Es hat wieder im Hafen gerummelt!

Am Donnerstag den 11. Oktober durften wir mal wieder den Hafenrummel in Bremen entern! Schwerpunkt des Whisky Tastings war diesmal das Thema „Highland Whisky“ und so gab es vier schmackhafte Ausflüge in die unterschiedlichen Regionen des schottischen Hochlands.

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Wir starteten unsere Reise im hohen Norden mit dem oft unterschätzten Clynelish 14 Jahre, einem voluminösen und dennoch extrem süffigen Single Malt Whisky mit tollen Apfel- und Bienenwachs-Aromen!

Um diesen starken Start noch zu toppen, landeten wir anschließend am südlichen Ende Schottlands bei der Glengoyne Distillery und legten mit dem 21jährigen Vertreter tüchtig nach. Ein sagenhafter Malt Whisky aus den besten Oloroso Sherry Fässern!

Dann rissen wir das Ruder herum und wechselten den Kurs gänzlich Richtung Nord-Osten ins Grenzgebiet der Speyside. Wer hier einen milden, eindimensionalen Whisky erwartete, dem wurde vom Glenglassaugh Revival ordentlich der Scheitel gezogen. Trotz der Jugend der Standardabfüllungen der erst 2008 wiedereröffneten Brennerei, zeigt der Revival, dass man mit den richtigen Fässern ein Feuerwerk zünden kann! Bourbon, Sherry und Rotweinfässer vereinen sich zu einem der ungewöhnlichsten Küsten-Whiskys Schottlands.

Last but noch least konnte Schottlands „kleines Juwel“ noch einmal glänzen und mit einer Single Cask Abfüllung von Edradour aus dem Sherry Fass das I-Tüpfelchen auf einen gelungenen Abend setzen! Fassstärke versteht sich!
Wir hoffen, Ihr hattet genau so viel Spaß wie wir!

Slainte!

Eure Malt Mariners

Whisky Review 02: Texel Single Malt

Heute verkosten wir den „Texel Se Whisky – Single Smoked Malt“.
Der Single Malt stammt von der Distilleerderij de Lepelaar, auf der Insel Texel in den Niederlanden.

Facts:
Texel Se Whisky – Single Smoked Malt, 42 % vol., Oloroso Sherry Cask, Medium Toasted Cask, Dist.: 13.10.14 – Bottled: 17.04.18, „Distiller“ war Joscha und es hat an dem Tag geregnet :D… Wie süß.

Distillery Review 26: Dalmore – Ein Luxusproblem

Heute möchte ich auf meinen Brennerei Besuch bei Dalmore zurückblicken und ein paar Eindrücke mit Euch teilen. Und wie so oft stehe ich vor einem Dilemma. Nach rund 70 Brennerei-Besuchen verblassen die Einzelheiten über den Produktionsprozess und es bleiben eher die einzigartigen Eigenschaften und Gimmicks einer Brennerei übrig. Verzeiht mir also, wenn ich in diesem Artikel nicht stark auf den Produktionsprozess eingehe.

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Meinen Beziehungsstatus mit Dalmore setze ich mal auf „es ist kompliziert“. Die 15 und 18jährigen Abfüllungen, die ich bis zum Zeitpunkt meines Besuchs 2016 probiert hatte, hatten mich bodenlos enttäuscht. Zu dünn, zu wenig komplex für das Alter und zu wenig Wumms für den Geschmack eines „Highlands- and Islands“ Whiskyfreunds wie mich. Und dabei wünsche ich mir noch heute Dalmore in mein Beuteschema, arbeitet die Brennerei doch schließlich mit vielen spannenden Sherry-Fässern und hat eigentlich einen Highland-typischen schweren Grundcharakter mit Tabak und Gewürznoten. Vielleicht war ich gerade deswegen von Dalmore immer etwas enttäuscht, da ich mit dem Potential der Brennerei vor Augen immer mehr von ihr erwarte, als sie bislang aufs Parkett bringt. Diese Haltung, gepaart mit dem Wissen um die regelmäßigen Luxusabfüllungen wie etwa Dalmore Trinitas, ließen mich als Skeptiker in die Brennerei marschieren.

Dalmore liegt für „Highland-Verhältnisse“ relativ günstig. Die Brennerei ist in 30 Minuten über die A9 von Inverness zu erreichen (gleich neben Morrisons) auch mit Bus und Bahn. Mein erster Besuch endete allerdings schnell, da man mir im Visitor Center eine Absage für den gesamten Tag erteilte, alle Touren wären gebucht, ich solle an einem anderen Tag wiederkommen. Dies bescherte mir später eine spontanen Besuch bei Balblair, über den ich noch heute glücklich bin. Aber das ist eine andere Story!
Springen wir also zum Besuchstag. Die Brennerei selbst liegt im Grunde direkt am Meer, man blickt auf den Cromarty Firth und seine Ölbohrinseln.

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Das Visitor Center ist klein und spartanisch eingerichtet. Viel Stein. Alles wirkt irgendwie kühl und abweisend. Kein Whisky-Merch zum mitnehmen, nur ein paar Dalmore-Abfüllungen im Glas-Display. Für einen Kurzbesuch ohne Tour eignet sich das Visitor Center daher nicht. Wir buchen die Standard Tour für satte 8 £. Wir sind leider die Einzigen auf der Tour, einerseits toll, da wir so eine persönliche Betreuung erhalten, andererseits sehe ich die Guides lieber im Einsatz mit einer Gruppe. Gut ein Luxusproblem. Die Guidess erkennt schnell, dass wir uns bereits gut auskennen und geht daher eher auf die Besonderheiten ein. So etwas weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe auch Touren gemacht, bei denen der Guide trotz Solo-Tour den üblichen Monolog runtergerattert hat und nicht auf Fragen einging. In meiner Zeit als Tour Guide bei Glendronach habe ich mich immer über Interessierte kleine Gruppen gefreut und es dann einfach persönlicher gemacht. Aber jeder Guide geht damit anders um. Leider sind Fotos bei Dalmore absolutes Tabu, wir müssen sogar unsere Handys und Kameras im Auto lassen. Ein Minuspunkt gleich zu Beginn.

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Glücklicherweise ging es nun stetig bergauf. Die schönen Holz-Washbacks halten den Wash für ca. 50 Stunden zur Vergärung, bevor er ins Still-Haus wandert. Hier staunen wir nicht schlecht. Das Still-Haus ist wirklich sehenswert. Die äußerst ungewöhnlichen Brennblasen von Dalmore lassen das Nerd-Herz höher schlagen. Wie bei der Geschwister-Brennerei Fettercairn lässt Dalmore Wasser an den Brennblasen herablaufen, angeblich soll somit der Kupferkontakt zwischen Alkoholdämpfen und Still-Wand erhöht werden. Auch die gestutzten Tops der Brennblasen erregen Interesse. Wir sind allein und dürfen ausführlich mit dem Stillman schwatzen. Die Führerin lässt uns Zeit, drängelt nicht, wir haben aber sowas immer im Blick und wollen die Leute nicht ewig von der Arbeit abhalten. Wir sind schließlich zu Gast. Pluspunkt aber an dieser Stelle. Weiter geht es in einen eigens kreierten Display Raum in dem Whisky unterschiedlichen Alters ausgestellt sind und Geruchsproben der Foreshots, Middlecuts und Feints (die drei Teile der Destillation, nur das Herzstück wird in die Fässer gefüllt, der Rest neu destilliert). Ein tolles Gimmick für Whisky-Enthusiasten! Auch das Lagerhaus lässt kaum Wünsche offen, wir sehen die unterschiedlichsten Sherry-Fass Typen, mit vielen verschiedenen Ursprüngen. Hier wären wir am liebsten geblieben. Wieder einmal muss ich daran denken, dass die meisten dieser Schätze es entweder gar nicht zum normalen Genießer schaffen werden, oder nur unter gemischt und auf 40 oder 43 % vol. herunter gewässert. Schade, denn allein der Angles Share lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Was für ein Geruch!

Mit diesem Hochgefühl im Bauch, beenden wir die Tour in einem separaten Verkostungsraum mit einem Glas Dalmore 12 und einem schönen Video. Der Dalmore 12, den ich hier tatsächlich zum ersten Mal probiere, schmeckt mir besser als die älteren Vertreter. Das Ambiente wird hier seinen Beitrag leisten. Wir sind rundum glücklich und froh, doch noch den Weg zu Dalmore gemacht zu haben.

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Fazit: Dalmore ist einen Besuch wert, besonders für Fans der Marke. Es gibt viel zu sehen, riechen und anfassen, was die Tour zu einem Erlebnis macht. Für mich bleibt die Firmen-Politik ein schwieriges Thema, aber am Ende nennen wir das Kind beim Namen und bei dem was es ist: Ein Luxusproblem.

 

 

Wir sehen uns on the road…

Euer Leon

 

Distillery Review 23: Amrut Distillery

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The Amrut Triple Treat!

„Indien… Schließt die Augen und sagt einmal… Indien.“ Bei diesem Zitat werden Viele von euch auch an das Dschungelbuch denken und weniger an Whisky ;). Nachdem mich meine Whisky-Reisen bislang „nur“ nach Schottland und Co. geführt haben und Indien doch ein Stück weiter entfernt ist, freute ich mich sehr über die Möglichkeit, an einem Amrut Whisky Tasting in Bremen teilnehmen zu dürfen. Kirsch Whisky hatte als neuer Vertriebspartner für die indische Amrut Distillery in Deutschland in die Lemon Lounge geladen. So nutze ich gern die Gelegenheit die Brennerei an Hand des Tastings vorzustellen und etwas zu berichten, was es Spannendes zu hören und schmecken gab! Vertreten wurde Amrut von Ashok Chokalingam.

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Ashok Chokalingam – Fotograph: Maik Ahlers

Ashok ist derzeitig „Head of International Operations“ und bereiste als Marken-Missionar in den Gründerjahren der Brennerei die ganze Welt. Für manch einen neu: Indien ist weltweit führendes Land in Sachen Whisky Produktion und Konsum. Ashok scherzte mit einem Augenzwinkern „The indian people drink more Johnnie Walker than is produced“ und spielte so auf Fälschungen und Imitate an. 7 von 10 der meist getrunkenen Whisky Marken sind indischer Whisky (1. Officers Choice, 2. McDowells No. 1 und erst auf Platz 3 Johnnie Walker!)*. Große Teile des indischen Whiskys werden jedoch aus Melasse (Zuckersirup) hergestellt und würden bei uns wohl eher unter der Kategorie Rum erfasst. Verständlich also, dass der Ruf von indischem Whisky vor Amruts Pionierarbeit zwischen „schlecht“ und schlichtweg „nicht vorhanden“ angesiedelt war. Ashok stand also vor der Aufgabe, die kritischen Nasen dieser Welt vom Amrut Single Malt zu überzeugen. Dies erreichte er mit Erfolg, wie wir heute wissen, durch Blind-Verkostungen. Ohne die „Brandmarkung“ (no pun intended) wurde der junge indische Whisky von vielen Scotch-Genießern als älter und reifer eingestuft und eroberte so über die Jahre die Herzen der Whisky-Fans und die internationalen Märkte. Interessanterweise startete der Verkauf des Amrut Single Malts 2004 außerhalb der indischen Heimat Bangalore… nämlich in Schottland! Mit dieser Ansage machte Amrut unmissverständlich klar, wohin die Reise gehen sollte. Die Single Malts sollten sich von den Fusel-Whiskys abheben und in der internationalen Top-Liga mitspielen. Und die Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 2005 erzielte Amrut in der Jim Murray Whisky Bible über 80 Punkte, der Amrut Fusion wurde mehrfach ausgezeichnet und sogar als „third best whisky in the world“ betitelt. Heute hat Amrut ein soliden Ruf in der Szene und weitere Brennereien wie Paul John sind dem guten Beispiel gefolgt und arbeiten an der Etablierung des Begriffs „Indian Single Malt“ als Qualitätsmerkmal.

Ein guter Grund also bei ein paar guten Drams Ashoks Erzählungen zu lauschen. Sein Fachwissen zur Destillation und Fassreifung ist bemerkenswert, nicht verwunderlich, studiert er doch am Institut für „Brewing and Distillation London“. Wieder einmal ärgerte ich mich darüber, in der Schule im Fach Chemie nicht aufgepasst zu haben! Kinder macht eure Hausaufgaben! Ihr wisst nie, wozu es später mal gut ist ;). Ein wichtiger Aspekt des Tastings war natürlich das Thema Fassreifung, die beim Whisky den Großteil der Aromenbildung ausmacht. Bei indischem Whisky haben wir es mit einem Sonderfall zu tun, da die Fassreifung durch das indische Klima beschleunigt wird und somit ein 5 Jahre alter indischer Whisky teils mit einem älteren Scotch verwechselt werden kann. Durch die starken Temperaturschwankungen arbeitet bzw. atmet das Fass intensiver, soviel gilt als gesichert. Der hohe „Engels-Anteil“ (Verdunstung) von 10 – 12 % führt aber auch zu einem höheren Verlust und einer Erhöhung des Alkoholanteils im Fass. Im schottischen Klima hingegen sinkt der Alkoholanteil (bei ca. 2 % angels‘ share) über die Jahre, dafür verlieren die Schotten aber auch weniger Whisky pro Jahr. Für die Inder liegt Fluch und Segen auf der Hand: Der Whisky nimmt schneller Aromen auf, verflüchtigt sich aber auch zügiger. Eine junge Abfüllung in die Flaschen ist die Folge. Ob die Fässer jedoch in der kürzeren Zeit auch die Schärfe aus dem Rohbrand ziehen können, bleibt für mich eine interessante Frage. Die Inder sagen „ja“ die Schotten (tendenziell) eher „nein“. Wo man bei dieser Diskussion steht, muss jeder mit der eigenen Nase beantworten. Wichtig ist am Ende eben doch nur was der Whisky in der Flasche kann! Meine Sinne haben die Amrut Abfüllungen jedenfalls bislang überzeugen können. Gemeinsam mit anderen Whiskys aus klimatisch ähnlichen Ländern (siehe Kavalan aus Taiwan oder Paul John aus Indien) zeigen die jungen wilden Asiaten, dass es auch anders geht. Die exotischen Aromen gepaart mit schottischem Torfrauch bilden bei Amrut eine attraktive Abwechslung zu den schottischen Gassenhauern. Wir Maltheads lieben eben die Vielfalt!

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Ashok Chokalingam – Fotograph: Maik Ahlers

Und gerade der Amrut Fusion der mit 25 % schwer getorfter schottischer Gerste und 75 % indischer Gerste eine „Fusion“ beider Whisky-Kulturen ist, dient mir in den Tastings oft als gutes Beispiel. Mit 50 % vol. bringt er einiges auf die Waage. Amrut verzichtet generell auf Färbung und spart sich bis auf die 40 %er auch die Kühlfilterung. Ein weiterer Fakt, der lobenswert erwähnt werden kann, ist die Batch-Markierung. Auf der Rückseite der Fusion-Flaschen kann man nachlesen, mit welchem Batch man es zu tun hat. Dass man bei so viel Transparenz noch mit ca. 40 Euro Ladenpreis davonkommt, ist heute im „exotischen“ Whiskyraum keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch der „Peated“ den ich beim Tasting erstmalig im Glas hatte, hat mir sehr gut gefallen! Ein cremiger Malt mit einem tollen süß-würzigen Rauchfeuer im Abgang.

Alles in Allem kann ich die Amrut-Abfüllungen nur wärmstens empfehlen, insbesondere wenn man nach einer exotischen Abwechslung sucht und dafür nicht all zu tief in die Taschen greifen kann. Ich bin sicher, dass der Indian Single Malt bald als Begriff dem Japanese Whisky Konkurrenz machen wird. Im Preiskampf liegen für mich derzeit die Inder jedenfalls weit vorne, ohne an der Qualität zu sparen. Wir dürfen gespannt auf die weitere Abfüllungen sein und ich freue mich schon auf meine nächsten Amrut-Entdeckungen!

In diesem Sinne… Slainte (oder Cheers!)

 

Euer Leon

 

Fakten (Stand Juli 2017):
Eigentümer: Jagdale Group (Familienbesitz)
Gegründet: 1948 (Single Malt Release 2004)
Produktionsvolumen pro Jahr: 200.000 Liter pro Jahr
Adresse: Bangalore (?)
Bedeutung: „Elixier des Lebens“/ „Elixier der Götter“
Link: http://www.amrutdistilleries.com/
*Quelle: Ronde, Ingvar (2016): Malt Whisky Year Book 2017, MagDig Media Limited 2016, Shrewsbury, England, Seite 290

Captains dram today… The Speyside 1995

Captains dram today…
The Speyside 1995, 20 Jahre alt, 54,4% vol. – unabhängige Abfüllung von Anam na h-Alba.
Wie schön, dass Whisky nie aufhört zu überraschen und Lektionen in Demut zu erteilen. Diesen, in der Nase fast beerigen, dunkelfruchtigen Malt hätte ich blind definitiv zu den Sherry oder sogar Port Fässern sortiert. Pustekuchen! Wir haben ein Bourbon Fass vor der Flinte. Mit stolzen 20 Jahren. Auf der Zunge cremig kleidet der Whisky butterweich den Mundraum aus und schiebt dann sanft die Eiche ins Bild. Toll! Hinzu kommen feine Karamell-Noten und im Finish feine Zartbitterschokolade. Überraschend wenig Schärfe für die Umdrehungen. Ein komplexer Malt Whisky an dem man lange sitzen kann! 110 € für 20 Jahre erstklassige Fassstärke, Preis-Leistung stimmt in meinen Augen. Nom nom nom!

Hier der Link zur Buddel und zu mehr Tasting Notes:
http://anamnahalba.com/shop/shop/index.php?main_page=product_info&cPath=4&products_id=143

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Distillery Review 22: Stauning Distillery

DSC_2287Dank einem Kurzurlaub in Dänemark konnten wir einen scheuen Blick auf die Stauning Distillery werfen. Nachdem Whisky-Papst Jim Murray den „Peated“ von Stauning mit einem Ardbeg aus den 70ern verglich, eilt der gute Ruf der Brennerei voraus. Allzugern würden wir diese Behauptung überprüfen 😉. Leider konnten wir vor Ort keine Tour buchen, somit haben wir nur Impressionen vom Visitor Center und den Gebäuden.
Die Landschaft des Westjütlands ist ambivalent. Im Innland muss man aufpassen, nicht auf den kilometerweiten Geraden einzunicken, die Küsten sind hingegen mit schönen Dünenlandschaften geschmückt, die wir von den norddeutschen Inseln wie Amrum und Föhr kennen. An einer dieser Geraden liegt die Stauning Distillery (zufällig nahe des Ortes Stauning).

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Stauning hat das selbe Schicksal wie viele andere junge erfolgreiche Brennereien ereilt, das selbe Luxusproblem. Die Nachfrage nach ihrem Whisky ist deutlich schneller gewachsen, als ihre Produktion. Es gibt nur wenigen fertigen Whisky (Peated, Traditional, ungetorft und einen jungen Rye), der durch die Knappheit unverhältnismäßig teuer ist und im deutschen Markt derzeit nicht verfügbar. Der Distillery Only, eine 25 cl Flasche im PX-Fass gereiften Malt Whisky kostet stolze 54 Euro (umgerechnet auf eine 70 cl Buddel über 150 Euro). Für einen drei Jahre alten Whisky ein stolzer Preis. Nachdem 2012 die Brennblasen erneuert wurden, bleibt der Brennerei vermutlich aber nicht viel anderes übrig.

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Der dänische und internationale Rückenwind, mit dem die Brennerei derzeit der Zukunft entgegensegelt, hat den Großkonzern Diageo auf das kleine Unternehmen aufmerksam gemacht. Diageo investiert nun laut dem Malt Whisky Yearbook 2017 rund 10 Millionen Pfund in die Erweiterung der Brennerei deren Jahresproduktion so von 15.000 Liter auf 800.000 Liter explodieren soll. Hoffen wir, dass die Dänen bei dieser Aufrüstung ihre authentische Art erhalten können. Bislang bezieht die Brennerei nämlich alle Materialien aus Dänemark (Wasser, Getreide und Torf) und mälzen selbst vor Ort. Sie brennen auf kleinen Alembic-Brennblasen, einem Typ mit dem ich bislang keine guten Erfahrungen machen dürfte.

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Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen nicht streiten. Wer aber nach einem klaren Statement fragt: Ich persönlich finde, dass die Erzeugnisse gemessen an ihrer Destillationsart und vergleichbaren Unreife passable Baby-Whiskies sind. Nichtsdestotrotz stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis für mich einfach nicht. Daher würde ich mir derzeit aus Genießersicht wohl keine Flasche zulegen. Wir drücken der Brennerei die Daumen, dass es weiter bergauf geht und die größeren Kapazitäten den Whisky auch im deutschen Markt verfügbar und erschwinglich machen! Dann kommen wir auch gern noch mal für eine Tour wieder.

Slainte!

Eure Malt MarinersDSC_2366

Due to a short trip to Denmark we paid the Stauning Distillery a quick visit. Since whisky pope Jim Murray compared the peated version of Stauning with a seventies style Ardbeg the distilleries reputation has constantly grown. If anybody want to share and old Ardbeg with us to prove him right, we’re more then happy to fulfil our duty ;).
Unfortunately we could not book a tour so our impressions are limited to the visitor center and the buildings of the distillery. The landscape to the western Jutland of Denmark is quite ambivalent. On the never ending straight roads you need to be cautious not to fall asleep while the forests and dune areas near the coast are stunningly beautiful (quite similar to the northern isles of Germany).
Stauning Distillery is situated on one of those plane boring straight roads (not far away from the coastline though) near the village of Stauning. Like many other young and progressive distilleries they struggle with the demand exceeding their production capacities and matured malts by far. The result is young whisky with shocking prices. As standard bottlings we are looking at a peated and unpeated malts (generally matured in ex-bourbon barrels) and a young rye whisky. A distillery exclusive matured in PX casks carries a 54 € pricetag for a 25 cl bottle which makes it over 150 € worth for a standard whisky bottle of 70 cl. Good stuff for a three year old no doubt, but not THAT good.
Since the distillery has run through a lot of changes as for example an exchange of the stills in 2012 they seem to have no choice.
The huge success locally and international has attracted the spirits giant Diageo to buy in the distillery with about 40 %. They are investing massively in the expansion of the small Danish project, currently having a capacity of 15.000 liters per annum. With the new buildings and stillhouse ready to rumble in (as planned) 2018 the capacity will explode up to 800.000 lpa with 26 working stills (currently 4). Talking of stills. As you can see on the pictures they run alambic stills, originally from southern European countries like Portugal and Spain. Whiskies made from these kind of stillt never really floated my boat. Since Diageo is having their hands on the project we hope that they can keep up with the local and authentic Danish spirit (pun intended). Up to now they produce on 100% local ingredients (water, barley, rye and peat) and malt their stuff in their own little malt barn.
So hows the whisky then? If you ask me, which by reading this you can’t get around it, they did a pretty good job considering what they had to start with. For a three year old whisky made on alambic still, the rye and the peated are OK. But 85 (rye) – 120 Euro (peated) are no prices for “OK” whiskies but for premium high end stuff. And that’s where I see the problem here. No buy for us in this case.
Nevertheless we wish all the best for this heroic Danish enterprise that seems to have done a lot of things right on the way. And we very much hope that its going well in the future so we’ll see some affordable and well matured versions of Stauning on the german market in a few years time! We will happily come back for a tour next time!

Slainte!

Your Malt Mariners

Captains dram today… Box Dalvve

Captains dram today…
„Box Dalvve“ aus Schweden mit 46 % vol. In der Nase etwas vertraut Hellfruchtiges, Zitrusartiges mit etwas Bitterkeit (mit Fantasie ne Grapefruit?) dazu etwas Zuckerwatte. Sehr nahe am Rohbrand.
Gaumen: scharfer Antritt, sehr scharfer Abgang. Holla die Waldfee. Der braucht Wasser. Nach ein paar Tropfen versöhnlicher, ich bleibe bei der Grapefruit (bin kein Fan von Grapefruits). Ein Hauch Eiche klopft an. Abgang kurz und leicht bitter. Kann man mal machen. 70 Euronen würd ich dafür aber nicht lönen wollen. Skandinavien bleibt eine Herausforderung für uns.

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Distillery Review 21: Arran

Moin Moin Malt Fans!
Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder mit einem Distillery Review zu Wort! Es gab viel zu tourn, viele Tastings zu organisieren, neuen Job zu suchen und nun steht auch noch ein Umzug vor der Tür! Aber schließlich muss hin und wieder auch einmal Zeit sein, die Handbremse zu ziehen, die Füße aus dem Beifahrerfenster zu stecken und sich die schottische Seeluft um die Käsefüße wehen zu lassen. Zumindest im Kopf und im Herz. Die Straße ist nur so gut, wie die Pausen die man macht. Long Story Short. Wir halten mal wieder bei einer Brennerei (viele Herzchen einfügen ;)…

dsc_47862015 führte mich mein Weg auf die Insel Arran und ihre gleichnamige Brennerei, als ich neun wundervolle Wochen in Schottland unterwegs war. Arran ist vom Edinburgh Airport aus betrachtet die am einfachsten zu erreichende Insel Schottlands. Mit dem Bus ist man in einer knappen Stunde in Glasgow, von dort in ebenfalls einer guten Stunde am Pier Ardrossan. Von hier bringt einen die Fähre direkt nach Arran (Überfahrt ca. eine Stunde für weniger als 27 €). Wenn man also früh genug loslegt, hat man noch einen knappen Tag für eine Inselrundfahrt. Arran ist traumhaft schön und eröffnet sozusagen die schottische Westküste. Man sagt Arran nach, es sei eine „Schottland-Miniatur“, da die Insel sowohl Highland als auch Lowland-Gebiete aufweist. Die Flora und Fauna der Insel ist ebenso dsc_4891abwechslungsreich und so begegnet man oft den verschiedensten Tieren auf seinen Touren. So hatten wir das Glück mehrmals Steinadler in freier Wildbahn beobachten zu können, ein Fernglas im Gepäck kann sich also als nützlich erweisen! Steinadler… Eine passende Überleitung zur Insel-Brennerei. Diese musste nämlich beim Bau pausieren, um das in der Nähe nistende Steinadler-Pärchen nicht bei der Brut zu stören. Offensichtlich mit Erfolg, denn die Zwei sind geblieben. Und so schmücken sie heute die Flaschen der Arran Distillery. Diese schmiegt sich pittoresk an den Highlandgürtel in Lochranza einem kleinen Ort mit einer Hand voll Häuser, darunter ein Hostel in Laufweite zur Brennerei. Zu unserer Freude verfügte das Hostel auch über Einzelzimmer und so konnte ich und meine zauberhafte Begleitung damals unsere Zeit auf der Insel in Ruhe genießen.

Machen wir uns also ausgeschlafen und voller Tatendrang auf den Weg zur Brennerei! Nachdem die Arran Distillery erst 1995 das Licht der Welt erblickte, erwartet uns natürlich kein Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Visitor Center ist großzügig gestaltet, mit einem tollen gut bestückten Shop und einem Besucher-Cafe. Eine sehr gute Entscheidung wie ich finde, da ich auf meinen Schottland-Reisen oft und gern in die Bredouille gerate, die nicht-flüssige Nahrungsmittelaufnahme sträflich zudsc_4845 vernachlässigen. Und als fränkischer Hobbit habe ich oft und gern etwas im Magen! Gesagt, getan. Mit Kaffee und Kuchen versorgt, geht es gut gelaunt auf die Tour. Wir starten in einem nachgebauten alten Cottage, wo wir uns einen kleinen Werbefilm reinziehen dürfen. Etwas zu touristy für meinen Geschmack, aber der 14-jährige Arran der uns zum Auftakt serviert wird Hand besänftigt mich sofort. Damit bin ich schonmal in beste Stimmung versetzt, auch wenn der 14er nicht mein Lieblings-Arran ist und werden wird. Die Tour ist klasse, wir gehen mit dem äußerst sympathischen Schotten durch die üblichen Produktionsprozesse. Wir Ihr sehen könnt, sind Fotos durchweg erlaubt. Alle Daumen hoch dafür! Einzig den Lagerhausbesuch am Sdsc_4818chluss vermisse ich. Angekommen im wunderschönen Tasting-Room werfen wir einen Blick auf ein paar Falschen mit unterschiedlichem Reifegrad vom Newmake, zum 1 und 2 Jahren alten Young Malt, bis hin zu einer verkaufsfertigen Abfüllung. Sehr gelungen. Das Tasting fällt ebenfalls großzügig und persönlich aus. Wir probieren sogar eine Reihe limitierte Abfüllungen und verlassen Arran im Rausch der Sinne und können nicht anders, als die Brennerei fest in unser Herz zu schließen. Ein Besuch der Insel und der Brennerei ist jeden Cent wert und äußerst empfehlenswert in meinen Augen. Wiedermal festige ich meine Haltung, dass man SO einen Whisky und seine Marke effizient und gleichwohl liebevoll verkauft.

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Ein paar letzte Worte zum Whisky von Arran. Allen vorweg nehme ich gern den 10-jährigen Arran, die Standardabfüllung. Die gelungene Mischung aus Refill-Ex-Sherry (50 %), Firstfill-Ex-Sherry (25 %) und Firstfill Ex-Bourbon Fässern, kreieren einen süffigen Insel Malt, mit tollen intensiven hellen Früchten und leichten maritimen Inselaromen. Wirklich ein Whisky zum (zu) viel und schnell trinken. Ein „gefährlicher“ Whisky wie ich sie nenne. Trotz „Einsteiger“-Kategorie mit 46 % Vol. ungefärbt und nicht-kühlgefiltert abgefüllt. Mit ca. 30 Euro bringt er somit ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Waage. Einziges Manko, das ich bisher feststellen konnte: Eine Flasche davon hat mir einmal nach nichtmal drei Monaten bei geschlossenem Korken etwas an Aroma eingebüßt. Das sollte eigentlich nach so kurzer Zeit nicht passieren. In der Regel wir eine Flasche davon aber ohnehin nicht alt werden!

Generell hat Arran eine tolle weite Range, wie ich sie liebe. Eine klassische Reihe Age-Statements 10, 12 (Fassstärke), 14 und 18 Jahre, dazu eine NAS-Finish Serie (ohne Altersangabe) mit aktuell Port-, Madeira- und Sauternes-Nachreifungen und eine kleine Raucher-Abteilung namentlich zur besseren Orientierung abgegrenzt mit dem Namen „Machrie Moor“ (in Trink- und Fassstärke zu haben). Im Einsteiger- Segment bedient Arran die Supermarktregale mit günstigen Abfüllungen wie dem Lochranza Reserve (ca. 25 €) und einem Robert Burns Blend und Single Malt (für ca. 15 € und 25 € zu haben), als Förderer dedsc_4797r „World Burns Federation“ darf Arran als einzige Brennerei das Bildnis und die Unterschrift des schottischen Nationaldichters auf dem Label tragen. Wer eine Alternative zum irischen Baileys sucht, dem kann ich den Arran Cream Liquer wärmstens empfehlen, diese flüssige Kalorienbombe ist eine Sünde sondersgleichen! Auch den Highend Markt lässt Arran nicht links liegen, so veröffentlichen Sie regelmäßig Sonderabfüllungen wie den „The Devils Punch Bowl“ und experimentellen Finishes wie dem Calvados Finish, das ich vor Ort probieren durfte. Hoffen wir, dass sich Arran mit seinem kleinen Produktionsvolumen und seinen vielfältigen Abfüllungen nicht übernimmt. Ihr seht also, das Arran Universum allein ist bereits eine Wissenschaft für sich und es wert einen näheren und langfristigen Blick auf diese Brennerei zu werfen.

Der Whisky-Boom und die hohen Besucherzahlen lassen auch Arran nicht unberührt. Jüngst erreichte uns die Information, dass Arran eine weitere Brennerei auf der Insel in Lagg im Süden der Insel bauen wird. Die Lagg Distillery wurde 1837 geschlossen und soll nun den Namen des zweiten Projekts der Arran Distillers tragen. Wir wünschen viel Erfolg und hoffen sehr, dass die große Zahl an neuen Brennereien nicht zu einer erneuten Überproduktion und Übersättigung der Märkte führt, wie wir sie bereits zweimal in der Geschichte erleben mussten. Ende 2018 könnte bereits der neue Brand aus den Pot Stills fließen. Wir halten Euch auf dem Laufenden (no pun intended 😉

Fazit: Arran ist ein junges Projekt, das, wie ich finde, seine Pubertät hinter sich gelassen hat und nun in der Topliga der schottischen Malt Whiskies mitspielen kann. So abwechslungsreich wie die Insel ist auch die Brennerei und die schöne Location, die gastfreundliche Atmosphäre und die riesige Auswahl an Abfüllungen bieten alles was das Liebhaberherz begehrt. Hoffentlich erfreuen Sie noch viele Jahre unsere Nasen und Gaumen!

Slainte!

Euer Leon

Fakten (Februar 2017):
Eigentümer: Isle of Arran Distillers
Gegründet: 1993 (Gründung), 1995 Produktionsstart
Kapazität: 750.000 Liter (Rohbrand)
Stills: 1 Wash Still, 1 Spirit Still
Adresse: Lochranza, Isle of Arran, KA27 8HJ
Region: Inseln/ West Highlands
Erreichbar: Mit dem Auto, mit dem Bus/Fähre
Link: https://www.arranwhisky.com/

*Ronde, Ingvar (2016): Malt Whisky Year Book 2017; Shropshire: MagDig Media Limited, Seite 59