zu verkaufen. Sie ist eine Destille zur Massenproduktion auf hohem Niveau. Auch dass Nigel wirklich eine sehr persönliche Führung mit mir machte, hat mich sehr verbrüdert. Er verstand schnell, dass ich die Grundlagen beherrschte und ging eher auf nerdige Details und interessante Fakten ein. So erzählte er mir vom PPM Gehalt von 38 PPM im Malz oder der trüben Stammwürze aus der Mashtun die stolze 12,5 Tonnen Malz verarbeiten kann (Glendronach schafft weniger als 4!). Der getorfte „Wort“ (Stammwürze) wird 55 Stunden in den acht hölzernen Washbacks vergoren, die ungetorfte Würze hingegen 80 Stunden.

Equiment und Lagerhaus von Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands
Distillery Equipment

Leider dürfte ich, wie bei Diageo üblich, auf Grund der Sicherheitsvorschriften keine Fotos innerhalb der Brennerei machen. Nigel bot jedoch an, uns hinterher welche zu schicken, was ich sehr lieb finde. Das Tasting im benachbarten Gebäude war leider kein richtiges Lagerhaus, aus dem man den Angles’ Share riechen konnte, aber ein Raum mit altem Equipment und geschichtsträchtigem industriellen Destillerie-Charme. Überrascht hat mich vor allem der ungetorfte Caol Ila, der mir persönlich sehr gefallen hat. Eine 1A Führung, an der es von meiner Seite nichts auszusetzen gab!

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Distillery Exclusive Flasche
Caol Ila Distillery Exclusive Bottling

Zurück im Shop schaffte es der Distillery Exclusive mich zu überzeugen, sodass er mit nach Deutschland reisen durfte. 90 £ für einen Whisky ohne Altersangabe ist schon happig, mittlerweile aber leider Standard in den meisten Brennereien. Betrachtet man alle Brennereien der Insel und ihr Angebot an exklusiven Abfüllungen, fällt auf, dass es zwei Fraktionen in diesem Bereich gibt. Eine mit Altersangabe (Bowmore, Bruichladdich, Kilchoman und Bunnahabhain) und eine ohne (Ardbeg, Laphroaig, Lagavulin und Caol Ila).

Dass also solche Cask Strength (Fassstärke) Highend und Sammler-Whiskys um die 100 £ heute ohne Alter angeboten werden, ist kein reines Thema von Diageo. Dennoch habe ich den Eindruck, dass Brennereien des Konzerns überdurchschnittlich häufig solche Distillery Exclusives ohne Alter abfüllen. Am deutlichsten stieß mir dies bei Oban auf, deren Distillery Exclusive mich überhaupt nicht überzeugen konnte. Auch Cragganmore, Glenkinchie (Stand 2017) und Talisker (Stand 2018) bieten NAS Distillery Exclusives an.

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands Distillery Exclusive Flasche

Die Feis Ile Abfüllungen für das legendäre jährlich stattfindende Islay Festival of Music and Malt von Caol Ila und Lagavulin trugen allerdings ein Alter. Versteht meine Gedanken daher bitte nicht als „Diageo-Bashing“. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass man beim Kauf von solchen Sonder-Abfüllungen auch einmal Vorsicht walten lassen sollte. In jedem Fall würde ich vorher um eine Kostprobe bitten, um mir einen eigenen Eindruck des Whiskys zu machen. Persönlicher Geschmack und Preis sollten zueinander passen!

Kommen wir abschließend zu meinem am häufigst zitierten Satz zurück: Am Ende muss jeder selbst für sich entscheiden, ob die gebotene Qualität den hohen Preis rechtfertigt. Ich jedenfalls lasse mittlerweile schon die ein oder andere Sonderabfüllung in den Brennereien liegen, wenn sie für mich nicht dem Preis entspricht. Die Distillery Exclusives und Feis Ile Abfüllungen von Caol Ila und Lagavulin haben es beide mit ins Gepäck geschafft, da wir es in unserem Fall 2018 mit hervorragenden Abfüllungen zu tun hatten!

Hier zur Übersicht einmal die Sonderabfüllungen von 2018 mit Preisangabe (soweit vorhanden):

Ardbeg: Distillery Exclusive Ardbeg Kildalton (NAS, Bourbon & Refill Sherry) – 120 £

Bowmore: Handfilled 19 Jahre (Sherry Cask) – 140 £, Distillery Exclusive: 17 Jahre (Bourbon, Sherry & Wine)

Bruichladdich: Handfilleds 10 Jahre (Port Charlotte, 2nd Fill Italian Wine Cask), 11 Jahre (Bruichladdich, PX Cask) – 75 £ für 50 cl, entspricht 105 £ für 70 cl.

Bunnahabhain: Handfilled 13 Jahre (Moine Marsala Finish) – 85 £

Caol Ila: Distillery Exclusive NAS (keine Angabe zu den Fässern) – 90 £, Feis Ile Bottling 2018 10 Jahre (Refill American Oak, Wiederaufbereitete europäische Eiche) – 100 £

Kilchoman: Shop Exclusive 5 Jahre (Red Wine, Single Cask) – 89 £

Laphroaig: Wenn ich mich recht entsinne gibt es hier keinen Distillery Exclusive, dafür die neusten Cairdeas Abfüllungen. Cairdeas Fino – 77 £

Lagavulin: Distillery Exclusive (NAS, keine Angabe zu den Fässern) – 100 £, Feis Ile Bottling 2018 18 Jahre – 130 £

Caol Ila Single Malt Scotch Whisky Destillerie Brennerei auf Islay im Westen Schottlands Fass mit Blick aufs Meer

Fazit: Caol Ila ist eindeutig das hässliche Entlein von Islay und wenngleich mir der Besuch sehr gut gefallen hat, würde ich als Insel-Besucher der Brennerei eher eine niedrige Priorität einräumen. Außer natürlich Du bist ein großer Fan der Marke und möchtest zielgerichtet, diese Brennerei besichtigen. Von meiner Seite aus alles Jammern auf sehr hohem Niveau! Einen Besuch ist die Destille für sich allein genommen auf jeden Fall Wert, da wir uns aber auf einer Insel befinden, auf der man in der Regel mit seiner Urlaubszeit knapp haushalten muss, würde ich die anderen Whisky Tempel von Islay zuerst empfehlen. Dies ist weniger dem niedrigen Standard von Caol Ila geschuldet, als dem extrem hohen Standard der anderen Islay-Brennereien, die aus meiner Besucher-Sicht nach wie vor zu den besten Schottlands zählen!

Wenn Du einen Reisetipp möchtest, würde ich Dir folgende Brennerei-Besuche ans Herz legen. Solltest Du alle acht Brennereien besuche, würde ich eine grobe Reihenfolge vorschlagen, damit Du Dich zu den Sahnestücken vorarbeiten kannst: Coal Ila, Lagavulin, Bunnahabain, Bowmore, Bruichladdich, Ardbeg, Kilchoman, Laphroaig. Hast Du nur Zeit für wenige oder gar nur eine: Wähle deinen Liebling!

Zum Abschluss mein ultimativer Experten-Super-Gehimtipp: Einfach wiederkommen!

Soll ich meinen Whisky schütteln?

Nach einem Facebook-Post folgenden Artikels, der das Schwenken von Whisky diskutiert, habe ich einige Anfragen für eine Übersetzung erhalten. Hier meine Zusammenfassung mit einigen persönlichen Ergänzungen.

Es geht kurz gesagt um die Frage, ob das schnelle Schwenken („swirl“), das man von Wein-Genießern kennt, sich auf Whisky übertragen lässt. Sehr oft sehe ich nämlich dieses Verhalten bei Whisky-Trinkern und denke mir „sieht lässig aus“, dennoch fühlt es sich für mich „falsch“ an.

Laut des Artikels ist die Antwort schlicht: Nein. Man kann es nicht übertragen, da Wein geschwenkt wird, um Sauerstoff in den Wein zu übertragen. Dies öffnet die Aromen im Wein verhältnismäßig schnell nach wenigen Minuten. Wein-Kenner dürfen hier gerne ergänzend in die Diskussion einsteigen, da meine Wein-Kenntnisse so im Bereich „Ich mag ja den Roten“ angesiedelt sind :D.

Es stellt sich daher die simple Frage, ob das beim Whisky auch so ist. Whisky ist anders als Wein eine Spirituose (bahnbrechende Neuigkeiten). Whisky oxidiert daher (laut Aussage des Artikels) langsamer, verdunstet aber schneller.

Dass Whisky sich auch mit der Zeit „öffnet“ merke ich immer wieder, wenn eine Flasche 10-20 cl geleert wurde und dann einige Wochen steht. Dann wird der Whisky in der Regel komplexer und zugänglicher. Geht es dem Ende entgegen und die Flasche steht ein bis zwei Jahre, kann es gut sein, dass er schärfer und unangenehmer wird. Die schönen Aromen verfliegen. Luft hat also meiner Erfahrung nach auch beim Whisky (zuerst) einen positiven Einfluss. Auch im Glas.

Eine meiner Vermutungen ist allerdings auch, dass wir beim exzessiven Schwenken im Grunde vorwiegend die Verdunstung des Alkohols /Ethanols provoziert. Das ist aus meiner Sicht fürs genussvolle Verriechen sogar kontraproduktiv, da die Rezeptoren in der Nase von Alkohol betäuben werden. Benetze ich also die Glaswand mit Whisky, verdunstet zuerst der Alkohol. Dann kommen die Aromen hinterher. Schüttle oder schwenke ich nun ständig das Glas beim Verriechen, erzeuge ich immer neue Verdunstung. So argumentiert auch der Artikel. Die selbe Argumentation finden wir in folgendem Buch, das sich sehr detailliert mit dem Thema Tasting & Nosing befasst: Iconic Whisky (Mald, Cyrille; Vingtier, Alexandre (2015). Die deutsche Version heißt „Whisky-Wissen: Die 750 besten Sorten im Schnellcheck“ und wurde auch von meinem Kollegen Pat Hock schon einmal empfohlen. Ein sehr lesenswertes Buch. Aber das nur am Rande.

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Der Artikel diskutiert aber auch, dass es Gründe gibt den Whisky zu „swirlen“ also schnell zu schwenken, beispielsweise, wenn man sich die Beine bzw. Tränen des Whiskys näher ansehen möchte. Langsame Tränen zeigen eine hohe Viskosität an, alsoeinen hohen Alkoholgehalt. Breite „Fenster“ wiederum sprechen angeblich für ein hohes Alter des Whiskys. Der Artikel sagt auch, wenn ich bewusst den Alkoholgehalt senken möchte, macht das Schwenken wieder Sinn. Aus dem eben besprochenen Effekt, kann ich dadurch die Verdunstung des Alkohols beschleunigen und dadurch die Schärfe reduzieren. Diese Erfahrung kann ich wiederum nicht bestätigen, allerdings gehöre ich ja auch zu den notorischen „Drehern“. Allein meiner Neugierde Willen, werde ich diesen Effekt mal prüfen. Aus rein akademischen Gründen versteht sind (Yay! Ein weiterer Grund Whisky zu trinken!).

Der dritte Grund, den ich witzig finde, ist „to show off“. Also um anzugeben. Und das ist auch meine Vermutung, warum so viele Menschen sich zum schnellen Schütteln hinreißen lassen. Es sieht eben cool aus, es lässt einen wie einen Profi aussehen.

Am Ende es Tages ist es aber doch wie mit allen Fragen beim Whisky: Experimentiert selbst und findet euren eigenen Weg. Wenn ihr gern swirled, dann swirled! Macht mit eurem Whisky genau das was euch gefällt und wie er für euch am besten zu genießen ist. Und lasst euch von niemandem sagen, wie ihr euren Whisky zu trinken und zu genießen habt. Auch nicht von mir.

Cap out!

Captains dram today… Box Dalvve

Captains dram today…
„Box Dalvve“ aus Schweden mit 46 % vol. In der Nase etwas vertraut Hellfruchtiges, Zitrusartiges mit etwas Bitterkeit (mit Fantasie ne Grapefruit?) dazu etwas Zuckerwatte. Sehr nahe am Rohbrand.
Gaumen: scharfer Antritt, sehr scharfer Abgang. Holla die Waldfee. Der braucht Wasser. Nach ein paar Tropfen versöhnlicher, ich bleibe bei der Grapefruit (bin kein Fan von Grapefruits). Ein Hauch Eiche klopft an. Abgang kurz und leicht bitter. Kann man mal machen. 70 Euronen würd ich dafür aber nicht lönen wollen. Skandinavien bleibt eine Herausforderung für uns.

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Distillery Review 20: Glengoyne – Walk this way!

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For Nanni

It is one of those wonderful roadtrip days through the scottish highlands. The sun plays peek-a-boo with the passing clouds and presents the beautiful landscapes in the light and shadows that make every photographers heart jump. I’ve got a few days off work in the distillery and a visit from a fellow travel maniac and whisky friend. Naturally we’re on the road! Glengoyne is her favorite distillery so we have a room booked in Milngavie. Since she walked the west highland way before that officially begins in that little town, we decide to walk the way back from the distillery. The bus takes about 25 minutes to the distillery and… why do I even mention it… we´re late. But thank to the mad scottish bus drivers we make it in time. Although I’ve never been here the place looks familiar. And yes, in a not so distant future from this time on I will recognize the distillery as the outside film set of „The Angles Share“ one of my favorite whisky films of all time (in fact as far as I know there are only two: Whisky Galore! and The Angles Share, both worth a closer look). While we’re on the subject: The fictional distillery in the film, more or less the Deanston Distillery is a combination of Glengoyne Distillery (outside shots) and Deanston Distillery (scenes in the distillery e.g. the still house). Balblair Distillery comes into play later, when they try to steal the „Maltmill“, which actually existed as a part of Lagavulin Distillery a long time ago… But I’m getting carried away! Glengoyne, we’re actually entering Glengonye Distillery not without a nice fotoshoot infront of the buildings… Its a sunny day and the light is as fantastic as our mood.

From the variety of tours we pick the „gold medal parade“ for 25 £ including a tasting of the 12 yo, 18 yo, 21 yo and the cask strength. The standard tour is 9 £ so in the upper regions of tour prices. Glengoyne is a busy place. Being close to Glasgow and on the west highland way makes the distillery an ideal tourist attraction. Being a tour guide myself I am impressed with the scottish relaxedness of the guides and shop staff.

A curious fact about Glengoyne for me is its location and therefore the difficulty of sorting it into the classical scottish whisky reasons. Since its resting precisely on the lowland-highland line, with its warehouses being on the lowland side, the distillery and still house on the highland side, it seems like perfect hybrid whisky. The division in regions today is a tricky subject. There has been many arguments about the regions and the individual style of the distillery seems to be a more accurate characteristic to me then the region characteristics. As for the Lowlands most experts would agree that whiskies like Auchentoshan and Glenkinchie (with Bladnoch being mothballed for many years the only really accessible lowland malts) are light boddied and often described as „easy accessible“(1). Me and Mike (my scottish malt mate) always felt about lowland whiskies as easy to drink (smooth but not spectacular on the nose and the finish) and often a bit bland. So yeah guilty as charged, we’re both highlands and islands fans. The highlands instead are a huge region including the northern part of Scotland, the east, the west and many count islands like Arran, Mull and Orkney in this region as well. Which makes it almost impossible to give them a general characterization. But I always felt that these whiskies are more full-bodied, more complex and more punchy which usually floated my boat much more. But ey, in the end it all comes down to personal taste right? So lets get back to Glengoyne. Having its location in mind I consider this a very interesting malt. The labels read „highland malt“ and to me it presents itself like a bit of both, smooth and passive like a lowland malt, but hiding some highlandish characteristics in the back. Glengoyne prouds itself with being unpeated so much they put it on their box covers. With my travel companion being extremely sensitive to smoky flavors in the negative dimension, I’m not surprised that she loves the Glengoyne house style. The second characteristic that Glengoyne waves the flags for is that is is „unhurried“ referring to the long middle cut (about three hours) which is in fact quite a long time. They claim to have the slowest stills in Scotland and this method give them a „smooth and hugely complex“ spirit. Probably something every malt whisky distiller would say about their product, but I have to admit that most Glengoynes I’ve tried were quite smooth indeed. Glengoyne works with a classic combination of bourbon and sherry casks with an increasing content of sherry and first fill sherry casks while we go up the age and price latter. My favorite being the 21 yo so far. Having a closer look at the 15 yo version recently, I come to the impression that Glengoyne might be a whisky that can easily be overlooked. Some of the rougher malt fans like me might try this and think „nah to bland, to soft“, but giving it time and a few drops of water did A LOT to this malt. You’ll find a lot of delicate dried fruits and tobacco notes in this one. As you know some whiskies react more and some less to water and some air. But in this case I was surprised what the malt had to offer once we found the key. So Glengoyne showed us once again what you can say about almost every scottish malt whisky: It´s made with patience, so enjoy it in patience!

The tour and the visit itself where nicely done by and old Scot, picture policy being quite rigid unfortunately. As least the stillhouse is open yo we could take some pics of the stills from the outside. I loved the display of different stages of maturation in bottles, pointing out where the different expressions of Glengoyne would be situated. Although I missed a warehouse experience very much! The tasting was very pleasant and I loved the fact that the distillery told us exactly the contents and percentages of their bottles (how could I miss writing this down!).

Back in the visitor center we both couldn’t get around buying a distillery only bottling. She went for the handfilled, me for the „Teapot Dram“ a marriage of some sherry casks at cask strength. Lovely stuff. So all in all I very much enjoyed my stay at Glengoyne. Its a lovely place with a very well done visitor center and dedicated staff. You can feel its a professional touristy place but still it does not feel too spoiled for me. Lets hope things don’t change for the worst in the future. As for the whisky it is pleasant but definitely not a „in your face“ whisky. Fans of Talisker and Glendronach will have to put some work in one of their bottlings before they will find something. But if you do, you might be positively surprised. Well, it’s a fascinating world isn’t it? If you ever pass Glengoyne I would definitely recommend a visit. We end our malt mission with a lovely journey back to Milngavie not without the traditional getting-lost-for-a-while. With a slowly paced walker like me we take about 3 hours to get back to our bnb, but I have to admit this way has something. Maybe one day in the far future I’ll walk it all by myself. Oh no pun intended but the original name of Glengoyne when it was founded it 1833 was „burnfoot“(2). I will leave you here malt mates while you give this a thought or two.

Résumé: Glengoyne is a beautiful distillery on the west highland way just about ok in terms of tourist-overkill. It’s style lives from the idea and image of patience and relaxedness, so we hope things will stay like this. If you have the patience you might discover your love for this malt. And if you won’t… there`s plenty of alternatives 😉

Slainte!

Leon

Facts (august 2016):
Owned by: Ian Macleod Distillers
Founded: 1833
Capacity: 1.100.000 Liter pro Jahr
Stills: 1 Washstill, 2 Spiritstills
Adress: Dumgoyne by Killearn, Glasgow G63 9 LB (3)
To reach: by bus, by train, by foot (if you are a hiker 😉
Link: http://www.glengoyne.com/
 (1) JACKSON, MICHAEL (2010); MALT WHISKY; LONDON, NEW YORK, MELBOURNE, MÜNCHEN, DELHI: DORLING KINDERSLEY, Seite 97 ff.
(2) Wishart, David (2012); whisky classified, choosing single malts by flavour; London: Pavilion, Seite 148 f.
(3) Ronde, Ingvar (2014); Malt Whisky Yearbook; Shrewsbury: MagDig Media Limited 2014, Seite 11920

Distillery Review 19: Cragganmore – A classic malt

Moin Moin Malt Fans! Zum Entstehungszeitpunkt dieses Artikels lebe ich seit knapp 4 Monaten im Whisky-Himmel in Aberdeenshire im Speckgürtel der Speyside. So kann ich ohne akuten Zeitdruck und Urlaubsstress meine heilige Mission, sämtliche Malt-Whisky Brennereien Schottlands zu besuchen, vorantreiben und auch in die entlegeneren Ecken vordringen. Die Speyside zählt mit über 50 aktiven Brennereien zur dicht besiedelsten Whisky-Region Schottlands und der Welt und als Whisky-Liebhaber fühlt man sich hier wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Die großen Namen wie Macallan, Glenfiddich, Glenlivet und Glen Grant reichen sich hier die Hand und es ist gibt obendrein eine große Menge weiterer Brennereien mit Besucherzentren. Bei einem so großen Angebot fällt es natürlich schwer als einzelne Brennerei herauszustechen. Möglicherweise ein Grund, warum ich mir mit der Speyside schwer tue. Sowohl beim Whisky als auch bei den Brennereien.

Die Cragganmore Distillery wurde von mir lange Zeit schlicht übersehen, da ich aus mir unbekannten Gründen fest davon ausging, Cragganmore besäße kein Besucherzentrum. Ja nun, falsch gedacht! Auf meinen Reisen in den Cairngorm Nationalpark fuhr ich oft genug an dem braunen Hinweisschild „Cragganmore Distillery“ vorbei, das mich eines Besseren belehrte. Und als ich wieder einmal netten whiskyafinen Besuch hatte, fand ich war es an der Zeit Cragganmore einen Besuch abzustatten. Mein Eindruck von Cragganmore vor dem Besuch war Folgender:

Die Brennerei gehört zum Spirituosen Großkonzern Diageo mit dem mein Beziehungsstatus auf „kompliziert“ steht. Cragganmore ist Teil der ursprünglichen „Classic Malts of Scotland“ Reihe, die von Diageo im Gesamtpaket beworben wird (gemeinsam mit Talisker, Lagavulin, Dalwhinnie, Oban und Glenkinchie).  Bislang waren fast alle meine Besuche bei Diageo Brennereien ähnlich verlaufen mit den gleichen Kritikpunkten: Ein striktes Fotoverbot und eine zu uniformierte Firmenpolitik, die den Brennereien ein Stück Identität und Charakter raubt. Mein Eindruck vom Whisky selbst (so gut es geht losgelöst von der ideellen Einfärbung… no pun intended 😉 war soweit positiv. Ich hatte den 12 Jahre alten Standard probiert und ihn unter „guter fruchtiger und äußerst trinkbarer Speyside Malt“ gedanklich abgespeichert.

Schauen wir also, ob der Besuch meine Meinung über die Brennerei ändern konnte. Wäre ja nicht das erste Mal gewesen. Cragganmore liegt fast direkt an der A95 die Keith, Craigellachie, Aberlour und Grantown On Spey miteinander verbindet und sich in weiten Teilen am Fluss der Spey entlangschlängelt. Zu erreichen also nur mit dem Auto (außer ihr gehört zu den Wanderverrückten und  lauft den Speyside Way). Bei der Brennerei angekommen begrüßen uns die typischen Anzeichen einer Malt Whisky Brennerei… Lagerhäuser mit Spuren schwarzen Whisky-Pilz. Die Tour wird von einem jungen Kerl geführt, der uns sehr geduldig und in einem seeehr klarem und verständlichem Englisch (nicht immer üblich in Schottland 😉 durch den Produktionsprozess führt. In unserem Fall eine äußerst geeignete Tour für Whisky-Neulinge, für mich und meine Begleitung etwas einschläfernd. Ein Nebeneffekt zahlreicher Brennerei-Besichtigungen, den ich gerne in Kauf nehme, denn schließlich gibt es bei jeder neuen Führung im Detail etwas Neues zu entdecken! Also in Geduld üben und Augen auf! Für den folgenden Absatz wechseln wir in den Geek-Modus:

Für erwähnenswert halte ich die Verwendung der traditionellen Worm Tub Condenser, spiralförmiger Kühlröhren in außenliegenden Kühlwassertanks, die angeblich durch ihren höheren Kupferkontakt einen angenehmeren Brand erzeugen sollen. Nur noch sehr wenige Brennereien in Schottland arbeiten mit diesen Kühlsystemen, da deutlich ineffizienter sind, als die modernen Tube-Condenser und somit der Brennerei teuer zu stehen kommen. Auch die Brennblasen/Pot Stills sind scheinbar auf einen milden Brand ausgerichtet. Ihre Hälse gehen ein Stück über den Lyne-arm und enden dann abrupt (ich würde Euch ja gern Fotos zeigen… aber wie bei Diageo üblich war dies untersagt). Dies führt wohl zu einem erhöhten „Reflux“ einem Effekt durch den schwere Anteile des Dampfes zurück in die Brennblase fallen und erneut destilliert werden. Die Meinungen gehen wie so oft in diesem Fall aber auseinander, daher erwähne ich es nur, erhebe aber keine Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Der Middlecut wird nach ca. 20 Minuten bei 69 % Vol. bis 54 % Vol. geschnitten. Etwas schade finde ich, dass der Großteil des Whiskys von Cragganmore in Diageo-Lagerhäusern nahe Edinburgh lagert und nicht vor Ort. Dennoch reifen in den 4 Lagerhäusern vor Ort ca. 30.000 Fässer. In eines eben dieser endete die Tour und belohnte uns mit einem überwältigendem Angles Share. Ein Geruch von dem man wirklich nie genug kriegen kann. Dafür ein großes „Thumbs Up“!

Große Teile das Whiskys gehen in die Blends Old Parr, White Horse und Johnny Walker. Auch wenn mir dieses Tatsache nach wie vor das Herz bluten lässt, rufe ich mir wieder einmal ins Gedächtnis, dass wir es heute dem Blended Scotch Whisky zu verdanken haben, dass Whisky überhaupt zu seinem weltweiten Ruhm kam und wir heute in Deutschland eine so reiche Auswahl an Single Malts genießen dürfen. Aber ich schweife ab…

Was halten wir also von unserem Besuch bei Cragganmore? Für mich war es ein gutes Beispiel einer „Einsteiger-Brennerei“. Das Besucherzentrum besteht aus einem kleinen übersichtlichen Shop, etwas lieblos eingerichtet für meinen Geschmack. Über Touren urteile ich generell ungern, da sie stark vom Guide und der Tagesform abhängen (davon kann ich ein Lied singen). Vom subjektiven Eindruck her bietet Cragganmore das Standardprogramm, wird aber den versierten Whiskyfan nicht von den Socken hauen. Wer ein Fan der Marke ist, sollte vorbeischauen. Alles in Allem haben sich meine Vorurteile in diesem Fall bestätigt. Das Beste an der Brennerei ist in meinen Augen die 12jährige Standardabfüllung, ein hervorragender Whisky mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis. Tolle Fruchtaromen (bei mir meist helle Äpfel) spielen mit einer nicht-ganz-so-Speyside-typischen Würzigkeit und zarten Eichen- und Rauchnoten.

Fazit: Cragganmore bietet ein Standardprogramm, das lediglich mit den Worm-Tubs und dem Lagerhaus Highlights setzen kann. Das beste an der Brennerei ist für mich der Whisky. Und darauf kommt es am Ende ja an ;).

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Oktober 2016):
Eigentümer: Diageo
Gegründet: 1869
Kapazität: 2.200.000 Liter (Rohbrand)
Stills: 2 Wash Stills, 2 Spirit Stills
Adresse: Ballindalloch, Moray AB37 9 AB
Region: Speyside
Erreichbar: Mit dem Auto
Link: https://www.discovering-distilleries.com/cragganmore/

*Ronde, Ingvar (2015): Malt Whisky Year Book 2016; Shropshire: MagDig Media Limited, Seite 89