Whisky Review 34: Ballechin Straight from the Cask – Oloroso Sherry Cask No. 17

Paddy teilt mit Leon seinen Geburtstags-Whisky, einen rauchigen Ballechin der „Straight from the Cask“-Reihe aus der Highland-Brennerei Edradour.

Ballechin 2007/2018 SFTC Oloroso Cask No. 17
Typ: Single Malt Scotch Whisky
Region: Schottland, Highlands
Stärke: 60,4% Vol.
Kühlgefiltert: Nein
Gefärbt: Nein
Fassreifung: Single Cask, Oloroso Sherryfass Nr. 17
Destillation: 02.02.2007
Abfüllung: 18.09.2018
Flaschenzahl: 874
Preis: ~70 € (50 cl)

Slainte Freunde!

Distillery Review 31: Lindores Abbey – Zurück in die Zukunft

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners

Moin Whisky-Fans! Mein Name ist Malty MacFly. Mein Freund Leon von den Malt Mariners hat mich gebeten, Euch ins Jahr 2018 zurück bringen. Im Mai 2018 auf seinen Reisen durch Schottland besuchte er die neue Lindores Abbey Distillery in Fife. Er möchte Euch auf die Tour mitnehmen! Glücklicherweise hat mein Freund Professor Christopher MacLeod eine Zeitmaschine entwickelt. Steigt also mit mir in den Lindorean. Keine Angst, es kann im Grunde nichts schief gehen! Richtig MacLeod? „Whaha? Och yer bum’s oot the windae yer wee bawbag! Are ye bloody steamin? Tha middin of a car couldnae hit water if it fell oot of a boot!“…
Äääähm. Das heißt so viel wie „Ja sicher alles in bester Ordnung!“… glaube ich. Alles klar, schnallt Euch an der Reflux-Kondensator läuft schon heiß! ZWWWWWWUUUUSCH. Hui! Was für ein Ritt. Hm. War hier eben nicht noch ein Tesco? Sieht irgendwie nicht aus wie das Jahr 2018. GREAT SCOTCH! Wir sind im Jahr 1494 gelandet!!! Ich hoffe Ihr habt die nächsten 525 Jahre nichts vor…

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Ruinen Malt Mariners
Ruine des Original Lindores Klosters
Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Möche Malt Mariners

Danke Malty MacFly, ich übernehme ab hier. Bitte entschuldigt diesen Ausrutscher von meinem zeitreisenden Kollegen. Nun, da wir schonmal hier sind, im Kingdom of Fife im Jahre 1494 kann ich Euch auch gleich den Grund meiner Reise zeigen. Eben hier wurde nämlich Geschichte geschrieben. Whisky-Geschichte. Würden wir auf den Schreck der Zeitreise nun in der nächsten Schankstube nach einem Whisky fragen, würden wir womöglich leer ausgehen. Wir müssten wohl des Gälischen mächtig sein und nach „Uschke ba“ (geschrieben „uisge beatha“) fragen. Später sollte sich nebenbei bemerkt aus dem Wort „uisge“ das heutige Wort „Whisky“ entwickeln. Vermutlich würde man uns ins nächste Kloster schicken, dort sollten wir nach „Aqua Vitae“ fragen. „Wasser des Lebens“ wie der lateinische Begriff übersetzt bedeutet. Wenngleich mit unserem geliebten schottischen Gold das Aqua Vitae des 15. Jahrhunderts vermutlich wenig gemein hatte, so war es doch ein wichtiger Schritt auf der Whisky-Reise. Vermutlich wurde das reine Destillat mit Kräutern und Honig versetzt, um genießbar zu sein. Dem heutigen skandinavischen Aquavit nicht unähnlich. Richtig! Der Name ist kein Zufall! Denken wir noch einen Schritt weiter heißt auch das französische „Eau de Vie“ nicht anderes als „Wasser des Lebens“. Aber zurück zum Aquavitae, schließlich wollt ihr nach Hause. Dass nämlich bereits 1494 größere Mengen dieses Gebräus hergestellt wurden belegen die „Exchequer Rolls“ dieses Jahres. Dieses Dokument des Schatzmeisters, belegen einen bedeutenden Auftrag des Königs James IV. Das Schriftstück besagt, der Mönch Friar John Cor solle mit „acht Bollen Malz“ beliefert werden zum Zwecke der Produktion von „Aqua Vitae“. Dass John Cor schon im 15. Jahrhundert Whisky herzustellen vermochte, wie wir ihn heute kennen ist sehr unwahrscheinlich. Die Mönche der damaligen Zeit setzten das raue Getreide-Destillat vermutlich zu medizinischen Zwecken ein, doch der Genussfaktor war auch damals sicherlich den meisten „Patienten“ bewusst. Wann genau sich die Kunst der Destillation über Schottland und Europa ausbreitete ist heute nicht eindeutig geklärt, doch das 5. Jahrhundert gilt als heißer Kandidat. Warum ist also nun die Erwähnung der Exchequer Rolls so wichtig? Nun sie weist erstmals die Destillation von Gerstenmalz in größeren Mengen nach, denn die „acht Bollen Malz“ wären heute in etwa genug um 400 Flaschen Aqua Vitae herzustellen. Für die damalige Zeit eine nicht unbeträchtliche Menge und reichlich „Medizin“ für den König nicht wahr?

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners Whisky Tastings
Lindores Abbey Distillery vom Parkplatz aus

So weit so gut. History was made. Der Ort und der Zeitpunkt sind nun also in der Whisky-Geschichte in Stein gemeißelt. Als ich also Wind davon bekam, dass an dem historisch so bedeutsamen Ort eine neue Whisky-Brennerei entstehen sollte, war ich ganz Ohr. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, brauchte es nicht viel Überwindung für mich, die Brennerei letztes Jahr zu besichtigen. Vor meinem Besuch war ich neugierig und hoffnungsvoll nervös. Die Geschichte hinter Lindores Abbey ist zweifelsohne eine mit reichlich Gewicht. Doch eine gute Geschichte macht noch lange keinen guten Whisky. Ich wollte mir ein erstes Bild machen, ob Lindores Abbey sich auf der geschichtsträchtigen Location ausruhen würde, oder ob hier mehr entsteht als ein historisches „Whisky-Disneyland“. Stellen wir uns also nun der Gegenwart und damit der Realität:

Hintergrund: Schokolade und andere Hindernisse

Das Kloster Lindores Abbey wurde im 12. Jahrhundert vom Earl of Huntington gegründet. Die Überreste und Ruinen des Tironenser Klosters sind noch heute zu sehen. 1912 wurde das Gelände und die angrenzende Farm an den Landwirt John Howison verkauft. Der Besitz ging über die Generationen bis zu seinem Ur-Enkel Drew Mackenzie Smith und seiner Frau Helen. Die beiden wollten schon lange eine Brennerei auf dem Gelände errichten und dem Titel des Ortes als „spirituelle Heimat des Scotch Whiskys“ Rechnung tragen. Keine kleine Aufgabe. 2013 schließlich konnte er mit drei europäischen Investoren 10 Millionen Pfund akquirieren. Beim Bau der Brennerei stieß man auf Grundmauern einer alten Molkerei, wohl Teil des Klosters. Die archäologischen Ausgrabungen verzögerten den Bau der Brennerei bis zum Juli 2016. Im Oktober 2017 konnte die Brennerei samt Visitor Center schließlich öffnen. Kurios: Der Schokoladen Hersteller Lindt verwickelte die Brennerei in einen lächerlichen Rechtsstreit um die Namensrechte. Lindt sah ihre Eigenmarke „Lindor“ gefährdet und bedrohte dadurch das Gelingen des Projekts. Glücklicherweise konnte Mackenzie Smith schließlich eine denkbar simple Einigung erreichen. Daher wird es aber niemals eine eigene Schokolade von Lindores Abbey geben. Die Geschichte zeigt aber eindrucksvoll auf wie vielen teils absurden Wegen ein spannendes Projekt wie dieses scheitern kann.

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners Whisky Tastings
Lindores Abbey Distillery mit Blick auf das verglaste Still House

Besichtigung der Brennerei:

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Visitor Center Malt Mariners Whisky Tastings

Wie meist auf meinen Roadtrips begleitete Schottland meine Reise zur Lindores Abbey Distillery mit strahlendem Sonnenschein. Gleich als ich auf den Parkplatz der Brennerei einbog, wurde ich neugierig. Das Gebäude ist eine interessante Collage von neuen und alten Bestandteilen. Von der einen Seite wirkt Lindores Abbey eher verhalten. Von der anderen Seite (der Straßenseite) macht die Brennerei allerdings mächtig was her. Ein schöner Innenhof mit Steinmauern lassen den Eindruck eines Kloster-Innenhofs entstehen. Die hohen Glasfenster den Still Houses erinnern an eine kleine Kirche. Ja. Das Muster ist deutlich und stimmig. Ich betrete das Visitor Center und mein Eindruck wird zementiert. Diese Brennerei ist als Pilgerstätte konzipiert. Der Shop erstreckt sich in eine kleine Halle, die einem Kirchenschiff ähnelt. Kein Zufall. Wenngleich hier alles neu und modern ist, ist doch deutlich der Bezug zur Geschichte zu spüren.

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Visitor Center Malt Mariners Whisky Tastings

Wir beginnen unsere Tour. Ich löse mich mehr und mehr davon, die Touren an Hand der Tour Guides zu beurteilen, denn wenngleich diese maßgeblichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Gäste haben, so sind sie doch sehr wechselhaft. Eine Momentaufnahme ist außerdem selten hilfreich für Euch als Leser, gibt sie doch in der Regel keine verlässlichen Anhaltspunkte auf das eigene Erlebnis vor Ort. Mein Tour Guide gefiel mir nicht sonderlich gut, da er die Tour relativ monoton und „vom Skript“ führte. Ich selbst habe zwar nur 6 Monate als Tour Guide gearbeitet, kann mich also nicht gut in die jahrelange Routine einfühlen, die in diesem Job entstehen kann, jedoch ist Lindores auch keine sehr alte Brennerei. Etwas mehr Elan wäre daher bei der Führung noch zu erwarten. Viel wichtiger und interessanter finde ich den Aufbau der Führung und die Gestaltung der Gebäude. Denn boy oh boy bekommt man hier etwas zu sehen. Selbst ohne Tour Guide wäre eine Besichtigung der Brennerei jede Reise wert.

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners Pot Stills Brennblasen Destillation
Blick aus dem Still House auf die alte Kloster-Ruine

Das Still House ist wunderbar hell und offen gehalten, die großen Fenster lassen viel Licht herein. Nähert man sich den Brennblasen, so blickt man direkt auf die alten Kloster Ruinen des echten Lindores Abbey auf der anderen Straßenseite! Dieser Anblick von neuen glänzenden Kupferbrennblasen und alten Ruinen, lassen jedes Whisky-Liebhaber-Herz aufblühen. Als Distillery Manager konnte Gary Haggart gewonnen werden, der einst für die Produktion des klassischen Speyside Single Malts Cragganmore verantwortlich war. Die wunderschönen Pot Stills stammen, wie sollte es anders sein, aus der Traditions-Kupferschmiede Forsyths.

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners Pot Stills Brennblasen Destillation
Die Lindores Abbey Pot Stills – aus dem Hause Forsyths

Die Tour führt durch eine kleine Bar (die ebenfalls einen schönen Ausblick auf den Hof hat) weiter ins Lagerhaus. Anders als viele der anderen neuen, jungen Brennereien (wie Torabhaig, Borders und Clydeside) führt Lindores Abbey die Besucher in ihre Lagerhäuser. Diese sind natürlich sehr neu und modern, aber dennoch halten Sie den bekannten Angels Share (Engelsanteil) für unsere Nasen bereit. Im Zuge des fast religiösen Themas der Brennerei, muss ich beim Gedanken an das Wort Engelsanteil schmunzeln. Die Brennerei experimentiert mit unterschiedlichen Lagerbedingungen, ein Vermächtnis des 2017 verstorbenen Whisky-Experten Jim Swan (R.I.P.). Dieser arbeitete eng mit dem jungen Projekt zusammen und forschte mit ihnen an neuen Methoden zur Lagerung von Whisky, unter anderem der Lagerung in Temperatur regulierten Lagerhäusern. Rund 25 % der Produktion von Lindores Abbey reift in diesen beheizten Lagerhäusern. Wir dürfen auf die Ergebnisse in ein paar Jahren gespannt sein. Lindores Abbey hat also weit mehr also nur eine Sehenswürdigkeit zu bieten. Auch aus Whisky-Sicht ist die Brennerei äußerst spannend!

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners Fässer Whiskyfässer Lagerhaus Casks

Die Tour endet in einem kleinen Raum der wie ein Alchemielabor aussieht und wohl auch als solches genutzt wird. Nun erwartet uns wieder die altbekannte Frage: „Was bekommen wir zu trinken“. Schließlich hat Lindores noch keinen fertigen Whisky. Die Lösung von Lindores ist aus meiner Sicht eine gelungene und genau nach meinem Geschmack. Wir bekommen einen Cragganmore 12 Jahre als „Beispiel-Whisky“ eingeschenkt, dazu den New Make Spirit der Brennerei (hervorragend!!). Lindores plant einen leicht getorften Whisky zu produzieren, mit einem gewissen Rauch-Anteil also. Ein ganz besonderes Gimmick ist aber das derzeitige Eigenprodukt der Brennerei. Ganz im Zuge der Whisky-Geschichte stellt Lindores Abbey nämlich, nicht wie die meisten Brennereien Gin oder Wodka her, sondern Aqua Vitae. Die Spirituose ist aus dem klaren Malz Destillat mit Kräutern und Honig versetzt.

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners Aqua Vitae

Na, wer hat aufgepasst? Richtig, genau dies ist aller Wahrscheinlichkeit nach die „Urform“ des Whiskys vergangener Jahrhunderte. Das Gebräu schmeckt obendrein und ist somit für ein geschichtsorientiertes Whisky Tasting der perfekte Einstieg, um die Geschichte des Scotch Whisky zu erläutern. Mein Whisky-Geek und Whisky-Tasting-Veranstalter-Herz schlägt höher. Nach der Tour browse ich noch etwas im Shop (leider muss ich fliegen, sonst hätte es eine Flasche des Aqua Vitae mit nach hause geschafft). Ich runde meinen Besuch mit einem Kaffee im kleinen Cafe der Brennerei ab und spaziere anschließend noch etwas über das Geländer der alten Kloster-Ruine. Genüsslich sauge ich die Ruhe und Geschichte des Ortes in mir auf, bevor ich mich bestens gelaunt wieder auf den Weg zu meinem knuffigen BnB in der Crail Area am Meer mache.

Fazit:

Lindores Abbey ist aus meiner Sicht die perfekt gelungene Kombination von Alt und Neu, von Geschichte und Moderne, von Story-Telling und echtem Handwerk. Bei all den neuen Projekten und Whisky-Brennereien die derzeit aus dem Boden schießen, hat für mich Lindores Abbey im Design der Brennerei den idealen Mittelweg zwischen schicken neumodischen Elementen und bodenständiger Authentizität gefunden. Auf mich wirkt die Brennerei nicht wie ein Malt Disney Land, das sich auf seinem Namen und der Historie des Ortes ausruht. Lindores möchte guten Whisky machen. Ansonsten hätte die Brennerei nicht so viel Zeit und Kapital ins Knowhow und den experimentellen Ansatz gesteckt. Ich kann einen Besuch der Brennerei nur wärmstens empfehlen und rate jedem Whisky-Fan Augen und Ohren nach den ersten Releases von Lindores Abbey Single Malt offen zu halten.

Slainte!

Euer Leon

Lindores Abbey Single Malt Scotch Whisky Distillery Brennerei Malt Mariners





Whisky Review 28: Laphroaig Lore

Mirah stellt gemeinsam mit Paddy und Leon den Laphroaig Lore vor, einen ihrer Lieblings-Whiskys von der Insel Islay.

Laphroaig Lore
Typ: Single Malt Scotch Whisky
Region: Islay
Stärke: 48 % vol.
Kühlgefiltert: Nein
Gefärbt: Ja (?)
Fassreifung: 1st Fill Sherry, European Oak, Ex-Bourbon, Quarter Casks Preis: 75 – 85 € (geschätzt)

Slainte Freunde!

Besuchsbericht zu Laphroaig findet Ihr hier: https://malt-mariners.com/2015/01/04/…https://malt-mariners.comhttps://www.facebook.com/MaltMariners/https://www.instagram.com/maltmariners/

Distillery Review 30: Knockdhu Distillery (AnCnoc) – Life is good!

Heute möchte ich Euch von einem laaange überfälligen Brennerei-Besuch erzählen. Im Falle von der Knockdhu Distillery habe ich den Bericht vor mir her geschoben, weil es eine so schöne Erinnerung ist, dass ich mir immer sicher war, sie würde nie vergessen werden. Ich besuchte Knockdhu (den/am schwarzen Berg) 2016, während meiner Zeit in Schottland als Tour Guide bei Glendronach. Es war eine wundervolle Episode meines Lebens. Noch heute erinnere ich mich an das Gefühl das ich hatte, als ich am Nachmittag durch die von der schottischen Sonne dunkelgolden überfluteten Landschaften von Aberdeenshire fuhr. Ich konnte nicht aufhören zu grinsen und zu denken „Ich liebe mein Leben“. Eine derartigen „Flow-Zustand“ in dem man die ganze Welt umarmen könnte, vergisst man nicht so schnell. Knockdhu ist eine Brennerei die zu diesem Zeitpunkt noch nicht für Besucher geöffnet war, bzw. gerade dabei war dies zu entwickeln. Die Brennerei mit dem Namen Knockdhu brennt Single Malt der unter dem Namen AnCnoc vermarktet wird, wohl aus Angst vor der Verwechslung mit dem Speyside-Nachbarn Knockando. Knockdhu liegt ziemlich genau auf der imaginären Grenze zwischen östlichen Highlands und der Speyside-Region. So wird die Brennerei mal der einen, mal der anderen Region zugeordnet und steht für mich exemplarisch für die Sichtweise, dass die regionale Zuordnung von Whisky-Brennereien eher eine Glaubensfrage ist, als reine Faktenlage. Die Destille liegt am Fusse des kleinen Berges (großen Hügels?) Knock, was auch der Ortsname ist.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners

Besuch der Brennerei

Ich kam bestens gelaunt bei der Brennerei an und meldete mich im Distillery Office an. Alles wirkte hier geruhsam und typisch schottisch tiefen-entspannt. Die Brennerei hatte jüngst eine Tour Guiddess eingestellt (ich suche nach wie vor nach einem passenden Wort für „female tour guide“, die Kombination aus dem Wort „goddess“ und „guide“ gefällt mir aber schon ganz gut ;). Diese führte mich und ein ausländisches Pärchen durch die Anlage. Wir starteten im alten Kiln, der Darre der Brennerei, die nicht mehr im Einsatz ist, aber noch einiges an altem Equipment beherbergt.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners Kiln Darre


Knockdhu wurde 1893 in der großen Brennerei-Bau-Welle Ende des 19. Jahrhundert von DCL gebaut. Die Firma die sich aus den großen Lowland Grain Whisky Brennereien Cambus, Cameronbridge, Carsebridge, Glenochil, Kirkliston und Port Dundas gebildet hatte, sollte später Diageo werden (heute der größte Spirituosenkonzern der Welt). Knockdhu war sozusagen ihr Vorstoß ins Highland & Speyside-Gebiet. Die Brennerei wurde knapp 100 Jahre später, Ende des 20. Jahrhunderts zur Whisky-Dürre-Periode eingemottet. 1988 ging Knockdhu an Inver House, der Firma der heute außerdem die Malt Whisky Brennereien Old Pulteney, Balblair, Speyburn und Balmenach gehören. Die Ära Inver House hat der Marke und dem Whisky augenscheinlich gut getan. Seit 2001 gehört die Firma TaiBev, einer thailändischen Getränkefirma. Aber dazu später mehr. Knockdhu hat mit ihren beiden recht großen Brennblasen eine theoretische Produktionskapazität von ca. 1,7 Millionen Liter Spirit jährlich. 20 % davon sind mittlerweile gut getorft mit ca. 45 ppm, für die rauchigen Abfüllungen von AnCnoc. Der Standard der Brennerei ist aber nicht rauchig. Interessant an den Pot Stills ist vor allem, dass sie in Wormtub Condensern münden.

Diese ältere und weniger effiziente Kühlmethoden der Destillation wird nach wie vor bei einigen schottischen Destillerien eingesetzt. Offenbar ist es für den schlussendlichen Brand maßgebend, wenngleich sich die Brennereien schwer tun hier eine einheitliche Erklärung zu finden warum (wie so oft bei Whisky). Manche behaupten der erhöhte Kupferkontakt durch die langen kupfernen Rohre der Wormtubs würden den Brand leichter machen. Wieder andere sagen, der Brand würde schwerer, fleischiger und schwefliger. Ich teile aufgrund meiner sensorischen Eindrücke eher die zweite Hypothese. Brennereien die mit Wormtubs arbeiten sind zum Beispiel Old Pulteney und Edradour in den Highlands und Craigellachie und Cragganmore in der Speyside. Dass es sich bei Wormtubs um mehr als nur reine Nostalgie handeln muss, legt auch die Tatsache nahe, dass die neuen Brennereien Ballindalloch (Speyside) und Ardnahoe (Islay) ebenfalls diese ältere und theoretisch weniger effiziente Methode bei der Destillation anwenden.

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners Wormtub Condenser

Bei Knockdhu jedenfalls betreten wir eines der neuen Warehouses vor Ort, um den Angles‘ Share einatmen zu können, den die dort schlummernden Fässer abgeben. Der größte Teil des AnCnoc Single Malts reift jedoch in anderen Lagerhäusern, teils in größeren Anlagen in den Lowlands, wenn ich das richtig verstanden habe. Bei vielen Brennereien ist dies eher die Regel als die Ausnahme, was die romantische Vorstellung des „Terroir“ bei Whisky auf Grund unterschiedlicher Lager-Regionen durchaus in Frage stellt.


Das Tasting Room in dem wir unsere Tour abschließen ist klein und damals noch mit wenig Whisky-Gedöns ausgestattet, mir gefällt dieser bodenständige Zustand der Brennerei sehr. Mittlerweile kann sich hier aber natürlich einiges geändert haben. Wie es sich gehört schlossen wir die Führung hier mit einem Tasting unterschiedlicher Abfüllungen ab.

Zum AnCnoc Whisky

AnCnoc zählt für mich seit ich dieser Marke begegnet bin definitiv zu den Underdogs der Scotch Whisky Szene. Ich habe den Eindruck die Marke wurde neben den prestige-trächtigeren Single Malt Marken Old Pulteney und Balbair immer etwas stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ist das aber auch etwas Gutes, habe ich doch bislang von den Abfüllungen die ich kenne einen gute Eindruck. Ich muss hier aber gestehen, dass ich vorwiegen den 12-jährigen AnCnoc gut kenne, die anderen habe ich nur sporadisch hie und da probieren können. Der AnCnoc 12 Jahre ist ein klassischer „Einsteiger“ Malt Whisky mit 40 % vol. und voll in Ex-Bourbonfässern ausgebaut. Für mich riecht und schmeckt er jedoch nicht so nichts sagend wie sich das vielleicht anhört. Ich finde beim AnCnoc jedes Mal wenn ich ihn probiere neue Aromen, mal schwarzen Tee, mal grüne Äpfel. Er ist jedenfalls keiner dieser klassische süß-vanilligen Malt Whiskys, sondern bietet durchaus unübliche Aromen. Hinterlassen hier die Wormtubs doch ihren Fingerabdruck? Ich kann Whisky-Enthusiasten den AnCnoc jedenfalls als Erfahrungswert definitiv ans Herz legen. Und auch für Einsteiger ist der AnCnoc 12 Jahre im 30 Euro Bereich kein Beinbruch, um sich mal an einen Bourbonfass gelagerten Standard heranzuwagen.
Ich bin sehr gespannt, wie sich die Marke entwickeln wird. Denn derzeit scheint ThaiBev oder Inver House eine Reihe von Entscheidungen zu treffen, die mir zumindest nicht gefallen. Erst wurde das Sortiment von Old Pulteney umgestellt (und deutlich verteuert) und nun hat es auch die Balblair Bottlings erwischt, eine Brennerei die mir mit ihren Whiskys sehr am Herzen liegt. Bei diesem Whisky Review Balblair 12 Jahre & Balblair 15 Jahre habe ich mir zwei der neuen Balblairs angesehen. Hoffen wir die seltsamen Entwicklungen im Hause Inver House lassen AnCnoc mehr oder minder unberührt.

Fazit:

Knockdhu ist definitiv eine sehenswerte Whisky-Brennerei. Wenn ich mir die aktuelle Website so ansehe, scheint sich in den drei Jahren nichts nennenswertes an der Art der Touren verändert zu haben. Man kann Touren buchen, jedoch nur auf Voranmeldung. Die Touren finden um 10 und 14 Uhr statt. Derzeit können Touren unter kennedyl@inverhouse.com oder der Telefon Nummer 0044 1466 771223 gebucht werden. Ich denke Knockdhu ist eine Brennerei für Whisky-Liebhaber, die auch Brennereien abseits des Mainstream besuchen möchten. Hier bekommt man ein persönlicheres Erlebnis und hat mehr Ruhe, als bei Brennereien, die sich mehr auf Touristen eingestellt haben. Es ist eine Mischung aus „Whisky-Fabrik“ (was jede Brennerei am Ende ist) und authentischem Charme. Ich jedenfalls habe meinen Besuch sehr genossen und habe mich enorm willkommen gefühlt. An diesem Tag hätte wohl aber auch nichts meine Laune trüben können ;).

Slainte!

Euer Leon

AnCnoc Single Malt Knockdhu Scotch Whisky Destillerie Malt Mariners